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Erziehung: Lasst eure Kinder frei!
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Die Hälfte der deutschen Kinder ist noch nie auf einen Baum geklettert, und der "Economist" fordert kürzere Sommerferien. Da gibt es einen Zusammenhang.

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Frida_Gold 19.08.2018, 10:15
50.

Zitat von vwl_marlene
Tatsaechlich ist die Welt sicherer geworden: es gibt nicht nur weniger tote Kinder im Strassenverkehr, sondern allgemein weniger Todesopfer durch Verkehr. Nicht nur werden weniger Kinder Opfer von Moerdern, sondern es gibt allgemein weniger Morde. Die Zahl schwerer Straftaten ist allgemein ruecklaeufig. Eine Theorie zur Erklaerung dieses Trends ist es, dass weniger Blei in der Umwelt ist und dass deswegen sich die Hirne der Menschen besser entwickeln und die Menschen deswegen weniger Aggressiv sind (Verbot von verbleitem Benzin).
Eine weitaus wahrscheinlichere Erklärung ist für mich, dass wir jetzt seit sehr vielen Jahrzehnten Frieden im Land haben und die Zahl an traumatisierten Soldaten, die ihre Frauen und Kinder misshandeln, gegen Null geht.

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spon_4_me 19.08.2018, 10:16
51. @ Frida_Gold (# 29):

Die Aussage, psychische Störungen bei Kindern hätten zugenommen, muss man meines Erachtens ein wenig qualifizieren. Es hat auch die Anzahl der Erkrankungsdefinitionen (wenn Sie das DSM zu Grunde legen) zugenommen sowie unsere und der Ärzte Bereitschaft, Auffälligkeiten als entsprechende klinische Störung zu benennen. Ob das unterm Strich nun gut oder schlecht ist, kann ich nicht beurteilen: Manche sogenannte Erkrankung scheint mir nahe am reinen Lifestyle-Problem; andererseits sehe ich es als Fortschritt an, dass derartige Dinge heute früher und ohne die Scham früherer Zeiten angesprochen werden können.

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dehnübung 19.08.2018, 10:18
52. Kinder, Fahrrad und Baum

Ich würde keinem Kind in Kassel empfehlen Rad zu fahren. Der Verkehr hat stark zugenommen. Ich selbst fahre viel mit dem Rad, verhalte mich dabei ständig wie gejagtes Wild. Ausweichen, abwarten, nachgeben. Fahre ich selbst Auto, spüre ich deutlich wie schwer es heute ist, alles im Blick zu behalten und auch noch ständig mit Radfahrern rechnen zu müssen. Ich stelle mir dabei Senioren vor, die den Kopf nicht mehr richtig zur Seite drehen können. Das Radfahren ist schon für Erwachsene richtig gefährlich.
Auf Bäume klettern ist ein anderes Thema. Die Bäume sind heute genauso gefährlich wie vor 50 Jahren. Es biegt auf dem Baum auch keiner rechts ab und nimmt mir die, theoretische, Vorfahrt.
Klettern ist ein natürlicher Trieb. Der Baum vermittelt Sicherheit. Kletteranlagen erfüllen den gleichen Zweck ganz gut und warum nicht mit Sicherheitsnetz?

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M. Vikings 19.08.2018, 10:23
53. Klettern geht auch in Norddeutschland.

Zitat von Gruesseaushessen
Hallo, es gibt auch noch die anderen Eltern. Unsere drei Kinder sind alle schon in der ersten Klasse 1,8 km zur Schule gelaufen. Die ersten 3 Tage mit Begleitung, danach Laufgruppe mit anderen Kindern aufgeschlossener Eltern und die gab es reichlich. Nach der Schule selbstständig im Ort in Bayern unterwegs. Dann Umzug nach Hessen als der jüngste eingeschult wurde. Gezielt einen Ort gesucht wo die Kids selbst alles zu Fuß machen können, bei Wind und Wetter. Sport, Freunde, alles per Fahrrad oder Pedes. Geht also. Und wir sehen hier wir sind nicht die Einzigen, haben das Gefühl wir sind eher die Regel als die Ausnahme, daher etwas verwundert über die Statistik, die eventuell von der Großstadt dominiert wird? Ach, und Klettern tun die auch alle, liegt sicher an den vielen Ausflügen in die bayerischen Berge bereits im Kindergartenalter.
Man fängt ja nicht direkt mit dem Baukran an.
Als Kleinkind geht es erst mal auf den vollgepackten Heuwagen,
dann auf Kiefern Buchen oder Eichen,
hoch geht immer, runter ist schon schwieriger,
Strommasten waren tabu,
da hätte es im Überlebensfall
4 Wochen Stubenarrest (Kinderknast) plus Fernsehverbot gegeben.

Beim Baukran gab es Ärger, da rückte die Polizei an,
nach kurzer Verhandlung ist der dicke Dorfbulle abgezogen,
weil ich nicht runter wollte und er nicht hoch konnte,
gepetzt hat er trotzdem.
Heute hätte er die Höhenrettung der Feuerwehr gerufen,
und der Spaß wäre richtig teuer geworden.
Früher war einiges besser.

Grüße aus Hamburg

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Das dazu 19.08.2018, 10:28
54. Ferienzeit verkürzen?

Solche egoistischen Forderungen können nur von überforderten Menschen kommen.
Wieso gibt es diese Forderungen in Frankreich, Spanien und Portugal nicht? Dort sind die Sommerferien viel länger. Hier in Portugal über drei Monate und man weiß nicht mal, wann es weiter geht. Das wird erst irgendwann in der Ferien beschlossen und dann den Schulen überlassen, in dem nur ein Zeitfenster beschlossen wird.
Regt sich jemand auf? Nein, denn sehr viele Kinder sind bei den Großeltern auf dem Land und geniessen diese Zeit. Einen endlosen Sommer, der im durchgetaktetem Deutschland dann auf 4 Wochen verkürzt werden soll, weil die gestressten "Aufpasser" nicht mehr können oder weil sie Geld für den Staat ran schaffen sollen?
Wenn ich hier die Nachbarkinder sehe und höre, welchen Spaß die haben, graust es mir für die deutschen Kinder.
Es gibt auch sehr viele Angebote von Kinderbetreuung. Aber nur für den, wer es sich leisten kann.
Und bevor jemand schreit, der Ernst des Lebens kommt auch hier früh genug. Unsere Große muss ein dreimonatiges Berufspraktikum innerhalb der Ferien machen.
Ansonsten geht die Schuke von 8-17 Uhr mit kurzen Unterbrechungen zu Weihnachten und Ostern. Die Zahl der Schultage ist etwa gleich.Allerdings geht man in Portugal 12 Jahre zur Pflichtschule!

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dondon 19.08.2018, 10:32
55. Es tut so gut

Es tut so gut seine Kinder zu freien, zuverlässigen und eigenständigen Menschen zu erziehen. Unsere 9- jährige ist mittlerweile so eigenständig und selbstbewusst. Sie geht gerne und sehr erfolgreich in die Schule, findet und lebt ihre Hobbys selber aus, zu Zeiten, die sie bestimmt (derzeit treffen sich die Kinder oft zum "Basketballtraining" zu selbst vereinbarten Zeiten und hat einen sehr großen Freundeskreis. Eltern, gebt euren Kindern ihre Freiheit, denn die Kinder sind nicht eurer Besitz. Danke für diesen Artikel.

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longtawan 19.08.2018, 10:41
56. Irgendwie platonisch...

So, wie sich schon Plato über die ungeratene Jugend und de üblen Zukunfstaussichten ausgelassen hat... Und alle folgenden Geberationen nach ihm immer wieder, so fürchten wir heute, es gehe mindestens mit der übernächsten Generation zuende mit uns.
Wie war denn der Aktionsradius unserer Großeltern, was waren die Aktivitäten der Urgroßeltern?
Sicherlich ist es schade, dass unsere Kinder und Enkel nicht mehr unsere großartigen Erfahrungen vom Bäumeklettern bis hin zur Benutzung der eigenen Füße mehr teilen wird. Aber kann es nicht auch sein, dass dann eben nee Erfahrungswerte hinzukommen?
In meiner Generation hatte ich nicht die einfachen Möglichkeiten, Menschen online (oder gar offline) kennen zu lernen. Ich bin nicht nach der Schule hinaus in die Welt gefahren. Und das nicht, weil das Geld oder der elterliche Zuspruch gefehlt hätten, nein, es war allein deshalb, weil die Welt da draußen als erlebbarer Ort einfach noch nicht existiert hat. Ich war auch keine Ausnahme.
Heute existieren um mich herum Eltern mit Kindern, von enen einige auch helikoptermäßig durch die Gegend geflogen wurden, die aber heute zwischen Schule und Ausbildung oder Studium große Teile eines Jahres in Asien, Südamerika oder sonst wo ganz neue Erfahrungen sammeln, die meiner Generation nur ausnahmsweise zur Verfügung standen.
Es geht eben weiter mit uns Menschen. Natur wird irgendwann nichts mehr zum Anfassen, sondern nurmehr zum anschauen sein. Und wenn es uns als Art darüber nicht dahinrafft, wird auch unsere Enkelgeneration irgendwas aus ihrer Kindheit hinterherweinen, die eigene Kinder und Kindeskinder bedauern und die Welt schreitet voran.
Es ist wie schon mit dem Elternsein:Zeit loszulassen. Wir hatten die Stones und die Beatles, die Kinder haben Youtube-Stars...
Das mag seltsam anmuten, wird aber immer so sein

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der.tommy 19.08.2018, 10:42
57. @schlumpfino

Das stimmt so nicht. Wären die Eltern genau so „unvorsichtig“ wie früher, gäbe es dennoch verglichen mit damals weniger Unfälle und weniger morde. Ersteres aufgrund besserer Technologie und letzteres weil die Gesellschaft als Ganzes sich entwickelt hat. Es macht überhaupt keinen Sinn, Kinder über alle Maßen zu behüten. Und ganz ehrlich, den Spross keine 800m zur Schule laufen zu lassen, sprengt den Rahmen. Man geht mit dem Kind die ersten Tage, von miraus auch zwei bis 3 Wochen gemeinsam den Weg zur Schule und dann geht er/sie alleine und mit Freunden. War bei mir genauso und mir ist nie etwas passiert.

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Ein_denkender_Querulant 19.08.2018, 10:43
58. Eltern sind so

Zitat von muckp
Ist das Ironie oder ernst?
Die Ironie war schreiend, zumindest für Menschen meiner Generation. Leider gibt es genug Eltern, die exakt so handelt. Der Höhepunkt meiner Fassungslosigkeit begann genau bei der beschriebenen Szene, als Eltern mit einem Sprungtuch der Feuerwehr und vier Personen zum Halten ein Kind auf den eigenen 5m hohen Obstbaum klettern ließen.

Es ist so unerträglich geworden. Ich war ab fünf alleine im Wald, zum Pilze sammeln, Holz holen oder zur Entspannung. Ich bin ab sechs alleine Fahrrad gefahren, in einer Großstadt. Und ja, die Gefahren waren da, aber wenn man sie gezeigt bekommt, lernt man damit umzugehen.

Wenn mich heutige Nachhilfekinder mit 18 und eigenem Führerschein fragen, ob ich sie mit dem Auto zum Bewerbungsgespräch bringen kann und dort warte, bekomme ich einen Lachkrampf. Haben die nicht gelernt, selbst für sich zu sorgen?

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Strangelove 19.08.2018, 10:48
59.

Zitat von vwl_marlene
Tatsaechlich ist die Welt sicherer geworden: es gibt nicht nur weniger tote Kinder im Strassenverkehr, sondern allgemein weniger Todesopfer durch Verkehr. Nicht nur werden weniger Kinder Opfer von Moerdern, sondern es gibt allgemein weniger Morde. Die Zahl schwerer Straftaten ist allgemein ruecklaeufig. Eine Theorie zur Erklaerung dieses Trends ist es, dass weniger Blei in der Umwelt ist und dass deswegen sich die Hirne der Menschen besser entwickeln und die Menschen deswegen weniger Aggressiv sind (Verbot von verbleitem Benzin).
nein das waren die Atomtests und die nachfolgende Verstrahlung der Menschen ... aber sicher war das von Ihnen nur Ironie.

Wenn es tatsächlich weniger Mörder gibt dann eher weil wir, wie schon jemand schrieb, heute weniger traumatisierte Menschen im Land haben. Zum einen wegen fehlender Kriege und weil sich auch die Erziehungsmethoden geändert haben und Kinder heute seltener körperlich und seelisch missbraucht werden und dann im schlimmsten Fall später selber zu Tätern werden. Die Kehrseite ist die totale Überbehütung wie sie immer mehr um sich greift und den Kindern wichtige Erfahrungen verwehrt. Wie diese Kinder weiderum ihre Kinder erziehen bin ich gespannt, denn sie müssen mangels eigener Erfahrung in vielen Dingen noch mehr Angst um ihren Nachwuchs haben.

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