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Fields-Medaille: Peter Scholze bekommt weltweit höchste Auszeichnung für Mathematiker
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Peter Scholze bekommt als erster Deutscher seit 32 Jahren eine Fields-Medaille. Die Auszeichnung gilt als Nobelpreis für Mathematik.

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polza_mancini 02.08.2018, 11:06
90. Ist mir bekannt,

Zitat von Crom
Da die Fields-Medaille nur bis 40 vergeben werden kann, sind deren Preisträger im Gegensatz zum Nobelpreis immer noch recht jung.
habe ich auch nicht mit Nobelpreis verglichen. Um genauer zu sein: die zum Fields-Preis führende Arbeit hat er ja offenbar bereits 2011 mit seiner Diss. abgeschlossen, wenn ich es richtig sehe; und dann noch 10 Jahre bis "Fristablauf" zur Fields_Medaille zu haben, ist wohl nicht allen vergönnt...Faltings war jedenfalls über 30, Ed Witten 39, Vilani 37, um mal ein paar bekanntere "Stars" zu nennen (o.k., Perelman war 30 aber der hat ja auch abgelehnt...:-)

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srinivasa.r.aiyangar 02.08.2018, 11:12
91.

Zitat von srinivasa.r.aiyangar
Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass sich Mathematiker aus reiner Faszination an der Sache an sich etwas ausgedacht haben, und später stellten Physiker und andere Wissenschaftler dann fest, dass sie das prima zur Beschreibung und Lösung konkreter Probleme benutzen konnten. Ein bekanntes Beispiel ist die Anwendung der Differentialgeometrie bei der Formulierung der ART durch Einstein.
P.S. Hinzu kommt, dass Mathematiker für ihre fachspezifische Grundlagenforschung keine millionen- und milliardenteuren Maschinen und Apparaturen benötigen. Ein weiterer Grund, den entsprechend qualifizierten Leuten weitgehende Freiheiten einzuräumen.

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klmo 02.08.2018, 12:22
92. Hallo Spon

Lese gerade, dass einem Teilnehmer nach 30 Minuten die Fiels-Medaille gestohlen wurde.
Wäre doch interessant, den Vorgang mal mathematisch zu betrachten und zu untersuchen. Ansatz: Wahrscheinlichkeitsrechnung
Erweiterung: Folgen und Ermittlungen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen.

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polza_mancini 02.08.2018, 12:24
93. Hat zwar nix mit dem Thema zu tun, aber

Zitat von grafnor
ist Herr Scholze ein höchst begabter Mensch, der offensichtlich außerordentlich komplexe Konstrukte stringent durchdringen kann. Allerdings beschäftigt er sich mit der "reinen" Mathematik, ohne Bezug zu tatsächlich realen Problemen, die noch auf eine Lösung warten. Was er leistet, verstehen nur seine Kollegen, die sich in ihren Elfenbeintürmen immer aberwitzigere Aufgabenstellungen ausdenken und gespannt sind, ob es jemand schafft, die aufgestellten Thesen nachvollziehbar zu beweisen oder zu widerlegen. Am Beispiel der Physik zeigt Alexander Unzicker in seinem Buch "vom Urknall zum Durchknall" witzig und unterhaltsam die Grenzwertigkeit des Forschens um des Forschens willen auf, und wie dabei der Gesellschaft Geld aus den Rippen geleiert wird. Ohne Zweifel gehören Talente wie Herr Scholze gefördert; ich würde mir aber wünschen, dass er seine außerordentlichen Fähigkeiten für reale Problemstellungen anwendet, die gibt es leider zu Hauf. Nichts desto trotz, Glückwunsch zu dieser Auszeichnung.
bei aller Liebe: Alexander Unzicker zeigt nicht "witzig und unterhaltsam" irgendwelche Grenzwertigkeiten auf, sondern spielt die beleidigte Lehrer-Leberwurst mit akademischem Hintergrund, der den Zeiten nachtrauert, wo man Physik noch mit Schulmathematik verstehen konnte - und das im Ton weitestegehend unter der Gürtellinie. Seine teilweise berechtigten Kritikpunkte am Wissenschaftsbetrieb gehen dadurch komplett unter.

Er hatte auch online eine Wette laufen, dass man das Higgs-Teilchen nicht finden wird; tja, ging leider in die Hose - da musste dann ein im Eigenverlag produziertes Buch raus, dass der Nachweis eine Verschwörung ist. Nicht seine einzige wissenschaftliche Fehlleistung. Also bitte....

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klmo 02.08.2018, 13:13
94.

Zitat von srinivasa.r.aiyangar
Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass sich Mathematiker aus reiner Faszination an der Sache an sich etwas ausgedacht haben, und später stellten Physiker und andere Wissenschaftler dann fest, dass sie das prima zur Beschreibung und Lösung konkreter Probleme benutzen konnten. Ein bekanntes Beispiel ist die Anwendung der Differentialgeometrie bei der Formulierung der ART durch Einstein.
Es gibt auch andere Beispiele, was man Mathematiker zu verdanken hat. Heisenberg wollte ursprünglich Mathematik studieren. Beim Vorstellungsgespräch mit einem Mathematikprofessor dann das vernichtende Urteil: "Für ein Mathematikstudium sind sie völlig ungeeignet. Zu sehr vorbelastet durch die Physik!" Dass Heisenberg daraufhin enttäuscht Physik studierte, erwies sich bekanntlich als ein großen Glücksfall.

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Aberlour A ' Bunadh 02.08.2018, 17:32
95. Die schulischen Randbedingungen

Zitat von curiosus_
...Herrn Scholze nun mal die Möglichkeiten Deutschlands (oder der DDR) zur Verfügung standen. Wobei "DDR" ein schönes Beispiel für eine in Summe nicht konkurrenzfähige menschliche Gemeinschaft ist. Sonst wäre sie heute nicht Geschichte. Und auch Herr Scholze sieht das nicht anders: "Meine Zeit an der Heinrich-Hertz-Schule war für mich prägend, und hat sehr zu meiner Entwicklung beigetragen. Der Einfluss der Schule erstreckt sich..." Ob er mit den schulischen Randbedingungen in z.B. Bangladesch auch so weit gekommen wäre wage ich zu bezweifeln. Und auch die von Ihnen erwähnten Netzwerke (in "der ehemaligen DDR") standen ganz sicher (auch von ihrem Selbstverständnis her!) in Konkurrenz mit dem kapitalistischen Westen. Selbstverständlich wird intern "eher kooperiert als konkurriert". Jedenfalls bezüglich dem Rest der Welt.
Vielleicht können wir uns darauf einigen. dass Herr Scholze mit seiner mathematischen Forschung sicherlich keinem "weh tut". So kam es ja nicht von ungefähr, dass in der ehemaligen DDR im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich exzellente Arbeit abgeliefert wurde, weil sich hier die menschliche Kreativität frei von Gängelung oder irgendwelcher Vorgaben von SED-Parteitagen voll entwickeln konnte. Auch die Lehrbücher aus diesem Bereich waren immer didaktisch hervorragend.
Das sah im gesellschaftspolitischen Bereich allerdings ganz anders aus. Wer da nicht "auf Linie" war konnte sich "in der Produktion bewähren" oder das Studium gleich an den Nagel hängen.
Mathematik lässt sich eben schwer (oder gar nicht?) ideologisieren, so dass sich eben in der DDR in diesem Bereich ein hervorragendes schulisches Umfeld entwickeln konnte.
Nimmt man noch das Elternhaus hinzu - Vater Physiker, Mutter Informatikerin - und die schulischen Randbedingungen am Heinrich-Hertz-Gymnasium mit dem Networking on top, gebe ich ihnen recht, dass das ein "Hotbed of Genius" war.
Herr Scholze ist mir jedenfalls absolut sympathisch. In der Schulzeit in einer Heavy Metal Band als Bassist (da machen die langen Haare beim Headbanging natürlich Sinn), schreibt er heute ganz old school immer noch Tafeln mit Kreide voll. Herrlich. Wir brauchen eine analoge Revolution.

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Xiuhcoatl 02.08.2018, 17:52
96. Re: klmo 13:13

Zitat von klmo
Es gibt auch andere Beispiele, was man Mathematiker zu verdanken hat. Heisenberg wollte ursprünglich Mathematik studieren. Beim Vorstellungsgespräch mit einem Mathematikprofessor dann das vernichtende Urteil: "Für ein Mathematikstudium sind sie völlig ungeeignet. Zu sehr vorbelastet durch die Physik!" Dass Heisenberg daraufhin enttäuscht Physik studierte, erwies sich bekanntlich als ein großen Glücksfall.
So bekanntlich, dass sich das als ein großen Glücksfall erwies, ist das nicht:

Denn zur Beurteilung der (angeblich erwiesenen) Glücksfälligkeit, würde man ja nötig eine Alternative zu bewerten und dagegenzuhalten haben.

Was also hätte geschehen worden sein, würde er nicht (enttäuscht) Physik studiert haben.

So etwas geht (hier würde ich in der Tat sagen: bekanntlich) nicht, mangels Inaugenscheinnehmenkönnen derartig sich fortentwickelt habender Paralleluniversen.

Mangels dieser Vergleichsmöglichkeit verbietet sich unmittelbar folglich eine Einschätzung als Glücksfall oder in sonst eine bewertende Richtung.

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emess 02.08.2018, 17:55
97.

Kann mir jemand sagen ob 0.99 Periode gleich 1 ist - hier scheiden sich die Geister und Mathematiker

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irgendeinleser 02.08.2018, 19:05
98. @emess

Zitat von emess
Kann mir jemand sagen ob 0.99 Periode gleich 1 ist - hier scheiden sich die Geister und Mathematiker
Für Mathematiker sind die beiden in den reellen Zahlen gleich. Es sind einfach zwei verschiedene Darstellungen derselben Zahl. Es gibt etliche Begründungen, beispielsweise gibt es bei zwei verschiedenen reellen Zahlen immer eine Zahl dazwischen, aber bei diesen beiden gibt es nichts zwischen ihnen.

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klmo 03.08.2018, 11:59
99.

Zitat von Xiuhcoatl
So bekanntlich, dass sich das als ein großen Glücksfall erwies, ist das nicht: Denn zur Beurteilung der (angeblich erwiesenen) Glücksfälligkeit, würde man ja nötig eine Alternative zu bewerten und dagegenzuhalten haben. Was also hätte geschehen worden sein, würde er nicht (enttäuscht) Physik studiert haben. So etwas geht (hier würde ich in der Tat sagen: bekanntlich) nicht, mangels Inaugenscheinnehmenkönnen derartig sich fortentwickelt habender Paralleluniversen. Mangels dieser Vergleichsmöglichkeit verbietet sich unmittelbar folglich eine Einschätzung als Glücksfall oder in sonst eine bewertende Richtung.
Sie können über die (scheinbar) befindlichen Diskrepanzen bei Wikipedia in Kurzform nachlesen, wo es gerade Heisenberg gelang, die Mathematik mit der Physik zu versöhnen und zu vertiefen.

Wikipedia:

Heisenberg gab 1925 die erste mathematische Formulierung der Quantenmechanik an und formulierte 1927 die nach ihm benannte Heisenbergsche Unschärferelation, die eine der fundamentalen Aussagen der Quantenmechanik trifft – nämlich, dass bestimmte Messgrößen eines Teilchens (etwa sein Ort und Impuls) nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmt sind. Für die Begründung der Quantenmechanik wurde er 1932 mit dem Nobelpreis für Physikausgezeichnet.
Er wollte eigentlich Mathematik studieren und hatte bereits vor seinem Studium Kurse an der Münchner Universität besucht, darunter auch über mathematische Methoden in der damals aufkommenden modernen Physik. Er strebte an, dass Mathematik-Grundstudium zu überspringen. Dazu sprach er bei dem bekannten Mathematikprofessor Ferdinand von Lindemann vor, der jedoch der Anwendung der Mathematik in der Physik äußerst kritisch gegenüberstand. In seiner Autobiographie Der Teil und das Ganze beschrieb Heisenberg das Treffen als Desaster: Nachdem Lindemanns kleiner Hund ihn schon beim Eintritt wütend angekläfft hatte, fragte der schwerhörige Professor nach Heisenbergs Lektüre. Als er von Hermann Weyls Raum, Zeit, Materie (ein Buch über Allgemeine Relativitätstheorie) erfuhr, beendete er das Gespräch mit der unwirschen Bemerkung: "Dann sind Sie für die Mathematik sowieso schon verdorben."

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