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Gentechnik-Papier des Bundesvorstands: Wie die Grünen Monsanto ärgern könnten
imago/Gerhard Leber

Die Grünen diskutieren, ob sie offener gegenüber Gentechnik in der Landwirtschaft werden sollten. Die Skepsis in der Partei ist groß, dabei könnte sie das Thema für ihre Zwecke nutzen.

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Afrojüdischer_Sozi-Sinti 17.04.2018, 15:39
10. Das eigentliche Problem mit Gentechnik

Ist der Lizenz- und Patentwahnsinn den man schon aus dem IT-Bereich kennt. Hier wurde sowohl der persönliche als auch der freie Charakter von Information mit rechtlichen Mitteln künstlich eingeschränkt um der kapitalistische Logik vom "Privateigentum an Produktionsmitteln" unterworfen zu werden. Es wird hier eine massiv eine Entwicklung beschleunigt die ohnehin schon die längste Zeit vorherrscht und inzwischen ja sogar als Ideal propagiert wird: Wer über das Kapital verfügt hat das sagen, und der Rest muss sich fügen.
"Grüne" oder "linke" Parteien die ihrer Sache gerecht werden wollen sollten das Thema Gentechnik grundsätzlich davon abhängig machen, dass Forschung und Anwendung zwingend dokumentiert werden und öffentlich einsehbar sind. Patentierte Designerlebewesen sind das letzte was die Menschheit braucht. Auch bei der Frage des "wirtschaftlichen Nutzens" muss zwischen dem Nutzen für ein Unternehmen und dem Nutzen der Verbrauchern (also der Allgemeinheit) unterschieden werden. Ist nämlich nicht automatisch das selbe, auch wenn das Marketing mit beschämenden Erfolg etwas anderes suggeriert.

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johnny_b 17.04.2018, 15:43
11. Gentechnik wird vom Menschen seit Jahrhunderten praktiziert

Gentechnik wird vom Menschen seit Jahrhunderten praktiziert ohne das sich jemals jemand darüber aufgeregt hat. Das nennt sich dann Züchtung und ist vollkommen in Ordnung weil es ja "natürlich" ist. Auch das gezielte behandeln von Pflanzen mit erbgutverändernder Strahlung oder Chemikalien, um Mutationen zu beschleunigen ist "natürlich", also in Ordnung. Das bei solchen Vorgängen alle möglichen Gene mehr oder weniger zufällig verändert werden interessiert niemanden.

Aber wehe wenn der Mensch in einem Labor gezielt ein Gen so verändert wie er es möchte, um nur einen einzelnen zielgerichteten Effekt zu erzielen. Was das alles für Folgen haben könnte!

Praktisch alle Kulturpflanzen die wir heute verwenden sind durch bewusste (ungenaue) Gentechnik entstanden! Sich jetzt darüber aufzuregen, dass die Werkzeuge besser geworden sind ist reine Heuchlerei.

Man kann sicher dagegen sein, wie Konzerne wie Monsanto agieren und diese Technik ausnutzen, aber das hat doch nichts mit Gentechnik an sich zu tun.

Genausogut kann man grundsätzlich dagegen sein, dass die Bauern Herbizide einsetzen, aber gerade Glyphosat zu verteufeln ist falsch, da es von allen bekannten Herbiziden wohl das unbedenklichste ist.

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Zorpheus 17.04.2018, 15:48
12.

Zitat von chris11114
Der Autor des Artikels sollte sich etwas mehr mit dem Thema Gentechnik beschäftigen. Insbesondere der Verweis auf das amerikanische System ist irreführend, denn nur weil ein Großteil der veränderten Produkte unbedenklich ist gilt das eben nicht für alle. So produzieren Pflanzen (bspw. Kartoffeln) jetzt selbst Stoffe gegen Schädlinge, die landen dann aber eben auch mit auf dem Teller (wo es dann eben wieder heißt in Konzentration xy unbedenklich). Das Problem ist dabei, dass auch wenn das Feld nebenan normale Kartoffeln bestellt, diese dennoch ebenfalls dadurch letztlich genverändert sein können. Es kann also zu Effekten kommen die so vorher nicht absehbar sind (bspw. Mais zur Klebstoffproduktion ist genverändert aber befällt eben auch das Feld mit Futtermais). Gentechnik sollte also insofern nur mit Augenmaß verwendet werden und insbesondere langfristig erprobt sein. Das es bspw. nur Vorteilhaft ist wenn Pflanzen weniger Nitrat brauchen stimmt und eine solche Entwicklung ist auch zu begrüßen. Im Bereich der Pflanzen die neue Stoffe produzieren die man aber eigentlich in dieser Art nicht findet wird es eben gefährlich (ja man hat noch Samenbanken aber dennoch besteht das Risiko der Vermischung). Eine kategorische Ablehnung der Gentechnik ist sicherlich falsch. Ein lascher Umgang damit wie in den USA aber eben auch. Zumal wohl niemand von einer Lebenserwartung wie in den USA hier in Europa träumen dürfte. Daran ist aber neben der Gentechnik und auch Faktoren im Gesundheitswesen bspw. auch hormonbehandelte Nahrungsmittel (bspw. bei Kühen) schuld. Letztlich gilt wie immer: man sollte die Büchse der Pandora nicht einfach öffnen wenn man die Folgen nicht absehen kann. Es muss sichergestellt sein, dass Gentechnik eben keine schädliche Auswirkung auf Mensch und Umwelt hat. Sofern dies gewährleistet ist spricht auch nichts dagegen diese zu verwenden!
Ich glaub Sie missverstehen den Autor, denn Sie scheinen ihm komplett zuzustimmen. Einzelfallentscheidung ist das Richtige. Und das ist sowieso bei allen Lebensmitteln Standard.
Der Autor schreibt nur gegen die pauschale Ablehnung der Grünen.

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isar56 17.04.2018, 15:53
13. Einmal mehr

bin ich froh, bereits seit den vorletzten Wahlen zu den Linken übergelaufen zu sein.

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knapi 17.04.2018, 15:54
14. die ökologische Auffassung

der Grünen ist stark ideologisch geprägt und scheint mehr ein Naturglaube zu sein: Mother Nature! Es ist gut, daß es diese Partei noch nicht im Mittelalter gab, sonst würden viele Menschen noch glauben, daß die Sonne um die Erde kreist und die Erde eine Scheibe ist, an deren Rändern man ins Endlose stürzt

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max_schwalbe 17.04.2018, 16:14
15. Richtig so!

Ein gutes Argument, Erzgrüne von Gentechnik zu überzeugen, ist die Darlegung, dass auch traditionelle Züchtung letztendlich Gentechnik ist - nur dass man dabei alle möglichen Dinge mit herauszüchtet, die man gern drinbehalten hätte. Das ist der Kolateralschaden der Züchtung, der durch gezielte Beeinflussung des Erbguts durch Gentechnik verhindert werden kann. Es ist völlig absurd, da kategorisch dagegen zu sein, eine solche Einstellung lässt sich allenfalls esoterisch nachvollziehen. Wenn Grüne ein Problem mit Monsanto haben, sollten sie vielmehr darüber nachdenken, Wirtschaftsmacht zu demokratisieren, unter öff. Kontrolle zu stellen, anlässl. 200 Jahre Marx mal ein Buch von ihm in die Hand zu nehmen anstatt den Freifahrtschein "Privateigentum" solcher Konzerne länger zu aktzeptieren. Aber, da würden Grüne ja wieder am eigenen Klientel sägen. Also doch lieber Esoterik?

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Actionscript 17.04.2018, 16:17
16. Klärender Artikel

Ich empfehle diesen Artikel zu lesen, der über Gentechnology in Australien berichtet, die Vorteile und Gefahren an konkreten Beispielen.

https://www.science.org.au/curious/technology-future/gene-technology-and-plants

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mostly_harmless 17.04.2018, 16:20
17.

Zitat von taglöhner
[...] Wenn gar nichts mehr hilft, werden halt Wissenschaftler von solchen Laien als gekauft denunziert. Wer Monsanto irgendeine Schädigung an Gesundheit und Leben nachweist, ist reich und seine Anwälte auch, wir sind schließlich in USA.
Tschuldigung, in der Gentechnik ist industrieabhängige / - finanzierte Forschung der Normalfall. Die notwendigen Gerätschaften sind viel zu teuer, als dass die Universitäten das aus eigenem Etat finanzieren könnten. Deshalb existieren auch kaum Artikel in SCI-gelisteten Zeitschrifen, die man als unabhängig klassifizieren kann. Und das ist FAKT, und keine Diffamierung. Und was große Firmen bewirken können, wenn sie und ihre Lobbyisten aus allen Rohren schiessen, konnte man bei der Langzeitstudie mit Ratten zur Wirkung von Glyphosat sehen. Die war nämlich von ähnlich (schlechter) Qualität wie hunderte andere Studen auch. Nur die Reaktion der diversen Mietmäuler war eine andere.

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mostly_harmless 17.04.2018, 16:22
18.

Zitat von johnny_b
Gentechnik wird vom Menschen seit Jahrhunderten praktiziert ohne das sich jemals jemand darüber aufgeregt hat. Das nennt sich dann Züchtung und ist vollkommen in Ordnung weil es ja "natürlich" ist. [...]
Der Beitrag zeigt, dass Sie schlicht keinen blassen Schimmer vom Thema haben. Züchtung bringt keine artfremde Gene in eine Pflanze. Mehr gibts dazu nicht zu sagen.

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permissiveactionlink 17.04.2018, 16:22
19. Dem Inhalt dieses Artikels

kann ich gänzlich zustimmen. Tatsächlich dürften sich die Grünen mit ihrer Neuausrichtung in eine weniger dogmatische Zukunft begeben. Denn nicht die GVO's sind das eigentliche Problem, sondern die enorme Gewinne versprechende Patentierung der GVOs, die Abhängigmachung von Landwirten weltweit, die Weitergabe der genetischen Veränderung über Pollen auf Nicht-GVOs. Crispr-CAS wird insofern die Gewinne der Großen drastisch senken, da es nun viel einfacher ist, Pflanzen mit neuen Merkmalen zu versehen. Die Haltung der Grünen zu den Neonikotinoiden ist völlig zutreffend : diese Substanzen sind die vermutlich giftigsten Nervengifte, die jemals gegen Schadinsekten entwickelt wurden, Insekten-Novitschoks sozusagen, die schon im ng-Bereich wirken, keineswegs nur bei Honigbienen. Die Substanzen schaden der Biodiversität insgesamt, und nutzen nur den Herstellern und ihren Aktionären. Zum Glyphosat ist das letzte Wort noch nicht gesprochen : wie nahezu alle Phosphorsäureester dürfte auch Glyphosat geringfügig alkylierend wirken und deshalb krebserregend sein. Zumindest bei insektiziden Phosphorsäureestern wird das schön seit längerer Zeit vermutet. Ob Glyphosat auch an anderen Stellen im menschlichen Körper einwirkt, z.B. während der Embryonalentwicklung, sollte näher untersucht werden. Wissenschaftler, die sich damit jedoch näher befassen, riskieren ihre Karriere und eine Kriegserklärung seitens der Hersteller (und deren Anwälten), die um ihren Reibach fürchten.

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