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Erziehung: Lasst eure Kinder frei!
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Die Hälfte der deutschen Kinder ist noch nie auf einen Baum geklettert, und der "Economist" fordert kürzere Sommerferien. Da gibt es einen Zusammenhang.

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new#head 19.08.2018, 08:49
10.

Dass viele Kinder heute überbehütet sind und keine eigenen Erfahrungen machen dürfen ist richtig. Sie werden nicht nur Bewegungs- und Erfahrungsentwöhnt, sondern auch Denkentwöhnt. Warum sonst erklärt eine Mutter ihrer kleinen Tochter jede Bewegung des Geschehens und warum man sich darüber freuen muss?
Die Ausgewogenheit und das Gespür dafür, was man den Kleinen zutrauen kann und zutrauen muss, zeichnet gute Eltern aus.
Einen Denkfehler birgt der Beitrag. Ich denke die Welt ist gefährlicher geworden und die benannten Zahlen haben sich vielleicht positiv entwickelt, weil Eltern besorgter sind und stärker behüten. Dennoch brauchen Kinder neben Fürsorge ihre eigenen Erfahrungen und Freiräume, aber alles im angemessenen Mass.

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Patrik74 19.08.2018, 08:50
11. Bei aller Zustimmung in der Sache

muss der Autor wohl noch ein wenig üben mit Statistik umzugehen; er argumentiert wie folgt:

Es sterben heute weit weniger Menschen bei Autounfällen als früher, und trotzdem legen alle den Sicherheitsgurt an, selbst wenn sie nur 500m fahren, um Brötchen zu holen. Das ist verrückt, Zeit den Sicherheitsgurt abzulegen und die Freiheit wiederzugewinnen.

Vielleicht passiert Kindern heute ja deshalb weniger, grade weil sie besser geschützt werden und von gefährlichen Aktivitäten ferngehalten werden.

Dass dies oft übertrieben ist, finde ich auch, und ursächlich ist eine krude Form Egoismus der Eltern, ihr emotionales Wohlbefinden auf Kosten der Entwicklung ihrer Kinder zu erkaufen, und hier sollte in der Tat eine Änderung stattfinden, aber hierzu die Statistik zu bemühen ist ... schwierig.

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meinung2013 19.08.2018, 08:53
12. Es wird Zeit, die Kinder wieder freizulassen.

ja es wäre Zeit die Kinder endlich freizulassen. Allerdings leben wir derzeit in einer Gesellschaft der "Glucken", in einem Nannystaat. Und nicht nur die Kinder werden in ihrer Freiheit durch Helikoptereltern eingeschränkt. Forderungen nach gestzlicher regelung für ein Süßigkeitsverbot an Supermarktkassen, Fahrradhelmpflicht für alle und vieles mehr, zeigen mir den Zustand unserer Gesellschaft auf. Keine Eigenverantwortung mehr, der Gesetzgeber soll gefälligst alles richten, soll jedes Mini-Risiko per Gesetz abwenden.Und die Politiker folgen bereitwillig diesen kleinlichen Forderungen, geben das Gefühl der fürsorglichen Politik, die alle Bürger in Wattbausch packt und für alles eine Versicherung bereit hält. Gleichzeitig brummt der Gesetzgeber den umhegten Bürgern unkalkulierbare Risiken auf, wie jüngst bei der Betriebsrentenreform von Frau Nahles.
Und so meine Eltern ebne auch ihre Kinder umhegen zu müssen. Vergessen völlig, dass jede Glucke ihren Nachwuchs auch mal aus dem Nest wirft. Die Aufgabe von Eltern ist einzig und alleine ihre Kinder zu lebensfähigen Menschen zu erziehen. Das wird nichts mehr.
Ja, eine Verkürzung der langen Sommerferien auf 4 Wochen würde den Eltern, den Kindern zu Gute kommen. Wird aber leider auch nicht passieren. Und so habe ich Anfang September das Vergnügen meine bereits jetzt gelangweilte Enkelin für die restliche Woche Ferien bespaßen zu müssen.

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al_barka 19.08.2018, 08:56
13. Wunderbar!

Vielen Dank für die klaren Worte. Ich vermute allerdings, dass die elterlichen Sorgen das Ergebnis zahlreicher Einflüsse sind, wobei die Medien zweifellos einen großen Einfluss haben.

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sunnysunny 19.08.2018, 08:56
14. Henne-Ei Problem?

Man kann die Zahlen aber auch heranziehen um zu beweisen, dass weniger Kinder verunfallt sind oder entführt wurden weil enrn die Eltern besser aufpassen und weil der Bewegungsradius kleiner geworden ist.

Aus den Zahlen würde sich bestätigen lassen, dass das Verhalten der Eltern deren Kinder nachweislich sicherer macht.

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karlo1952 19.08.2018, 08:57
15. Ich kann dem Beitrag nur zustimmen.

Mittlerweile selbst Großvater, sehe ich wie meine knapp einjährige Enkelin aufwächst, was sicher noch nicht diesem Trend entspricht. Aber als ich meiner Tochter erzählte, dass wir, ihre Eltern, als sie 2- 3 Jahre alte war, abends mal öfter eine Stunde auf ein Bier weggegangen sind oder spazieren gingen, als sie und ihre Schwester schliefen, war sie entsetzt, dass wir so fahrlässig handeln könnten. Da halfen auch keine Argumente mehr, dass sie immer tief geschlafen haben und zuverlässig die ganze Nacht durchgeschlafen haben. Es war für sie uns ihren Mann ein absolutes No-Go. So sind eben die jungen Eltern heute. Ich hoffe nur, dass meine Enkelin später mal auf einen Baum klettern darf.

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so-long 19.08.2018, 08:57
16. Wie weit geht dieser Trend?

Wenn im Kindergarten etwas passiert, stehen die Eltern mit dem Anwalt in der Türe. Erfahrungen machen, aber ohne Risiko; wenn mit Risiko, dann bitte auf Dritte abwälzen.
Anstatt auf Bäume zu klettern gehen die Kinder in den Englischkurs oder werden irgendwie "gecoacht". Die armen Kinder.

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hank_scorpio_1904 19.08.2018, 08:57
17. Sehe ich auch so!

Gut beschrieben und sicher ein wichtiger Grund für die Ängste einiger Eltern. Da hilft nur selber ausprobieren und erfahren, dass die eigenen Kinder es auch ohne uns Eltern schon sehr gut machen!

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andreasclevert 19.08.2018, 08:58
18. wie schön,...

...dass in SPON unterschiedliche Meinungen zu finden sind. Hier der Verweis auf einen von mir kommentierten SPON-Artikel von 2017, wo Eltern aufgefordert werden, die Kinder nicht aus den Augen zu lassen, etwa wenn sie rutschen (https://vaterdasein.wordpress.com/2017/09/15/rutschgefahr). Ich stimme dem Autor ja zu, dass die Kinder mehr Freiheit brauchen , aber mit seiner Argumentation ist das so eine Sache. Jeder Steinzeitmensch würde behaupten, beim Nachwuchs gibt es Streuverluste, Hauptsache, der eine oder andere kommt durch. Insofern ist es logisch, dass die Eltern heute keinerlei entführte und ermordete Kinder in Kauf nehmen. Und wer weiß, wie viel Bäume es noch zum Klettern geben wird, so dass diese Fertigkeit vielleicht auch nicht mehr nötig ist ( Vorsicht, Ironie).

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mc.meyerman 19.08.2018, 09:00
19. Ursache und Wirkung

Eins Vorweg: Ich stimme dem Autor vollkommen zu, dass wir als Eltern unsere Ängste hinterfragen sollten und zum Wohl unserer Kinder dem Nachwuchs mehr Freiheiten zugestehen sollten. Unsere Kinder sind zusammen mit den Nachbarkindern ab der ersten Klasse rd. 1 km zu Fuß zur Schule gegangen und fahren seit der dritten Klasse mit dem Rad zu Sport oder zur Musikschule.
Die genannten Zahlen zu den Risiken bestätigen uns in unserer Handlungsweise auch. Aber kann es nicht auch sein, dass die gesunkenen Opferzahlen von sexuellen Morden und Verkehrstoten darauf zurückzuführen sind, dass die Kinder an der kurzen Leine gehalten werden?

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