Forum: Wissenschaft
Hat Atomkraft Zukunft?

Weiterhin Störfälle, weiterhin Diskussionen über die Energie-Zukunft und ihre Kosten: Wie sicher ist die Atomkraft? Wie zukunftsfähig?

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Schwinghammer 07.07.2009, 12:04
100. Das Krümmel-AKW

Übersehen wird zeitweise Wichtiges, Elementares im Getümmel.
Die Rede ist hier vom Dauer-Störfall des AKW-Krümmel.
Der Betreiber hat das AKW (1984) wieder nicht im Griff.
Vattenfall muss aktuell gehindert werden am WiederAnpfiff.
Nicht nur der B-Umweltminister nutzt das Krümmel-Geschehen.
Es gilt, markig gegen die A-Lobby vorzugehen.
Verstärken will Gabriel den Druck auf Vattenfall, ja gegen die gesamte Stromwirtschaft.
Zumal zwischen Verantwortung und Kontrolle eine große Lücke klafft.
Gabriel muss ins Auge fassen,
die Elektronik in allen A-Meilern untersuchen lassen.
Konkret: im Krümmel gab's wieder das Problem,
dass ausfiel das Reaktor-Kühlsystem.
Der Reaktor hatte sich abgeschaltet;
massive Störungen hatten sich dabei entfaltet.
Schockierend: nicht vorschriftsgemäß Vattenfall's Informationspolitik.
Sie verdient auch auf diesem Gebiet offensiver Kritik.
Indes Vattenfall will die Anlage noch acht Jahre betreiben.
Überzeugt, dass die Sicherheit wird gewährleistet bleiben.
Der Betreiber wiederholt den alten Fehler begeht,
wenn es sich um die hochriskante Technologie dreht.

Eine Laufzeitverlängerung für ältere Anlagen ist zu versagen.
Deren Stromkontingente sind auf die jüngeren zu übertragen.

Was meint CDU-Fraktions-Chef Kauder:
"Solange Kernkraftwerke sicher sind, sollen sie auch laufen!"
Wie bewertet man solches Geplauder?
Das Parlament muss zusammen sich raufen.

Bis Krümmel wieder betriebsbereit,
wird sich noch zuspitzen der alte AtomausstiegsStreit.

Kanzlerin und B-Wirtschaftsminister wollen in der Kern-Energie-Politik die Wende.
Zur Verhinderung reicht's rational nicht mehr aus, nur zu falten die Hände.

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wihu 07.07.2009, 12:37
101.

Zitat von eeg-gegner
Einen Beweis wollen Sie und bleiben den Beweis dafür schuldig, daß zur Errichtung der kommerziell betriebenen Kernreaktoren Staatsgelder geflossen sind? Was die Haftpflicht betrifft, so braucht etwas, was sicher ist, nicht versichert werden. Daß die sog. "Erneuerbaren ....
Nicht so agressiv sonst könnte man auf den bösen Gedanken kommen, Sie hätten eine Ideologiebrille.
Ich weiß nicht wieso Sie die erneuerbaren Energieen als technischen Rückschritt sehen und Atomstrom als Fortschritt.
Hier mal ein paar Zahlen, was der Staat bisher gezahlt hat.

Sanierung Urantagebaugebiet Wismut 6,6 Mrd. €
Stilllegung und Rückbau von Atomanlagen
2,5 Mrd. €

Abriss Versuchsreaktor Jülich
0,5 Mrd. €

Betrieb und Stilllegung Atommülllager Morsleben
1,2 Mrd. €


Bau von Forschungsreaktoren
ca. 20 Mrd. €

Öffentlicher Finanzierungsanteil an gescheiterten Projekten („Schneller Brüter“ Kalkar, WAA Wackersdorf, THTR Hamm-Uentrop, AKW Mülheim-Kärlich)
ca. 9. Mrd. €

Die Förderung der EU für Atomkraft betrug durch EURATOM seit 1957 400 Mrd. (Ok da sind auch ne Menge Milliarden für die Franzosen mit drin)

Selbst wenn wir mal annehmen und sei es nur der Diskussion wegen, dass die Öko Energie genauso hoch subventioniert wurde wie die Kernenergie:
Dann zahlt man im einen Fall für eine saubere Umwelt und im anderen für etwas, wofür uns noch die Urenkel unserer Urenkel verfluchen werden.
(und da zahl ich lieber für eine saubere Umwelt, tut mir leid aber so denke ich)

Was die Kosten eines Gaus angeht.
Die kann kein Unternehmen der Welt zahlen. Also bleibt es an der Gesellschaft hängen.

Ein Gau würde etwa 500 Milliarden bis eine Billion kosten.

Das Atomgesetz sieht eine Grenze von 2,5 Milliarden vor, die die Betreiber sicherzustellen haben § 13. Dieses Gesetz ist damit eine indirekte Subvention, da die Kosten für eine Versicherung mit Schadenssumme 500 Milliarden den Strompreis für Atomstrom mal locker verdoppeln würden.

Noch mal es geht nicht darum, dass sie nicht unbeschränkt haften. Es geht darum, dass die Unternehmen einen Gau nicht bezahlen können. Selbst das reichste Unternehmen steht dann da, wie ein Hartz IV Empfänger der einen Unfall BMW gegen Mercedes verschuldet hat. Der haftet auch und was bringts???
Und wenn die Unternehmen nicht mehr zahlen können, eine Versicherung nicht existiert na .. wer zahlt dann ????? SIE ??? Ja und zwar zu Recht als Atomkraftfan. Nur leider ich auch.

Die hier angeführten Rückstellungen der Unternehmen werden nicht besteuert. Sprich sie haben damit eine unglaubliche Geldanlage und dem Staat entgehen einige Steuern.

Ach ja Brennelemente werden nicht besteuert. Öl und Gas schon. Auch das ist eine verdeckte Subvention.

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Jochen Binikowski 07.07.2009, 12:43
102.

Vor einigen Tagen habe ich gefragt, wie hoch wohl die Kapazität der Backup-Kraftwerke für abgeschaltete AKWs sein mag. Dazu steht heute im SPIEGEL folgendes:

"In Deutschland sind formal derzeit noch 17 Atomkraftwerke in Betrieb. Tatsächlich am Netz sind aber deutlich weniger: Brunsbüttel ist nach mehreren schweren Pannen seit weit mehr als einem Jahr abgeschaltet. Krümmel wurde nach einem Brand im Juni 2007 erst im Juni 2009 wieder hochgefahren. Der älteste Meiler, Biblis A, ist seit Ende Februar nicht mehr am Netz und wird derzeit gewartet. Der benachbarte Block Biblis B ist seit Januar 2009 wegen Revisionsarbeiten abgeschaltet. Das AKW Stade ging Ende 2003 außer Betrieb und wurde 2005 stillgelegt. Obrigheim ging Mitte 2005 außer Betrieb. "

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...634742,00.html

Mal gut dass wir verantwortungsvolle Politiker haben, bei denen schon der Gedanke an Schmiergelder für Lobbyarbeit völlig absurd ist:

Der baden-wüttembergische Ministerpräsident Günther Oettinger hat unterdessen für den Fall eines schwarz-gelben Wahlsieges unbegrenzte Laufzeiten für Atommeiler in Aussicht gestellt. "Für alle Kernkraftwerke, die dem Stand der Technik entsprechen, werden wir die Laufzeitbeschränkungen aufheben", sagte der CDU-Politiker dem "Hamburger Abendblatt". Die Reaktoren müssten in Betrieb bleiben, solange sie zuverlässig Strom lieferten. Dies gelte auch für Krümmel: "Wenn die technischen Voraussetzungen stimmen, ist Krümmel ein Kraftwerk mit Zukunft."

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wihu 07.07.2009, 12:55
103. Dann kann die Stromlücke ja nicht so groß sein

Zitat von Jochen Binikowski
Vor einigen Tagen habe ich gefragt, wie hoch wohl die Kapazität der Backup-Kraftwerke für abgeschaltete AKWs sein mag. Dazu steht heute im SPIEGEL folgendes: "In Deutschland sind formal derzeit noch 17 Atomkraftwerke in Betrieb. Tatsächlich am Netz sind aber deutlich weniger: Brunsbüttel ist nach.....
Wenn wir bei drei temporär stillgelegten Kraftwerken, die offenbar nur die Wahl überstehen sollen, trotzdem noch Strom exportieren, dann kann die "Stromlücke" ja nicht so groß sein. Zumindest nicht wie die Lüge von der "Stromlücke".

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AndyH 07.07.2009, 13:03
104.

Zitat von wihu
Wenn wir bei drei temporär stillgelegten Kraftwerken, die offenbar nur die Wahl überstehen sollen, trotzdem noch Strom exportieren, dann kann die "Stromlücke" ja nicht so groß sein. Zumindest nicht wie die Lüge von der "Stromlücke".
Man exportiert und importiert.
Die Frage ist wann und was.
Bei Windüberschuss verschenkt man den Strom für umma, am sonsten hat man Unterdeckung. Man kann dem Wind halt nicht mitteilen, dass nun 3 ICE-Züge gleichzeitig loszufahren haben.

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Minkffm 07.07.2009, 13:03
105.

Zitat von nobbi2003
Hallo Antje, Sie liegen da etwas auf dem Holzweg. Es gibt in der Welt nur eine Handvoll an Firmen die Kernkraftwerke bauen können. Das ist Siemens; Westinghouse-Mitsubishi; Toshiba, Rosatom und Areva. In China werden meines Wissens nach Reaktoren von Westinghouse, Toshiba und Rosatom gebaut. Die Reaktoren sind allesamt Leichtwasserreaktoren mit einem negativen ....
EIn paar kleine Korrekturen...Westinghouse-toshiba ist der Konzern der neben Rosatom-Siemens und Areva KKW`s baut. In China baut auch Areva.
Inhärent sicher ist kein KKW....lediglich die GAU-Wahrscheinlichkeit ist minimiert. Beim EPR (European Pressurized Reactor) ca. 10^-6, also 1:1 000 000. Diese Zahl ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da sie mit Laufzeit der Reaktoren kleiner wird. D.h., das Risiko erhöht sich. Nach 30 Jahren Laufzeit auf ca. 10^-5. Im übrigen kann es selbst bei Kühlmittelverlust zu einer Kernschmelze kommen. Ist zwar unwahrscheinlich, aber dafür existiert ein Contaiment-Becken unter dem Reaktor (meist aus Keramik), welches das Durchschmelzen verhindern sollte (Stichwort: Nachzerfallswärme infolge beta-Strahlung). Ihre Definition der Inhärenz bezieht sich also nicht auf die inhärente Sicherheit des Reaktors, sondern die inhärente Leistungsstabilität (fallender Kühlmittelstand, fallende Anzahl von spaltungen). Allerdings bewirkt eine Kühlmitteldruckzunahme genau das Gegenteil. Leistungsanstieg!
Zu Wiederaufbereitungsanlagen: sicherlich ist das Prolifertaionspotential solcher Anlagen nicht zu unterschätzen. Untersuchen haben gezeigt, daß selbst mit herkömmlichen Reaktorplutonium Waffen gebaut werden können. Auch wenn Frühzündwahrscheinlichkeit und Zerfallswärme diese Desings erschweren. Ein viel größeres Problem ist aber die Giftigkeit von Plutonium, welches das für die Umwelt giftgiste Element ist. Viele Wiederaufbereitungsanlagen hätten somit zur Folge, daß viel Plutonium umhergeschippert wird. Dagegen sind die heutigen Castor-Transporte eine Witz....

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MKochBS1 07.07.2009, 14:04
106. Ob die friedliche Nutzung der Atomkraft eine Zukunft hat? Na klar!

Der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) sagte im Bayerischen Rundfunk, die bayerischen Atomkraftwerke „sind sicher, wir haben da überhaupt keine Probleme“.
Also kann Atomkraft sicher sein... Das behauptet nicht nur der Herr Söder.

Söder sprach sich auch dafür aus, dem Bund jegliche Verwaltungskompetenz für die Kernenergie zu entziehen. Es sei besser, den Ländern die v o l l e Zuständigkeit zu übertragen. (... Oho)

Wunderbar, wie einsichtig auch dieser bayerische Politiker ist, was den praktizierten Föderalismus betrifft! Dann muss aber noch eine ganz, ganz strenge Forderung an die Bayern gestellt werden:

Wann endlich übernehmen diese Leute endlich auch einmal die a l l e i n i g e Zuständigkeit für die „Beseitigung“ des von ihnen erzeugten, e i g e n e n Atommülls!

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Gebetsmühle 07.07.2009, 14:17
107.

Zitat von MKochBS1
Wunderbar, wie einsichtig auch dieser bayerische Politiker ist, was den praktizierten Föderalismus betrifft! Dann muss aber noch eine ganz, ganz strenge Forderung an die Bayern gestellt werden: Wann endlich übernehmen diese Leute endlich auch einmal die a l l e i n i g e Zuständigkeit für die „Beseitigung“ des von ihnen erzeugten, e i g e n e n Atommülls!
die forderung ist berechtigt. wir wollen das zeug aber nicht in bayern haben. basta.

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wihu 07.07.2009, 14:19
108.

Zitat von AndyH
Man exportiert und importiert. Die Frage ist wann und was. Bei Windüberschuss verschenkt man den Strom für umma, am sonsten hat man Unterdeckung. Man kann dem Wind halt nicht mitteilen, dass nun 3 ICE-Züge gleichzeitig loszufahren haben.
Hihi, Großartig. Sie sind aber ganz schön technikfeindlich und haben kein Vertrauen in den Fortschritt. Glauben sie nicht, dass eine Menschheit die seit zig Jahren Batterien kennt, auch im großen Stil Energie speichern kann.

Das zeigt mal wieder, dass Atomfans sich selbst für technikfreundlich und marktwirtschaftlich halten, aber in wirklichkeit nur eine uralttechnologie unterstützen, die Möglichkeiten der modernen Technologie unterschätzen und obendrein einen hoch subventionierten Wirtschaftszweig fördern.

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derweise 07.07.2009, 14:31
109. Die deutschen Energiemanager

Die deutschen Energiemanager tragen einen großen Teil der Schuld an der Situation im Energiebereich: Arroganz, Überheblichkeit, fehlender Weitblick haben hier eine Katastrophe angerichtet, die sich erst anbahnt.

Der Veba Manager Rudolf Bennigsen-Foerder trägt mit eine Hauptschuld durch seinen Ausstieg aus der Recyclingstechnik der Wiederaufarbeitung in den 80er Jahren des letzten Jahrtausends.

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