Forum: Wissenschaft
Fehldiagnose: Komapatient war 23 Jahre bei Bewusstsein

Rom Houbens Bewusstsein galt als erloschen, die Ärzte schrieben ihn ab. Tatsächlich war der Belgier nach einem schweren Autounfall zwar gelähmt, aber nicht komatös. Mehr als 20 Jahre lang musste der heute 46-Jährige machtlos seine Fehlbehandlung ertragen, bis der Irrtum schließlich auffiel.

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ignazwrobel 21.11.2009, 18:43
1. Ich würe sterben wollen

Wenn ich als Patient in einer solchen Situation wäre, würde ich mir nichts sehnlicher wünschen als zu sterben. Nur durch den Tod kann dann noch die Würde gewahrt bleiben.

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vincentius 21.11.2009, 19:06
2. Also so eine tolle Unterstützung von Profis...

ich würde mal sagen, die Würde des Patienten kann entscheidend mit der Güte ärztlicher Diagnostik und ärztlicher Behandlung, sprich medizinischer Kompetenz angehoben bzw. gewahrt werden.

Vor allem ist fraglich, wohin die Aussage "wünschte mir nichts sehnlicher als zu sterben"

Ein solcher Patient ist vollkommen handlungs- und kommunikationsunfähig: er ist vollkommen dem Tun und Dünken anderer ausgeliefert.
Nun ist dieser Fall, das Schicksal der vermeintlichen Komapatienten, das wohl-und-wehe dieser Menschen unter den gegebenen Kompetenzniveaus der sich dieser Fälle annehmenden Ärzte ja anscheinend 1000-fach passiert (bzw. tut dies fortwährend ständig).
Bis jetzt "wussten" die Ärzte es anscheinend nicht besser...

Was mich bei diesem Artikel in diesem Zusammenhang am meisten stört, weil dies allgemeine Medizinsystemfragen betrifft:

Die Aussage: "wer einmal den Stempel 'bewusstseinsunfähig' hat, bekommt diesen nicht mehr los!"
So ist dies ja häufig im Medizinsystem. Kontrastierend zu der hier offenbar werdenden diagnostischen Unfähigkeit ganzer Scharen von beteiligten Ärzten (inkl. Pflegepersonal) sind aber Ärzte mit einer Macht und formalen Kompetenz ausgestattet, die "Irrtümer" nicht ihnen anlastet.
Was aus diesem jüngsten Fall zu folgern wäre, ist: sich immer der oftmals begrenzten medizinischen faktischen Kompetenz bewusst sein und diesen Zusammenhang auch als Parameter des Systems hochzuhalten: Mediziner sind keine Götter, haben die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen.
Zig-Tausende Medizinopfer jährlich alleine in Deutschland sollten einfach als Wissensbestand ernst genommen werden und entsprechende Rückwirkungen im System entfalten. Dies vor allem in den Bereichen: Arzthaftung, Beweismodalitäten etc.

Jetzt aber gilt es ganz schnell, alle ähnlichen Fälle zu überprüfen. Diese ärmsten der armen, diese vollkommen ausgelieferten Menschen müssen dringend auf ihre mögliche Bewusstheit untersucht werden.
Das Wissen aus diesem Schlüsselfall muss rasch verbreitet in allen relevanten Stationen/Krankenhäusern/Pflegeheimen werden und alsbald Folgen zeitigen!

Das ist ganz sicher wichtiger als die Menschen mit Schweineflu-Medikamenten zu verpesten!

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adsum 21.11.2009, 19:29
3. Hoffentlich schmerzfrei!

Zitat von sysop
Rom Houbens Bewusstsein galt als erloschen, die Ärzte schrieben ihn ab. Tatsächlich war der Belgier nach einem schweren Autounfall zwar gelähmt, aber nicht komatös. Mehr als 20 Jahre lang musste der heute 46-Jährige machtlos seine Fehlbehandlung ertragen, bis der Irrtum schließlich auffiel.
Also, das ist die Hölle.
Nicht auzudenken, wenn so ein Mensch höllische Schmerzen hat und kein Mensch setzt Schmerzmittel ein.
Ich hatte mal ein Lachgasnarkose.
Der Zahnarzt fragte mich nach meinen Namen. Ich konnte nicht antworten.
Ich sollte den Arm heben. Ich konnte ihn nicht heben. Da begann er mein Zahnfleiß aufzuschneiden. Da liefen so manche Tränen vor Schmerz über meine Wangen.
Er konnte es nicht glauben, dass ich Schmerzen hatte.
Teufel, Teufel nochmal!
Im Spiegel wurde berichtet, dass sogar manche Patienten die Schmerzen bei der Operation am offenen Brustkorb aushalten mussten.

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avollmer 21.11.2009, 19:31
4. 100.000 ??? !!!

Hundert Tausend - mehr als eine Kleinstadt. Soviel wir in Gütersloh wohnen oder in Gummersbach und Kempten zusammen.

Unfälle? Gewalttaten? Egal - eindeutig zu viele Opfer. Ob Koma oder nicht.

Wnn man die schwere Schädel- und Hirnverletzungen verhindert, dann reduziert man auch die Zahl der Komapatienten. Dann werden auch Kapazitäten frei um sich mit den verbliebenen Opfern qualifizierter auseinanderzusetzen.

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aschu0959 21.11.2009, 19:39
5. Kein Fehler des Personals

Zitat von vincentius;

" zu der hier offenbar werdenden diagnostischen Unfähigkeit ganzer Scharen von beteiligten Ärzten (inkl. Pflegepersonal) "

Das Pflegepersonal hat keine diagnostischen Befugnisse, kann also auch keine Unfähigkeit offenbaren - und im vorliegenden Fall wohl auch kaum eine Fehldiagnose erkennen - im übrigen gebe ich ihnen aber recht.

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vincentius 21.11.2009, 19:52
6. Ja,

Zitat von adsum
Also, das ist die Hölle. Nicht auzudenken, wenn so ein Mensch höllische Schmerzen hat und kein Mensch setzt Schmerzmittel ein. Ich hatte mal ein Lachgasnarkose. Der Zahnarzt fragte mich nach meinen Namen. Ich konnte nicht antworten. Ich sollte den Arm heben. Ich konnte ihn nicht heben. Da begann er mein Zahnfleiß aufzuschneiden. Da liefen so manche Tränen vor Schmerz über meine Wangen. Er konnte es nicht glauben, dass ich Schmerzen hatte. Teufel, Teufel nochmal! Im Spiegel wurde berichtet, dass sogar manche Patienten die Schmerzen bei der Operation am offenen Brustkorb aushalten mussten.


das ist die Hölle. Ich habe so einen Artikel auch mal gelesen: danach musste ein nur durch die Narkose voll gelähmter, aber dennoch voll bewusster Patient eine 15stündige schwere OP im Imnnenraum an sich ergehen lassen und zwar VOLLKOMMEN WEHRLOS! Es wurde über den gesamten Zeitraum geschnitten und genäht!

Ich sprach hierüber mal mit einem Narkosearzt, sogar mit zweien - beide sagten ganz klar, dass dies ein Fehler des Narkosearztes gewesen sein muss, da der jew. eingesetzte Narkosearzt während der OP ausreichende Informationen über die angeschlossenen Diagnostikgeräte erhält: gleich mehrere Parameter zeigen an, ob der Patient nur gelähmt statt wirkungsvoll narkotisiert ist.


Die darüber erschienen Artikel haben also nicht die ganze Wahrheit erzählt.

Aber man kann sich an diesem und Ihrem Beispiel ausmalen, was so manche der vermeintlichen Komapatienten so alles ertragen müssen. Wieviele unerkannte bewusste und als Komapatienten fehldiganostizierte Fälle es wohl gibt (und historisch wohl gab)?

Meine letzte Überschrift (voriger Beitrag) war ein Versehen: ich wollte nur "Also" schreiben und habe wohl etwas aus dem Zwischenspeicher reinkopiert, was ganz gewiss nicht in die Überschrift gelangen sollte

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digital-transducer 21.11.2009, 21:20
7. ja

ein mensch ohne bewusstsein muss kämpfen, um wieder zurückzukommen, sowas ist schwer, aber möglich.

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Baikal 21.11.2009, 21:26
8. Erlanger Baby

Zitat von vincentius
Wieviele unerkannte bewusste und als Komapatienten fehldiganostizierte Fälle es wohl gibt (und historisch wohl gab)?
Und dann denken Sie mal an so Fälle wie dem des Erlanger Babys, das trotz der Diagnose eines Hirntodes in einem spontanten Abortus zur Welt kam. Ob vielleicht die Diagnose des Hirntodes und dem dann schnell erfolgendem Organspenden nicht auch dem Allmachtsgefühl der Medizin entspringen könnte, ob nicht vielleicht die medzinische Kenntnis unbekannte Ecken und Höhlen des menschlichen Lebens bisher ignorant übersehen hat? Ich zumindest möchte weder Organe empfanden noch hergeben - in der Kenntnis der Beschränkung des menschlichen Lebens liegt der Schlüssel zum Sinn des Ganzen.

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docmed 21.11.2009, 22:17
9. Vor Diskussion wichtige Info!!!

Bevor hier noch mehr unqualifiziertes Zeug abgelassen und einer Betroffenheitskultur gehuldigt (aus Unkenntnis!!) wird, mag man sich hier ersteinmal über das "Locked in - Syndrom" informieren, das nichts mit einem "Wachkoma" zu tun hat!!
http://de.wikipedia.org/wiki/Locked-in-Syndrom

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