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Feder-Analyse: Archaeopteryx war ein mieser Flieger

Der berühmte Urvogel Archaeopteryx und seine Verwandten sahen beeindruckend aus - doch richtig fliegen konnten sie vermutlich nicht. Schuld daran waren zu weiche Federn, wie eine Analyse jetzt ergab. Deren Stabilität reichte bestenfalls für gelegentliche Gleitflüge zwischen den Bäumen.

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tollhans 18.05.2010, 04:58
10. Don't be popeliger than the pope!

Zitat von Der Kezzer
Manche Formulierungen arten sogar in eine Art Evolutions-Kreationismus aus, bei dem "die Evolution" oder eben "die Natur" personifiziert und zu einer quasi-Gottheit stilisiert wird... Das Bild der Evolution als einer Art Gottheit oder höherer Macht ist auch deshalb , weil die Stärke der ET gerade darin besteht, für Entstehung und Veränderung von Arten eine natürliche, nicht auf übernatürliche Mächte und ihre Absichten angewiesene Beschreibung zu liefern.
Sie fordern die reine Lehre und akzeptieren nicht, dass zu deren Vermittlung didaktische Kunstgriffe ausgesprochen nützlich sind. Offenbar will der Mensch naturwissenschaftliche Prinzipien verstehen statt sie einfach nur zu akzeptieren. Da hilft die Vorstellung, dass beispielsweise unterschiedliche elektrische Ladungen zum Ausgleich drängen, ohne dass jemand ihnen deshalb einen Willen nachsagt. Ebenso lässt sich das evolutionäre Prinzip leichter vermitteln, wenn man der Evolution Ziele unterstellt, ohne sie weiter zu personalisieren. Mit dieser winzigen Verfälschung, denke ich, kann man auch als Atheist leben, ohne heilige (pardon!) Prinzipien zu opfern.

Kurz zum Topic: ich verstehe die Aufregung nicht. Als ich vor 50 Jahren erstmals von Archaeopteryx erfuhr, lernte ich, dass das Tier nicht zu vogelgleich aktivem Flug fähig gewesen sein konnte, da es nicht über ein vogeltypisches Brustbein als Ansatzpunkt für eine Flugmuskulatur verfügte. Wozu also steife Federn? Einen ersten Vogel hat es sowieso nie gegeben, immer nur einen ersten nachweislichen.

Der Faszination, die von der "alten Feder" ausgeht, tut das keinen Abbruch.

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reuanmuc 18.05.2010, 08:10
11. .

Zitat von Der Kezzer
Manche Formulierungen arten sogar in eine Art Evolutions-Kreationismus aus, bei dem "die Evolution" oder eben "die Natur" personifiziert und zu einer quasi-Gottheit stilisiert wird.
Ihre Ausführungen kann ich nur bestätigen. Schon seit Jahren ärgere ich mich immer wieder über flapsige Äußerungen in den Medien bei Tierfilmern, aber leider auch oftmals bei ausgebildeten Biologen bzw. Zoologen. Es sind meist eben die unscheinbaren Formulierungen wie "um zu .." oder "damit ..", die einen Zweck oder ein Ziel suggerieren. Die Fehler fangen schon an, wenn Evolution als "Mutation und Selektion" definiert wird statt "Variation und Selektion". Damit wird den Kreationisten und sonstigen Evolutionsgegnern geradezu in die Hände gespielt.

Der Wert der vorliegenden Studie ist wohl weniger die Erkenntnis über die Flugfähigkeit als vielmehr der erstmalige Erfolg bezüglich der Analyse der an den Fossilien noch haftenden Spurenelemente, die wertvolle Informationen preisgeben, z.B. über die zitierte Flugfähigkeit.

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reuanmuc 18.05.2010, 09:02
12. .

Zitat von tollhans
Ebenso lässt sich das evolutionäre Prinzip leichter vermitteln, wenn man der Evolution unterstellt, ohne sie weiter zu personalisieren. Mit dieser winzigen Verfälschung, denke ich, kann man auch als Atheist leben, ohne heilige (pardon!) Prinzipien zu opfern.
Das ist ein fundamentaler Irrtum, weil es einer der entscheidenden Unterschiede ist zwischen religiös begründeten Anschauungen der Natur - nicht nur Kreationismus - und der Evolutionstheorie. Genauso falsch ist es, in jedem biologischen Phänomen einen evolutionären Zweck oder Vorteil zu suchen oder zu sehen.

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Celegorm 18.05.2010, 09:32
13. ...

Zitat von tollhans
Da hilft die Vorstellung, dass beispielsweise unterschiedliche elektrische Ladungen zum Ausgleich , ohne dass jemand ihnen deshalb einen Willen nachsagt. Ebenso lässt sich das evolutionäre Prinzip leichter vermitteln, wenn man der Evolution unterstellt, ohne sie weiter zu personalisieren. Mit dieser winzigen Verfälschung, denke ich, kann man auch als Atheist leben, ohne heilige (pardon!) Prinzipien zu opfern.
Mit "Atheismus" oder nicht hat das relativ wenig zu tun, es geht um eine simple wissenschaftliche Korrektheit, die man noch erwarten kann. Wobei auch der Vergleich hinkt, dass umgangssprachliche Formulierungen häufig grenzwertig sind mag durchaus sein, bloss ist das etwas völlig anderes als inhaltliche Fehler. Denn Ladungsausgleiche mögen nicht willentlich geschehen, finden aber durchaus in der beschriebenen Weise statt. Die Evolution hat aber halt effektiv kein Ziel, entsprechend widerspricht ein solche Behauptung auf jeder sprachlichen Ebene fundamental der Theorie als solches und ist deswegen aus gutem Grund zu kritisieren. Erst recht wenn das nicht aufgrund von mangelhaftem Halbwissen, sondern aus (ideologischem?) Vorsatz geschieht.

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tollhans 18.05.2010, 11:54
14. Für reuanmuc und Celegorm

Ich bleibe dabei: der Feind steht woanders.

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reuanmuc 18.05.2010, 12:49
15. .

Zitat von tollhans
Ich bleibe dabei: der Feind steht woanders.
Den "Feind" sehe ich schon auch. Aber ich denke, wir sollten uns einig sein, dass man nicht mehr mit Kanonen schießen muss, sondern dass schon Pfefferspray genügt. Seine versprengten Truppen können nicht mehr wirklich gefährlich werden, auch wenn sie manchen Lärm veranstalten, um ihre Existenz zu zeigen und sich selber Mut zu machen.

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unente 18.05.2010, 13:46
16. na toll

Das erinnert mich schwer an den "Experten"-Streit, ob der T-Rex ein Jäger oder Aasfresser war. Welcher "Forscher" wollte sich schon mit einem "dreckigen" Aasfresser beschäftigt haben, zumal man den staunenden Zuhörern schon die dollsten Geschichtchen ausgedacht hatte, auf welch brutal-intelligente Weise "der Räuber" seine Beute erlegte.

Ob der Archaeopteryx ein perfekter Flieger oder nur Segler war, kann uns doch egal sein - es reichte offenbar für das Überleben dieser Art in ihrer Nische.

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Celegorm 18.05.2010, 14:00
17. ...

Zitat von tollhans
Ich bleibe dabei: der Feind steht woanders.
Also "Feinde" habe ich eigentlich nicht, mir geht es nur um die korrekte Wiedergabe zentraler Aspekte dieser Theorie..;)

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Der Kezzer 18.05.2010, 19:25
18. Bilder müssen sorgfältig gewählt werden

Zitat von tollhans
Sie fordern die reine Lehre...
Um Gottes Willen, nein![QUOTE]...und akzeptieren nicht, dass zu deren Vermittlung didaktische Kunstgriffe ausgesprochen nützlich sind. Natürlich. Aber diese müssen klug gewählt sein. Sind sie dumm gewählt, kommt z.B. so ein Schwachsinn wie der Sozialdarwinismus dabei heraus. Zitat von
Offenbar will der Mensch naturwissenschaftliche Prinzipien verstehen statt sie einfach nur zu akzeptieren.
Keine Frage. Allerdings führen ungeschickt oder gar dumm gewählte didaktische Kunstgriffe eben nicht dazu, dass der Hörer die Prinzipien versteht, sondern missversteht. Zitat von
...Ebenso lässt sich das evolutionäre Prinzip leichter vermitteln, wenn man der Evolution unterstellt, ohne sie weiter zu personalisieren. Mit dieser winzigen Verfälschung, denke ich, kann man auch als Atheist leben, ohne heilige (pardon!) Prinzipien zu opfern.
Ich bin übrigens kein Atheist, sondern reformierter Christ. Ich sehe aber nicht den geringsten Widerspruch zwischen der Aussage, dass Gott alles Leben geschaffen hat und der Evolutionstheorie und halte Kreationismus für schlechte Theologie.

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Der Kezzer 18.05.2010, 19:36
19. Feind? Wer?

Zitat von tollhans
Ich bleibe dabei: der Feind steht woanders.
Welcher Feind? Ich habe im Moment her in diesem Fred keinen Feind gesichtet, und Sie werden mich doch nicht allen Ernstes wegen meiner aus Ihrer Sicht vielleicht Haarspalterei gleich zum Feind erklären ;-)

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