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Erziehung: Lasst eure Kinder frei!
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Die Hälfte der deutschen Kinder ist noch nie auf einen Baum geklettert, und der "Economist" fordert kürzere Sommerferien. Da gibt es einen Zusammenhang.

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herb70 19.08.2018, 13:26
100. Und jetzt

Zitat von mucschwabe
Meine Tochter, 7 Jahre alt, ist ein STADTKIND und nimmt Spinnen in die Hand. Hunde liebt sie genau so, wie auf Bäume zu klettern. Und jetzt?
zeigt Ihr Bespiel, daß Sie das offensichtlich ganz ordentlich hinbekommen mit Ihrem Kind.
Einen eigens geschaffenen Spon-Orden oder gar eine Deutungsmehrheit zum Thema aufgrund Ihrer eigenen, persönlichen Erfahrung dürfen Sie allerdings nicht für sich in Anspruch nehmen.
Es geht nicht darum, Stadtkinder gegen Dorfkinder auszuspielen und umgekehrt. Es gibt auch auf dem Land immer mehr Kinder, die eine Kuh nicht mehr von einem Schaf unterscheiden können - das ist dann allerdings ganz eindeutig nicht deren Schuld.
Wir haben sowas früher in Heimat- und Sachkunde gelernt - das war noch in einer Zeit, in der man nicht der Ansicht war, Kinder müssten so schnell wie möglich durch die Schule gepeitscht werden, um so schnell wie möglich als Fachkräfte für den Arbeitsmarkt verfügbar zu sein.
Es ist auch eine Frage der Prioritäten, die unsere Gesellschaft inzwischen setzt. Eine Welt, in der Kinder nicht mehr wissen, welche Pilze im Wald essbar sind und welche giftig, dafür aber mit 5 Jahren rudimentäre Englischkenntnisse vorweisen können, noch bevor sie in die Schule kommen, hat aus meiner Sicht ein deftiges Problem - und das völlig unabhängig davon, ob ein Kind in der Stadt oder auf dem Land aufwächst.

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hr.lich-daemlich 19.08.2018, 13:27
101. Ich kann nicht richtig mitreden

da mein Schulweg damals auch mit einem beherzten Sprung aus dem Haus erledigt gewesen wäre, da das Schulgelände 5 Meter daneben begann. Es war allerdings nicht die Zeit wo schon alle mit Auto zur Schule gefahren wurden wie heutzutage, denn dieser Einfluss ist inzwischen bei meiner alten Schule sichtbar (Viele Sperrpoller und da gibt es inzwischen auch regelmäßig Auseinandersetzungen).
Was jetzt aber "neu" ist, ist das wieder Gruppen aus Kindern und Jugendlichen sichtbar auf der Straße wandert. Die Entwicklung ist allerdings auf die Einwanderung zurück zu führen, da ich bisher noch kein klassisches Bild, wie ich es aus meiner Jugend kenne, gesehen hab. Letzte Woche kam ich an zwei auf dem Fußweg spielende Mädchen vorbei. Keine Wachperson in Sicht, aber auch kein verdächtiger Beobachter. Die beiden Mädchen, die aus sehr sonnenintensiven Gegenden kamen spielten völlig frei. Keine Angst zu sehen. Die Eine hatte Inliner an, aber darum ging es in dem Moment nicht. Ich selbst bin auch vorbei gelaufen ohne kritisch beäugt zu werden ob ich den beiden denn was Böses möchte.
Diese Unbeschwertheit fehlt schon des Längeren und ich merke, wie dieser Anblick etwas Sonnenschein ins Herz gebracht hat und mich gleich auch fröhlicher gemacht hat. Danke.
Viele dieser Helikoptereltern sind verschwenderisch und arrogant. Natürlich will man für sein Kind nur das Beste, aber die mitunter besten Lektionen habe ich durch eigene Fehler gelernt. Man lernt auch viel, wenn man seine eigenen Fehler lösen muss und nicht andauernd ein Elternteil vorsteht. Und, das was mir selbst am Schwersten fällt, Lösungen nicht bis ins kleinste Detail erzählen, denn manchmal muss man auch Fehler begehen, weil man auch dadurch lernt, dass etwas vielleicht nicht die beste Lösung ist. Ein Nein, selbst mit Begründung, sollte hier und da mit probier es wenn du dir sicher bist ersetzt werden.
Apropos: Wenn ihr euer Kind nicht erzieht, dann behandele ich es wie einen Erwachsenen. Quid Pro Quo auch wenn ihr daneben steht und mich dafür Maßregeln wollt. Wenn ihr eure Energie darauf verwendet andere Menschen anzugreifen um euer Kind zu schützen, dass auch diese Menschen angegriffen hat, dann wundert euch nicht dass ihr verhasst seit und dass euer Kind viel Gegenwind bekommt.

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phoenix! 19.08.2018, 13:49
102. Statistic and overprotective parents

Ich habe keinen Zweifel, dass die Unfall- und Opferzahlen gerade wegen der Vorsichtsmaßnahmen zurückgegangen sind.
Zugleich ist es wichtig, für Beschäftigung und Bildung des Kindes zu sorgen, sei es durch Teilnahme in Sportvereinen oder im Einzelfall auch Ballett.
In diesen beiden Punkten teile ich die Meinung des Autors gar nicht.
Sicherlich ist auch zu bedenken, wie Eltern ihre Kinder anlernen können, mit fortschreitendem Alter selbständiger zu werden und mehr Freiheiten zu bekommen. Dies ist wichtig, aber die Argumente des Autors passen dazu nicht wirklich.

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dasOJO 19.08.2018, 13:52
103. Statistik

Wahre Worte. Allerdings könnten überängstliche Eltern natürlich argumentieren, dass die Anzahl der Kindesentführungen und im Straßenverkehr getöteten Kinder nur deshalb zurück gegangen ist, weil die Eltern heute besser auf ihre Kinder aufpassen. ?

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herrbasan 19.08.2018, 14:00
104. Philosophische Frage

Versauen wir aus letztlich egomanen gründen den Kindern die schönste zeit des lebens? Und wofür? Man könnte argumentieren das der Grund warum so viele gar keine Kinder mehr wollen, oder selbst wenn, dann gut geparkt in der KiTa, letztlich damit zusammenhängt das diese Eltern eine sch*** Kindheit hatten und gar keinen Grund darin sehen das Leben der nächsten Generation auf zu halsen.

Es ist ein zutiefst mechanistisches Weltbild die Sicherheit über die Freiheit zu stellen. Gefahr und Tod sind die notwendige Würze die das Überleben überhaupt erst erstrebenswert machen. Ich komm da nicht mit. Ich will meinen Kindern so viel Freiheit geben wie ich aushalten kann und nehme in kauf das dies einen Preis hat. Ich sage nicht das Ich befürworte kinder gar nicht zu beaufsichtigen, aber wo man kann sollte man Ihnen die Möglichkeit geben selbst durch die Schönheit und die Düsternis des Lebens zu navigieren.

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Brave 19.08.2018, 14:12
105. Kann nur Recht geben

Unsere Freiheit in den 80ern hieß:NACH Hause kommen wenn es dunkel wird. Ohne Handys, ohne ständige Überwachung. Mit Freunden einfach losziehen in den nächsten Wald und mit einem Messer (heute undenkbar) etwas schnitzen. Ich kann mich auch an keinen Tag erinnern, an dem meine Eltern mich zur Schule gefahren haben. Das gab es damals nicht. Und heute? Ich habe noch nie etwas so unselbständiges gesehen wie die heutigen Kinder.

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lurchianer 19.08.2018, 14:18
106.

Man muss Differenzen setzen. Es war bis vor 50 Jahren normal wenn ein Elternpaar viel Kinder bekam. Heute sind 1-2 die Regel. Ab 3 eine Ausnahme. Heute trägt der Verlust eines Kindes viel schwerer als früher. Bei vielen Kinder verläuft die Erziehung auch selbstständiger für die Kids. Bei einem hat man schlicht mehr Zeit. Auch mehr Zeit um sich blödsinnige Ängste in den Schädel zu setzen. Aber es nützt nix. Eltern brauchen Mut wie ihre Kids, wenn sie Neues probieren. Und Unfälle passieren überall. Von daher lass ich Argumente wie von Baum fallen oder von Auto überfahren nicht zu. Am Ende bricht es sich das Genick beim Treppen steigen ... tolle überhütung

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rubberducki 19.08.2018, 14:24
107. Punktlandung

Helikopter-Eltern behindern leider ihre Kinder vorsätzlich daran, selbständige und damit natürliche Lebenserfahrungen zu sammeln. Die Gewissheit des permanenten Mama-Papa-Backups lässt kein echtes Selbstverantwortungsbewußtsein entstehen, was sich zunehmend verjüngend in einem irrational grausamen Sozialverhalten manifestiert. Gleichzeitig wird damit vielen Kindern praktisch ADS anerzogen. Leider verstehen viele Eltern auch nicht mehr, wie wichtig Disziplin und Konzentration für das gesamte Leben sind ... aber scheinbar sind diese Attribute schon bei den Eltern nicht mehr vorhanden oder/und es ist einfach zu ?anstrengend? sie angemessen zu vermitteln. Heute halten sich die meisten unserer Pädagogen für uneingeschränkte Kapazitäten, was die soziologisch Entwicklung künftiger Generationen angeht ... in Wirklichkeit versuchen hier meisten jedoch nur ein paar Ego-Blinde den Unvorbelasteten einen Blick auf deren Wunsch-Welten zu vermitteln. Kinder müssen lernen, dass das gesamte Leben aus Aktion Reaktion besteht. ALLES hat seine Konsequenzen ... und wie soll ein Kind das Lernen ohne elterliche Anleitung oder/und die Möglichkeit auf eigene Erfahrungen? Tja ... und wenn sich die zwischenmenschliche Kommunikation nur noch auf dem Team-Chat im Computerspiel beschränkt und die frische Luft nebst Bewegungsfreiheit eher ein Unwohlsein auslöst ... welche Erwartungen kann man dann noch an die Kinder haben? Umweltbewusstsein? Mitgefühl? Verantwortungsbewusstsein? Kindrr kosten nicht nur Geld ... sondern viel mehr Aufmerksamkeit, Anleitung zur Neugierde auf die Welt, die wir ihnen bereiten/hinterlassen ... einen humanen Blickwinkel auf die Bedürfnisse unserer Mitmenschen und gesamten Umwelt. Lasst Kinder einfach Kinder sein, solange es geht ... ich hatte in der guten alten Zeit diese Freiheit und es hat mir sehr gut getan. Und dabei wusste ich auch immer wann und warum mir der Hosenboden stramm gezogen wurde ... heute bin ich auch dafür dankbar!

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matteo51 19.08.2018, 14:45
108. Sichere Bindung

Zitat von mucschwabe
Meine Tochter, 7 Jahre alt, ist ein STADTKIND und nimmt Spinnen in die Hand. Hunde liebt sie genau so, wie auf Bäume zu klettern. Und jetzt?
Letztlich geht es doch nicht darum, ob Kinder irgendwelche Tiere in die Hand nehmen "können" und wo sie klettern (Carport).
Geht es nicht eher darum, die Kinder zu "lassen" und ihnen Dinge so zu erklären, dass sie selbst entscheiden lernen, was sie wollen und wieviel davon?
Aber est stimmt: das ist als Eltern durchaus eine Herausforderung, sie müssen sich tatsächlich selbst auch "mehr" Raum nehmen, um die Voraussetzung für "freie" Kinder zu schaffen...von der berühmten "sicheren Bindung" will ich hier nicht weiter eingehen;);)

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quacochicherichi 19.08.2018, 15:04
109. Keine Formel

Es gibt keine Formel für die Erziehung von Kinder. Wir sind alle Individuen. Manche Kinder lassen sich von Argumenten überzeugen, anderen muss man befehlen. Manche sind schüchtern und zurückhaltend, andere wild und mutig. Das Kind das nicht glauben will, dass er sich an der Pfanne verbrennt, wird sich verbrennen. Das Kind das nicht vom 3 Meter Brett springen will, brauchen sie nicht zu schubsen. Sie müssen die Erfahrungen sammeln, die wollen.

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