Forum: Wissenschaft
Fehldiagnose Wachkoma: Tausende Patienten im eigenen Körper begraben

Zehntausende Menschen liegen in Deutschland im Wachkoma. Doch neue Studien zeigen, dass jede dritte Diagnose falsch sein könnte: Die Betroffenen sind zumindest teilweise bei Bewusstsein - aber können sich nicht bemerkbar machen.

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ttrumm 23.11.2009, 15:27
1. Lösung!

Die Lösung kann hier nur Patientenverfügung heißen. Hoffentlich führt diese Erkenntnis nicht zu dem Schluß, die Maschinen nur deshalb anzulassen, weil in dem Stück Fleisch, was da liegt, noch ein Restbewußtsein enthalten ist/sein kann? Lebenswert ist es ja wohl kaum.

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Viva24 23.11.2009, 15:28
2. Wir konkurieren mit dem Krankensystem in Nigeria

Unsere Patientenversorgung und die Behandlungspraktiken sind nur vergleichbar mit afrikanischen Staaten. Es kann passieren, dass Sie im Kongo oder Nigeria besser als Patient aufgehoben sind, als wie in Deutschland. Die Lobbyisten haben unsere Politiker voll im Griff und irgendjemand sollte diese Politiker mal aus Ihrem Wachkomma erwecken?

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anin 23.11.2009, 15:44
3. Patientenverfügungen

Zitat von sysop
Zehntausende Menschen liegen in Deutschland im Wachkoma. Doch neue Studien zeigen, dass jede dritte Diagnose falsch sein könnte: Die Betroffenen sind zumindest teilweise bei Bewusstsein - aber können sich nicht bemerkbar machen.
Kommt der Artikel etwa aus der Ecke derjenigen, denen die derzeitige Zunahme der Patientenverfügungen ein Dorn im Auge ist?

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1810234 23.11.2009, 15:53
4. Es gibt keine für alle gültige Lösung

Zitat von ttrumm
Die Lösung kann hier nur Patientenverfügung heißen. Hoffentlich führt diese Erkenntnis nicht zu dem Schluß, die Maschinen nur deshalb anzulassen, weil in dem Stück Fleisch, was da liegt, noch ein Restbewußtsein enthalten ist/sein kann? Lebenswert ist es ja wohl kaum.
Sie positionieren sich da sehr eindeutig, auf einem schmalen Grad. Mit wie vielen Menschen in so einer Situation hatten Sie denn schon zu tun?

Womit ich nichts gegen Patientenverfügungen gesagt habe, ich befürworte sie und auch, dass sie eingehalten werden.
In meiner Arbeit habe ich sehr interessante und wertvolle Menschen kennengelernt, die sich zwar kaum noch bewegen konnten, aber mit Unterstützung durch die moderne Technik sogar noch anderen geholfen haben; einer dieser Patienten hilft seinen Pflegern bei Behördenproblemen, die diese haben, ein anderer hat ein kleines Buch geschrieben, und allen ist gemeinsam, dass sie leben wollen.
Wenn sie es nicht mehr wollen, müssen sie weiterleben. Das ist nicht in Ordnung. Aber wenn sie es wollen, dann sollen sie es auch dürfen.

Darüber, ob ein Leben lebenswert ist, kann nur der entscheiden, der es lebt.

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Harald E 23.11.2009, 16:03
5. Geht doch nur um Kohle

Zitat von ttrumm
Die Lösung kann hier nur Patientenverfügung heißen. Hoffentlich führt diese Erkenntnis nicht zu dem Schluß, die Maschinen nur deshalb anzulassen, weil in dem Stück Fleisch, was da liegt, noch ein Restbewußtsein enthalten ist/sein kann? Lebenswert ist es ja wohl kaum.
Die Maschine bleibt an, solange das Klinikum damit Geld verdient.
Gehts dem Ende zu, wird dieses Stück Fleisch auch gerne zum Verrecken in einen Verbindungsgang geschoben, damit sein Ableben nicht die Sterbestatistik der Abteilung "belastet".

Wenn man -wie ich- einige Ärzte, Krankenpfleger und eine Pharmavertreterin im Bekanntenkreis hat und sich deren Berichte anhört, fängt man unweigerlich an, Heilkräuter im Garten zu pflanzen um ja nicht in die Fänge unseres Gesundheitssystems zu geraten.

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ttrumm 23.11.2009, 16:10
6. Ganz genau!

Zitat von 1810234
Darüber, ob ein Leben lebenswert ist, kann nur der entscheiden, der es lebt.
Muss ich denn dafür jahrelang dahinvegitieren, nur von Maschinen am Leben erhalten, damit ich dann selbst über mein Schicksal entscheiden kann? Die Verfügung soll ja nur dann greifen, wenn ich nicht mehr eigenständig agieren kann, so wie im Falle eines Wachkomas (oder eines scheinbaren - wo war nochmal der Unterschied für den Patienten??).

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Boone 23.11.2009, 16:23
7. Zufrieden im Wachkoma?

Ich frage mich, wie man sich daran gewöhnen können sollte, in völliger Bewegungslosigkeit zu verbleiben ohne jegliche Möglichkeit der physischen Beschäftigung. So stelle ich mir die Hölle vor, aber keinen Ort der Zufriedenheit.

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donbilbo 23.11.2009, 16:25
8. Antwort:

Zitat von Harald E
Die Maschine bleibt an, solange das Klinikum damit Geld verdient. Gehts dem Ende zu, wird dieses Stück Fleisch auch gerne zum Verrecken in einen Verbindungsgang geschoben, damit sein Ableben nicht die Sterbestatistik der Abteilung "belastet".
Wie stellen sie sich denn ein "humanes Ableben" eines Patienten vor, der im Koma liegt? Lassen sie mich raten, in dem Verbindungsgang tropft es von den Wänden und Ratten laufen über den Boden während ein Chirurg mit Piraten-Augenklappe und blutverschmierter Schürze die noch lebenden schon nach verwertbarem Material absucht?
Zitat von Viva24
Unsere Patientenversorgung und die Behandlungspraktiken sind nur vergleichbar mit afrikanischen Staaten. Es kann passieren, dass Sie im Kongo oder Nigeria besser als Patient aufgehoben sind, als wie in Deutschland. Die Lobbyisten haben unsere Politiker voll im Griff und irgendjemand sollte diese Politiker mal aus Ihrem Wachkomma erwecken?
Na dann auf nach Nigeria! Es hält sie keiner auf. Ab in den Kongo, mal sehen ob sie dort einen Patienten im "Wachkomma" finden der jahrelang rund um die Uhr betreut wird! Ich kann es mir nicht vorstellen.

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docmed 23.11.2009, 16:28
9. Danke für die Problemschilderung...aus ANDERER Sicht!

Artikel und Geschehen geben ja wohl dem Papst und der katholischen Kirche um so mehr Recht, als Patienten im Wachkoma NICHT wie Sterbende zu behandeln sind.
Also auch nicht i.R. einer AKTIVEN Sterbehilfe oder einer ärztlicherseits vorgeschobenen INDIREKTEN Sterbehilfe (wie in Holland und Belgien schon 1200 X / Jahr OHNE (!) Einverständnis der Betroffenen, aber mit ANGENOMMENEM Einverständnis dieser Realität.
So entledigt sich eine "gnädige" Gesellschaft mit allzu bekannten Argumenten einer für SIE unerträglichen Last. Eine Kultur des LEBENS, nicht des Todes ist gefragt und gefordert von den Schönen , Jungen und noch Gesunden!
Zukünftige Stimmen, sicher auch wieder in diesem blog, mit der bekannten Jammerei über unser ach so schlimmes Gesundheitssystem, - einem der besten in der Welt!! -, sind albern und völlig daneben.
Auch wenn jetzt wieder die Klagen hier über Kasuistiken "schlimmer persönlicher Erfahrungen" mit der bösen Medizin, der Pharmalobby und all den anderen Weltverschwörern des Medizin- und Ärztekartells als Betroffenheitsanklage losgetreten werden.....
Relativiert doch mal unser wirkliches Wohlergehen im Luxus einer medizinischen ÜBERversorgung zu den Situationen in der 3. Welt! (Ich war selbst 3 Jahre als Arzt tätig auf den Müllbergen Kenias und der Philippinen und weiß, wovon ich rede!!)
p.s. Man achte mal auf das immer gleiche Echo und besonders den Stil der Reaktionen hier auf Reizwörter wie "Papst", "Kirche", "Sterbehilfe", "gutes deutsches Gesundheitssystem" und "Dritte Welt"!

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