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Erziehung: Lasst eure Kinder frei!
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Die Hälfte der deutschen Kinder ist noch nie auf einen Baum geklettert, und der "Economist" fordert kürzere Sommerferien. Da gibt es einen Zusammenhang.

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odapiel 19.08.2018, 09:21
30. Meine volle Zustimmung

Wir sind allein in die Schule, meist mit Wohnungsschlüssel allein nach Haus, haben uns selbst ein Butterbrot geschmiert und waren von Mittag an bis Sonnenuntergang ebenfalls allein (mit Freunden) "im Viertel". Was damals meist mindestens 1-2 Quadratkilometer groß war. Nach dem Umzug in eine Kleinstadt nah an Wald und Äckern wurder der Aktionsradius um ein Vielfaches größer. Zur Schule gings damals dann mit der Bahn/dem Bus oder dem Rad bzw. Moped. Mit sechzehn gings dann auch mal mit der Rockgruppe nach Südfrankreich, ein kurzer Telefonanruf von unterwegs reichte aus, um die Eltern zu benachrichtigen. Auf einen Baum kletterte ich bereits im Vorschulalter, bei Omma im Garten. Dort wurde auch gebastelt, umgegraben, Rosen gepflanzt, Karnickel gehalten und die Bäche nahe der Kirche im Viertel umgeleitet (mit Stausee bis in Pfarrers Garten).

Ich möchte es nicht missen, mir tun die heutigen Kinder leid.

Und von keiner dieser Serien und Spielfilme hab ich je was gehört.

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akase93 19.08.2018, 09:21
31. habe gerade an meinen Sohn....

(39 Jahre) geschrieben (und den Link zu diesem Artikel mitgeschickt, dass ich meine Entschuldigung von vor ein paar Jahren wegen Unterrepräsentanz im Spielalltag und vermeintlicher Rabenmütterlichkeit , weil er wer weiss wo herumgestromert ist , zurück ziehe. Danke SPON , ich fühle mich tatsächlich entlastet. (manchmal reicht es eben doch nicht aus , das Ergebnis zu betrachten, um Selbstzweifel zu beruhigen).

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haralddemokrat 19.08.2018, 09:29
32. Kinder haben ein Recht

auf Erfahrung genau so, wie wir es hatten. Wir machen die Welt schlechter, dank der heutigen Tiefenaufklärung, wie sie ist. Das Elend begann vor rd. 8 Jahren mit dem Smartphone und dem Einzug als massenmediales Mittel. Seit dem verändert sich die Welt drastisch. Es ist mehr Fluch wie Segen. Wir werden uns wohl mit dieser Entwicklung abfinden müssen oder wir schalten die Netzwerke ab und werden die Smartphones zur Seite. Ein schöner Nebeneffekt wäre, das Menschen wieder mehr miteinander reden ?

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Angela0451 19.08.2018, 09:31
33. Unterschreibe...

...ich sofort. Der Titel des Artikel trifft es. Es stimmt natürlich: auch heute versuchen Eltern, es richtig zu machen und geben sich Mühe.
Die Überlastungsgefühle vieler Eltern dürfte u. a. mit diesem Anspruch zu tun haben, das Kind maximal beschäftigen zu müssen. Kurse kosten Geld. Das verdient werden muss. Nichts gegen Kurse. Aber Kurs als "Sicherheitsverwahrung" klingt ziemlich schräg. Schräger als "rauf auf den Baum"...

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reichsvernunft 19.08.2018, 09:40
34. Uh, ein Wespennest...

...da kómmen dutzende Faktoren zusammen. Da kommt die erwähnte Angst. Da kommt die Angst, dass das Kind mal keine gesicherte Rente hat, also ab zum Klavierunterricht und dann noch schnell Vorschulenglisch (ist zwar nett wenn man sich die Fähigkeiten erhält, das später zu können, aber "frühe Förderung" tut nach mir bekannten Erkenntnissen nichts um Talente zu entwickeln... eher im Gegenteil, es wird unter Frustration verbuddelt...). Dazu kommen Eltern, die immer abgelenkter, immer frustrierter sind - im Bekanntenkreis gibt es Einkommen von 200K+/anno und die haben ständige Existenzängste, und folglich weniger Geduld oder vermeintliche Risikobereitschaft zeigen. Dazu kommt der Digitale Drogensumpf von Instagram über Candycrush bis zu regulärem, immer verfügbarem Glücksspiel und weiter zu Netflix, der nicht zu Kommunikation und Aufmerksamkeit beiträgt und Kinder oft verunsichert und mit angeschlagenem Selbstwert zurücklässt, so dass sie sich auch schlechter behaupten können (gar nicht, oder nur aggressiv, was zu prompten "Erziehungsmaßnahmen verunsicherter Eltern führt). Dazu kommt die totale Schafizierung der Gesellschaft - egal wie viel sicherer die Statistik aussieht, wenn man selbst von früh bis spät eingehämmert bekommt, man müsse sich auf die Polizei und Ordnungskräfte verlassen, die aber nur statistisch schützen, kaum im konkreten Fall, während man selbst 800€ Ordnungsgeld für ein frei verkäufliches Taschenmesser in der Hosentasche zahlen soll, bekommt der innere Höhlenmensch ein gestörtes Verhältnis zur Angst. Und zu guter Letzt das immer weiter im Aufbau befindliche StaSi-Netz der gefährlichsten behörde Deutschlands. Vergesst den BND, vergesst den Verfassungsschutz... die Jugendämter, eine Institution, die eine an drastischem Versagen in jeder Richtung kaum zu überbietende Bilanz hinter sich her ziehen, wollen inzwischen von Betreuern jeder Art (Tagesmütter, Kindergärtner, Hortner, Lehrer, etc.) beispielsweise, dass die Kinder täglich (!) untersucht werden. Wehe da gibt es blaue Flecken, denn Kinder holen die sich ja nicht beim spielen, da muss es Misshandlungen geben! Die ob Unterbesetzung fehlende Option Einzelfälle vernünftig zu prüfen wird durch immer striktere Vorgaben wett gemacht und Rechtsmittel gegen diese höchst vertrauenswürdige Instanz gibt es effektiv auch nicht (die Gerichte legen ihren Erwägungen zumeist den Bericht des Jugendamtes zu Grunde). Das ist nicht nur sozialer Druck. Wenn man auffällt indem man seinem Nachwuchs Freiheiten einräumt steht immer dieses Schreckgespenst im Raum und in Zeiten der totalen Datenunsicherheit weiß später auch jede bessere Schule, die Aussicht auf Rente gibt bescheid - tja Kind, tut mir Leid, Deine Zukunft ist vorbei.
Es gibt inzwischen viel gute Literatur, viele gute Erkenntnisse und Ansätze wie man seinen Kindern eine gute soziale, körperliche, emotionale und mentale Entwicklung ermöglicht. Das aber umzusetzen kann absurderweise gerade ob der seltsam überprotektiven Haltung Kindern gegenüber als unmündig und zerbrechlich in unserer Gesellschaft ziemlich schwierig werden.

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k.petersen2018 19.08.2018, 09:48
35. Auf den Punkt gebracht.

Sie haben es auf den Punkt gebracht. Ich freue mich das endlich jemand den Bezug zur Medienberichterstattung und dem Überangebot von Krimis, Thrillern und Dramen im Fernsehen zu der Angst, um das Wohl der Kinder hergestellt hat. Und ich möchte sogar noch weiter gehen. Meiner Meinung nach beeinflusst es unsere Angst und Aggression im Allgemeinen, die, wie man auch immer wieder lesen kann, stark zugenommen hat. Erst schauen wir Nachrichten oder lesen news, wobei scheinbar immer noch der Grundsatz gilt, bad news are good news, und danach sehen wir uns zur Entspannung einen Krimi oder anderen „Schocker“ an. Ich bin mir sicher, das uns das sehr in unserer Wahrnehmung und unserem Empfinden für die Welt beeinflusst. Daher bin ich für eine gute Nachrichten Quote und ein abwechslungsreicheres Fernsehprogramm. Oder, gehen wir Erwachsenen doch auch mal wieder raus und klettern auf Bäume.

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Europa! 19.08.2018, 09:49
36. Teils, teils

Wenn Journalisten und andere Mitglieder aus der Bewusstseinsindustrie so etwas wie Selbstkritik üben, ist das immer sehr zu begrüßen. Und das Überüberübermaß an Kriminalfilmen im Fernsehen ist genauso bedauerlich wie die ständige Daddelei der Kinder am Handy. (Andererseits: Meine Eltern waren auch nicht glücklicher, wenn ich am Spätnachmittag auf der Couch gelegen und Bücher und Comics gelesen habe.) Was die Gefährdung auf dem Schulweg angeht, könnte man aber den Spieß auch umdrehen: Vielleicht ist die Gefährdung deshalb geringer geworden, weil die Eltern, die Schulen und die Behörden ein erhöhtes Bewusstsein haben und besser aufpassen. Und natürlich, weil es viel weniger Kinder gibt. Das Erklettern von Bäumen ist übrigens fast überall verboten.

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rambazambah 19.08.2018, 09:54
37. Fremdwort Langeweile

Ich finde es auch schade, dass der Tatendrang der Kids spürbar nachgelassen hat. Es sind Sommerferien und man sieht fast keine Kinder draußen. Meine Eltern hätten mich festbinden müssen! Ich war immer draußen. Wenn das Wetter dann doch mal zu schlecht war, haben wir uns eben drin beschäftigt. Aber auch dazu haben wir niemanden gebraucht. Ein Netz spannen, damit man auf einen Baum klettern konnte (Beschreibung von vorherigem Foristen)? Damit ist ja dann jeder Reiz verloren. Bei uns war es hauptsächlich der eine Baum: ein gigantisch großer Kirschbaum voller dunkelroter dicker süßer Kirschen. Dazu brauchte man keine Ermutigung. Baden waren wir im dorfumgebenen Bach. Ich musste Abends zum Essen daheim sein. Was ich den Tag über trieb, wo ich war, passierte meistens spontan. Mal kam ein Schäfer mit seiner Herde vorbei, mal bauten wir Hütten im Wald, mal zogen wir einfach nur herum, spielten Fußball auf dem alten Bolzplatz oder Federball, "kochten" Brennnesselsuppe... Natürlich hatte ich blaue Flecken, aufgeschürfte Knien und meine Mutter musste mich Abends erst einmal durchs Wasser ziehen, um zu sehen, dass ich auch wirklich ihrs war. Aber ich war so gut wie nie krank, hatte keine Allergien und bin immer mit einem offenen, neugierigen Blick in die Welt marschiert.

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mazzeltov 19.08.2018, 09:55
38. Freiheit vs. Sicherheit

"... heute bereit sind, ihren Kindern Freiheit und Unabhängigkeit zu nehmen, um vermeintliche Sicherheit herzustellen."

Wie kommen Sie auf die verwegene Idee, dass sich das mit der Einschränkung von Freiheit und Unabhängigkeit auf Kinder beschränken würde? Sind wir nicht allzu bereit, auch auf unsere eigenen Freiheiten zugunsten von mehr Sicherheit zu verzichten und den Gedanken an Unabhängigkeit und Selbstverantwortung an der Garderobe abzugeben? Das muss nicht einmal nur aus Angst vor Terrorismus geschehen - zählen Sie einfach mal die Anzahl Ihrer Versicherungen...

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stoffi 19.08.2018, 09:56
39. Ich denke

die Zeiten haben sich sehr verändert, was den Verkehr und die Kriminalität betrifft. Dazu kommt es auch darauf an, ob man ländlich, am Stadtrand oder in mitten einer Grossstadt wohnt. Auch die Erziehung hat sich geändert. Die älteren unter uns wurden auf gehorsam getrimmt und schon deshalb gab es weniger Unfäjle, weil die meisten Kindern den Vorgaben der Eltern folgten. Heute interessiert kaum ein Kind, wenn die Eltern etwas verbieten und das birgt Gefahren auf der Strasse. Früher wurden auch kaum Kinder überfallen um sie zu bestehlen und wenn doch, die Täter gefasst, dann kamen sie erst mal in Haft. Heute werden sie wieder auf freien Fuss gesetzt, wenn man ihre Personalien hat.
Früher wie heute machen Menschen Erfahrungen, die sie handeln lassen. Also hat es schon seinen Grund, wenn Eltern ihre Kinder heute gefühlt zu viel beschützen

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