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Erziehung: Elternliebe macht blind
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Elterliche Wärme führt nicht dazu, dass Jugendliche Mitgefühl für Bedürftige entwickeln. Geborgenheit könnte zur Falle werden.

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WiderstandsgewächsII 04.07.2016, 23:28
20. vielleicht ist Erziehung

vielschichtiger und die Auswirkungen multipler als sich studierte Sozilarbeiter und Pädagogen vorstellen. Z.B. finde ich Prügelstrafe keineswegs gut, aber im Gespräch mit meiner Altergruppe fand ich heraus, dass die frühere Ohnmacht gegen elterliche Ohrfeigen durchaus das Verhalten in jugendlichen Auseinandersetzungen und das Sozialverhalten gegen aller Art Respektspersonen prägte. Vor 30-40 Jahren wurde nicht so häufig bis zur Besinningslosigkeit zusammengeschlagen, ein Niederschlag war eher Grund zum ehrenhaften Aufhören, ältere Menschen wurden nicht bepöpelt und das Wort Alter wäre uns auch ohne eine häufigere Erfahrung mit einer Ohrfeige nicht über die Lippen gekommen. Zudem wurden Kinder schon frühzeitig in die Familienarbeit eingebunden und dies nicht immer zur Freude der Kinder. Die eigene nicht selten gespürte ohn(e)Macht von Kindern, prägt ganz sicher im späteren Alter eine Empathie für Ohmächtige...

das ist nur ein Beispiel und soll nicht aussagen, früher war alles besser, aber verwöhnen, sponsern und spoilen ist ganz sicher keine Erziehung. Dazu kommt, der Gedanke, dass Einzelkinder, denen frühzeitig soziale Bezüge wie Teilen, aufeinander achten und akzeptieren von Hierachien, und sei es nur die der großen Schwester oder Bruders, fehlen es vermutlich im späteren Leben auch nicht mehr lernen!

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fab77 04.07.2016, 23:52
21. Unglaublich ...

... Wie hier geschlussfolgert wird. Weil man sich nicht sozial engagiert ist man nicht mitfühlend? Mal in die soziale Szene geschaut, entdeckt man dass viele hier etwas kompensieren wollen, nämlich die fehlende Geborgenheit. Beim Helfersyndrom, das dort viele haben, geht es weniger um andere, als um einen selbst. Vielleicht haben Menschen, die Liebe und Geborgenheit erfahren haben (was nicht mit verwöhnen zu tun hat) auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein und suchen sich Berufe in denen sie angemessen bezahlt werden und nicht, wie in pflegenden Berufen ausgebeutet werden!

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tyxh 05.07.2016, 00:23
22. tja ...

... nicht dass man zum Schluss doch noch die lieben Kinder mal in die Kirche und den Konfirmandenunterricht schicken sollte ... blödes Gemeinwohl, wer braucht das schon! Empathie. Mitgefühl, Nächstenliebe ... Das wirft doch alles keine Dividende ab!

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laotse8 05.07.2016, 00:39
23. Wärme und Mitgefühl

gab es noch nie für "jedermann" und der deutsche Staat sowie seine Regierung, die sich so viel auf ihre aktuelle "Willkommenskultur" einbilden, haben weder das eine, noch das andere zu bieten. Wirklich willkommene, geliebte Wunschkinder, die von ihren deutschen Eltern in Deutschland mit viel Geld und Zeitaufwand gut erzogen werden und erheblich besser und aufwendiger, als der große Durchschnitt gebildet sind, lernen heute regelmäßig auch dazu, wie man sich einen leistungsunwilligen aber jederzeit abkassierwilligen Staat in Zukunft am besten vom Halse hält und sich und seine Familie dadurch vor Politik und Gesellschaft schützt! Mitgefühl und Mitleid sind relative Werte, die in Deutschland von Politik und ihr nachfolgender Ideologie mit Wissenschaftsanstrich aus leicht durchschaubaren Gründen vereinnahmt werden sollen. Klappt vielleicht mit der naiven Masse, mit den Leistungsträgern jedoch nicht.

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sojetztja 05.07.2016, 07:28
24.

Zitat von quark2@mailinator.com
Mitgefühl für Bedürftige ? Wir leben doch in einer Zeit, wo die Erfolgreichen behaupten, an ihrem Erfolg größtenteils selbst schuld zu sein (harte Arbeit, Sie wissen schon) und daraus ableiten, daß nicht erfolgreiche ebenfalls nur selber schuld sind. Ich, ich,......
Und wo genau engagieren Sie sich sozial?
Im Übrigen wurde erst diese Tage das Ergebnis einer großen Studie veröffentlicht, derzufolge das ehrenamtliche/soziale Engagement in Deutschland seit Jahren ZUNIMMT. Also: Ist nix mit "goldenen Jahren vor 1990".

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mrotz 05.07.2016, 07:54
25.

> Die Möglichkeiten, sich zu engagieren, reichen von
> Einsätzen in Krisenregionen oder in sozialen Projekten
> bis hin zu Demonstrationen und politischen Debatten.

Geht es auch eine Nummer kleiner?


Klar. Wer behütet aufwächst hat keinen Knacks, den er per Helfersyndrom loszuwerden sucht.
Was soll so schlimm daran sein?

mfg

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Incubus6 05.07.2016, 08:08
26.

Naja, dann ist ja auch der Rückschluss erlaubt, dass sozial engagierte Jugendliche zu Hause zu wenig Liebe und Geborgenheit bekommen haben.

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nomadas 05.07.2016, 08:13
27. Lernen am Modell

Wärme entsteht durch Reibung. Wo aber alles warm wird durch somfy, da entsteht nur coolness. Wie die Alten summen, so zwitschern auch die Jungen. Wenn Eltern sich selbst engagieren, ihre Kinder mitnehmen, dabei sein lassen, fragen lassen, Freude dabei vermitteln, dann kann was passieren. Auch mal die kids bockig sei lassen, alles kein Problem. Nur dran bleiben, konsequent, kraftvoll und fair. Imitationslernen, ohne große Vorlesungen zu halten und absurde Bordstein-diskussionen mit den Nesthockern zu ritualisieren. Kritik zulassen, nein sagen, wenn es sein sollte. Aber immer schön begründen und nicht den "man" tut das oder "man" tut das nicht strapazieren. Ja, Elternschaft ist eine echte Herausforderung, Erziehungsarbeit, jahrelang, alternativlos. somfy offline

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Ervin Peters 05.07.2016, 08:32
28. Motivation von Mitgefühl und Empathie?

...ist wohl auch der Eigennutz. Weil manche Menschen sich dachten, wenn ich nett zu anderen bin, dann sind sie auch nett zu mir.
Um darüber nachzudenken und sein Verhalten anzupassen, muß man aber erst einmal ein oder mehr Erfahrungen des 'Unnett' gemacht haben. Wenn das fehlt, dann kann man nicht fühlen, warum Mitgefühl und Empathie so wichtig ist. Die beiden Aspekte verkommen dann zu einer gesellschaftlichen Floskel, mit ihnen wird mit dem Ziel der eigenen Vorteilsnahme gespielt.
Das ist IMHO auch der Mechanismus des schleifenartigen Wandels in den Gesellschaftssystemen, nehmen wir mal die sozialen Systeme: Motivation von Krankenversicherung war in der rauhen industriellen Gesellschaft das grundlegende Überleben einfacher zu machen, heute geht es um darum Einkommen für Ärzte zu sichern und kosmetische Kleinigkeiten 'von der Kasse' zahlen zu lassen.
Oder: Die Kriegsgeneration hat drastisch 'Mangel' erfahren und entsprechend in den Jahren nach dem Krieg gesammelt, eingekocht und Material gehortet. Und die Generation heute? Ob die einen Apfel am Baum erkennen kann? Etwas reparieren kann?
Mensch passt sich der Umwelt an, und grundlegend sind dafür die Erfahrungen und die Interpretationen (das in Worte fassen und bewerten) dieser Erfahrungen, nicht die aufgesetzten hehren Worte von Mitmenschen. Deshalb haben die Kinder von Helicopter-Eltern Probleme...

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djamka 05.07.2016, 09:17
29.

Zitat von widerworte
.. so ist es. Freiwillige gemeinnützige Arbeit z.B. wurde mit einer Frage zu den letzten zwei Jahren mit fünfstufiger Häufigkeitsskala erfasst, die von den Kindern berichtete Wärme mit der Zustimmung (siebenstufig von "stimmt gar nicht" bis "stimmt völlig") zu Sätzen wie "Das Verhältnis zu meinen Eltern ist sehr eng", "Meine Eltern haben mich in meinen Entscheidungen unterstützt". Es geht also nicht um Betüddeln und Helikoptern etc. wie manche Foristen hier annehmen, um sich einen Reim auf die Ergebnisse zu machen.
ich als in Finnland lebende Wissenschaftlerin (soziale Neurowissenschaften) kann meinen Vorrednern Ch. Demian und widerworte nur recht geben: Methodologisch fragwürdige Studie mit schwachen Ergebnissen, die dann noch (wie üblich) durch die journalistische Aufarbeitung unzulässig verallgemeinert wird. Einige "interessante" Passagen aus dem Originalartikel:

1)Familiäre Bindung wird als unwichtig klassifiziert wenn die Eltern sich nicht zu ihrem eigenen Nachteil aufopfern und nicht unbeachtet aller Fehler geliebt werden..,interessant (nicht unbedingt meine Auffassung von einer gesunden. positiven Familienbindung)
"This index measured the importance
of family in one’s life, the belief that parents should always be loved and respected, regardless of their qualities and faults, and the belief that it is parental duty to do the best for their children, even at the expense of parents’ own well-being. Although one cannot presume that all people in Finland share the same values or that family relationships
are unimportant..."

2) "As mothers’ reports were not available for all participants, we also used adolescent reports on their identification with the parental family in 2004 as a proxy for the quality of parent–adolescent relationship. All participants (...) indicating a common dis-
crepancy between different informants (mothers vs.
adolescents)."

3)"Hence, measurement error could influence our findings."
"These drastic differences in the predictive power
across the dependent variables could have technical, rather than substantive, explanations."

4)Kein gutes Zeichen wenn post-hoc weitere Ananlyseansätze gesucht werden:"As none of our explanatory hypotheses fully worked out,we conducted additional analyses..."

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