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Erziehung: Lasst eure Kinder frei!
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Die Hälfte der deutschen Kinder ist noch nie auf einen Baum geklettert, und der "Economist" fordert kürzere Sommerferien. Da gibt es einen Zusammenhang.

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ulisok11 21.08.2018, 16:17
160. Ursache und Wirkung

Zitat von erichb.
es gibt weniger Unfälle und Straftaten mit Kindern in einer Zeit, in der Eltern besser auf sie aufpassen. Insofern kommt der Appell, sie wieder (in die Umstände der alten Statistik) "frei" zu lassen etwas merkwürdig daher. Ein bisschen Augenmaß ist immer der beste Weg - auf dem Helikopterlandeplatz.
Ich stimme diesem Einwand zu. Der Autor der Kolumne sollte überlegen, ob hier nicht Ursache und Wirkung zumindest zum Teil verdreht werden. Vielleicht sind es eher die Vorsicht die Eltern und die Wirkung des mediengemachten negativen Dauerfeuers, die dafür sorgen, dass weniger schreckliche Dinge passieren. Natürlich wird damit der Spielraum der Kinder eingeengt. Ich will hier ausdrücklich feststellen, dass ich damit nicht die unsäglichen "Helikopter-Eltern" in Schutz nehme, die ihre Kinder nicht auf die Welt vorbereiten, sondern glauben, die Welt müsse auf ihre Kinder vorbereitet werden. Wenn wir die Kinder "freilassen" - wie der Autor fordert - dann könnten auch die statistischen Mord- und Entführungs- und Unfälle wieder steigen. Wollen wir das wirklich testen?

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wizzard74 21.08.2018, 16:52
161.

Zitat von thefishtf
Ich bin ganz der Meinung des Autors, dass sich die heutige Vorsicht nicht lohnt. Aber wie ist der Rückgang an Unfällen zu erklären, wenn nicht durch Vorsicht? Fette SUVs schützen eher die Insassen, als das Kind auf dem Schulweg. Ich hoffe auch, dass andere Faktoren eine wichtigere Rolle spielen, aber welche das genau sind wäre mal interessant zu beleuchten.
Einfach: Es ist nicht die "Vorsicht" (besser: Panik), die im Artikel erwähnt wird, die zum Rückgang beiträgt, sondern andere Effekte.

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Fossibaerin 21.08.2018, 18:14
162. Bravo

Zitat von Dokoqueen
Nun hat es also doch jemand geschafft, den 68ern und Willy Brandt die Verantwortung dafür zuzuschieben, dass die heutigen Kinder nicht mehr so ungehindert spielen können wie wir es in den 50er und 60er Jahren konnten. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Hinweis auf Merkel und die Migranten, dann haben wir endlich alle potenziellen Sündenböcke beisammen.
Ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Manchmal ist es ja lustig, mit sich selbst zu wetten, wann und wie wieder einer von einem Artikel über Schmetterlinge oder Butterblümchen auf "die bösen 68er" und "Merkel muss weg" kommt - aber meistens ist das einfach nur nervig.

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Fossibaerin 21.08.2018, 18:25
163. Finde ich etwas einseitig

Zitat von zylinderkopf
Haben die Foristen hier einmal eigentlich schon nach der Ursache gefragt? Ich sehe den im gesellschaftlichen Wandel in den 70ern zeitgleich mit der 68er Bewegung und der sozial-liberalen Koalition unter Brandt. Unter dem Motto „mehr Demokratie wagen“ wurde klammheimlich in guter alter sozialistischer Lehrtradition die Selbstverantwortung des Individuums beschränkt und gleichzeitig die überall und immer mehr zur Verfügung stehenden Begleitung, Überwachung und Hilfe des Staats gefördert. Daraus entstehen dann gesellschaftliche Entwicklungen wie heute, die keinerlei eigene Entwicklung und Selbstverantwortung mehr vorgeben, sondern alles und jedes auf einen diffusen unbekannten Dritten verschieben. Klettern Kinder heute auf einen Baum, werden diese bzw. die Eltern sofort von BUND und Konsorten wegen Umweltfrevel verklagt; verletzt sich ein Kind auf dem Spielplatz, wird die Kommune wegen fehlender Verkehrssicherungspflicht verklagt. Und das Schlimme ist – man gibt den Klagen recht. Daraus entstehen dann unselbständige und gesellschaftlich „asoziale“ Individuen, die mit 20 nicht mal alleine Bahn fahren können und Elternabende in der Uni brauchen (ich hätte mich in Grund und Boden geschämt bei sowas). Wir haben einen Anschiss oder auch mehr gekriegt; und wussten auch warum - nämlich weil wir etwas verbotenes getan haben bzw. nicht aufgepasst haben und somit den Eltern ungeplanten Mehraufwand produziert haben. Ich frage mich allen Ernstes, wie solche Weichspüler den zukünftigen Anforderungen eines selbständigen Erwachsenenlebens mit all seinen Verantwortungen gerecht werden wollen.
diese Bestandsaufnahme.
Der klassische Fall des "restriktiven Staates" ist der berühmt-berüchtigte Polizeistaat. Den wir gerade dabei sind, wieder einzuführen, nachdem die 68er erfolgreich an seiner Beseitigung mitgewirkt hatten. Heute schaffen sich Bayern und andere Polizeigesetze an, nach denen Menschen "auf Verdacht" in "unbefristeter Verwaltungshaft" verschwinden können - und es sind nicht "die Linken" oder die Ex-68er, die sowas fordern, sondern die Konservativen, die Bürgerlichen. Also so ziemlich das Gegenteil von Willy Brandt. Videoüberwachung, uneingeschränkte Kommunikationsüberwachung, "bürgerliche Wachsamkeit" - das stammt aus dem Wunschzettel nicht gerade der 68er. Sie haben Recht, aus der "alt-linken" Ecke kommt auch einiges an Bevormundung: Vokabelkriege, Gesundheitsapostel, Quotenwahn - das stimmt schon. Aber dieses nahezu hysterische Sicherheitsdenken - das waren und sind, sorry, nicht die 68er, und nicht Willy Brandt. Das kommt aus der bürgerlich-konservativen Ecke. "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" und "Rasen betreten verboten" sind keine 68er Sprüche. Noch nie gewesen.

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tine_z 21.08.2018, 19:52
164. Ursache-Wirkung

"1980, als ich zu Fuß zur Schule und nach Hause ging, starben 1159 Kinder unter 15 im Straßenverkehr. 2016 waren es 66."
... daraus zu schlussfolgern, die "Welt" sei "damals viel gefährlicher gewesen als heute" ist einfach albern. Keiner wird bestreiten können, dass der Verkehr seit damals sehr stark zugenommen hat - nicht nur in Großstädten. Darüber hinaus sind die Kinder morgens genau zur Hauptverkehrszeit (Liefer-, Berufs- und Schülerverkehr) unterwegs. Dass 2016 trotzdem "nur" 66 Kinder im Straßenverkehr starben, zeigt, dass Eltern heute durchaus in der Lage sind, vernünftig zu entscheiden, wie (per Bus/Rad/Auto/Pedes) ihre Kinder sicher die Schule erreichen. Nicht wenige der "Autokinder" gehen nach Schulschluss übrigens - zur Nebenverkehrszeit - zu Fuß nach Hause. In Sachen Freizeitgestaltung ist es leider so, dass es für Kinder und Jugendliche einfach zu wenig geeigneten öffentlichen Raum als Treffpunkte gibt (der nicht auch noch von Hundehaufen, Glasscherben etc. verseucht ist). Doch natürlich ist es einfacher, sich über "Helikoptereltern" zu echauffieren, als z.B. über Verkehrssicherheit, viel zu schwere Schulranzen und die besorgniserregenden Veränderungen in der Arbeitswelt zu reflektieren, die die Eltern erst in den "Förderwahn" treiben.

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Su Sa 22.08.2018, 07:35
165. Wiederspruch in

Damals 18 Sexualmorde, heute 4
Damals 1159 tote im Straßenverkehr, heute 66
.....kann es den nicht auch sein das die Zahl so drastisch zurückgegangen, gerade WEIL die Eltern die Kinder mehr beschützen, sie weniger alleine irgendwo unterwegs sind? Das man das früher vllt. zu locker nahm und die zahl deswegen so hoch war? Da haben sich sicher einige Eltern erschreckt über die vielen Verkehrsunfälle und sind daher mehr mit dem Kind unterwegs als es alleine zu schicken? Ich denke schon...den wenn nicht würde die zahl auch nicht so niedrig sein.

Desweiteren muss man bedenken das es heute viel mehr Autos, LKW und Busse auf den Straßen unterwegs sind wie damals. Es sind somit mehr Gefahren da und trotzdem ist die Zahl der Verkehrstoten Kinder gesunken. Weil die Eltern durch das höhere Verkehrsaufkommen mehr aufpassen MÜSSEN.

Dann die tatsache das zb überall Schulen geschlossen werden. Ein Kind hat oft keine 800m Fußweg mehr. Mein Kind, 2. Klasse hat einen Weg von über 6km zur Schule und ist damit auf den Schulbus angewiesen. Früher gab es mal im Nachbarort eine Grundschule. Wurde vor 15 Jahren geschlossen, Gebäude vor 3 Jahren abgerissen. Aber selbst bis dahin sind es sicher 2,5 km gewesen.

Wir wohnen auf dem Dorf. Die nächsten größeren Orte wo evtl. Kurse angeboten werden sind 10 km, 15 km weit weg. Oft ohne Radweg und dafür Bundesstraßen. Straßen die evtl. nicht ganz so gefährlich sind, sind ein riesen Umbogen fürs Fahrrad fahren...ne Radstrecke von 20 km oder 30 km einfache Strecke auf sich nehmen, teils noch gefährliche Straßen außerhalb von Ortschaften ohne Radweg um zu einem Freizeitkurs zu fahren? Nicht möglich! Und da ich auch erst späten Nachmittag daheim bin, wird zu keinem Kurs gefahren, sondern zuhause geblieben. In unserem Garten gibt es keine Bäume auf die man klettern kann und generell keinen Schatten ab Mittag...

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kaffeepause9h30 22.08.2018, 07:48
166.

Zitat von erichb.
es gibt weniger Unfälle und Straftaten mit Kindern in einer Zeit, in der Eltern besser auf sie aufpassen. Insofern kommt der Appell, sie wieder (in die Umstände der alten Statistik) "frei" zu lassen etwas merkwürdig daher. Ein bisschen Augenmaß ist immer der beste Weg - auf dem Helikopterlandeplatz.
Wie wollen ihre Kinder unter diesen Umständen jemals aus eigenem Antrieb heraus ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen? Wie soll ein Kind selbstbewußt sich im Alltag behaupten können, wenn sie ständig bemuttert, bepudert und bekuschelt werden? Ohne ein frühzeitiges "try&error" wird ihr Kind im Leben nicht mehr allzuviel auf die Reihe kriegen... ausser, das es unter (ihrer) Kontrolle einfach nur funktioniert. Wollen Sie einfach nur funktionierende Apparatschiks großziehen, oder sollen ihre Kinder irgendwann auch mal kreativ wertschöpfend tätig sein? Sie müssen die Fackel rechtzeitig weiterreichen, und nicht die Flamme austreten!

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Kampfgeist 22.08.2018, 09:24
167. Der übliche Quark

Kinderhasser und Berufssingels fühlen sich mal wieder gebauchpinselt und schlagen Empörungsflickflacks. "Siehste! Siehste!"
Wer glaubt, der 16 -jährige Sohn oder die 17-jährige Tochter klettere noch auf Bäumen, wie man selbst damals, der ist für so eine Diskussion ungeeignet. Man verknüpft "Heile Welt" mit Resterinnerungen, deren Fragmente eher aus "Unsere kleine Farm", "Die Kinder aus Bullerbü" und "Ferien auf Immenhof" stammen, denn aus realen, vergangenen Ereignissen.
DIE Kinder von heute. DIE Eltern von heute. Schutzfanatische, krankhaft übertrieben auf Sicherheit getrimmte, an Realitätsverlust leidende, volksschädigende Eltern... Ist richtig.... Fehlt nur noch: Teil und Förderer der besorgten Bürger.
Natürlich hat sich etwas geändert: Spielzeugschwert und Spielzeugpistole sind für das Erwachsenwerden nicht mehr sooo wichtig, wie das spielerische Erlernen von elektronischen Werkzeugen. Der Verkehr ist mehr geworden, die Welt kleiner, die Mütter arbeiten, die Gewalt hat zugenommen, Kinder in der Nachbarschaft abgenommen und wer seit einigen Jahren seine 11 jährige Tochter alleine ins Freibad schickt, sollte vom Jugendamt kontaktiert werden.
Aber darüber hinaus existieren diese freiheitsverwarlosten und ständig am Handy klebenden Klein-Kinder nur in der Hetzfantasie einiger. Vielleicht ist das später der Fall. Als Teeny. Aber das war in den 80ern auch nicht anders. Da hießen die Geräte nur: Stereoanlage, Fernseher, Videorekorder und später auch schon Atari und Gameboy.
Alleine in der Kitazeit verbringt das heutige Kind 60% seiner Wachzeit draussen, elektronische Spielzeuge: Verboten. Handys in der Schule: Verboten (natürlich nur bis zu einem bestimmten Alter).
Das wirklich Problem ist: Es gibt zuwenig Kinder. Und die Stimmung wird auch weiterhin gegen Kinder (Eltern/Mutter/Hausfrau/Förderung/Familie) geschürt.

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silber.see 22.08.2018, 13:30
168. je helikoptriger die Eltern, desto gestörter die Kinder

Als Vater habe ich 4 Kinder von 4 Müttern, die meine Kinder ganz unterschiedlich behandeln und auch von anderen wie mir als Vater trennen. Dementsprechend haben sich die Kinder auch entwickelt. Am auffälligsten ist ein Kind, das seine Mutter extrem behütet, alles selber kontrolliert, mit was er zu tun hat und um das seine Mutter ständig herum ist. Zu ihm habe ich trotz Gerichten keinen Kontakt mehr, es hat große Schwierigkeiten in der Schule und mit anderen und lebt mit seiner Mutter in einer Symbiose inzwischen weit entfernt. Auf der anderen Seite hat sich am besten und fröhlichsten ein Kind entwickelt, das bei der Mutter 7 Geschwister hat und dort eine harte Schule und kaum Aufmerksamkeit erfährt. Dieses Kind ist derart fröhlich, wie ich es von kaum einem anderen kenne. Wenn ich bedenke, dass so früher viele Kinder aufgewachsen sind, finde ich die zunehmende Helikoptrisierung der bzw. unserer Gesellschaft schon sehr traurig.

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thorsten871 23.08.2018, 21:24
169. Bevaterung

Ich habe es als Kind geliebt auf Baustellen zu spielen und wild umher zu ziehen. Abends war ich ganz stolz wenn ich meine Schrammen gezählt habe. Es ist so wichtig, dass gerade Jungs männliche Vorbilder haben und nicht nur kontrollierende Mütter und Erzieherinnen. Kinder müssen bevatert werden und zu einem freien und selbstbestimmten Leben ohne Angst ermutigt werden. Dazu kann ich total das Buch von Leimbach empfehlen "Bevaterung".

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