Forum: Wissenschaft
Hygiene in Krankenhäusern - was muss geändert werden?

Jährlich sterben in Deutschland viele Menschen, weil sie sich in Krankenhäusern mit Keimen angesteckt haben. Sind die Vorschriften zur Hygiene ausreichend und werden nur nicht hinreichend angewendet? Oder besteht grundsätzlich Handlungsbedarf?

Seite 30 von 61
Biegel 29.11.2011, 17:12
290.

Zitat von Softship
Oder meinen Sie, dass Ihnen das lieb wäre, wenn vor lauter Befolgen der Vorschriften (bei anderen Patienten) sie gar nicht mehr bei Ihnen ins Zimmer schaut?
Nein, aber an den Viren sterben will ich auch nicht, und wenn es mein Kind träfe, wäre es der absolute Supergau. Dann wäre aber was los, das kann ich Ihnen sagen!

Wer, wenn nicht das Personal soll die Vorschriften umsetzen? Dann müssen sie mal in den Streik gehen und ihr Anliegen massiv durchsetzen, wenn es denn ihres ist. Jetzt zu sagen, wir haben keine Zeit für Desinfektion, ist jedenfalls auch keine gescheite Lösung. Damit wälzt jeder die Verantwortung ab und die Patienten gehen vor die Hunde.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Softship 29.11.2011, 18:13
291.

Zitat von Biegel
Nein, aber an den Viren sterben will ich auch nicht, und wenn es mein Kind träfe, wäre es der absolute Supergau. Dann wäre aber was los, das kann ich Ihnen sagen! Wer, wenn nicht das Personal soll die Vorschriften umsetzen? Dann müssen sie mal in den Streik gehen und ihr Anliegen massiv durchsetzen, wenn es denn ihres ist. Jetzt zu sagen, wir haben keine Zeit für Desinfektion, ist jedenfalls auch keine gescheite Lösung. Damit wälzt jeder die Verantwortung ab und die Patienten gehen vor die Hunde.
Streiken? Und was wäre dann los, wenn es Ihr Kind träfe - es ist krank und nicht ins Krankenhaus kann, weil das Personal streikt?

Es sagt keiner, dass es keine Zeit für Desinfektion gibt. Aber es klappt eben nicht, dass man bei jedem Betreten eines Krankenzimmers die Hände komplett vorschriftsmäßig desinfiziert. Und Handschuhe sind auch keine Garantie, dass keine Keime übertragen werden.

Es ist nicht alles so einfach wie viele Menschen sich das vorstellen. Genau genommen müsste jede Neuaufnahme erst einmal in Quarantäne, bis sicher ist, dass sie nicht verkeimt ist. Das geht allerdings auch zu Lasten der Pflege – denn Kittelpflicht führt auch dazu, dass Patienten vernachlässigt werden, weil es einfach viel zu viel Zeit in Anspruch, sind "einzukleiden".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Biegel 29.11.2011, 18:39
292.

Zitat von Softship
Streiken? Und was wäre dann los, wenn es Ihr Kind träfe - es ist krank und nicht ins Krankenhaus kann, weil das Personal streikt?
Tja, das wäre nicht das erste Mal. Auch Ärzte schrecken davor nicht zurück. Eine Bekannte wurde von streikenden Ärzten nach Hause geschickt, anstatt dass ihr Nierentumor entfernt wurde. Wenn es für einen guten allgemeinen Zweck wäre und nicht nur die eigene Sache, wäre es mal was.

Ich verstehe ja, dass es nicht leicht ist, niederländische Standards herzustellen. Aber nur mit Jammern und die Verantwortung abschieben wird da auch kein Schuh draus.

Kein Geld, keine Zeit, kein Personal - keiner will es gewesen sein und alle haben Ausflüchte nicht zu handeln. Große Klasse.

Es wäre mal Zeit, dass einer anpackt. Egal wer, aber es muss ein Anfang gemacht werden. Warum nicht von denen, die täglich in der Mühle stecken, wenn sich sonst keiner zum Handeln genötigt sieht?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sitiwati 29.11.2011, 19:58
293. wenn die Menschen

Zitat von Biegel
Tja, das wäre nicht das erste Mal. Auch Ärzte schrecken davor nicht zurück. Eine Bekannte wurde von streikenden Ärzten nach Hause geschickt, anstatt dass ihr Nierentumor entfernt wurde. Wenn es für einen guten allgemeinen Zweck wäre und nicht nur die eigene Sache, wäre es mal was. Ich verstehe ja, dass es nicht leicht ist, niederländische Standards herzustellen. Aber nur mit Jammern und die Verantwortung abschieben wird da auch kein Schuh draus. Kein Geld, keine Zeit, kein Personal - keiner will es gewesen sein und alle haben Ausflüchte nicht zu handeln. Große Klasse. Es wäre mal Zeit, dass einer anpackt. Egal wer, aber es muss ein Anfang gemacht werden. Warum nicht von denen, die täglich in der Mühle stecken, wenn sich sonst keiner zum Handeln genötigt sieht?
ein bischen sorgfältiger mit ihrem Körper umgehen würden und nicht bei jedem Furz zum Doc rennen würden, könnten die Ärzte allgemein in den Kliniken besser arbeiten, der normal Arzt schiebt Patienten in die Klinik ab, in den öffentlchen Sprechstunden der Kliniken kommen Leute, weil sie haarausfall und nen Pickel haben usw usw !

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Softship 30.11.2011, 07:25
294.

Zitat von Biegel
Tja, das wäre nicht das erste Mal. Auch Ärzte schrecken davor nicht zurück. Eine Bekannte wurde von streikenden Ärzten nach Hause geschickt, anstatt dass ihr Nierentumor entfernt wurde. Wenn es für einen guten allgemeinen Zweck wäre und nicht nur die eigene Sache, wäre es mal was.
Es ist während der Streiks der Notdienst immer aufrecht erhalten worden. Es kann sein, dass es in diesem Fall keinen Grund zur Eile gab. Aber dass ein Arzt aufgrund eines Streiks jemand nachhause geschickt hat, der hätte sofort behandelt werden müssen, das nehme ich Ihnen nicht ab.
Zitat von Biegel
Ich verstehe ja, dass es nicht leicht ist, niederländische Standards herzustellen. Aber nur mit Jammern und die Verantwortung abschieben wird da auch kein Schuh draus.
Da müsste das gesamt Gesundheitssystem umgekrempelt werden. Wie glücklich wäre das deutsche Volk, wenn es keine niedergelassenen Fachärzte mehr gäbe?
Zitat von Biegel
Es wäre mal Zeit, dass einer anpackt. Egal wer, aber es muss ein Anfang gemacht werden. Warum nicht von denen, die täglich in der Mühle stecken, wenn sich sonst keiner zum Handeln genötigt sieht?
Warum nicht Sie? Was machen Sie denn?

Übrigens, ein wesentlicher Bestandteil der ärztlichen Forderungen bei den Streiks waren bessere Arbeitsbedingungen. Davon profitieren auch Patienten – ausgeruhte Ärzte sind bessere Ärzte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Internetnutzer 30.11.2011, 17:41
295.

Zitat von Softship
Ich schätze mal, dass Sie überhaupt nie im Arbeitsleben gestanden haben. Sonst würden Sie wissen, dass überlastete Menschen nicht alles vorschriftsmäßig machen können, sonst käme das gesamte System zum erliegen. Sie müssen Prioritäten setzen. Aber - wenn Sie das nächste Mal im Krankenhaus einen Herzinfarkt erleiden sollten, dann bitten Sie das Personal freundlich die Hände gründlich zu desinfizieren bevor man anfängt Sie zu reanimieren.
Mit diesem letzten Satz haben sie sehr deutlich gezeigt, daß sie überhaupt keine Ahnung von Hygiene haben, noch viel weniger im Krankenhauswesen. bei einem Herzinfarkt bekommen sie invasiv einen Venenzugang, ansonsten haben sie kaum Eintrittspforten für Krankenhauskeime, insbesondere da sie ja von der "Straße" eingeliefert werden.
Wir sprechen hier von Leuten, die auf den Stationen liegen, nicht von der Aufnahme. Und haben sie schon mal erlebt, daß hinter Ihnen jemand den Röntgentisch desinfiziert hat, bevor die nächste Aufnahme gemacht wurde? Oder die Physiotherapeutin ihren Kittel gewechselt hat oder die Hände desinfiziert hat, bevor sie zum nächsten Patienten drei Zimmer weiter geht?
Glauben sie wirklich, daß es entschuldbar ist, wenn ich als Pflegeperson angeblich überlastet den Tod eines menschen verschulde? Hoffentlich wird das nicht wieder gelöscht, es ist schließlich traurige Wahrheit. Und wenn diese leidige Übergabezeit gekürzt würde ( Kaffeetrinken mit Plauderei) würden bei 6 Leuten 3 Stunden Pflegezeit mehr zur Verügung stehen. So ist die Praxis.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Biegel 30.11.2011, 17:42
296.

Zitat von Softship
Es ist während der Streiks der Notdienst immer aufrecht erhalten worden. Es kann sein, dass es in diesem Fall keinen Grund zur Eile gab. Aber dass ein Arzt aufgrund eines Streiks jemand nachhause geschickt hat, der hätte sofort behandelt werden müssen, das nehme ich Ihnen nicht ab.
Wir wollten es auch nicht glauben. War aber tatsächlich so. Große deutsche Uniklinik. Anscheinend war es dann kein Notfall, aber trotzdem eine unglaubliche seelische Zumutung, jenanden mit so einer Diagnose wieder nach Hause zu schicken und zwei Wochen zu vertrösten.

Zitat von
Warum nicht Sie? Was machen Sie denn?
Ich mache schon, was ich als Patient und Besucher kann, notfalls auch mal nachhaken, warum das Desinfektionsmittel gleich wieder abgewischt wird und die Einwirkzeit nicht eingehalten wird, Hände waschen und desinfizieren, Türklinken nicht anfassen etc.

Aber sollen sich doch die Patienten kümmern oder was? Irgendwie habe ich das Gefühl, als fühlte sich niemand zuständig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Softship 30.11.2011, 18:11
297.

[QUOTE=Internetnutzer;9239683]Mit diesem letzten Satz haben sie sehr deutlich gezeigt, daß sie überhaupt keine Ahnung von Hygiene haben, noch viel weniger im Krankenhauswesen. bei einem Herzinfarkt bekommen sie invasiv einen Venenzugang, ansonsten haben sie kaum Eintrittspforten für Krankenhauskeime, insbesondere da sie ja von der "Straße" eingeliefert werden.{/QUOTE]Sehen Sie, damit beweisen Sie, dass Sie keine Ahnung haben. Was meinen wie viele Menschen in Krankenhäusern an Monitoren angeschlossen sind, damit, falls man einen Infarkt erleidet, das schnell erkannt wird und eine Reanimation eingeleitet werden kann.

Sie schienen zu übersehen, dass die meisten nicht-chirurgischen Fälle ebenfalls nur einen Venenzugang haben.
Zitat von Internetnutzer
Wir sprechen hier von Leuten, die auf den Stationen liegen, nicht von der Aufnahme.
Eben. Auch stationär liegende Menschen erleiden Herzstillstände. Und Sie wollen etwa Ahnung haben???
Zitat von Internetnutzer
Und haben sie schon mal erlebt, daß hinter Ihnen jemand den Röntgentisch desinfiziert hat, bevor die nächste Aufnahme gemacht wurde?
Warum sollte das in meiner Gegenwart gemacht werden?
Zitat von Internetnutzer
Oder die Physiotherapeutin ihren Kittel gewechselt hat oder die Hände desinfiziert hat, bevor sie zum nächsten Patienten drei Zimmer weiter geht?
Selbstverständlich habe ich das erlebt.
Zitat von Internetnutzer
Glauben sie wirklich, daß es entschuldbar ist, wenn ich als Pflegeperson angeblich überlastet den Tod eines menschen verschulde?
Sie machen keine Fehler im Beruf? Ach nee, Sie über doch gar keinen aus… Sie sind ja so Perfekt. Ich empfehlen Ihnen dringend nie so was zu tun wie Auto fahren, dann damit nehmen Sie auch billigend in kauf, den Tod eines Menschen zu verschulden.
Zitat von Internetnutzer
Hoffentlich wird das nicht wieder gelöscht, es ist schließlich traurige Wahrheit. Und wenn diese leidige Übergabezeit gekürzt würde ( Kaffeetrinken mit Plauderei) würden bei 6 Leuten 3 Stunden Pflegezeit mehr zur Verügung stehen. So ist die Praxis.
Nur weil Sie nicht in der Lage sind zu erkennen, dass die Übergabezeit wichtig ist, bedeutet das noch lange nicht, dass sie es nicht ist. Oder wie meinen Sie, dass die nächste Schicht über die Vorkommnisse der vorangegangenen Schicht erfahren sollte? Krankenakten studieren? Das dauert bedeutend länger als eine halbstündige Übergabe.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Softship 30.11.2011, 18:19
298.

Zitat von Biegel
Wir wollten es auch nicht glauben. War aber tatsächlich so. Große deutsche Uniklinik. Anscheinend war es dann kein Notfall, aber trotzdem eine unglaubliche seelische Zumutung, jenanden mit so einer Diagnose wieder nach Hause zu schicken und zwei Wochen zu vertrösten.
Sicherlich ist es eine große seelische Belastung. Aber ein Tumor ist kein Notfall im eigentlichen Sinne, sondern schlimmstenfalls eine schwere Erkrankung. Es ist besser so etwas aber erst dann zu operieren wenn die Experten da sind, statt mit einer Notmannschaft Flickwerk zu betreiben.
Zitat von Biegel
Aber sollen sich doch die Patienten kümmern oder was? Irgendwie habe ich das Gefühl, als fühlte sich niemand zuständig.
Es sollen die Leute sich kümmern, die meinen, dass sich was verändern muss. Sich zurückzulehnen und zu meinen, das Pflegepersonal soll streiken ist einfach illusorisch. Die Belastung im Job ist zu groß, die Honorierung vergleichsweise zu gering, als dass man das noch von diesen Menschen erwarten darf. Und die Politik will sich nicht kümmern. Also bleiben nur die Patienten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
scorpie 30.11.2011, 19:09
299. unter dem Lack rostet es.

Zitat von Biegel
... Kein Geld, keine Zeit, kein Personal - keiner will es gewesen sein und alle haben Ausflüchte nicht zu handeln. Große Klasse. ... Es wäre mal Zeit, dass einer anpackt. Egal wer, aber es muss ein Anfang gemacht werden. Warum nicht von denen, die täglich in der Mühle stecken, wenn sich sonst keiner zum Handeln genötigt sieht?
Sie haben es anscheinend leicht, andere zum Handeln aufzufordern. Ja, warum auch nicht? Ist bequemer.
Andere, die oft vor Arbeit nicht mehr aus den Augen schauen können und die für eine verantwortungsvolle und oft sehr belastende Arbeit nicht gut bezahlt werden, können das doch leicht mit erledigen?

Schuld sind wir alle, die es ZULASSEN, daß mit Krankheit in dieser unserer Gesellschaft Geld verdient wird!
Welche Gesellschaft in der Geschichte der Menschheit hat es je geschafft, aus der Krankheit ihrer Mitglieder ein profitables Geschäft zu machen? Krankheit ihrer Mitglieder war immer und für jede Gesellschaft Verlust. Nur das: Verlust.
Aber heutzutage geht das. Bei uns geht das. Asklepios-, Helios-, Rhön-Kliniken ... wer sind die Anteilseigner, die Aktionäre?
Und da wird alles "outgesourct". Zuerst das Reinigungspersonal. Dann das "Catering". Schließlich die Krankenhauswäscherei. Der Hygiene sind derlei Maßnahmen hochdienlich! Den Kostenpunkten im Krankenhaus auch! Da werden Arbeitskräfte freigesetzt!
Und mit jeder dieser verdienstvollen Maßnahmen klimmt ein Krankenhausmanager ein paar Stufen höher in seiner Hierarchie.

Geregelt werden, wie ja überhaupt heutzutage, die Dinge auf der Oberfläche prächtig. Alles bekommt einen glänzenden Lack. Jede Abteilung einen "Beauftragten". Leute, die man wohl kaum als Fachleute bezeichen kann, werden da im Krankenhaus zu Hygiene-Beauftragten ... die haben aber ganz andere Aufgaben! Die sie auch weiterhin hauptsächlich zu erfüllen haben! Und im Zuge der Arbeitsverdichtung jährlich mehr!!!Aber man hat überall seine Hygiene-Beauftragten. Damit man im Fall des Falles jemanden verantwortlich machen kann.
WAS, ich bitte Sie, hat der Chefarzt einer Kinderabteilung im Bereich "Hygieneaufsicht für ein Krankenhaus" zu suchen? Er hat ein Recht darauf, daß ein gestandener, gelernter Hygieniker in Hygiene-Fragen die Oberaufsicht über ALLE Abteilungen des Krankenhauses führt und ihn, wie auch alle übrigen Chefärzte, berät. Notfalls Alarm schlägt, Kritik übt, jedenfalls SEINE Arbeit tut. Der Chefarzut seiner Kinderabteilung soll sich um kranke Kinder kümmern.
Aber an den Hygiene-Fachleuten wird gespart.
Nicht von den Krankenschwestern, an denen wird auch gespart. Nicht von den Ärzten, an denen wird auch gespart. Nicht mal vom Chefarzt der Kinderklinik.
Sondern von denen, die die Kliniken betreiben. Die entweder - kommerzielle Klinikketten - daran verdienen wollen oder - finanziell bedrängte Gemeinden und Bundesländer - sparen müssen.
Mal überdenken, ob man aus unseren Krankenhäusern Gesundheitskaufhäuser machen muß. Kann. Darf. Mal den Mut haben, Gesundheitsleistungen in ihrem unbegrenzten Wachstum vernünftig zu begrenzen. Mal die Einsicht haben, daß Krankheit schlicht und einfach KOSTET. Immer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 30 von 61