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Hirnforschung: Wie Kinder Einfühlungsvermögen lernen
DPA

Erst mit vier Jahren können Kinder sich in andere hineinversetzen. Dass sie vorher die Perspektive ihres Gegenübers nicht verstehen, liegt an einer fehlenden Datenleitung in ihrem Gehirn.

sabbajohne 28.03.2017, 16:28
1. Dreher im Artikel?

die Dreijährigen erkennen den wahren Inhalt, während die Vierjährigen von der Verpackung ausgehend falsch vermuten?

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santoku03 28.03.2017, 16:49
2.

Zitat von sabbajohne
die Dreijährigen erkennen den wahren Inhalt, während die Vierjährigen von der Verpackung ausgehend falsch vermuten?
Die Dreijährigen denken, weil sie gesehen haben, dass Stifte in die Box gesteckt wurden, andere (die das nicht gesehen haben) würden Stifte darin vermuten. Die Vierjährigen hingegen können sich (so die Theorie) in die Position von jemandem hineinversetzen, der nicht gesehen hat, wie die Box gefüllt wurde, und sagen daher, dieser würde in einer Schokoladenschachtel wohl Schokolade vermuten.

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groscovo 28.03.2017, 16:52
3.

Nein. Der Artikel ist korrekt. Drei-, wie Vierjährige wissen, dass Stifte in der Box sind aber nur die Vierjährigen wissen, dass andere, die nicht wissen, dass Stifte in der Box sind, dort Schokolade vermuten würden, da es sich um eine Schokoladenbox handelt.

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Alfons Emsig 28.03.2017, 17:00
4. Frage falsch verstanden?

Was wäre wenn die Dreijährigen - anders als die Vierjährigen - schlicht die Frage falsch verstanden haben? Also nicht, was andere wohl in der Schachtel vermuten würden, sondern sie selbst? Wenn schon mancher SPON Leser die Frage missversteht.

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santoku03 28.03.2017, 18:32
5.

Zitat von Alfons Emsig
Was wäre wenn die Dreijährigen - anders als die Vierjährigen - schlicht die Frage falsch verstanden haben? Also nicht, was andere wohl in der Schachtel vermuten würden, sondern sie selbst? Wenn schon mancher SPON Leser die Frage missversteht.
Die werden schon kindgerecht gefragt worden sein, sonst machte ja die ganze Untersuchung keinen Sinn.

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annoo 29.03.2017, 11:45
6. @Alfons Emsig

Sie schreiben: " Was wäre wenn die Dreijährigen - anders als die Vierjährigen - schlicht die Frage falsch verstanden haben? Also nicht, was andere wohl in der Schachtel vermuten würden, sondern sie selbst? Wenn schon mancher SPON Leser die Frage missversteht."

Ob eine Frage missverständlich gestellt wurde sieht der Wissenschaftler in der Regel ganz schnell daran, dass bei uneindeutiger Formulierung die Probanden im Mittel je hälftig in die eine und hälftig in die andere Richtung antworten. Wenn dies der Fall ist (das kann selbst gestandenen Forschern passieren) wird in der Regel die Frage nachträglich nochmals auf Missverständlichkeit überprüft. Ein so eindeutiges Ergebnis kann es also bei unklarer Formulierung nicht geben. Aso kann man schon davon ausgehen, dass beim Versuchsablauf die Frage so gestellt wurde, dass die Zielgruppe "Kleinkinder" ihre Arbeitsanweisung richtig verstanden hat und das Ergebnis somit verwertbar ist.

Sehr interessanter Test übrigens, ich hätte nicht gedacht, dass das Ergebnis so eindeutig ist. Kinder entwickeln sich ja nicht linear sonder in Schüben, ich hätte gedacht, dass es innerhalb der Altersstufen unterschiedlicher entwickelte Kinder gibt, so dass das Ergebnis gar nicht so eindeutig wäre wie es doch wohl zu sein scheint. Wieder was gelernt.

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widastandiszwäglos 29.03.2017, 16:02
7. Piaget etc

Entwicklungspsychologisch ist das doch ein ganz alter Hut, alles bekannt und belegt seit Piaget. Nun weiß man halt auch, dass da tatsächlich noch was wächst im Gehirn, was zu vermuten war.

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sponleser7991 29.03.2017, 16:23
8. @widastandiszwäglos

Es stimmt zwar, dass durch Piaget die kognitive Weiterentwicklung von Kindern belegt ist. Jedoch geht er davon aus, dass Kinder erst in dem konkret-operationalen Stadium, und somit erst ab ca. 7 Jahren, in der Lage sind reversibel zu denken und sich in andere Personen hineinzuversetzen.
Somit wäre diese Studie eine Widerlegung Piagets.

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robb30 30.03.2017, 07:32
9. @sponleser7991

Sie irren sich. Zwar entwickelt laut Piaget ein Kind erst ab dem formal-operationalen Stadium die Fähigkeit der reversibilität. Aber die Fähigkeit der Perspektivübernahme (Theory of Mind) hat damit rein gar nichts zu tun. Reversibilität ist die Umkehrbarkeit eines Ereignisses. Das sind 2 Paar Stiefel, die sie nicht miteinander gleichsetzen dürfen. In diesem Sinne ist Piaget nicht widerlegt, sondern bestätigt und der Mehrwert der Untersuchung ist, dass man nun weiß, warum sich die Fähigkeit der Perspektivübernahme erst mit ca. 4 Jahren entwickelt. Wozu meine Kinder nicht sinnvoll sein können... Früher habe ich mich mit sowas nie beschäftigt.

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