Forum: Wissenschaft
Gene und Verhalten: "Wir können uns von unseren Genen nicht emanzipieren"

Wie sehr ist der Mensch ein Sklave seiner Gene - kann er sie überlisten? Soziobiologe Eckart Voland spricht im SPIEGEL-ONLINE-Interview über die Grenzen unseres Verstandes - und erklärt die Wurzeln von Selbstmordattentaten, Religion, sexueller Gewalt.

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Family Man 26.01.2009, 08:32
1. "Unsere Gene"

Hallo Sysop,

ein nettes Thema. Viel dringender wäre allerdings die Diskussion über die künftigen Eigentumsrechte auf Gene. Die neuen und kommenden rechtlichen Bedingungen zeichnen ein Horrorszenario für die Zukunft auf: Jemand könnte aus meinem Blutstropfen DNA extrahieren und ein Patent darauf eintragen. Somit wäre man nicht Eigentümer seiner eigenen Gene. Dies muss unbedingt verhindert werden.

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averroes 26.01.2009, 08:53
2. Banalitäten

Zitat von sysop
Wie sehr ist der Mensch ein Sklave seiner Gene - kann er sie überlisten? Soziobiologe Eckart Voland spricht im SPIEGEL-ONLINE-Interview über die Grenzen unseres Verstandes - und erklärt die Wurzeln von Selbstmordattentaten, Religion, sexueller Gewalt.
Zitat aus dem Interview:
"SPIEGEL ONLINE: Wie erklärt die Soziobiologie das Phänomen Selbstmord?

Voland: Das ist eine extrem spannende Frage, auf die es keine leichte Antwort gibt. Zuerst muss man unterscheiden: Es gibt Selbstmorde, die durch Depressionen bedingt sind. Und es gibt solche aus Motiven des Heldentums, wie bei Kamikaze-Fliegern oder Selbstmordattentätern."

Das zeigt, was Voland "erklärt" bzw. erklären kann: Eine banale Antwort, die sich jeder Halbgebildete zusammen reimen kann. Offenbar zeigt unsere geistige Elite erhebliche Insuffizienzerscheinungen. Auch die anderen Antworten von Voland zeigen kein höheres Niveau - bestenfalls Banalitäten mit äußerster Arroganz vorgetragen!
Hat sich der SPIEGEL da nicht erheblich vertan ob dieses wichtigtuerischen Interviewpartners? Oder geht auch hier das Niveau langsam aber sicher auf "Unter-Teppich-Level"?

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chagall1985 26.01.2009, 09:04
3. Wat ein Scheiß!

Wenn ein Evolutionsbiologe anfängt mir die Welt zu erklären ist einseitigkeit und Schubladendenken vorprogrammiert.
Genauso als wenn man einen Bischof befragen würde.

Wenn Ich gegen die höchste Regel der Evolution verstosse (meine Gene zu verbreiten) indem Ich mich opfere, dann erklärt dieser Spinner das als eine Art Steuer der Eltern für die Verteidigung der Allgemeinheit.
Gut mag es geben! Die Hamas und Konsorten zahlen ja auch für zerfetzte Kinder.
Aber!
Wie erklärt dieser Spinner dann das erfolgreiche und in der Familie lebende Menschen selbstmord begehen weil sie sich innerlich leer fühlen.
Oder das ein, aus gutem Hause stammender Muslim, zum Terroristen wird.

Wie erklährt man mit Genen, das es Menschen gibt die einen Hang dazu haben die Gesellschaft zu kritisieren.

Oder wie erklärt man Gandhi?

Mir kommen diese Generklärer (Soziobiologen) genauso vor wie die Vertreter der Empirismus mit Ihrem weissen Blatt Papier das der Mensch sei.
Erst Erfahrung und das sinnliche erleben prägen unser weisses Blatt.

Dann kam Kant!

Es ist sicherlich so das Gene viel steuern und uns auch stark beeinflussen. Aber den Menschen und sein verhalten komplett dadurch zu erklären ist ein radikaler und einseitiger Ansatz der viel Stuss hervorbringen kann.
Natürlich Stuss den man hervorragend innerhalb des Denksystems erklären kann.

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la borsa 26.01.2009, 09:07
4. Was wir Intuition nennen,

Zitat von sysop
Wie sehr ist der Mensch ein Sklave seiner Gene - kann er sie überlisten? Soziobiologe Eckart Voland spricht im SPIEGEL-ONLINE-Interview über die Grenzen unseres Verstandes - und erklärt die Wurzeln von Selbstmordattentaten, Religion, sexueller Gewalt.
dass sind die blitzschnellen Ergebnisse unseres ganzen Gehirns; diese Ergebnisse werden uns als sog. Bauchgefühl in den Frontallappen übertragen. Dort stehen diese diffussen Erkenntnisse zur Nachbeabeitung (= bewußte Analyse und Entscheidung) zur Verfügung.

Was wir also Genialität oder als "Funken Gottes" bezeichen, dürfte sich auch nur aus der unterbewußten Gesamtleistung des Gehirns ergeben, wenn wir uns nur lange genug mit einem Problem beschäftigen.

Das vegetative Nervensystem (Regelkreis 1) entspricht dem Betriebssystem eines Computers. Allerdings ist dieser Regelkreis 1 vernetzt mit Regelkreis 2 (Frontallappen). Das somatische System (Regelkreis 3) ist für Antriebs- und Aufmerksamkeitsniveau verantwortlich ( = Compi: Taktrate des Prozessors). Klar: Etwas Vereinfachend geschildert.

Die persönliche Denkleistung, die wir letztlich mit unserem bewußten Willen erbringen, wenn es ihn denn wirklich gibt, ist die Steuerung des Unbewußten. Wir entscheiden immer noch, wie wir Reiz- und Erregungszustände letztlich abarbeiten wollen. Die Frage allerdings,ob wir Egoisten oder Altruisten werden, dürfte dem vegetativen Nervensystem komplett zuzuschreiben sein.

In diesem Forschungsbereich "Gene und Verhalten" ist alles im Fluß. Spannend wir es werden, wenn die Designer-Gene (= auch Grundbaupläne der Viergliedrigen genannt) besser bewertet werden können.

Ich glaube, wir werden noch Überraschungen erleben. So kann es durchaus sein, dass wir nur Kinder des Quanten-Computers Universum sind und dem kontrollierten Zufall unterliegen.

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die_lorks 26.01.2009, 09:10
5. sozialbiologischer Werterelativismus

Zitat Voland: "Analysiert man aber sexuelle Gewalt, zeigt sich, dass sie sehr kontextspezifisch auftritt - ein Hinweis auf adaptive Strategien. Das zeigt uns wieder einmal: Was evolutionär gut ist, muss in einem humanistischen Weltbild nicht zwangsläufig auch gut sein."

Voland sollte sich nicht wundern, wenn man ihm nach solch einer Antwort Werterelativismus vorwirft.

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waitzschrat 26.01.2009, 09:27
6. nein

Zitat von die_lorks
Zitat Voland: "Analysiert man aber sexuelle Gewalt, zeigt sich, dass sie sehr kontextspezifisch auftritt - ein Hinweis auf adaptive Strategien. Das zeigt uns wieder einmal: Was evolutionär gut ist, muss in einem humanistischen Weltbild nicht zwangsläufig auch gut sein." Voland sollte sich nicht wundern, wenn man ihm nach solch einer Antwort Werterelativismus vorwirft.

Genau DAS ist der Punkt in solchen Diskussionen: Werte sind Kategorien des menschlichen Geistes, Evolution ist Naturgesetz.
Der Mensch wähnt sich, Naturgesetze ignorieren zu dürfen, durch das aufstellen von Werten oder moralischen Normen. Und wundert sich irgendwann einmal, dass die Menschen nicht nach der Moral leben.
Es gibt auch z.Z. einige gute Beispiele in dieser Gesellschaft, wo man glaubt mit Programmen gegen bestimmte Verwergfungen in der Gesellschaft vorzugehen (z.B. Integration von Kulturfremden) und nicht begreift, dass es nix nützt, weil man die Naturgesetze nicht überlisten kann....
Realitätsverweigerung nenne ich sowas....

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Peter Sonntag 26.01.2009, 09:32
7. Alles sehr menschlich.....

"Wir denken dualistisch, trennen Körper und Geist - aber dafür ist in der Evolutionstheorie kein Platz. Das ist in der Evolution nicht vorgesehen."

Wir sollten uns die Erde eigentlich untertan machen, aber wir machen sie kaputt.
So weit her kann es also mit dem Geist nicht sein, auch wenn der Mensch noch so aufgeblasene Theorien entwickelt.

Darwin wird immer wieder bestätigt, und man kann das Ergebnis der Entwicklung des Menschen fast voraussagen.

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philosoph123 26.01.2009, 09:44
8. Deine Gene gehören dir

Hallo Family Man,

also um das jetzt mal zu klären, man kann keine Gene an sich patentieren, da sie schon existiert haben und nur endeckt wurden. Patentiert kann bei Genen nur die Funktion werden, die sie ausführen. Mann kann z.B. die Insulingewinnung durch Anwendung von XYZ Genen patentieren (als Verfahren) - aber nicht das Gen an sich. Das dürfte dann deinen Horrorvisionen, das ein Mensch seine eigenen Gene nicht mehr besitz und dafür Lizenzgebühren bezahlen muss (lach) ein für allemal erledigen. Inwiefern die Patentierung (der Funktionsweise von Genen) allerdings die Monopolbildung in der Arzneimittelproduktion fördert oder nicht ist ein anderes Thema...

Zitat von Family Man
Hallo Sysop, ein nettes Thema. Viel dringender wäre allerdings die Diskussion über die künftigen Eigentumsrechte auf Gene. Die neuen und kommenden rechtlichen Bedingungen zeichnen ein Horrorszenario für die Zukunft auf: Jemand könnte aus meinem Blutstropfen DNA extrahieren und ein Patent darauf eintragen. Somit wäre man nicht Eigentümer seiner eigenen Gene. Dies muss unbedingt verhindert werden.

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martinhlindemann 26.01.2009, 09:56
9. so einfach ist das nicht!

Zitat von sysop
Wie sehr ist der Mensch ein Sklave seiner Gene - kann er sie überlisten? Soziobiologe Eckart Voland spricht im SPIEGEL-ONLINE-Interview über die Grenzen unseres Verstandes - und erklärt die Wurzeln von Selbstmordattentaten, Religion, sexueller Gewalt.
Zitat von Volant: "...Sexuelle Gewalt hat evolutionäre Wurzeln, aber in der Moderne arbeiten wir daran, sie zu überwinden." Leute, auch wenn Darwins Evolutionstheorie stimmt, schüttet das Kind doch nicht immer mit dem Bade aus! Wenn es nur Gene wären, die Trieb/Taten beeinflussen, müssten doch alle Geschwister einer Familie parallel zu Triebtätern werden. Werden sie aber nicht. Abgesehen vom Geschlechtsunterschied prägen natürlich auch frühkindlich-psychische Erfahrungen schon im Mutterleib den apäteren erwachsenen Menschen. Kommt er auf gewissen Gebieten zu kurz, holt er sich später mit (auto-)Agggressivität das, was ihm in der Kindheit an Zuwendung fehlte.
Auch - sorry, schon wieder eine religionsangelehnte Philosophie - spielen astrologische Aspekte beim Ausleben des Charakters eine Rolle, wie ich selbst als Dipl. Ing. immer wieder beobachten kann! Allerdings müsste man schon etwas tiefer in solche (möglichen) Deutungssysteme einsteigen, um klar erkennbare Zusammenhänge zu begreifen. (Zuckerwürfelastrologie taugt hier nicht viel.)
Natürlich bereiten auch Gene den Boden für eine "krumme Nase", möglicherweise ebenfalls die eine oder andere psychische Veranlagung. Wer sich jedoch ausschließlich auf Genmodelle beschränkt, macht es sich zu leicht!

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