Forum: Wissenschaft
Gesellschaft der Zukunft: Lesen Sie Science-Fiction!
Getty Images

Science-Fiction hat einen miesen Ruf. Sie gilt als minderwertig, als Literatur für Eskapisten. Doch die wahren Eskapisten sind diejenigen, die sich vor dem Gedanken an die Zukunft drücken.

Seite 6 von 25
kantirandavivorhodan 05.11.2017, 12:24
50.

Zitat von wanderer777
Es gibt zwei Arten Sci Fi: wirklich intelligente, gut durchdachte, zukunftsweisende Geschichten, die das Leben aus einem neuen Blickwinkel betrachten lassen - und mentalen Dünnschiss. Letzteren sieht man vor allem im Fernsehen. Hier geht es dann nur noch darum, in einem Satz möglichst viele technisch klingende Phrasen zu benutzen. Das ist dann Sci Fi Kindergarten. Weil dieser leider omnipräsent ist, denken die meisten leider sofort an diese Art.
Ein in meinen Augen recht überheblicher und arroganter, wenn nicht sogar elitärer Kommentar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
i6lam 05.11.2017, 12:25
51. 'Der Wolkenatlas'

von David Mitchell. Ist nicht nur SF, sondern auch HF (History Fiction, ein wichtiges neues Genre).
Desgleichen 'Vaterland' von Robert Harris.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Schakutinga 05.11.2017, 12:27
52.

Ende des 20. Jh schien es (mir zumindest) als würde das SF-Genre nur noch eon Schattendasein führen-die Wirklichkeit hatte die technischen Zukunftsvisionen der klassischen SF überholt, bzw obsolet gemacht. In den letzten Jahren ist aber eine neue Dynamik entstanden, nicht zuletzt durch die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Asimovs Geschichten in diese Richtung (Robotergesetze...) waren ja aus heutiger Sicht rührend naiv. Ich finde es spannend, dass sich in letzter Zeit mehr Autoren mit dem Thema KI, und vor allem 'sentient AI' (also KI mit Bewusstsein) befassen. Es sind natürlich nur Gedankenspiele, aber der eine oder andere Aspekt könnte irgandwann Wirklichkeit werden.
z.b Peter Hertling: Avogadro Corp.
Ein paar andere neuere SF, die mir sehr gefallen haben:
Becky Cambers: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten
Nnedi Okorafor: Binti
Hugh Howey: Silo
Peter Watts: Blindflug
Liu Cixin wurde ja schon öfter erwähnt, ebenso Neil Stephenson.
Und George RR Martin (Game of Thrones) hat übrigens auch SF geschrieben, u.a. den köstlichen Weltenwanderer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rudolfsikorsky 05.11.2017, 12:29
53. ganz genau whoispaul

Science Fiction oder überhaupt die ganze Phantastik ist eigentlich die höchste Form der Literatur .Nur dort werden die grenzenlosen Möglichkeiten der Literatur voll genutzt und neu ausgelotet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mikevojnar 05.11.2017, 12:30
54.

Auch ich habe in den 80ern und 90ern auf dem Gymnasium gelernt, dass Science-Fiction grundsätzlich Trivialliteratur sei. Ich erinnere mich an ein süffisantes Verlaufs-Schema in einem Buch für den Deutsch-Unterricht, dass den Eindruck vermittelte, man könne damit alle Handlungen aller Science-Fiction-Stories auf simple Weise selbst erstellen. Meine Lehrer äußerten sich abwertend über SF, wann immer sie diese überhaupt mal erwähnten. Ich fand diese unbewanderte Überheblichkeit immer abstossend, hatte ich doch seit meiner frühen Jugend erst Verne, später auch Dick, Orwell, Lem, Bradbury und Gibson gelesen. Der Leiter meines Englisch-Leistungskurs wählte in der 12.Klasse dann doch "Fahrenheit 451" als Lektüre für den Unterricht, unter großem Gemurre der MitschülerInnen, die Deutsch als zweiten Leistungskurs hatten. "Ich will keine Scheiße über irgendwelche Roboter oder Weltraumkriege lesen!" hieß es da teilweise (sie kannten das oben erwähnte Schema wohl auch...). Danach sahen sie das Genre etwas anders. Gute Science-Fiction handelt IMMER über den Menschen. Das Menschliche tritt durch die "radikale Neukonstruktion der Umstände" in (guter) Science Fiction Literatur sogar deutlicher hervor, als in den meisten angeblich einzig "seriösen" Genres."Cyberpunk"-Autoren wie Gibson oder Stephenson beschreiben eine Gesellschaft, die im Grunde einer überspitzten Darstellung der Reagan/Thatcher/Kohl-Economy ausgeliefert ist. Eine globalisierte, voll vernetze und digitalisierte Gesellschaft von Einzelkämpfern, in der die Macht der Konzerne, die der Regierungen nur noch zynisch belächelt. In der der Unterschied zwischen dem Leben der Armen und dem der Reichen so massiv ist, als wären sie gar nicht beide Teile der gleichen Gesellschaft auf dem gleichen Planeten. Damit haben solche Autoren nicht nur ein akkurates Bild der jetzigen Gesellschaft vorhergezeichnet, sondern sie schilderten auch sehr treffend die emotionalen und sozialen Auswirkungen dieser Welt auf Menschen, die darin leben müssen. Orwell hat uns gewarnt, Bradbury hat uns gewarnt, auch Dick, Stephenson und Gibson haben uns gewarnt. Hätten von 20-30 Jahren mehr Leute "1984","Fahrenheit 451","Neuromancer" oder "Snow Crash" im Unterricht gelesen, statt sich zum Beispiel durch seitenlange Beschreibungen von Sofabezügen und Tee-Salons in "Die Buddenbrooks" wühlen zu müssen (jaa, ist etwas übertrieben, ich weiß), wären die Warnungen vielleicht nicht so verhallt und es würde sich mehr Widerstand gegen die Atomisierung des Individuums, gegen die Vergewaltigung der Natur, gegen das Auseinanderklaffen der sozialen Schichten regen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Fruusch 05.11.2017, 12:31
55.

Zitat von Taiga_Wutz
Erwähnung sollte auch Tad Williams' "Otherland"-Zyklus finden, durfte den Autoren vor drei Wochen erst in der Buchhandlung lesen hören.
"Otherland" ist zu 95% ein tolles Werk, nur hätte er das Ende nicht schon wieder von Rosamunde Pilcher schreiben lassen sollen... irgendwie schafft er es nicht, seine Geschichten zu einem stimmigen Ende kommen zu lassen, sondern muss alles in einer Friede-Freude-Eierkuchen-Rührseligkeit aufgehen lassen.

Ebenfalls zu empfehlen: Dan Simmons mit seiner "Hyperion" und "Endymion" Reihe oder Matt Ruffs "Sewer, Gas and Electric".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jokordo 05.11.2017, 12:33
56. Zu wenig Übersetzungen

Im angelsächsischen Literaturraum wird Science-Fiction nicht mit derselben Hochnäsigkeit betrachtet. Das ist mal wieder ein typisch deutsches Phänomen. Deshalb bin ich schon vor geraumer Zeit dazu übergegangen, diese Bücher im englischen Original zu lesen. Die Auswahl ist um ein Vielfaches größer.
Nur zwei Tipps, die die Weiterentwicklung des Menschen als intelligentes Wesen zum Thema haben:
Edge of Dark von Brenda Cooper;
Pandora‘s Star von Peter F. Hamilton.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
salomon17 05.11.2017, 12:35
57. Danke für diesen Beitrag,

der hat mir wirklich aus der Seele gesprochen! Von Andreas Eschbach, der mit großer Sachkenntnis und noch dazu sehr packend schreibt, habe ich viel gelernt über unsere (alternativen) Zukunftsmöglichkeiten. Sein Meisterwerk "Herr aller Dinge", in dem er die Möglichkeiten (Chancen und Gefahren) der Nanotechnologie spannend und eindringlich beschreibt, ist für mich eines der besten Bücher der letzten Zeit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
uwe_maier 05.11.2017, 12:36
58. Angesichts Nordkorea, Iran und Trump

empehle ich Walter M. Miller "Lobgesang auf Leibowitz " .....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
taglöhner 05.11.2017, 12:41
59. Peinlich

Zitat von grommeck
gemacht haben. Wer hat 1984 gelesen. Nicht viele, sonst wäre die Empörung über den angedachten Schnüffelstaat ala Innenminister größer, aber da rührt sich wohl erst etwas, wenn die Kindertoiletten mit Kameras bestückt werden wie in GB. Science Fiction ist Unterhaltung, oft gute Unterhaltung für Leute mit Fantasie natürlich nur. Für Realisten weniger. Aber die haben bisher auch keine bessere Welt geschaffen, eher das Gegenteil.
Wer gelesen hat und die Welt kannte, unter deren Eindruck Orwell geschrieben hat, hat andere und sehr viel lebensnähere Assoziationen.
Dass ausgerechnet die extreme Linke ihn gerne vereinnahmt ist ein Treppenwitz der Geschichte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 6 von 25