Forum: Wissenschaft
Homöopathie-Debatte: Die unsichtbare Teekanne
imago/ Christian Ohde

Die Techniker Krankenkasse hat sich diese Woche einen Intensivkurs in Sachen Wissenschaft eingebrockt. Es ging um Homöopathie. Warum man der nicht trauen sollte, lässt sich sogar mithilfe einer toten Fliege verdeutlichen.

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RudiRastlos2 12.03.2017, 08:57
1.

Wieso ist es "wissenschaftstheoretischer Unsinn ist, Belege für die Nicht-Wirksamkeit einer Therapie zu verlangen"?
Das hat doch nichts mit "Wissenschaftstheorie" zu tun, denn es ist theoretisch und praktisch Möglich, die Nichtwirksamkeit einer Therapie zu beweisen. Es geht eher darum, dass es praktisch wenig Sinn macht, jede Therapie zu bezahlen, so lange die Nichtwirksamkeit nicht bewiesen ist. Das ist natürlich wenig praktikabel, hat aber nach meinem dafürhalten nichts mit "Wissenschaftstheorie" zu tun.

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Valis 12.03.2017, 09:05
2. Als Placebo aber!

Die Wirkung von Placebos stehen doch ausser Frage.
Und so wirkt meiner Meinung nach auch ein Globoli.
Ich kenne viele die daran glauben und bei Anzeichen von Erkältung,Grippe ,etc Globolis zu sich nehmen.
Sie schwören drauf und meinen sie sind viel seltener Krank.
Wahrscheinlich Kopfsache.
Aber warum sollte man das jetzt Schlechtreden?
Warum sollten die Krankenkassen es nicht zahlen wenn es bei so vielen etwas bringt?

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MashMashMusic 12.03.2017, 09:09
3.

Zitat von RudiRastlos2
Wieso ist es "wissenschaftstheoretischer Unsinn ist, Belege für die Nicht-Wirksamkeit einer Therapie zu verlangen"? Das hat doch nichts mit "Wissenschaftstheorie" zu tun,
Doch, natürlich. Wenn Sie in den Naturwissenschaften publizieren wollen, müssen Sie nicht nachweisen, dass irgendwas nicht so ist, sondern Sie müssen nachweisen, dass etwas so ist wie postuliert.

Beispiel: Sie müssten in diesem Fall nachweisen, dass Homöopathie funktioniert.

Und das ist auch gut so und vernünftig. So funktionieren die Wissenschaften, und wir leben nicht mehr im erkenntnistheoretischen Mittelalter.

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sophistos 12.03.2017, 09:11
4. Nichtexistenz-Beweise

Nichtexistenz-Beweise sind erkenntnistheoretisch wirklich eine witzige Sache. Aber witzig ist auch die Rede des Autors von "empirisch nicht belegbaren Glaubenssystemen", wenn er selber die Homöopathie sowohl als Glaubenssystem bezeichnet als auch belegt hat, dass sie existiert.

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MehrSeinalsSchein 12.03.2017, 09:13
5. Oh mein Gott .....

.... jetzt muß man nur noch wissen, dass die TK mittlerweile auch die Beiträge erhöhen mußte! Ein sehr bekannter Guru hat das ganz anders nach dem Motto: Nimm Dein Bett und geh, Dein Glaube hat Dir geholfen. Ich seh das betriebswirtschaftlich: Wenn die Tatsache, dass geringe Summen für Homöopatie bezahlt werden dafür sorgt, dass die Hypochonder mit ihren Beiträge meine wieder senken und verhindert wird, dass sie tagelang und aufwändig / kostenintensiv von der Schulmedizin behandelt werden, dann soll mir das rechtsein. Glauben kann jeder was er will, solange er andere daduch nicht einschränkt - darin liegt wohl die Herausforderung der Moderne!

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praetorianer2 12.03.2017, 09:20
6. Medikamente

Die Wirksamkeit vieler Medikamente geht auch nicht über die von Placebos hinaus. Das wird nie kritisch angemerkt. Und wie schon ein anderer User bemerkte, wenn es wirkt und sei es auch nur wegen des Glaubens daran, warum sollte Homöopathie nicht anerkannt sein?
Medizinischen Studien traue ich sowieso nicht. Die Pharmaindustrie hat da ihre Finger drin... Studien unabhängiger Wissenschaftler sind da aussagekräftiger!

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bakiri 12.03.2017, 09:22
7. wo liegt das problem?

es gibt auch meta-analysen die unwirksamkeit von seit jahrzehnten angewendeten, angeblich wirksamen therapieverfahren der schulmedizin belegen. insofern ist die homöopathie in guter gesellschaft. andererseits versetzt der glaube ja bekanntlich berge....man könnte es so sehen: die menschen gehen seit jahrhunderten in die kirche zum beten. doch keiner kann beweisen ob es etwas bringt. trotzdem tun es auch heute noch viele und zahlen (hierzulande) kirchensteuer.
beten und homöopathie haben beide etwas gemeinsam, der glaube versetzt berge. aus gutem grund helfen manchmal, bis zu einem gewissen grad an körperlichen problemen, auch placebos. der patient besinnt sich auf etwas, er pflegt sich und er glaubt an etwas. wenn das hilft hat auch die homöopathie ihre schuldigkeit getan. vor allem tut sie das ohne nebenwirkungen, ohne umweltbelastung und ohne entstehung von allergien oder resistenzen. man sollte es also einfach gut sein lassen und akzeptieren, dass die homöopathie für viele ein weg ist sich mit dem eigenen körper und aufkommenden krankheiten zu beschäftigen. homöopathie bei schweren erkrankungen zu nehmen ist so schwachsinnig wie bei einer erkältung gleich antibiotika (die bei meist viral verursachter erkältung eh nicht helfen) zu schlucken, nur weil der humanmediziner nur mit der verschreibung aktionismus zeigen wollte. trotzdem zahlt auch dort die kasse ggf das unnötige antibiotikum.

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ed_tom_bell 12.03.2017, 09:24
8. Minimalste Dosen medizinischer Vernunft

Zitat von RudiRastlos2
Wieso ist es "wissenschaftstheoretischer Unsinn ist, Belege für die Nicht-Wirksamkeit einer Therapie zu verlangen"? Das hat doch nichts mit "Wissenschaftstheorie" zu tun, denn es ist theoretisch und praktisch Möglich, die Nichtwirksamkeit einer Therapie zu beweisen. Es geht eher darum, dass es praktisch wenig Sinn macht, jede Therapie zu bezahlen, so lange die Nichtwirksamkeit nicht bewiesen ist. Das ist natürlich wenig praktikabel, hat aber nach meinem dafürhalten nichts mit "Wissenschaftstheorie" zu tun.
Weil Sie dann in die inflationäre, rein von der Masse her unlösbare Situation kommen würden jeden hanebüchenen Blödsinn, den sich irgendein Spaßvogel oder geriebener Geschäftemacher ausdenkt, widerlegen zu müssen. Das würde den seriösen Wissenschaftsbetrieb komplett lahmlegen.

Ich habe selbst früher mal an Homöopathie geglaubt. Allerdings eher aus Uninformiertheit und Einflüsterungen von Bekannten heraus. Es war tatsächlich so, dass es mir ein gutes Gefühl gab, dass der Arzt sich für mich relativ viel Zeit nahm. Teils sogar geradezu unglaublich viel. Das ist zwar positiv, in dieser Zeit musste ich mir aber auch viel fadenscheiniges Zeug, u.a. darüber, in welchem Bereich eines bunten Hexagramms ich mich gerade mit meinem Gesundheitszustand befände, anhören. Das war mir von Anfang an suspekt, aber ich dachte "Wenn's irgendwie hilft". Nach ein paar Jahren stellte sich aber raus, dass es das nicht tat. Auf Rat dieses Arztes hin bin ich übrigens damals zur TKK gewechselt.

Das Perfide ist, dass diese teuren Pseudobehandlungen dem Gesunheitssystem viel Geld entziehen und z.B., wie ich es selbst erlebt habe, Bedürftige keine Taxifahrt von einer Darmspiegelung nachhause erstattet bekommen - obwohl klar ist, dass sie wegen der Narkose nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen können und auch einen Taxi-Schein vom Arzt bekommen haben - während andererseits jeder schamanistische Mummenschanz unhinterfragt bezahlt wird.

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KleinerPrinz 12.03.2017, 09:24
9. Warum nicht bezahlen?

@Valis: Warum das nicht bezahlen? Zum einen, weil damit eine Milliarden-Industrie unterstützt wird, die massiv versucht, der Gesellschaft die Wirksamkeit einzureden und ihren Einfluss zusätzlich auch auf Medizinstudium auszubreiten.
Zum zweiten: Es kostet das Zigfache eines Placebos aus der Apotheke. Der Arzt könnte also dem Patienten viel Geld sparen, wenn er irgendein Placebo mit wohlklingenden Namen verschreibt.
Drittens: Es ist ein Unding, wenn Krankenkassen für verdummende, nicht-wirksame Dinge Geld zur Verfügung stellen, aber andere, nachweislich nötige und wirksame Therapien mit weniger Geld ausstatten. Beispiel Brille.
Viertens: Es geht hier auch ums Prinzip: Werden nun auch andere "alternative" Heilmethoden finanziert? Vodoo, Händeauflegen, energetische Steine, Hexentänze? Gleiches Prinzip, ebenfalls ein Placeboeffekt - also wo aufhören?

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