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Erosion an der Elfenbeinküste: Meer frisst Dorf
Luc Gnago/ REUTERS

Das Gefängnis, die Schule und das Krankenhaus sind schon weg: An der Elfenbeinküste müssen Dorfbewohner zusehen, wie ihr Zuhause versinkt. Benachbarten Regionen droht ein ähnliches Schicksal.

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a.maassen 11.09.2019, 18:07
1. Wenn man die Geographie kennt ...

... es handelt sich um eine Landzunge aus Schwemmsand. Solche Landschaften sind seit jeher dem Auf- und Abbau je nach Strömungsverhältnissen unterlegen. Dazu kommt der in Afrika in großem Maße betriebene Raubbau von Sand an den Küsten. Das muß dann nicht einmal direkt vor Ort zu Schäden führen. Das kann auch zig Kilometer weiter sein.
Nicht alles und jedes taugt zur Untermalung der "Klimakatastrophe". Ja, kann sein, muß aber nicht sein. In diesem Fall: Eher nicht.

P.S. Ich kenne die Verhältnisse. Ich habe lange dort gelebt ...

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Papazaca 11.09.2019, 19:25
2. Wenn die Toten nochmal sterben: Durch Ertrinken

Das Dorf, in dem ich in Ghana lebe, ist in der Nähe von Abidjan. Und die geographische Lage ist ähnlich: Hinter dem Strand eine Lagune. Das heißt, das Land auf dem vorgelagerten Landstreifen ist immer gefährdet.

Aber es gibt einen gravierenden Unterschied zu früher: Die Erosion der Küste und die Verlagerung der Häuser in Strandnähe nach hinten hat deutlich zugenommen. Wellen sind schon zum Teil 8-10 Meter hoch gewesen. Das ist ein neues Phänomen. An besagten Tag verlor ein Engländer 4 Meter von seinem Strandgrundstück, sein Grenzstein verschwand im Meer. Dazu kommen zum Teil noch starke Regenfälle und das Land wird von der Meerseite wie von der Flussseite "angegriffen."

Große Teile der Küste in Westafrika wird der Erosion zum Opfer fallen. Das gab es schon immer, siehe alte Zeichnungen. Nur das momentane Ausmaß ist beängstigend. Wenn das nicht klimabedingt ist .....

Ach ja, auch in meinem Dorf fällt der Friedhof dem Meer zum Opfer. Auch Tote können nochmal sterben: Durch Ertrinken. Es ist schon makaber.

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Vanagas 11.09.2019, 23:52
3. Man könnte auch Deiche bauen

Genau das machen Niederländer und Deutsche seit 1.000 Jahren. Betreibt man keinen Küstenschutz darf man sich auch nicht beschweren!!!

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felisconcolor 12.09.2019, 09:32
4. Wenn man

bei Sylt nicht ständig Sand aufspülen würde gäbe es die Insel schon lange nicht mehr. Durch umfangreiche bauliche Maßnahmen wie Strandbefestigung durch Tetrapoden und ähnlichem konnte man den Landverlust eindämmen. Solche Landverluste und Gewinne (soll vorkommen) geschehen schon seit es Meere und Küsten gibt. Aber schön das wieder mal die Klimakatastrophe mit einfliessen durfte. Das Doggerland ist auch versunken, weil... ja tatsächlich eine Klimaerwärmung die letzten eiszeitlichen Gletscher schmelzen lies. Der Ärmelkanal existiert, weil... Klimaerwärmung. Was machen wir eigentlich wenn wir mal wieder eine Eiszeit bekämen? Kühlschränke und Tiefkühltruhen verbieten? So sehr man die industrielle Klimaerwärmung (neben sicherlich auch anderen Faktoren) fürchtet und mit Mitteln bekämpfen will die mit die Tränen in die Augen treiben (vor Lachen) sollte man vielleicht doch eher was gegen die Folgen tun. Die wir uns alle doch eingestehen müssen unausweichlich sind. Aber nur zuschauen und CO2 Steuer hier Plastiktrinkhalme dort und mimimi klagen wird uns keinen müden Milimeter voran bringen.

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Papazaca 12.09.2019, 09:44
5. Gut gemeinter Ratschlag eines Optimisten

Zitat von Vanagas
Genau das machen Niederländer und Deutsche seit 1.000 Jahren. Betreibt man keinen Küstenschutz darf man sich auch nicht beschweren!!!
Nach unseren Vorstellungen haben Sie recht. Aber Westafrika ist nicht Deutschland oder die Niederlande. Die Menschen verdienen, wenn überhaupt, 2 € am Tag. Und der Staat hat zu geringe Einnahmen.

In Ländern mit Subsistenzwirtschaft gibt es vielleicht 100.000 Dörfer, die Geld kosten (Lehrer, Hebammen, Straßen, Verwaltung, Polizei etc.),aber keines kann Steuern zahlen, weil jeder der Einwohner dieser Dörfer nur ein kleines Stück Land bewirtschaftet. Steuereinnahmen werden nur in den größeren Städten generiert.

Also: Guter Vorschlag, aber für Afrika im Moment unrealistisch.

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Zitrone! 12.09.2019, 10:16
6.

Zitat von Vanagas
Genau das machen Niederländer und Deutsche seit 1.000 Jahren. Betreibt man keinen Küstenschutz darf man sich auch nicht beschweren!!!
Naja, man kann einen Deich nicht direkt an die Küste bauen, so funktioniert das nicht. Üblicherweise schützt ein Deich das etwas höher gelegene Hinterland vor Sturmfluten. Dass das vorgelagerte Land vom Wasser abgetragen wird, das gibt es an vielen Orten auch in D, NL, F. Natürlich kann man mit Buhnen, Bepflanzung etc. die Abtragung verringern oder ggf. sogar Land gewinnen, aber das ist schon sehr aufwendig und geht auch nicht überall. Ich kenne das u.a. von der französischen Atlantikküste: Die Bunkeranlagen aus dem 2. Weltkrieg, die damals oben auf die Steilkante gebaut wurden, sind inzwischen fast alle im Meer verschwunden. An dem Ort, den ich kenne, müssen mindestens 100 m, wenn nicht 200 m, verloren gegangen sein. Inwieweit ein solcher Abtrag vom Meeresspiegelanstieg verursacht oder beschleunigt wird -- da wäre ich sehr vorsichtig.

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dachauerthomas 12.09.2019, 16:08
7. Deichen oder weichen

Da sollte die regionale Regierung mal in den Niederlanden nachfragen. Der Deltaplan ist schon ein enorm beeindruckendes Projekt zur Rettung des Lebensraumes.

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juttakristina 13.09.2019, 11:14
8. Zynisch und menschenverachtend

Es ist schon zynisch und menschenverachtend wie hier einige Foristen empfehlen, doch einfach Deiche zu bauen! Wer bezahlt das? Die bitterarmen Menschen vor Ort? Auch der Hinweis auf die Niederlande und Deutschland, wo es schon seit Jahrhunderten um Landgewinn geht, ist wohl nicht so ganz angebracht! Einer hat auch den Sandraub in Afrika angeprangert, er hat vergessen, zu erwähnen, WER diesen Sandraub begeht, z. B. in großem Maßstab so beliebte Urlaubsziele wie Singapur, Vereinigte Arabische Emirate usw. Den Sand findet man dann in den künstlich aufgeschütteten Inseln wieder.

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jotha58 Gestern, 10:17
9. okay

Nein, es tut mir leid, als zynisch empfinde ich es nicht, wenn der Vorschlag gemacht wird, man möge doch Buhnen, Lahnungen und Deiche bauen.

Sagt ihnen die Insel Strand was? Nein, die gibt es nur noch als rudimentären Rest. Im 15. Jh. gab es an der deutschen Nordseeküste sehr viele Sturmfluten. Die zweite Marcellusflt und die Burchardiflut hatten die unhübschen Namen "grote Mandrenke".
Damals galt das friesische Deichrecht. Einer der Grundsätze war, wer nicht deicht, der weicht. (da gibt es auch ein schönes Denkmal in Otterndorf). Ein anderes Stichwort wäre Spatenrecht.
Hand- und Spanndienste waren Pflichtveranstaltung.

und wenn wir gerade über Zynismus sprechen. Der erste Präsident des Staates Elfenbeinküste ließ die Basilika "Notre-Dame-de-la-Paix de Yamoussoukro" für 200 Millionen Euro erbauen. Papst Johannes-Paul II. hat sich ein wenig geziert das Gebäude zu weihen. Erst nachdem
die Zusage für den Bau eines Krankenhaus in der Nähe gab, erschien der Papst.
Der Unterhalt des Gebäudes erfolgt über ein Schweizer Sperrkonto.

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