Forum: Wissenschaft
Homöopathie-Debatte: Die unsichtbare Teekanne
imago/ Christian Ohde

Die Techniker Krankenkasse hat sich diese Woche einen Intensivkurs in Sachen Wissenschaft eingebrockt. Es ging um Homöopathie. Warum man der nicht trauen sollte, lässt sich sogar mithilfe einer toten Fliege verdeutlichen.

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ace.of.spades 12.03.2017, 14:01
220. Hier wird viel zuviel verharmlost!

Viele Kommentare hier basieren auf der Annahme, daß die Homöopathie wegen der offensichtlich fehlenden Wirkstoffe ja nicht schaden kann. Das ist aber unter Umständen ein gefährlicher Trugschluss!

Homöopathie und anderer alternativer Mumpitz kann durchaus tödlich sein!

Meine Schwester ist an Kehlkopfkrebs gestorben. Sie war eine glühende Anhängerin der Homöopathie und anderer alternativer Quacksalbereien. Bei einer Routineuntersuchung aus beruflichen Gründen wurde im Rachenraum ein klitzekleiner maligner Tumor im Anfangsstadium entdeckt. Eine weitere Untersuchung ergab, daß bei einer sofortigen chirurgischen Entfernung die Heilungschancen so gut wie sicher waren.

Meine Schwester lehnte jedoch jede schulmedizinische Behandlung ab und wandte sich an ihren alternativen Quacksalber und Homöopathen. Der behandelte sie für über ein Jahr mit Globuli und allem möglichen anderen alternativen Mumpitz. Bis es zu spät war für einen chirurgischen Eingriff, weil der klitzekleine Tumor sich in ein metastasierendes tödliches Monster entwickeln durfte.

Der Tod meiner Schwester durch Krebs wäre sehr wahrscheinlich vermeidbar gewesen. Gestorben ist sie letztenendes durch die Homöopathie, an der sie bis zuletzt festhielt!

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Freedom of Seech 12.03.2017, 14:01
221. @doc_x: Analyse korrekt - Schlussfolgerungen eher nicht

Was Sie als pragmatisch betrachten ist es aus meiner Sicht nicht. Ein klares und offenes Wort des Arztes ("Sie sind gesund - Ihre Probleme werden Sie nicht mit Hilfe der Medizin lösen") wäre statt dessen der bessere und letztlich ehrlichere und pragmatischere Weg. Wenn Sie mit den Globuli und dem Hokus Pokus drum herum anfangen, fixieren Sie den Betroffenen mit seinen Befindlichkeitsstörungen letztlich in seiner "Krankenrolle". Die Folge ist allzu häufig eine exzessive Inanspruchnahme medizinischer Leistungen (Diagnostik und Therapie die sich am Ende eben nicht auf preisgünstige Globuli beschänkt). Hinzu kommen mit den Jahren immer längere "krankheitsbedingte" Arbeitsausfallzeiten und in nicht wenigen Fällen Frühberentung. Letztlich geht das nicht nur auf Kosten der Versicherungsgemeinschaft sondern auch auf Kosten der Schwerkranken. Ich finde daher Ihren Vorschlag - auch wenn er zunächst plausibel erscheint und im Zeitgeist liegt - extrem kontraproduktiv.

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snug_de 12.03.2017, 14:04
222. Graphen, die Kniespiegelung und der verantwortungsvolle Arzt

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie hier im Spiegel über Graphen berichtet wurde: "Dabei dürfte es Graphen eigentlich gar nicht geben. Zumindest war das bis vor wenigen Jahren die in der Wissenschaft gängige Auffassung. Materialien, gleich welcher Art, müssten dreidimensional aufgebaut sein, sonst wären sie instabil, das ließ sich mathematisch nachweisen."
Ich möchte die Homöopathie nicht auf eine Stufe mit der Entdeckung des Graphens gleichsetzen, aber vielleicht gibt es zwischen Himmel und Erde, die der Mensch nicht über Formeln etc. erklären und beweisen kann, aber die trotzdem möglich sind.
Weiter wurde im Spiegel berichtet, dass nahezu alle "Kniespülungen" in Deutschland sinnlos sind. Das als ein Beispiel institutionell verankerter Verschwendung - auf die aber nicht so publikumswirksam eingedroschen wird.
So lange der Arzt im Blick hat, wann die ausschließliche Anwendung der Homöopathie an unterlassene Hilfeleistung grenzt, ist es doch ökonomisch und gesellschaftlich vollkommen ok, ein paar "richtige" Pillen weniger zu verabreichen denke ich...
Außer für die klassische Pharmaindustrie natürlich.

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karin.italienfan 12.03.2017, 14:05
223. Gratulation

Ich gratuliere dem Autor zu diesem interessanten und sehr humorvollen Artikel. Auch ich glaube nicht an Homöopathie sondern an die (gelegentliche) Wirkung von Placebos. Wie kann man sich aber erklären, dass manche Leuten behaupten, Globuli würden auch bei Tieren, also z.B. Katzen und Hunden wirken? Das konnte mir bisher noch niemand schlüssig beantworten.

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cevra 12.03.2017, 14:05
224. allgemeiner Sprachgebrauch

genauso wie es falsch ist, daß allgemein Medikamente umso besser wirken, desto verdünnter sie eingenommen werden, genauso falsch ist es, daß diese Zuordnung etwas mit Homöopathie zu tun hat.
homöopathisch bedeutet nichts anderes als daß Nebenwirkungen einer Arznei auf die zu behandelnden Krankheitssymptome beschränkt sind, jeder 0815 Hustensaft eingenommen gegen Husten ist homöopathisch, wenn er als Nebenwirkung maximal erhöhten Hustenreiz aufweist, wie verdünnt die Inhaltsstoffe sind spielt absolut keine Rolle für die Kategorisierung. Derselbe Hustensaft eingenommen um ein Hautekzem zu heilen, ist nicht homöopathisch.

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dietmr 12.03.2017, 14:05
225. Der Klassiker - ganz einfach gelöst ...

Zitat von Reiner Geist
Meine Frau behandelt ihre Tiere (3Ponys, 2 Hunde, 1 Katze) homöopathisch und es wirkt ! Wie erkläre ich mir denn jetzt den Placeboeffekt?
Ganz einfach: Über die Zuwendung, die ihre Frau den Tieren zukommen lässt - das steht sogar so schon in obigem Artikel, ggf. einfach nochmals nachlesen (und weil sie zudem - vermutlich - selbst dran glaubt).
Das ist klassischerweise ein wichtiges Element des Placebo-Effektes (wenn der Arzt nicht dran glaubt, ist der Placebo-Effekt geringer - deshalb muss es ja die sog. Doppelblind-Studien geben ..., notfalls einfach mal googeln ...)

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ka.briz 12.03.2017, 14:06
226. Placebo wissenschaftlich erforscht

Wenn ein placebo ein Nichts an Wirkstoff enthält (double blind Versuche) und doch eine Wirkung hat, ist die Aufgabe der Wissenschaftler ( Glaube ist nicht Wissen) herauszufinden, welche Wirkungskette an akzeptierten Wirkungsmustern dies Ergebnis erzeugt. Sonst hat der Glaube an die Wirkung eben doch eine Wirkung - nachgewiesen auch für sogenannte allopathische Arzneimittel .

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RudiRastlos2 12.03.2017, 14:06
227.

Zitat von alfredo_spencer
Jetzt müssen Sie liefern. Vielleicht legen Sie uns einfach einmal die Methode dar. Vielleicht am Beispiel des bereits in der Diskussion genannten Goldbarrens. Wie wurde denn die Unwirksamkeit der Homöopathie bewiesen?
Vereinfacht gesagt: Man nehme eine große Zahl von Probanden. Die Hälfte dieser Behandelt man mit Zuckerkügelchen, den Rest davon mit Globuli. Nach Ende des Versuchs untersucht man, ob es einen statistisch signifikanten Unterschied bezüglich der Genesung der Probanden gab. Unwirksamkeit belegt. So oder auf ähnliche Weise schon hundertfach in der medizinischen Literatur belegt. Ich verstehe jetzt nicht, wo die Schwierigkeit liegen sollte.

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marcaurel1957 12.03.2017, 14:06
228.

Zitat von Reiner Geist
Meine Frau behandelt ihre Tiere (3Ponys, 2 Hunde, 1 Katze) homöopathisch und es wirkt ! Wie erkläre ich mir denn jetzt den Placeboeffekt?
Garnicht, weil es eben nicht wirkt....Wenn Sie in einer Doppelblindstudie mit einem angemessenen Studiendesign mit 1000 Ponys, 2000 Hunden und 1000 Katzen nachweisen können, dass die Wirkung in der Homöopathiegruppe signifikant höher ist, als in der Kontrollgruppe, dann reden wir weiter.

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Das Pferd 12.03.2017, 14:07
229.

Zitat von wasnyxq
hat eine sehr spezielle Interpretation der "Leitlinien zur Beitragserhebung" ihrer seit 2007 zwangsweise freiwillig Versicherten, die dann reihenweise von den Landgerichten, Finanzgerichten (Vollstreckungsgegenklage, da nach AO vollstreckt wird), Sozial- und Verwaltungsgerichten krachend scheitert. Da werden Handwerkern und "selbstständigen" Kurieren mit Ursprungsforderungen im Bereich weniger hundert Euro mal gerne die Existenzen unterm A... weggerissen und die Insolvenz fremdbeantragt obwohl Teilzahlungs- oder Vergleichs-Angebote mit 100% Erfüllung innerhalb von 24 Monaten vorgelegt wurden. Auch nett: In der Zeit kurz vor dem Gesetz zur Verhinderung der sozialen Überforderung machte die TK reihenweise Vergleiche mit 50% Forderungsverzicht, weil wenige Wochen später die Freudenhauszinssätze von 60% wegfielen und diese Forderungen zum Teil auf 20% und weniger implodierten. Wenn man solche Fälle auf den Tisch bekommt, sieht es mit der Bescheidlage meist sehr mau aus. In der Regel hat gerade die TK, wenn überhaupt, nur vorläufige Bescheide ausgestellt und die Forderungen bei Einrede einfach verjährt gewesen wären. Beim Rest sind rechnerische Fehler eher die Regel. Anrechnungsvorschriften werden gar nicht berücksichtigt und wenn die TK von einem Richter die Tür gezeigt bekommt, spielt sie anschließend derart auf Zeit, dass man an vier Gerichten gleichzeitig kämpfen darf, da Doppel- und Mehrfachvollstreckungen auch nicht selten sind. Wir reden hier von Opfern, die trotz Vollzeitbeschäftigung nur im Bereich ALG-2 plus Raumtemperatur liegen. Für die eher besser-verdienenden Homöopathie-Anhänger werden die Leitlinien dann in die großzügige Richtung ausgelegt.
berechtigte Kritik. ich lebe 20 Jahre als Kleinselbstständiger mit diesem Mindesteinkommen, nach dem die Beiträge berechnet werden. Auch wenn dieses Einkommen gar nicht erzielt wird. Es ist nachvollziehbar, daß es so was geben muß, unschön ist es trotzdem.

Und wenn man das (oder Sozialabgaben für Mitarbeiter-ganz heißes Eisen) nicht mit allerhöchster Priorität versieht (also deutlich vor Lieferantenrechnungen oder gar Privatentnahmen) kann man in Teufels Küche kommen.
Und hat in so einem Apparat leider Leute zu sitzen, für die echte Existenzangst völlig unbekannt ist.

Trotzdem hat das nichts mit Homöopathie zu tun. Die wird ja nicht im Rahmen eines Ermessensspielraums gewährt. Sondern als Regelleistung beworben, um bestimmte Leute anzuerben. Es geht da um das Anwerben gesunder und zahlungskräftiger Mitglieder. Hat mit dem Umgang mit Härtefällen wenig zu tun, und auch dann eher in der umgekehrten Richtung. Eine verbesserte Einnahmesituation ermöglicht eben auch großzügigeres Ermessen. Ob davon grade Kleinunternehmer profitieren, ist eine ganz andere Frage, das ist ja nicht so eine populäre Klientel.

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