Forum: Wissenschaft
Infektion mit Folgen: Kaum bekanntes Virus gefährdet ungeborenes Leben

Fast niemand kennt die Gefahr: Infiziert sich eine Schwangere mit dem Zytomegalievirus, kann der Fötus schwere Schäden davontragen. Ein einfacher Test könnte Babys vor einer Behinderung schützen. Doch er gehört nicht zur Mutterschaftsvorsorge. Für Betroffene ein Skandal - für Mediziner ein Dilemma.

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mwj1978 18.06.2010, 13:06
20. Screenings sind gar nicht so schlecht...

auch ohne fertiges Medikament. Als unser Sohn in seiner 4 Woche im Bauch der Mutter war, bekamen wir auch die Diagnose, dass bei der Mutter eine Primärinfektion mit CMV vorlag und sämtliche Marker in extremen Dimensionen angelangt waren. Gut, die anfängliche Panik war bei uns sehr hoch, denn wenn man sich damit beschäftigt, kommen doch Szenarien zu Tage, die man sich als Eltern so nicht unbedingt wünscht. Letztendlich gibt es, und das ist in meinen Augen ein Vorteil, aktuell Studien zur OffLabel Nutzung der Medikamente für die passive Immunisierung. Diese Studien werden zur Zeit in Deutschland auch von fast allen Krankenkassen übernommen, was die recht hohen Kosten auch nicht auf den Patienten überträgt. Letztendlich sind diese "Therapien" dazu da, dass das kleine ungeborene Wesen eben nicht infiziert wird. Für den Fall, dass es doch zur Infektion kommt, sollen die Auswirkungen minimiert werden, welche recht happig sein können. Wie auch immer, besteht der begründete Verdacht auf eine CMV Infektion, sind auch alle weiteren Untersuchungen kostenlos und im Auge behalten lohnt sich genauso wie die Ruhe zu bewahren und von der gern empfohlenen Abtreibung Abstand zu nehmen.

Letztendlich ging alles gut, die Tests nach der Geburt ergaben, dass wir Glück hatten (zum Glück haben wir eine Abtreibung kategorisch ausgeschlossen, aber das muss auch jede Familie selbst entscheiden) und der Kleine ist wohlauf und extrem fit.

Zum Screening sind wir auch nur gekommen, weil unser Arzt das recht eigenmächtig entschlossen hatte, denn ein paar Wochen vorher, hatte er die Erfahrung mit einem Negativbeispiel... Von daher finde ich die Screenings wichtig und in sehr vielen Ländern ist dieser Test mittlerweile auch Standard - zurecht!

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Hans Meier 18.06.2010, 13:13
21. Richtig!

Zitat von Matzescd
Unser Kind ist gerade 3 Monate alt. Also ist auch gerade die Cytomegalie Vorsorgeuntersuchung noch in frischer Erinnerung. Okay... hat ebbes in den 20 Euro gekostet. Aber dass es hier eine tolle, neue, kaum bekannte Erregerspezies ist... Naja... etwas über das Ziel hinausgeschossen.
dieser Artikel gehört definitiv nicht in das Reportoire von halbwegs angesehen Print- und Online-Medien. Im 1. klin. Semester weist ein jeder Dozent in der Mikrobiologie-Vorlesung ausführlich über diese Problematik hin, im weiteren Studienverlauf taucht CMV in jeder Gyn- und dann noch einmal in der Pädiatrie-Vorlesung auf. Und wer richtig hinhört, bekommt das gleiche Thema nochmals in Derma und (weil es so schön war auch) in Infektiologie zum Durchkauen vorgesetzt. Alleine im "Nebenfach" Dermatologie ist CMV im Rahmen der HHV-Thematik Stex-relevant.
Das medizinische Umfeld ist riesig und wächst ständig mit noch ganz andere Themen und Untersuchungen, die von vitaler Bedeutung wären. Indes: nur weil CMV nicht unbedingt ein populäres Thema wie AIDS darstellt, hat ist es nicht neu. Aber ich wiederhole mich ungerne: der Spiegel scheint seit längerer Zeit weniger auf die investigative Linie zu setzen denn auf "BS" (Bulls...) - sagen wir: "Mainstream"-Journalismus. (Wie wäre es mit einer Neuausrichtung?)
Daher es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass die viele der geneigten Patienten/Leser in Deutschland gut informiert sind und nicht mehr auf solche Artikel reinfallen.
WM 2010: Go Germany, GOOOOOOO!
Grüße aus den USA (wo sicher nicht alles "besser" ist),

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chocochip 18.06.2010, 13:16
22. Fragen, Fragen, Fragen...

Zitat von mwj1978
auch ohne fertiges Medikament. Als unser Sohn in seiner 4 Woche im Bauch der Mutter war, bekamen wir auch die Diagnose, dass bei der Mutter eine Primärinfektion mit CMV vorlag und sämtliche Marker in extremen Dimensionen angelangt waren. Gut, die anfängliche Panik war bei uns sehr hoch, denn wenn man....
Ich bestreite die Nützlichkeit bei dieser Krankheit ja auch nicht, die Frage ist aber:
Ab wievielen Fällen pro Jahr sollten solche Screenings durchgeführt werden?

Wie verfährt man mit anderen Infektionskrankheiten, die zu Behinderungen führen können, aber fast noch unbekannt sind?
Und letztlich auch: Wollen wir wirklich immer wissen, ob die Schwangerschaft zu 100% perfekt verläuft und im Zweifelsfall abtreiben, obwohl es eine Chance gibt, dass das Kind die Infektion ohne Probleme übersteht und damit auch aus rein erbbiologischen Aspekten heraus gesehen einen Schutz der Menschheit vor dieser Krankheit aufbaut.

Hart gesagt: Die Menschen, die heute leben, haben aufgrund des Überlebens der Pest, Spanischen Grippe und anderer Kranheiten ihrer Vorfahren eine Grundimmunität gegen diese Erreger, sodaß die Kranheiten heute längst nicht mehr so dramatisch verlaufen wie früher.

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Pnin_ 18.06.2010, 13:17
23. Braucht die Pharmaindustrie wieder Geld?

Warum werden die Babys nicht vorsorglich geimpft?
Die Bundesregierung sollte umgehend Impstoff bestellen...

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inci 18.06.2010, 13:20
24. oooo

Zitat von rkinfo
Allerdings haben die wenigsten Krankheiten derart verheerende Spätfolgen. Sowohl die Betroffen als auch die Gesellschaft hat hohe Folgekosten womit man sich über Diagnostik und Abruch Gedanken machen sollte-
genau, am besten einen rundumcheck aller schwangeren im ersten drittel der schwangerschaft. da werden dann zusätzlich zu möglichen medizinischen komplikationen während und nach der schwangerschaft auch prognosen erstellt (am besten nimmt man dazu die computer und computermodelle der klimaforscher) wie "teuer" das ganze für die gesellschaft wird, wenn die kosten ein gewisses limit übersteigen, wird unverüglich sozialverträglich gegen-therapiert.

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jocurt1 18.06.2010, 13:33
25. Sie können schon noch malaria von Schlafkrankheit unterscheiden, oder

Zitat von rkinfo
Allerdings haben die wenigsten Krankheiten derart verheerende Spätfolgen. Sowohl die Betroffen als auch die Gesellschaft hat hohe Folgekosten womit man sich über Diagnostik und Abruch Gedanken .....
falls nicht, mal zum Arzt gehen.

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jocurt1 18.06.2010, 13:35
26. Bitte mal informieren

Zitat von frau trallala
Nur weil man die Schlafkrankheit (noch) nicht gut behandeln kann, soll man nichts gegen CMV tun? Komische Logik. Abgesehen davon stimmt es nicht was Sie schreiben. DFMO ist z.B. ein (leider ziemlich teurer) Wirkstoff gegen die Schlafkrankheit aus den 80ern, der erheblich besser verträglich ist als die älteren Arsenverbindungen. Und selbst bei diesen alten Medikamenten lag die Letalität "nur" zwischen 5 und 10%, was -verglichen mit der Schlafkrankheit- immer noch die bessere Alternative ist. Es ist ja außerdem nicht so, dass daran nicht auch geforscht werden würde. Dieses Jahr starten beispielsweise klinische Studien mit einem preiswerten Wirkstoff, der in ersten Tests kaum Nebenwirkungen gezeigt hat. Den "blinden Fleck", den Sie vermuten, kann ich hier also irgendwie nicht erkennen.
Der von Ihnen zitierte Wirkstoff wird nicht hergestellt, weil es kein geld bringt. Es bleiben die Arsenverbindungen.

Es ist eine komische Logik, wenn man bspw. mit 10k EURO 1000 Menschen retten kann oder aber einen.
UND
Sie sich für den einen entscheiden.

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Trihase 18.06.2010, 13:41
27. Panikmache sponsored by Pharmaindustrie?

Ich bin selber gerade im 9. Monat, klar, dass ich den Artikel sofort gelesen haben. Aber eine eindeutige Aussage über das tatsächliche Risiko für mein Kind habe ich jetzt nicht. Wie wäre es mal mit brauchbaren Fakten statt Panik zu verbreiten? Aber dann würde sich vermutlich herausstellen, dass das Risiko nicht nennenswert ist. Ich hoffe nur wenige ängstliche Schwangere lesen den Artikel, Stress ist nämlich auch nicht gut fürs Ungeborene!

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Koda 18.06.2010, 15:59
28. Kann mich noch gut an die Schwangerschaft mit unserer Tochter erinnern

Zitat von chocochip
"Ein einfacher Test könnte Babys vor einer Behinderung schützen." Wie pervers: Schutz durch Abtreibung? Wahrlich interessante moralische Vorstellungen. Was will die Betroffene Mutter eigentlich erreichen? Hätte sie abgetrieben? Man rechnet auch, dass jeder zweite Schwangerschaft frühzeitig beendet wird aufgrund von Infektionen und Erkrankungen de Fötus.
Da gibt es einen Test, der vor fünf Jahren angeboten wurde. Dabei sollte mit der Nadel in den Bauch gepickst werden um eine Behinderung festzustellen oder auszuschließen.
Wir haben es letzten Endes nicht gemacht. nicht wegen des Kostenanteils, sondern aus der einfachen Logik heraus, dass wir uns u.U. nach dem sechsten Monat damit hätten plagen, müssen, dass wir ein evt. behindertes Kind bekommen hätten. Abtreibung wäre zu dem Zeitpunkt eh verboten gewesen, mal abgesehen, davon dass Abtreibung immer auch eine Tötung von Leben ist.
Aber warum uns mit etwas belasten, was wir eh nicht hätten verhindern können? Die Angst um unser Kind hätte uns die letzten drei bis vier Monate nur beladtet - und dem Kind mehr geschadet als genutzt.

Zitat von chocochip
Was mich stört ist, dass alles und jedes in diesem Lande gleich zum großen "Skandal" aufgebauscht werden muss.
Voll einer Meinung!!!

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chocochip 18.06.2010, 16:04
29. Gründe der Emotionalisierung...

Zitat von Trihase
Ich bin selber gerade im 9. Monat, klar, dass ich den Artikel sofort gelesen haben. Aber eine eindeutige Aussage über das tatsächliche Risiko für mein Kind habe ich jetzt nicht. Wie wäre es mal mit brauchbaren Fakten statt Panik zu verbreiten? Aber dann würde sich vermutlich herausstellen, dass das Risiko nicht nennenswert ist. Ich hoffe nur wenige ängstliche Schwangere lesen den Artikel, Stress ist nämlich auch nicht gut fürs Ungeborene!
Es ist schon sagenhaft, wie die Medien heutzutage jegliches Risiko zum Weltuntergang hoch stilisieren.
Ja, es kann Komplikationen geben, ja ein Kind kann sterben.
Das war schon immer so, das wird immer so bleiben. Und es ist in jedem Einzelfall tragisch.

Aber warum rügt diese Tatsache eines bestehenden Restrisikos eigentlich gerade in Zeiten, in denen man die Kindersterblichkeit fast gegen Null gedrück hat - auch die Embryo/Fötensterblichkeit nach dem 7 Monat - in den Mittelpunkt.

Vermutlich liegt es daran, dass früher Familien noch 2, 3 oder mehr Kinder bekommen haben und das der Regelfall war. Auch bekamen Frauen früher deutlich früher ihr erstes Kind, meist noch mit unter 25.

Heute sind viele Mütter bereits beim ersten Kind über 35, oft sogar über 40. Da ist es natürlich für diese Mütter noch viel tragischer ein Kind zu verlieren, da sie aufgrund ihrer Karriere, die die ersten 40 Jahre im Vordergrund stand kaum eine Chance auf ein zweites Kind haben.

Das und nur das bietet den Nährboden für die Pharmaindustrie durch Panikmache Kundschaft zu finden.

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