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Forscher über Gentechnik-Urteil: "Als würde man Schrotflinten erlauben, aber Skalpell
DPA

Der Europäische Gerichtshof hat Pflanzen als Genfood eingestuft, die Züchtungen gleichen. Hier erklärt der deutsche Biochemiker Holger Puchta, warum das ein Fehler war.

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Harald Schmitt 26.07.2018, 17:52
10. Der Mensch spielt Gott

Soweit ich mich erinnere hat noch kein Eingriff des Menschen in die Natur was gebracht. Bei der Gentechnik in Südamerika hat sich trotz dem Genzeug der Einsatz von Pestiziden vervielfacht und es entsanden neue superresistente Unkräuter.
Dann gibt es noch Patente auf den Mist und die Bauern müssen zahlen und sich hoch verschulden. Anstatt alte Pflanzen zu optimieren werden Monokulturen auf riesigen Flächen geschaffen und der Boden industriell maximal ausgebeutet.
Es wird nach aussehen und riesigen geschmacksbefreite Früchten gezüchtet die maximal lagerbar sind, damit sie rund um die Welt gekarrt werden nachdem sie unreif geerntet wurden.
Das kann nicht die Zukunft sein. Eher die Vielfalt und natürliche Resistenzen anstatt Monokulturen!

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aliof 26.07.2018, 17:56
11. natürlich - unnatürlich

Zitat von muellerthomas
Aber "unnatürliche" Evolution in Form von Züchtungen ist doch nicht verboten, ganz im Gegenteil. Und selbst die Erhöhung von Mutationsraten über Chemie oder Radioaktivität ist erlaubt und muss auch nicht gekennzeichnet werden.
Züchtungen , Zufall , Chemie und Physik (zB Radioaktivität) mit anschliessender Auslese sind die herkömmlichen Verfahren , und werden insofern NATÜRLICH genannt.

Die NEUEN biologischen (crispr cas-9) Verfahren können das, was Bakterien seit jeher machen, aber wir höheren Lebewesen aus guten Gründen nicht mehr tun .

Nämlich jegliches genetische Material , mit dem sie in Kontakt kommen , in ihr eigenes Genom einbauen und ausführen.

Auf unsere Pflanzen übertragen, könnten diese dann auch Substanzen produzieren, die nicht pflanzentypisch sind. Wie jeder Gärtner weiß, wachsen an einem Orangenbaum auch Zitronen , wenn man sie da anbringt . - Mais zB hat eine einzigartig herausragende Fähigkeit, um Sonnenlichtenergie in Substanz zu verwandeln, was jetzt jeder anderen Pflanze eingepflanzt werden kann.

Die neuen Techniken auf Tiere übertragen , werden echte Chimären entstehen , Fantasieungeheuer wie seit Urzeiten illustriert , und auch sehr nützliche Mikrowesen ,die Plastik essen und chemisch aktive Substanzen höchst definiert ausgeben. - Im Prinzip ist Alles denkbare möglich .

Aus heutiger Sicht ist das was kommt , nicht mehr NATÜRLICH.

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Dr. Bernd Fabry 26.07.2018, 18:02
12. Für Start-Ups leider kaum geeignet ...

... denn vor dem Einsatz stehen die horrenden Lizenzforderungen der Patentinhaber. Selbst mittelständige Unternehmen überlegen zweimal, ob sie hier zugreifen oder sogar nur forschen sollen.

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cindy2009 26.07.2018, 18:04
13. @syracusa

"------
syracusa heute, 17:44 Uhr
9. Weiter so, EuGH!
Es ist keine Aufgabe des Gerichts, neue Klassifizierungen einzuführen. Das ist Sache der Politik. Das Gericht hat weder verboten noch erlaubt, sondern hat im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen Transparenz für die Verbraucher geschaffen. Wenn die Agrarlobby eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Arten der Genmanipulation für sinnvoll hält, kann sie ja versuchen, diese durchzusetzen. Der EuGH hat im Interesse der Verbraucher entschieden! Dass das einigen Lobbyisten nicht gefällt, liegt in der Natur der Sache. Weiter so, EuGH!-----"
Und warum dürfen dann jetzt schon mit Hilfe der Gentechnik Produkte ohne Kennzeichnung in den Umlauf gebracht werden?

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estark 26.07.2018, 18:11
14. Was ist an Transparenz so schrecklich ?

So wie ich es verstehe, ist eine Kennzeichnung mit dem Zusatz CRISP-Methode nicht verboten. Gezielt ist nicht zwingend besser, mit einem Skalpell ist einem Menschen ebenso großer Schaden zuzufügen wie mit der Schrotflinte. Nicht jeder in der Medizin mit dem Skalpell durchgeführte Eingriff hat sich auf Dauer bewährt. Der Eingriff wird im Gegensatz zur CRISP modifizierten Pflanze aber nicht weitervererbt. Das Urteil bietet zumindest die Chance, dass Bürger den den Kauf der Produkte verweigern genetische Vielfalt erhalten.

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kennymcm 26.07.2018, 18:31
15. bitte nicht verwechseln

Hier werden ununterbrochen zwei Methoden in einen Topf geworfen. Das Übertragen und die Integration von Genen von einer Spezies zur anderen ist seit jeher Teil der Gentechnikgesetzes egal ob mit crispr oder ohne. Kleine präzise Eingriffe mit Crispr um die es hier geht dienen der Ausschaltung von genen oder winzigen Korrekturen im Protein. Letzteres entsteht auch durch Mutagenese. Beides ist überhaupt nicht miteinander zu vergleichen.

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mimas101 26.07.2018, 18:36
16. tststs

Zum einen kann keiner garantieren das während des Zerschneidens sich nicht doch ein Bakterium oder Klein-Virchen mit irgendwas im Huckepack einschmuggelt. 100% Sterilität gibt es nämlich nicht.
Auch kann keiner garantieren wie das Ergebnis des Zerschneidens, nämlich die Selbstreparatur die die Pflanze dann an ihrem Erbgut ausführen *soll*, unbedenklich ist. Auch hier müßten dann erstmals Tests pp gefahren werden.

Es ging den beteiligten Firmen, und den Reportern die sich haben drauf heben lassen, alleinig darum das manipuliertes Essen (und auch eine Schere manipuliert) nicht den Aufkleber "gentechnisch verändert" oder "Erbgutverändert" tragen muß.
Denn dieser Aufkleber verdirbt neue Geschäftsmodelle mit Designerfood (einschließlich Patenten, Geschmacksmustern, Lizenzen, Copyrights, horrende Gewinnmitnahmen und sonstwas (Anfänge gibt es z.B. bei der Apfelsorte "Pink Lady" lt. arte-Berichten)) und die Ware avanciert sofort zum unverkäuflichen Ladenhüter weil es weder einen Markt gibt noch Kunden die für so'n Zeuchs auch noch Geld bezahlen wollen.
Außerdem geht es um den Kostenfaktor Zeit: Natürliche Mutationen abzuwarten und die dann auf Ungefährlichkeit zu testen kostet Unsummen da man dafür Jahre braucht; und das ist den Investoren, Börsenfritzen und sonstwas alles andere als angenehm.

Allerdings bleibt es der Desingerfood-Industrie und den hintendran hängenden Aasgeiern und anderen Heuschrecken unbenommen mit dem notwendigen Aufkleber ihre Waren anzupreisen und mittels Marketing dann den Sondermüll zu verkaufen. Ach geht ja nicht, kostet halt, verdirbt Gewinne und der Kunde würde nicht mal zuhören was die Werbefritzen von sich geben.
Tja, dann soll halt der Nahrungsmitteltechniker sich wieder dem zuwenden wo halt ein Markt existiert.

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kennymcm 26.07.2018, 18:38
17. @ alois

Crispr dient in Bakterien nicht zur Aufnahme von Genen, sondern zerstört gezielt Fremd-DNA. Es stellt eine sehr simple aber effektive Form des Immunsystems im Kleinstmaßstab dar. Wir haben evolutionär einen anderen Weg beschritten und ein anderes Immunsystem entwickelt - crispr also nie gehabt und daher auch nie verloren. Und ein funfact am Rande: Ich finde es amüsant natürlichen und GV-Mais zu unterscheiden. Es gibt keinen Wildmais. Es ist eine gänzlich vom Menschen geschaffene Kulturpflanze, die sich in freier Wildbahn niht vermehrt. Ebenso gibt es keinen natürlichen Weizen - diese Pflanze stellt quasi ein sehr frühes und bemerkenswertes Gentechnikexperiment dar... ;)

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mimas101 26.07.2018, 18:58
18.

Zitat von kennymcm
Crispr dient in Bakterien nicht zur Aufnahme von Genen, sondern zerstört gezielt Fremd-DNA. Es stellt eine sehr simple aber effektive Form des Immunsystems im Kleinstmaßstab dar. Wir haben evolutionär einen anderen Weg beschritten und ein anderes Immunsystem entwickelt - crispr also nie gehabt und daher auch nie verloren. Und ein funfact am Rande: Ich finde es amüsant natürlichen und GV-Mais zu unterscheiden. Es gibt keinen Wildmais. Es ist eine gänzlich vom Menschen geschaffene Kulturpflanze, die sich in freier Wildbahn niht vermehrt. Ebenso gibt es keinen natürlichen Weizen - diese Pflanze stellt quasi ein sehr frühes und bemerkenswertes Gentechnikexperiment dar... ;)
Na da gibt es aber einen Unterschied:
Diese Kulturpflanzen sind mit der Evolution gereift und gewachsen und haben nachweislich keinen umgebracht (höchstens mal den Magen verdorben oder einen Besuch Montezumas eingebracht).
Aber woher weis ein Blümelein, dessen DNA man zerschnippelt hat, das es genau die Features ausbilden soll die die Börsen und Geschäftemacher von ihm erwarten? Eben, geht nicht.
Denn die Argumention der Scherennutzer hat eine bemerkenswerte Achillesferse: Man behauptet das man mit einer Schere den Pflanzen sofort Schimmelresistenz oder sonstwas anhexen kann. Aber woher soll die Pflanze wissen das sie das Erbgut so zu reparieren hat wie es gerade in die Börsenerwartungen hineinpaßt? Eben, das riecht förmlich danach das interessierte Kreise und Firmen unerkannt der Selbstreparatur nachhelfen möchten.

Außerdem - die mit der Schere erzeugten Mutationen dürften auch natürlich vorkommen. Wären also diese Art von Mutationen von Vorteil für eine Pflanze würde die mutierte Form überleben, die andere Form nicht. Ergo folgt daraus das die versuchten Scherenmutationen Nebenwirkungen haben dürften die man heute noch garnicht überblicken kann.

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permissiveactionlink 26.07.2018, 19:23
19. #9, Ach syracusa....

Transparenz ? Wie wollen Sie die denn erzwingen ? Man merkt sofort, dass Sie aus der Ingenieurs- oder Physikerecke kommen. Nur leider lässt sich bei einer Zuchtpflanze im Nachhinein gar nicht mehr nachweisen, wie genau die Mutation entstanden ist : Hat die Pflanze einen Kopier- oder Reparaturfehler gemacht, hat ein Nukleotid ein Strukturtautomer gebildet und dabei ein anderes, falsches Nukletid nicht-komplementär gepaart ? War es die zufällige Wirkung von UV- oder radioaktiver Strahlung, oder doch gezielt ein Wissenschaftler, der stets nur Böses im Schilde führt, der raffgierige Kerl ? Also ein Teil von jener Kraft, die stets das gute sucht, und stets das Böse schafft ? Die EuGH-Entscheidung ist purer Ablenkungspopulismus. Pflanzengenetiker werden weitermachen wie bisher (es ist ja nicht verboten), und dann diese Pflanzen undeklariert als Sorte anmelden. Niemand wird das Gegenteil beweisen können, wenn der Züchter behauptet, die Sorte sei konventionell, also mit freundlicher Hilfe starker Mutagene entstanden. Das Urteil ändert auf wissenschaftlicher Seite nichts. Auf unternehmerischer Seite auch nicht, jedenfalls für die Großen im Geschäft. Aber bei den Konsumenten hat das Gericht massiven Schaden verursacht : Die glauben jetzt, alles was mit gezielter (!) Genveränderung zu tun hat, stünde auch bei der Justiz unter Generalverdacht. Eine verheerend dumme Entscheidung des EuGH (Iudikative), die das Totalversagen der diesbezüglich verantwortlichen Politik (Legislative) noch unterstreicht, und die Kontrollinstanzen (Exekutive) ratlos zurücklässt. Und alle reden immer nur davon, dass man mit Crispr Gene stilllegen kann. Das stimmt, aber es kann noch mehr : alte, schon seit langer Zeit in Folge der Züchtung (!) stillliegende Gene für Geschmack, Farbe, Konsistenz, Lagerfähigkeit, Klima- und Salztoleranz, Resistenzen gegen Schaderrreger und Parasiten etc. reaktivieren. Normale Züchtung kann das nicht, jedenfalls nicht so schnell und mit so geringen Kosten.

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