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Globalisierung: Warum die Anti-Internationalisten gefährlich sind
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Da scheinen sich Donald Trump und Sarah Wagenknecht einig: Das Globale ist ein Problem, wir brauchen nationale Lösungen. Alexander Gauland will sogar lieber deutsch als "Mensch" sein. Das ist kurzsichtig - und entlarvend.

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Beat Adler 30.09.2018, 17:15
20. International verschiebt sich die "Macht" Richtung GAFA

Zitat von Fuxx81
Obwohl ich Globalismus, Internationalismus und Weltbürgertum grundsätzlich nicht abgeneigt gegeüberstehe (globale Herausforderungen können nur von der Menschheit als ganzes bewältigt werden), muss ich doch leider feststellen, dass Demokratie bisher nur auf nationaler Ebene existiert. Wer heute mehr Macht an überstaatliche Organisationen geben wil, der nimmt sie damit notwendigerweise dem Souverän, nämlich dem Volk. Wir kriegen es ja nicht einmal hin, dass die Wahl zum EU-Parlamanet nach demokratischen Mindeststandards abläuft (alle Stimmen müssen gleich zählen), wie sollen wir dann mit Autokratien wie China auf einen gemeinsammen Nenenr kommen?
International verschiebt sich die "Macht" Richtung GAFA.

GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) regiert nicht "nur" die USA, sondern die Welt. Milliarden begehen Daten-Strp-Tease bei GAFA, kehren ihr Innerstes nach Aussen, selbst hoechst Intimes! Es wird immer einfacher diese Milliarden zu beeinflussen, zu kontrollieren, zu zwingen, das zu tun, was GAFA will. Wer will noch Demokratie, eine Freiheitlich-Rechststaatliche mit Gewaltentrennung dazu mit freien Medien als Kontrollinstanz, wenn er/sie GAFA als Ersatz hat?

Man/frau kombiniere die schwedische Technologie elektronische Chips in die Hand einzupflanzen mit der chinesischen Technologie der Gesichtserkennung zusammen mit dem chinesischen Sozialpunktesystem fuers Wohlverhalten, diesmal nicht "nur" gegenueber der alleinseligmachenden, kommunistischen Einheitspartei in Beijing, sondern gegenueber GAFA der Weltregierung?

Das ist keine Science Fiction. Das ist Realitaet!
mfg Beat

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jackberlin 30.09.2018, 17:25
21. Wenn Marx das noch erlebt hätte ...

Marx' idealistische Vorstellung von einer internationalen, proletarischen Revolution dient dem Autor als Vorlage für die Verteidigung des modernen Kolonialismus und den Abbau der bereits erkämpften sozialen Standards in Europa. Die Idee des Kommunismus für die Entfesselung multinationaler Konzerne zu instrumentalisieren ist schon ein starkes Stück. Das könnte von den Grünen strammen.

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Ezechiel 30.09.2018, 17:28
22. Die Anti-Internationalisten.

In vielen deutschen Städten und Dörfern wir zur Zeit der Anti-Internationalismus hoch leben lassen. Ich meine damit, die unsäglich volkstümelnden bayrisch-nationalen Oktoberfeste. Plätze auf denen das ursprüngliche Deutschtum wieder zur Schau getragen wird. In einem verbundenen Internationalen Europa gehören alle Feste mit irgend welchen Trachten und folkloristischer Musik und Kulturdarbietungen verboten. Auch schottische Highland Games, irische Dance, italienische Tarantella, Flamenco usw. Das ist alles abgrenzend, ausgrenzend und hinderlich für ein vereintes Europa.

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GP1 30.09.2018, 17:29
23. Bildung

Bildung und nochmals Bildung hilft Globalisierung positiv zu gestalten. Nationales oder nationalistisches Geschwurbel führt nur ins Unglück

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hdwinkel 30.09.2018, 17:30
24. Es hört sich plausibel an, ist es aber nicht

Zitat von Kokolemles
Das Problem besteht darin, das die Wirtschaft die Globalisierung dazu missbraucht um hier die Löhne und Lebensstandarts zu drücken mit der Drohung, wenn hier die Löhne nicht sinken, gehen wir ins Ausland, wo die Produktionskosten niedriger sind. Genau so verhält es sich hier bei der Beschäftigung von Flüchtlingen...
Ich meine, Sie sind hier gleich mehreren Irrtümern aufgesessen.

- Die Wirtschaft mißraucht da gar nichts, weil es DIE Wirtschaft nicht gibt, sondern viele Unternehmer, die alle für sich selbst rational handeln. Machen Sie sich nichts vor, jeder Aktienbesitzer möchte möglichst viel Rendite, die ja irgendwo herkommen muß, also wird an Löhnen exakt das ausbezahlt, was der (jeweilige) Markt hergibt. Das ist keine Verschwörung, sondern nennt sich Marktwirtschaft.

- Der Effekt der Verlagerung von Produktion in Billiglohnländer ist lange nicht so groß, wie der Verlust von Jobs aufgrund von Rationalisierungseffekten. Und selbst die Produktionsverlagerung hat mittlerweile eher damit zu tun, in dynamisch wachsenden Märkten präsent zu sein.
Interessanterweise sind letztere gegensätzliche Trends: Durch Rationalisierung und Digitalisierung spielen Lohnkosten immer weniger eine Rolle, so daß die Hochlohn-industrieländer große Teile der Industrieproduktion auch wieder selbst übernehmen könn(t)en. Andererseits sind die interessanteren Absatzmärkte trotzdem die sich erst entwickelnden Regionen.

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syracusa 30.09.2018, 17:31
25. Kultur und Gemeinschaft beruhen auf Kommunikation

Der Irrsinn der Nationalisten von links und rechts beruht doch schon auf einem völlig absurden Verständnis bzgl. dessen, was Kultur ausmacht. Eine gemeinsame Kultur und damit eine Gemeinschaft entsteht dort, wo Kommunikation stattfindet. und die findet heute eben kaum noch am Stammtisch im einzigen Dorfgasthaus statt, sondern global und alle nationalen Grenzen überschreitend. Folglich entwickelt sich auch die Kultur - also das, was Menschen miteinander verbindet - schon längst über diese nationalen Grenzen hinweg. Die spielen keine Rolle mehr. Und am lustigsten ist das doch sogar dadurch belegt, dass es den Rechtsrutsch nicht nur in einem kleinen Nationalstaat gibt, sondern dass der ein weltweites Phänomen ist.

Gesellschaften entwickeln sich nicht homogen und in allen Teilen gleichzeitig. Es gibt bei uns viele Menschen, die mit dem schnellen zivilisatorischen Fortschritt nicht mehr mitkommen. Vor 500 Jahren haben wir noch Hexen verbrannt, vor 100 Jahren galten australische Aborigines und afrikanische Pygmäen noch nicht mal als Menschen, vor 50 Jahren wurden hierzulande Homosexuelle inhaftiert, und durften Frauen nur mit Einwilligung des Ehepartners arbeiten gehen. Leute, deren kulturelles Selbstbild in solchen Zeiten entstanden ist, haben naturgemäß Probleme damit, dass das Standesamt heute Schwule und Lesben völlig gleich wie heteropaare behandelt, und dass die sogar bei Steuern Ehegattensplittung betreiben dürfen.

Allerdings hat diesen Bürgern, die beim zvilisatorischen Fortschritt eher das gesellschaftliche Schlusslicht bilden, der Verrat der SPD durch die Hartz-Agenda an den Arbeitern und die darauf erfolgte Sozialdemokratisierung der CDU den Boden unter den Füßen weggezogen. Diese Menschen haben dadurch buchstäblich ihre kulturell-politische Heimat verloren, und wenden sich nun denjenigen zu, die ihnen das wohlige Heimatgefühl und Zuwendung versprechen: den Rechtsextremen.

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syracusa 30.09.2018, 17:35
26.

Zitat von Fuxx81
Obwohl ich Globalismus, Internationalismus und Weltbürgertum grundsätzlich nicht abgeneigt gegeüberstehe (globale Herausforderungen können nur von der Menschheit als ganzes bewältigt werden), muss ich doch leider feststellen, dass Demokratie bisher nur auf nationaler Ebene existiert.
Naja, die EU existiert, und die bedeutet schon alleine durch ihre bloße Existenz eine Ausweitung der Demokratie für alle EU-Bürger. Und dann gibt es ja auch noch EU-Wahlen. Also stimmt Ihr Einwand gar nicht mehr.

Die EU muss sich weiter entwickeln. Sie muss nicht nur wie bisher wirtschaftliche, sondern immer mehr auch soziale und kulturelle Rahmenstandards schaffen. Am dringensten nötig wäre die Schaffung einer EU-weiten medialen Öffentlichkeit, beispielsweise nach dem großartigenh Vorbild von ARTE. Solch ein europaweites Medium wäre auch das beste Mittel gegen korrupte und/oder rechtsnationalistische Staaten in Osteuropa.

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Profdoc1 30.09.2018, 17:38
27. Nö!

Zitat von Kokolemles
Das Problem besteht darin, das die Wirtschaft die Globalisierung dazu missbraucht um hier die Löhne und Lebensstandarts zu drücken mit der Drohung, wenn hier die Löhne nicht sinken, gehen wir ins Ausland, wo die Produktionskosten niedriger sind. Genau so verhält es sich hier bei der Beschäftigung von Flüchtlingen. Ein Flüchtling kennt hier seine Arbeitnehmerrechte in der Regel nicht und gehört auch keiner Gewerkschaft an. Dieser Umstand wird von der Wirtschaft skrupellos ausgenutzt. Das entlarvt die Wirtschaft, die ja nur aus Profitinteresse und nicht aus Menschlichkeit zu den Flüchtlingen hier handelt. Das ist ein verbrecherisches Verhalten, weil es den Haß der Deutschen auf die Flüchtlinge anstachelt. Es muss wirklich das gesagt werden. Natürlich ließen sich viele der Stellen mit arbeitslosen deutschen Arbeitnehmern besetzen. Bewerben sie sich mal direckt als über 50 Jähriger beim Benz, in der BASF, oder Bosch usw. Man wird nur mit Absagen konfrontiert. Das ist das Problem, was wir hier haben.
Ich weiß nicht ob und wo Sie beschäftigt sind, aber ich wiederspreche Ihnen vehement. Es ist korrekt, das wir uns in den Industrieländern in einer Transformation hin zur Digitalisierung befinden. Aus diesem Grund sind die Burufs- und Karriereaussichten im Bereich der MINT-Fächer exzellent. Das hat nebenbei auch nur bedingt etwas mit dem Alter zu tun. Unternehmen stellen sehrwohl Spezialisten über 50 Jahren ein.
Zur Ihrem Thema konkret. Leider funktioniert Ihre Argumentation nicht, denn Sie setzen voraus, das Flüchtlinge durchweg entsprechend qualifiziert sind. Das sind Sie leider nicht, sonst hätten viel mehr einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.
Ich vermute eher, dass Ihre Qualifikation nicht passt und das Sie deshalb derartige Kommentare verfassen, die frustgeprägt sind, mit der allgemeinen Situation in Deutschland aber nicht übereinstimmen. Tut mir leid.

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Profdoc1 30.09.2018, 17:41
28. Ich ergänze

Zitat von GP1
Bildung und nochmals Bildung hilft Globalisierung positiv zu gestalten. Nationales oder nationalistisches Geschwurbel führt nur ins Unglück
Menschen muss klar werden, dass zur Bildung und Qualifikation das lebenslange Lernen gehört. Und dazu gehört Eigeninitiative. Wer das nicht beherzigt, wird früher oder später unter die Räder kommen!

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briefzentrum 30.09.2018, 17:41
29. Internationalismus als hohles Ideologem

Na, das ist wieder mal eine Kolumne, in der alles zusammengerührt wird, ohne auch nur einen neuen eigenen konstruktiven Gedanken vorzutragen. Ich will mal den arg ekklektisch zusammengeschusterten Nachweis zu Gauland außer Acht lassen. Aber was bitte schön meint der Autor denn mit Internationalismus? Wenn das angeblich eine positive politische Kategorie sein soll, dann wäre doch hilfreich, zu beschreiben, welche Strukturen denn eine politische Gestaltung und Bewältigung der Globalisierung fördern und aktuell forcieren. Allein ein globaler Warenmarkt und globaler Kapitalismus kann ja als grundlegendes Fundament für internationale Politik kaum überzeugen. Wo aber sind denn die Erfolge des Internationalismus allein im Bereich des Handels und der Wirtschaft? Und wie lassen sich sowohl aus den Freihandelsabkommen politische Strukturen für die soziale Sicherheit, die Wohlfahrt, die kollektiven Identitäten und den Wohlstand einer Bevölkerung gewinnen und sichern? Der Internationalismus des Herrn Stöcker ist ein sinnentleertes Ideologem, eine modische Phrase, aus der sich heute keinerlei politische Gestaltungskraft gewinnen lässt. Das wird schon an den historischen Zitaten zum Internationalismus und den Menschenrechten deutlich. Wo auch nur in Europa wären denn sozialstaatliche Errungenschaften und Bürgerrechte durch einen politischen Internationalismus entstanden und gesichert worden? Bis heute sind alle leistungsfähigen politischen Strukturen, die ökonomischen Wohlstand für die Bevölkerung, soziale Sicherheit und Menschenrechte, wie auch soziale, politische und kulturelle Partizipation sichern, vor allem nationalstaatliche Errungenschaften. Und das hat nichts mit Nationalismus zu tun. Wir sehen am Beispiel der EU, wie schwierig es ist, transnationale Strukturen zu schaffen, die zwischen unterschiedlichen Gesellschaften, Kulturen und Volkswirtschaften einen Ausgleich möglich machen. Wir haben die globalisierungskritische Denatte nicht wegen ein paar Rechtspopulisten, sondern, weil die bisherigen europäischen Strukturen extrem krisenanfällig, wenig zuverlässig, wenig leistungsfähig, alles andere als gerecht und schon gar nicht demokratisch sind. Insofern tun wir gut daran, nicht weiterhin ein idealistisches Konstrukt vom sog. Internationalismus wie eine Monstranz vor uns her zu tragen, sondern uns auf die kritische Debatte über die Unzulänglichkeiten bisheriger transnationaler Konzepte einzulassen. Man kann das auch weiterhin ignorieren. Allerdings schaffen historische Prozesse wie der Brexit, das russische Expansionsstreben, das chinesische globale Vormachtstreben und der weltpolitische Niedergang der USA mit ihrer Tendenz zum Isolationismus Fakten. In solchen Zeiten braucht man nicht politischen Idealismus, sondern eine Politik, die ausgehend von leistungsfähigen und identitätsstiftenden nationalstaatlichen Strukturen, einen Ausgleich mit den nationalen Interessen, den Volkswirtschaften, der Kultur und den politischen Traditionen der europäischen Staaten schafft. Politische Isolation, migrationspolitische Nötigung und unreflektiertes Hegemoniestreben - und all dies über die transnationalen Strukturen der EU und des Euro helfen da nicht weiter.

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