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Gewässer in Äthiopien: Die lebensfeindlichsten Seen der Welt
Puri López-García/ DPA

Wann immer auf fernen Planeten Wasser entdeckt wird, beginnen Spekulationen, ob es dort Leben geben könnte. Nach der Analyse von drei Extremseen auf der Erde warnen Forscher vor voreiligen Schlüssen.

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permissiveactionlink 29.11.2019, 09:12
1. Kosten-Nutzen-Rechnung

Das Leben als extremophiler Mikroorganismus erzwingt alle möglichen Anpassungen an extreme Biotope. Dazu gehören u.a. Halophilie, Acidophilie oder alternativ Alkaliphilie, Toxitoleranz, Barophilie, Radiophilie und vor allem Thermophilie (Kryophile gibt es natürlich auch). Die Anpassung an ein Leben in über 100°C heißer wässriger Lösung mit sehr geringem pH-Wert und hohem Salzgehalt, womöglich in großer Tiefe und mit gelösten hochgiftigen Schwermetallionen und oder radioaktiven Elementen ist eine Gratwanderung, die manchmal schon deshalb nicht gelingt, weil die Schutzmaßnahmen, die zum Überleben erforderlich sind (spezielle Enzyme, energieaufwendige Transportpumpen in der Membran, Hochleistungsreparaturenzyme usw.) soviel Energie verbrauchen, dass Leben in diesen Lösungen unrealistisch ist. Im Übrigen ist hier "flüssiges Wasser" eigentlich ein Euphemismus für salzige, kochende Supersäure : ein pH-Wert von Null und Temperaturen von über 100°C bedeuten zwar eine wässrige Lösung, aber das trifft auch für die kochende wässrige Lösung von Fluorwasserstoff (Flusssäure), Stickstofftrioxid (Salpetersäure), Schwefeltrioxid (Schwefelsäure) oder Chlorwasserstoff (Salzsäure) zu. Wässrige Lösung bedeutet noch lange nicht, dass ein Überleben in ihnen möglich ist, geschweige denn dass irgendwelche Vergleiche mit reinem H2O möglich wären !

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knuty 29.11.2019, 09:27
2.

Zitat von permissiveactionlink
Das Leben als extremophiler Mikroorganismus erzwingt alle möglichen Anpassungen an extreme Biotope. Dazu gehören u.a. Halophilie, Acidophilie oder alternativ Alkaliphilie, Toxitoleranz, Barophilie, Radiophilie und vor allem Thermophilie (Kryophile gibt es natürlich auch). Die Anpassung an ein Leben in über 100°C heißer wässriger Lösung mit sehr geringem pH-Wert und hohem Salzgehalt, womöglich in großer Tiefe und mit gelösten hochgiftigen Schwermetallionen und oder radioaktiven Elementen ist eine Gratwanderung, die manchmal schon deshalb nicht gelingt, weil die Schutzmaßnahmen, die zum Überleben erforderlich sind (spezielle Enzyme, energieaufwendige Transportpumpen in der Membran, Hochleistungsreparaturenzyme usw.) soviel Energie verbrauchen, dass Leben in diesen Lösungen unrealistisch ist. Im Übrigen ist hier "flüssiges Wasser" eigentlich ein Euphemismus für salzige, kochende Supersäure : ein pH-Wert von Null und Temperaturen von über 100°C bedeuten zwar eine wässrige Lösung, aber das trifft auch für die kochende wässrige Lösung von Fluorwasserstoff (Flusssäure), Stickstofftrioxid (Salpetersäure), Schwefeltrioxid (Schwefelsäure) oder Chlorwasserstoff (Salzsäure) zu. Wässrige Lösung bedeutet noch lange nicht, dass ein Überleben in ihnen möglich ist, geschweige denn dass irgendwelche Vergleiche mit reinem H2O möglich wären !
Außerdem, es steht ja auch im Artikel, lässt sich am Rande solcher Seen, an denen die Bedingungen nicht ganz so extrem und schwierig sind, durchaus Leben finden.

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Sissy.Voss 29.11.2019, 09:33
3. Pars pro toto?

Das ist schon ein interessanter Beitrag zur Diskussion über ferne Welten, die Leben hervorbringen könnten oder hervorgebracht haben. Leider vergisst Purificación López-García zu erwähnen, wieviel Milliardstel Prozent diese Seen an der Wasseroberfläche der Erde ausmachen. Und ob diese extremen vulkanischen Salz- und Säure-Laken wirklich als generelles Gewässer-Modell für einen sonst bewohnbaren Planeten sein können, darf in Frage gestellt werden. Um solche Bedingungen zu finden, muss man übrigens nicht in die Weiten des Weltalls zu reisen, man kann sie auch in der Frühzeit unseres Planeten voraussetzen, der in seinen jungen Jahren auch kein Ort für Erholungsurlaube war. Immerhin können wir mitnehmen: Vulkane und vulkanische Seen können recht ungemütlich sein. Was uns in gewisser Weise nicht überraschend vorkommt.

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permissiveactionlink 29.11.2019, 09:42
4. #2, knuty

Das steht da, gewiß ! Aber es geht in dem Artikel ja auch in erster Linie um Schlußfolgerungen für die Astrobiologie. Und unsere bisherigen Mutmaßungen über die Entstehung von Leben gehen davon aus, dass dieses in wässrigen Lösungen auf der Erde entstanden ist. Was ich damit sagen will : Selbstverständlich gibt es Biotope in der Nähe dieser heißen Supersäurepfützen, die lebensfreundl9cher sind, aber das Leben muss ja auch erstmal vorher irgendwo entstanden sein. Und dafür braucht man wieder weniger extreme wässrige Millieus. Auf der festen Scholle ist die Entstehung jedenfalls sehr unwahrscheinlich, zumindest geht man heute nicht davon aus, dass das möglich wäre.

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PoliticalPony 29.11.2019, 09:51
5. Falsch verstanden?

Habe noch keinen Astronomen sagen/schreiben erlebt, der vorkommen von fluessigem Wasser als Hinweis auf Leben sieht. Es geht um die Grundvorraussetzung fuer die Existenz von Leben wie wir es kennen, nicht mehr und nicht weniger. Bezweifle sehr, dass die Forscher von Paris das so gesagt haben.

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Kamillo 29.11.2019, 09:56
6.

Es gibt sicher weitere solche Orte. Wenn ich mir obiges Foto ansehe, sehe ich da viel (gelben) Schwefel, das deutet auf eine vulkanische Aktivität hin, die hohe Flüssigkeitstemperatur (ich schreibe absichlich nicht Wasser) und die Sintertreppen deuten ja auch darauf hin. Spontan fallen mir dazu diverse Vulkanseen in Indonesien ein, zum Beispiel auf Java der Kawa Putih und der Kawa Ijen, letzterer düfte dem einen oder anderen aus dem Fernsehen bekannt sein, dort wird frisch austretender Schwefel abgebaut und von Arbeitern auf schmalen Pfaden den Berg runtergetragen. Auf Flores gibt es den Doppelkrater Danau Kootainuamiri / Danau Alapolo, wo die Flüssigkeit nach Lust und Laune zwischen Weiß (Kalk), Blau, Gelb und Rot die Farbe wechselt, und zwar jeder Krater anders, während ein paar hundert Meter weiter im Danau Abutu blaues oder eher schwarze Flüssigkeit steht. Wer sich das in Google Maps anschaut, klickt mal auf "Wista Flores" und schaut sich die Fotos an, auf den meisten Fotos sind die drei Seen ähnlich blau, auf einem Foto ist der eine See aber blau, der andere rotbraun, oder der eine miclhigweiß dampfend, der andere kühl und blau, und der etwas abseits liegende dritte See ist mal milichigweißblau mal schwarz zu sehen.Total faszinierend, aber sicher nicht gerade lebenswert da drin...

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steffenherrmann 29.11.2019, 10:00
7. Extremophil?

Aus der Perspektive der ursprünglichen Lebensformen sind wir die Extremophilen:
kaum Nährstoffe im Milieu, es ist zu kalt, um chemische Reaktionen auf Touren zu bringen, dazu toxischer Sauerstoff und UV-Strahlen. Wo wir uns aufhalten, hätte Leben niemals entstehen können, in solchen 'lebensfeindlichen' Seen dagegen eher.

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Bärwurz 1412 29.11.2019, 10:09
8. Dies ist eventuell für den Autor des Beitrags interessant!

Vor vielen Jahren in meiner Jugendzeit, also etwa 1963 bis 1968 verschlang ich Romane und Shortstorys, die damals noch schlicht "Kurzgeschichten" hießen, mit "wissenschaftlich - phantastischen" (so die Sprechweise in der ehemaligen DDR statt dem jetzt üblichen Science-Fiction) Inhalt. Unter anderem erinnere ich mich grob an eine mich beeindruckende Story. Leider habe ich Titel und Autor vergessen. Der Inhalt entsprach in etwa dem Folgenden:
Ein namhafter, wissenschaftlich interessierter Kriminalist fuhr in ein vulkanisches Gebirge, um den rätselhaften Tod seines Freundes zu untersuchen. Dieser Freund war Landschaftsmaler und zu diesem Zweck in das Gebirge gefahren. Im Herbergszimmer des Verstorbenen fand er zahlreiche Bilder des Malers. Auffällig viele beinhalteten die von unterschiedlichen Standorten aus festgehaltene Schönheit eines malerischen Bergsees. Dem Kriminalisten fiel nach einiger Zeit auf, dass für die den See umgebenden Felswänden der Freund eine besonders schön leuchtende rote Farbe verwendet hatte.
Ihm gefiel der Bergsee dermaßen gut, dass er beschloss, diesen aufzusuchen. Eine kleine Expedition wurde zusammengestellt und machte sich auf den Weg.
Der See lag tatsächlich wunderschön eingebettet im Tal eines Bergmassivs. Die begrenzenden Vulkanwände glitzerten und funkelten in den Strahlen der untergehenden Sonne in einem metalligartigen Rot, welches der Kriminalist zuletzt auf den Bildern des Freundes gesehen hatte. Am Ufer des Sees angekommen, stellte er fest, dass der See nicht mit Wasser gefüllt war, sondern aus einem flüssigen Metall bestand: Quecksilber.
Der Freund hatte somit über seine Malkunst dem Kriminalist den entscheidenden Hinweis für die Lösung des "Falles" verraten: Er war an einer Quecksilbervergiftung gestorben, welche er sich beim Malen durch das Einatmen der giftigen quecksilberhaltigen Luft am Seeufer selbst zugefügt hatte.
Er hatte die Felswände in Zinnoberrot gemalt.

Soweit ganz kurz die Inhaltsangabe der Story. Keine Ahnung, ob sie wissenschaftlich korrekt ist, ob es Seen aus Quecksilber tatsächlich gibt und ob diese tatsächlich lebensfeindlich wären und damit zur Thematik passen würden.

Beste Grüße - Bärwurz 1412

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Bärwurz 1412 29.11.2019, 10:16
9. Wäre Ihr Beitrag nicht in einem Fachblatt

Zitat von permissiveactionlink
Das Leben als extremophiler Mikroorganismus erzwingt alle möglichen Anpassungen an extreme Biotope. Dazu gehören u.a. Halophilie, Acidophilie oder alternativ Alkaliphilie, Toxitoleranz, Barophilie, Radiophilie und vor allem Thermophilie (Kryophile gibt es natürlich auch). Die Anpassung an ein Leben in über 100°C heißer wässriger Lösung mit sehr geringem pH-Wert und hohem Salzgehalt, womöglich in großer Tiefe und mit gelösten hochgiftigen Schwermetallionen und oder radioaktiven Elementen ist eine Gratwanderung, die manchmal schon deshalb nicht gelingt, weil die Schutzmaßnahmen, die zum Überleben erforderlich sind (spezielle Enzyme, energieaufwendige Transportpumpen in der Membran, Hochleistungsreparaturenzyme usw.) soviel Energie verbrauchen, dass Leben in diesen Lösungen unrealistisch ist. Im Übrigen ist hier "flüssiges Wasser" eigentlich ein Euphemismus für salzige, kochende Supersäure : ein pH-Wert von Null und Temperaturen von über 100°C bedeuten zwar eine wässrige Lösung, aber das trifft auch für die kochende wässrige Lösung von Fluorwasserstoff (Flusssäure), Stickstofftrioxid (Salpetersäure), Schwefeltrioxid (Schwefelsäure) oder Chlorwasserstoff (Salzsäure) zu. Wässrige Lösung bedeutet noch lange nicht, dass ein Überleben in ihnen möglich ist, geschweige denn dass irgendwelche Vergleiche mit reinem H2O möglich wären !
besser aufgehoben?
Für mich sind Ihre fremdwortgespickten Aussagen ohne Nutzen. Schließlich befinden wir uns auf der populärwissenschaftlichen Seite des Spon.

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