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Grönland: Forscher finden riesigen Meteoritenkrater unterm Eis
Natural History Museum of Denmark / Cryospheric Sciences Lab / NASA Goddard Space Flight Center / Greenbelt, MD, USA

Mehr als einen Kilometer groß dürfte der Meteorit gewesen sein, der einst auf Grönland krachte. Jetzt haben Forscher tief im Eis seine Spuren entdeckt. Aber einige Rätsel des gigantischen Einschlags sind noch ungelöst.

lupo62 14.11.2018, 23:03
1.

Das erinnert an das Ries-Ereignis, bei dem ein ähnlich großer Meteorit vor 15 Millionen Jahren Süddeutschland getroffen hat. Die zugehörigen Tektite (zu Glas geschmolzener Auswurf) hat man aber nicht im oder am Krater, sondern hunderte Kilometer entfernt in Böhmen gefunden. Mag, sein, dass es hier ähnlich ist.

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oldman2016 14.11.2018, 23:20
2. Ursache der letzten Eiszeit

Damit ist die Ursache der letzten Eiszeit in Europa gelöst. Ich war schon immer der Meinung, dass das auf der Erde herrschende und stets im Gleichgewicht befindliche Klima auch durch äußere Einflüsse wie Meteoriteneinschläge beinflußt worden sein muss. Das soll aber nicht davon ablenken, dass auch die Tektonik und die darauf basierende Vulkantätigkeit einen großen Einfluss auf Veränderungen des Weltklimas hatten und auch in Zukunft noch haben.

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iStone 14.11.2018, 23:33
3. Impact Theorie würde Younger Dryas gut erklären

Der abrupter Abbruch der Nordatlantischen Ozeanströmung (AMOC = Atlantic Meridional Overturning Circulation) vor ca. 12.000 Jahren (oft fälschlicherweise als Golfstrom bezeichnet), der auch die Grundlage für den Film "Day after tomorrow" bildet, wird seit langem kontrovers diskutiert. Was war der Grund?

Bisher ging man immer von abrupten Entleerungen von großen Schmelzwasserseen in Nordamerika (Lake Agassiz) und/oder dem Baltic Ice Lake (heute Ostsee) als Ursache aus, die am Ende der letzten Eiszeit stattfanden. Allerdings konnte man bisher nie genug Evidenz dafür in den Sedimenten finden bzw. es blieb unklar, ob und wie diese Schmelzwasserseen die Ozeanströmung geschwächt haben. Zusätzlich ist auch die klimatische Änderung nicht unumstritten. So zeigen z.B. meine kürzlich veröffentlichen Ergebnisse, dass zumindest die Sommertemperaturen gar nicht so kalt waren - wohl aber die Winter (https://www.nature.com/articles/s41467-018-04071-5).

Interessant dabei ist, wenn der Impakt wirklich das abrupte Event vor 12.000 Jahren ausgelöst hat, dass selbst die Sommer südlich von Grönland erstaunlich warm waren - genau dort also, wo das ganze Schmelwasser von dem Impakt hingeflossen wäre (siehe Referenz 13 im obigen Link, Björck et al. 2002). Dies könnte bedeuten, dass der Impakt ca. 1100 Jahre lang die die AMOC geschwächt hat, ohne dass der Impakt selbst das Klima groß beeinflusst hätte (z.B. über Staub, ähnlich einem nuklearen Winter).

Im Artikel zum Datum des Impakts wird stark auf die Zweifel bzw. den fehlenden Beweis des Alters abgehoben. Dies ist wissenschaftlich zwar geboten. Allerdings ist der indirekte Beweis sehr stark: Da die Erosion von Gletschern den Untergrund sehr stark erodiert und schnell Konturen im Untergrund einebnet, ist ein sehr junges Datum für den Einschlagkrater fast schon der Beweis selbst.

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NochNeMeinung 15.11.2018, 09:43
4. Eis untersuchen

Wenn man zu wenig Proben aus dem Erdreich bekommen kann, dann könnte man alternativ auch das Eis, das sich über dem Krater gebildet hat untersuchen. Das wird inzwischen weiter gewandert sein, sollte sich aber anhand der Eisdrift doch noch finden lassen. Aus dem Eis, das über dem Krater entstanden ist, sollte sich dessen Alter ziemlich gut ableiten lassen.

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Pless1 15.11.2018, 10:23
5. Gar nicht so versteckt

Der westliche Rand des Kraters bildet auch den Rand des Inlandeises - in einem auffälligen Halbkreis, den man sogar als Laie bei Google Maps schnell finden kann. Da ist es schon fast verwunderlich, dass man nicht schon früher einen Impaktkrater vermutet hat.

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permissiveactionlink 15.11.2018, 13:20
6. Ein hochinteressanter Beitrag !

Nach Auffindung des Impaktkraters an der Westküste Grönlands dürfte es nicht mehr lange dauern, bis sich der Impakt über in Sedimentbohrkernen gefundene geschockte Quarze zeitlich genau datieren lässt. Möglicherweise sind dann auch Rückschlüsse auf das Aussterben der nordamerikanischen Megafauna durch Vergleich mit dem Alter paläontologischer Funde möglich. Wer weiß, was da noch alles unter den diversen Eisschilden verborgen liegt ?

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