Forum: Wissenschaft
Gentechnik ganz ökologisch: Letzte Rettung für den Goldenen Reis

Die Gentechnik-Debatte wird nur noch hochemotional geführt, der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern scheint unüberwindbar. Ein Forscherehepaar sieht einen Ausweg: ausgerechnet in der Verbidung von Gentechnik und ökologischer Landwirtschaft.

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jana45 23.06.2012, 09:01
1. Die Forscher wollen bestimmt etwas gutes tun.

Und vielleicht ist die Idee auch gut. Andererseits müssen Hunger und Mangelernährung schon jetzt nicht sein. Es werden genug gute Nahrungsmittel produziert. Woran es krankt, sind politische Instabilitäten, korrupte Regierungen, ein weltweites Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich, rückständige landwirtschaftliche Anbaumethoden in einigen Ländern usw.Und hätte die Welt in den letzten Jahren auf Investitionen in Rüstung und Krieg verzichtet und stattdessen in gute Medizin und gute Nahrung investiert, würden sich solche Probleme auch nicht stellen.

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MarioDeMonti 23.06.2012, 09:05
2. Zwei Fragen

Zitat von sysop
Die Gentechnik-Debatte wird nur noch hochemotional geführt, der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern scheint unüberwindbar. Ein Forscherehepaar sieht einen Ausweg: ausgerechnet in der Verbidung von Gentechnik und ökologischer Landwirtschaft.
Zwei Fragen bzw. Anmerkungen

Als ich das erste mal vor ca. zehn Jahren vom 'Goldenen Reis' gehört habe war ein Kritikpunkt, dass er sich wegen der komischen Farbe nicht durchsetzen wird. Weißer Reis gilt als hochwertig. Ähnlich als wollte jemand versuchen, blaues Weizenmehl zu verkaufen.
Weiß jemand genaueres?

Zitat von
Bei der Gesundheit hört schließlich alles auf. Auch die Europäer haben keine Bedenken, Medikamente durch gentechnisch veränderte Lebewesen herstellen zu lassen.
Das ist ein klassischer Äpfel-und-Birnen-Vergleich.
Die gentechnischen Lebewesen in der Medikamentenherstellung werden nicht im Feldversuch freigesetzt. Das findet im Labor statt, allein schon um die Qualität bei der Produktion zu gewährleisten. Und das die Bakterien anschließend im Ausduß landen hoffe ich doch mal nicht. Oder gibt es mittlerweile Ansätze, Medikamente auf dem Feld wachsen zu lassen?

Nach diesem Vorfall in London

London: Männer nach Medikamententest auf Intensivstation - SPIEGEL ONLINE

hatte ich mal eine kleine Diskussion mit einem alten Schulfreund, der als Biochemiker in der Medikamentenentwicklung arbeitet.
Laut seiner Aussage kann es bei der Synthese von Medikamenten mit Hilfe von gentechnisch veränderten Lewesen immer zu ungewollten Nebenprodukten kommen weshalb Tests so wichtig sind, natürlich zunächst auf chemischer Ebene, dann an der Zellkultur, dann im Tierversuch, dann der Test am Menschen und dann die Freigabe.

Ich selbst bin übrigens auf ein gentechnisch verändertes Medikament angewiesen, gegen dass der Spiegel selber noch vor kurzen massiv gewettert hat bzw. den Lobbyisten der Krankenkassen, der dieses Medikament hauptsächlich aus Kostengründen bekämpft hat, in Schutz genommen hat.

IQWiG-Chef Sawicki: Oberster Arzneimittelprüfer muss gehen - SPIEGEL ONLINE

An die Spiegel-Redaktion:
Wenn man gegen die Pharmaindustrie ist, muss man dann nicht auch gegen Gentechnik sein? Oder vergleiche ich jetzt Äpfel mit Birnen?

Schöne Grüße

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restauradores 23.06.2012, 09:38
3. Totale Verarschung der "1. Welt"

Zitat von sysop
Die Gentechnik-Debatte wird nur noch hochemotional geführt, der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern scheint unüberwindbar. Ein Forscherehepaar sieht einen Ausweg: ausgerechnet in der Verbidung von Gentechnik und ökologischer Landwirtschaft.
Seit Jahrzehnten erzählt man uns, dass die Nahrung auf der Erde nicht reicht um alle Menschen zu ernähren.
Seit Jahrzehnten erzählt man uns immer wider neu, dass technische Möglichkeiten notwendig sind um die Nahrung auf dieser Erde so zu steigern, dass sie für alle Menschen reicht.
Alles eine verblendende, kapital-lobby-geführte Verarschung!

Würden wir heute die Spenden an Hilfsorganisationen verzigfachen würden diese sofort für das ganze Geld genug Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt kaufen können. Also, genug Nahrungsmittel sind dann ja wohl da!

Die 1. Welt hat überhaupt gar kein Interesse an Förderung von Selbstversorgung. Warum sollte sie sich eine Einnahmequelle und Monopolstellung selbst zerstören? Die Gen-Technik unter dem Vorwand der sichereren und mehr Nahrungsmittel ist vorläufig der letzte Versuch der Lobbyisten sich ihren Stand zu sichern, auf Kosten der Verhungernden!
Nahrungsmittel gibt es genug, nur hier zu viel und da zu wenig.
Möglichkeiten der Selbstversorgung sind schon immer gegeben gewesen und durch ehrliche Förderung in kurzer Zeit liesse sich diese vermehren.
Doch zum Teil sind die Machthaber in diesen Staaten nicht besser als die Lobbyisten, sind korrupt und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht.
Als nächstes kommen die Lobbyisten mit der Nahrungsmittelherstellung a `la Raumschiff Enterprise: "Computer, einmal Reis, warm!"Vorher verkaufen die Lobbyisten den Hungernden den Computer, den Strom und am Bedienpult stehen sie mit den korrupten Machthabern.

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cassandros 23.06.2012, 09:49
4. Geh weg mit Gen!

Zitat von MarioDeMonti
Das ist ein klassischer Äpfel-und-Birnen-Vergleich. Die gentechnischen Lebewesen in der Medikamentenherstellung werden nicht im Feldversuch freigesetzt.
Auch beim Anbau transgener Nutzpflanzen werden die nicht "freigesetzt". Sie würden nur auf Ackerflächen angebaut und abgeerntet.

Zitat von MarioDeMonti
Oder gibt es mittlerweile Ansätze, Medikamente auf dem Feld wachsen zu lassen?
Die gibt es:
- Molecular Pharming - Lexikon - biosicherheit.de
- Pharming: Gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere als Arzneimittel - Produktionsstätten der Zukunft? — ITA Website
- Pharmazeutische Zeitung online: Molecular Pharming: Arzneistoffernte aus Pflanze und Tier

In Deutschland wird es allerdings nie dazu kommen. Dafür werden die einschlägig bekannten Fundamentalisten sorgen. Also keine Sorge.

Zitat von MarioDeMonti
hatte ich mal eine kleine Diskussion mit einem alten Schulfreund, der als Biochemiker in der Medikamentenentwicklung arbeitet. Laut seiner Aussage kann es bei der Synthese von Medikamenten mit Hilfe von gentechnisch veränderten Lewesen immer zu ungewollten Nebenprodukten kommen
und?
Glauben Sie, bei der chemischen Wirkstoffanalyse gibt es keine Nebenprodukte?
In beiden Fällen werden sie durch Aufreinigung (Effiziente und robuste Verfahren für die Aufreinigung von Biopharmazeutika -) entfernt.
Und glauben Sie, eine im Wald gepflückte "Heilpflanze" sei frei von "Nebenprodukten"?

Zitat von MarioDeMonti
weshalb Tests so wichtig sind, natürlich zunächst auf chemischer Ebene, dann an der Zellkultur, dann im Tierversuch, dann der Test am Menschen und dann die Freigabe.
Das fordert das Arzneimittelgesetz für jedes Mittel, das in den Verkehr gebracht werden soll, unabhängig von der Produktionsweise.

Zitat von MarioDeMonti
An die Spiegel-Redaktion: Wenn man gegen die Pharmaindustrie ist, muss man dann nicht auch gegen Gentechnik sein?
Muss man gleich für die Pharmaindustrie sein, wenn man für Gentechnik ist?

Zitat von MarioDeMonti
Oder vergleiche ich jetzt Äpfel mit Birnen?
Kein Malheur. Beide gehören zur Familie der Rosengewächse. Es bleibt also "in der Familie".

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Westley 23.06.2012, 10:06
5. Wie wurde die Genvariante erzeugt?

Das ist eine entscheidende Frage, die leider meist außer acht gelassten wird. Häufig werden Pflanzen mit Methoden gentechnisch verändert, bei denen an mehreren, zufälligen Stellen das erwünschte Gen eingebaut wird. Das führt immer auch zu weiteren Veränderung in der Pflanze. Dabei können neue Proteine entstehen, die toxisch sein können. So lange keine Methoden verwendet werden, die Gene zielgenau an zuvor bestimmten Stellen in das Genom der Zelle bringen, ist die grüne Biotechnologie ein Hoch-Risikoversuch mit Menschen.

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hanfiey 23.06.2012, 10:07
6. Gutmenschen

bevor die Gutmenschen anfangen den Welthunger mit veränderten Genen zu bekämpfen sollten vor allem Spekulationen mit Nahrungsmitteln abgeschafft werden, denn diese sind für ein groß teil der Preissteigerungen verantwortlich. Wenn dann noch das Patentieren von Lebensmitteln dazu kommt ist das eine tödliche Mischung wie auch im Artikel beschrieben.
Ich stehe der Freilandanwendung sehr kritisch gegenüber, denn wir wissen einfach noch zu wenig über die Wechselwirkungen und den Einfluss auf Lebewesen, ich möchte die Gentechnik aber auch nicht verteufelt wissen.

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joerge11 23.06.2012, 10:08
7. Letzte Rettung für den goldenen Reis

Ich verstehe die Gentechniker überhaupt nicht. Warum kreieren sie nicht als erstes eine Rose mit einem unbeschreiblich schönen Duft ? Damit hätten sie die Türen geöffnet und die Skeptiker zum Schweigen gebracht.
Warum werden gentechnisch veränderte Pflanzen nicht so gepüft wie Medikamente ?
Die Armen in Indien kaufen niemals den "weissen" Reis..Der ist zu teuer. Sie kaufen ihn mit der dunklen Schale (die den besten Teil des Reis ausmacht)..
Wie sieht denn der gelbe Reis mit Schale aus.
Warum wird der gelbe Reis nicht von NGOs vertrieben ?

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Ray Cohen 23.06.2012, 10:09
8. Dilemma

Für den modernen Gutmensch von heute ist ja alles das gleiche: Bio, Öko, tierlieb, humanitär,..

In der Realität ist es aber oft eine Entweder-Oder Entscheidung!

Entweder Gentechnik um die steigende Weltbevölkerung zu ernähren oder Bio um einige, wenige - gesund zu ernähren.

Auf einem Stück Land kann man entweder anbauen:

- Natürlicher Wald, Regenwald
- Nährpflanzen mit möglichst hohem Ertrag
- Biopflanzen
- Biodiesel

man kann aber nur eine Variante wählen.

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agman 23.06.2012, 10:12
9. Nicht die Fakten verbiegen

"Ronald hat einen gentechnisch veränderten Reis entwickelt, der längere Überflutungen überlebt" ist schlichtweg falsch. Dabei handelt es sich um das sogenannte sub1 Gen, welches in einer lokalen Reissorte aus Ostindien gefunden wurde - unter Mitwirkung von Pam Ronald. Am Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) in the Philippinen hat man damit mehrere neue Reissorten gezuechtet, durch molekularen Zuechtungsmethoden. Das hat mit Gentechnik absolut nichts zu tun und wir sogar von Greenpeace befuerwortet. Gentransfer von Reis zu Reis is was sowieso in der Natur and normalen Zuechtung statfinded.

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