Forum: Wissenschaft
Flug Southwest 1380: Ein Opfer, eine Heldin - und drängende Fragen
REUTERS / NTSB

Flugzeugdrama in 9700 Metern Höhe: In einer Southwest-Maschine geht das Triebwerk kaputt, Trümmer zerstören die Hülle, eine Frau wird teils nach draußen gesogen und stirbt. Nun gibt es erste Hinweise zur Ursache.

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neinkerjer@gmail.com 18.04.2018, 18:31
50. Turbinenschaufel?

Bitte Turbinenschaufel nicht mit Fanschaufel verwechseln! Auf einem Video der NTSB ist deutlich die fehlende Fanschaufel zu sehen.

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elektromotor 18.04.2018, 18:31
51. Im Geschwindigkeitsprofil auf der Flightradar24-Website

Zitat von flytogether
und nicht an die Klugsch. Warum hat sich wütend des Sinkfluges die Geschwindigkeit kurzzeitig wieder stark erhöht. Der Rate of descent war relativ konstant.
gibt es diesen Geschwindigkeits-Einbruch nicht. Ich gehe davon aus, dass das abgebildete Profil der Flightaware-Website hier einen Anzeigefehler hat.

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ElkeOspert 18.04.2018, 18:40
52.

Die Pilotin hat ihren Job ordentlich gemacht - aber "Heldin" halte ich dann auch für übertrieben.
Das man bei Druckabfall in der Kabine schnelle die Höhe reduzieren muss weiß jeder Pilot - und auch viele Nicht-Piloten.
Da gibt es auch nicht viel nachzudenken - denn egal was sonst noch ist sind die Passagiere bei Druckabfall in normaler Reiseflughöhe nach ein paar Minuten eh tot.
Ich frage mich schon eher warum moderne Flugzeuge bei Druckabfall so ein Manöver nicht automatisch durchführen (zumindest wenn der Pilot dem nicht aktiv widerspricht). So eine Automatik hätte hier wohl viele Menschenleben gerettet

https://de.wikipedia.org/wiki/Helios-Airways-Flug_522

Und statt mit zwei nur mit einem Triebwerk zu fliegen erfordert auch keine fliegerische Meisterleistung sondern ist eine oft geübte Basisfähigkeit für einen Verkehrspiloten.

Wie auch immer man "Held" definiert - die erbrachte "Heldenleistung" sollte schon deutlich überdurchschnittlich sein und das war hier nicht der Fall. Ich würde mal behaupten deutlich mehr als 99% Piloten mit so einer Lizenz hätten das genauso gut geschafft.

Mit der Leistung von Sully kann man das jedenfalls nicht ansatzweise vergleichen. Der mußte bei einem viel schwierigeres Problem (ein Ausfall aller Triebwerke ist ein extrem seltenes Ereignis) unter extremen Zeitdruck Entscheidungen treffen von denen das Überleben aller Personen an Bord abhing und dann noch ein Verkehrsflug ohne Crash auf dem Wasser landen - etwas was nur wenigen Piloten überhaupt je gelungen ist.

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***** 18.04.2018, 18:40
53. Amerikanisches Heldentum

Amerikaner lieben Helden. So ist es also nicht verwunderlich, dass dort viele dazu gekuert werden. Wahrscheinlich wird das Opfer posthum auch zur Heldin gemacht, hat sie doch als LochfuellerIN verhindert, dass evtl. andere durch das geborstene Fenster gesaugt wurden...

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Acer99 18.04.2018, 18:47
54. Helden und Drücke

Bei Reiseflughöhe ist die Kabine ca. auf 3000m, die Differenz beträgt also ca 7000m, Druckdifferenz ca. 700 hPa. Die Sogwirkung entsteht aber nicht allein durch diesen Druckunterschied, der ist schnell ausgeglichen, sondern durch die Sogwirkung, schließlich ist der Flieger mit ca. 700 km/h unterwegs. Ein rapid descent mit einem so beschädigten Flugzeug ist durchaus eine Heldentat., da dutzende Systeme in Mitleidenschaft gezogen werden und eben nicht alles mehr "normal" funktioniert. Strom und Druck im Hydrauliksystem sind "Mangelware", im Cockpit wird's vor lauter Warnmeldungen kunterbunt und laut, die Piloten müssen sich binnen Sekunden selber die Masken anziehen, um nicht ohnmächtig zu werden etc. Völlig unbekannt ist, inwieweit die Struktur (Zelle/Flügel) zerstört wurden, man (frau) muss immer damit rechnen, dass der Flieger im nächsten Moment "zerbröselt".

Flott runter muss man zumindest auf 6000m, da ist genug Druck/Sauerstoff, um zu überleben. Aber eben nicht zu flott, weil man nicht weiß, was man dem Flieger an Belastung noch zumuten kann.

Diejenigen, die das Alles locker beherrschen und meinen, jeder Pilot müsse das mal so eben bewältigen, sei eine Karriere als Testpilot anempfohlen. Für jeden aber, der sich mit der Fliegerei auskenntoder zumindest über gesunden Menschenverstand verfügt, war das eine hervorragende fliegerische Leistung, durchaus mit "Sully" vergleichbar.

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lebensgefährlich 18.04.2018, 19:06
55.

Zitat von hman2
Man sieht auf den Fotos natürlich nicht alles, aber das was man sieht, legt zumindest nahe, dass es sich nicht um Verdichterschaufeln, sondern um den Fan gehandelt hat. Natürlich sollte das Containment auch dessen Bruchstücke aufhalten.
Der Fan ist gleichzeitig auch die erste Stufe des (Niedrigdruck) Kompressors, zumindest für den (kleineren, nicht-Bypass) Kernstrom Teil des Luftflusses, der durch den thermodynamischen Teil des Triebwerks fließt.

Zur Berechnung des Differentialdrucks und die Kraft, die damit auf die Fläche des Fensters einwirkt: 32.000 ft ca. 30 kPa, in der Kabine ca. 75-80 kPa = 45-50 kPa ~ 0.5kg/cm^2. Fensteröffnung 32.5 x 25 cm = 812.5 cm^2 = 40.000 N = 400 kg (wenn der gesamte Körper das Loch ausfüllt). Das gilt natürlich nur anfangs, mit Druckverlust und Sinkflug sinkt der Differentialdruck und die Kraft. Aber das ist schon gewaltig und die Kraft des Luftstroms außerhalb des Flugzeuges auf den Kopf(?) etc. sind es ebenfalls.
Man vergebe mir die Vermischung von Kraft und Gewicht.

Wenn die Kapitänin den Funkverkehr machte, ist sie eigentlich nicht diejenige, die das Flugzeug fliegt, sondern als Pilot Non-Flying (PNF) dem Pilot Flying (PF) "assistiert". Aber das muß nicht so gewesen sein, und ich habe nur den Mitschnitt während/nach dem Ereignis gehört und nicht wie es vorher war.

Unglücklich das Land, das Helden nötig hat. (B. Brecht)

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sarah_weinberg 18.04.2018, 19:49
56. Oh gosh

ich habe zwar nur eine Lizenz Helicopter zu fliegen und auch Fracht. Die Frau ist fuer mich eine Heldin, nicht die Maschine runterzubringen, aber bei etwa 500 Warn message und sonstwas alles cool zu bleiben. Das trainiert man nie im Simulator. Das ist eine absolute Stress Situation nicht genau zu wissen was da abging, Dafuer bleibt gar keine Zeit. Auf dem Weg von Argentinen ist uns mal ein Triebwerk ausgefallen, Schluss mit lustig. Wir sind bis Madeira gekommen. Wir hatten kaum Elektrik mehr, wir haben den Vogel von Hand gelandet. Ohne Passagiere ist es noch leicht. Wir hatten nur nackte Angst ob wir es schaffen. Wir haben es geschafft. die Situation war aehnlich. Im Simulator hatten wir sowas nie geuebt. Wir mussten Schlecht Wetter unterfliegen.

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TS_Alien 18.04.2018, 19:54
57.

Zitat von hman2
Nehmen wir mal ein paar Zahlen, um die Szene aus Goldfinger, die wohl einigen vorschwebt, zu entzaubern: https://forum.airliners.de/topic/10759-luftdruck-in-flugzeugkabine/ "Max. differential pressure 7,8 psi" 14.5 psi sind 1 bar. Mit grob gerechnet einem halben bar wird niemand an die Größe des Fensters angepasst. So einfach geht das nicht.
Sie vergessen den Luftzug. Wie man in der Schule gelernt hat, verursacht ein Luftzug einen Unterdruck. Und der zieht vieles an.

Im Weltall hält eine dickere Alufolie den Druckunterschied zwischen innen und außen aus. Sobald Luftbewegungen hinzukommen, wirken wesentlich großere Kräfte.

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TS_Alien 18.04.2018, 19:55
58.

Zitat von hman2
Sie wollen also die Hobbypiloten und vor allem die Motordrachen dazu nehmen. Erst die sind nennenswert schlechter in der Sicherheitsstatistik. Das ist in etwa so repräsentativ, als wenn Sie bei Betrachtungen des Straßenverkehrs die Skateboardfahrer überrepräsentieren. Die einzig sinnvolle Klasseneinteilung wäre kommerzieller Flugbetrieb vs. Militär vs. Hobbyfliegerei.
Es reichen bereits alle Flugzeuge, die Passagiere befördern.

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TS_Alien 18.04.2018, 20:02
59.

Zitat von hman2
Sie wollen also die Hobbypiloten und vor allem die Motordrachen dazu nehmen. Erst die sind nennenswert schlechter in der Sicherheitsstatistik. Das ist in etwa so repräsentativ, als wenn Sie bei Betrachtungen des Straßenverkehrs die Skateboardfahrer überrepräsentieren. Die einzig sinnvolle Klasseneinteilung wäre kommerzieller Flugbetrieb vs. Militär vs. Hobbyfliegerei.
Es ist nicht redlich, den von Lotsen überwachten Verkehr von Großraumflugzeugen (riesige Abstände zwischen den Verkehrsteilnehmern, ...) mit dem normalen Straßenverkehr zu vergleichen.

Vermutlich ist bei einer solchen sinnfreien Betrachtung sogar die bemannte Raumfahrt sicherer als der Straßenverkehr. Das ist natürlich Unsinn. Wie so viele Statistiken.

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