Forum: Wissenschaft
Interview mit Mentor: Schreiben Sie Greta Thunbergs Reden, Mr. Anderson?
Mikael Wallerstedt / UPPSALA UNIVERSITET

Die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg hat eine ganze Bewegung ins Rollen gebracht. Mittlerweile stehen ihr mehrere Berater zur Seite, unter anderem der Klimatologe Kevin Anderson. Wie groß ist sein Einfluss?

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Bondurant 28.03.2019, 11:56
1.

Interessantes zu Professor Anderson aus der wikipedia:

Anderson hat die Projektionen des Weltklimarats zur zukünftigen globalen Erwärmung analysiert und hält sie für grob überoptimistich. ... Er hält die Aussagen des Weltklimarats für unrealistisch, dass die Bemühungen, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, das Wirtschaftswachstum nicht wesentlich beeinflussen. Wohlhabende Individuen mit hohen CO2-Emissionen werden seiner Einschätzung nach ihren Energieverbrauch und Konsum materieller Güter erheblich einschränken und sofortige und fundamentale Änderungen ihres Lebensstils akzeptieren müssen – zumindest bis die Transformation weg von fossilen Energien komplett vollzogen ist.

wäre nur die Frage, ab wann man denn dann "wohlhabend" ist. Interessant auch seine (er benutzt übrigens seit 2004 kein Flugzeug mehr) Aussagen zum alternativen Lebensstil:

[/i]Ich gehe in meiner Freizeit radfahren und klettern. Man kann auch mehr Zeit mit den Kindern oder den Eltern verbringen. Oder ein Bier mit einem Freund im Pub trinken. Und beim Reisen gilt oft: Je langsamer Sie vorankommen, desto mehr erleben Sie.[/i]

wohlverstanden: alles ehrenwert. Nur ist es eben wichtig zu wissen, auf was diese Leute hinaus wollen. Das sogenannte einfache, man möchte sagen spartanische, Leben. Vorzugsweise vielleicht in der Dorfgemeinschaft. Konsequent ist das; ich habe allerdings Zweifel, ob die für das Klima streikenden deutschen Oberschüler, materiell bestausgestattete junge Generation, die die Welt je gesehen hat, sich ihre Zukunft so vorstellen.

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whitewisent 28.03.2019, 12:25
2.

Es ist schon ein merkwürdiges Geschäft, das man dort beobachten kann. Die eine Seite sieht die Ikone extrem kritisch und hinterfragt Alles, die andere Seite bekommt sich nicht mehr ein, soviel Lob, Anerkennung und Respekt gegen eine einzelne 16jährige. Leider lassen diese Menschen den selben Respekt gegenüber Andersdenkenden vermissen. Denn das hier ist doch das Paradebeispiel für die andere Gruppe "alter weißer Männer", welche seit 50 Jahren versuchen die Welt zu verbessern, und gescheitert sind, weil niemand auf sie hören wollte. Und nun kommt Greta, und alle alten Ideen werden wieder hervorgeholt, und man hängt sich an diesen Erfolg dran.

Gleichzeitig immer noch demutsvoll die Folgen der Ikonisierung abwehren. Wer die Kinder und Jugendlichen am Freitag sieht, sollte sich vieleicht mal mit Nikolaus von Köln befassen, die Parallelen sind erstaunlich. Wenn am Ende eine Welt ohne Kohlemeiler, dafür mit Kernreaktoren in jeder Kreisstadt steht, ist das Ziel nicht wirklich das, was mancher in die aktuelle Bewegung hineindefiniert. Denn Askese, Selbstbeschränkung und dem Gemeinwohl verpflichtet ist eben nicht nur ein Event kurz vor dem Wochenende für 2 Stunden, wo man sich anschließend wieder der Konsumgesellschaft hingibt.

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mirage122 28.03.2019, 12:57
3. Materiell bestens ausgestattet?

Vielleicht ist es ja genau das, was die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen gar nicht wollen, die sich für eine massive Verbesserung des Klimas einsetzen - als ob Smartphone, facebook und youtube das Leben ist. Nun höre ich wieder solche Statements wie: "Denen geht es einfach zu gut!" Nein, denen geht es gar nicht gut, sie sorgen sich um ihre Zukunft und versuchen auf die Versäumnisse hinzuweisen, die in der Politik falsch gelaufen sind. Unsere Dauer-Kanzlerin hatte sich ja mal den Klima-Schutz auf die Fahne geschrieben. Und was ist daraus geworden? Rein gar nichts! Versagt auf ganzer Linie. Wir sollten uns alle schämen. Ich bin als alte 68gerin für viele Dinge auf die Straße gegangen. Dadurch wurde wirklich einiges erreicht. Und ich bin den heutigen "Schulschwänzern" unendlich dankbar, dass sie massiv auf diese Problematik hinweisen, bevor uns alles um die Ohren fliegt. Aussagen wie die von Herrn Lindner, der den jungen Menschen abspricht, globale Zusammenhänge zu begreifen und sie dadurch als "doof" hinstellt, sollte man nur ignorieren. Es ist leicht, diese Menschen als nicht kompetent abzustempeln. Greta ist eine sehr intelligente Expertin, sie weiß, worüber sie spricht. Ist denn ein Herrn Lindner schon jemals für den Friedensnobelpreis nominiert worden?

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botschinski 28.03.2019, 13:08
4. "Freiheiten"

Ich habe es hier im Forum bereits einmal erwähnt (und verbale Prügel dafür eingesteckt), wir werden einen Grossteil unserer Freiheiten aufgeben müssen, wenn wir den Klimawandel eindämmen wollen. Sprich wir werden unser Leben radikal ändern müssen. Mir schwebt eine Art CO2 Zertifikat für jeden Menschen vor, man erhält eine bestimmt Menge an CO2, welche man verbrauchen kann wie man mag: Verkehr, Energieverbrauch, Nahrung, Konsumgüter. Wer spart (oder weniger zu konsumieren hat) kann die übrigen denen verkaufen die mehr benötigen. Das alles weltweit ungesetzt. Wäre unglaublich kompliziert, ja nahezu unmachbar, denn dazu müsste alles bemessen werden, vom Avocado bis zur Strumpfhose, ist mir klar, aber ich sehe keinen anderen Weg. Der Vorteil wäre, dass es gleichzeitig zu einer Welt führen würde in der Güter/Konsum/Geld gerechter verteilt wären.

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humble_opinion 28.03.2019, 13:33
5.

Zitat von Bondurant
wohlverstanden: alles ehrenwert. Nur ist es eben wichtig zu wissen, auf was diese Leute hinaus wollen. Das sogenannte einfache, man möchte sagen spartanische, Leben. Vorzugsweise vielleicht in der Dorfgemeinschaft. Konsequent ist das; ich habe allerdings Zweifel, ob die für das Klima streikenden deutschen Oberschüler, materiell bestausgestattete junge Generation, die die Welt je gesehen hat, sich ihre Zukunft so vorstellen.
Letztlich bedeutet Ihre Haltung und Ihr Beitrag aber nur, nicht diejenigen zu unterstützen, die auf die Probleme machen. Die Probleme, die große Mehrheit der Wissenschaftler weltweit klar und unmissverständlich benennt. Stattdessen malen Sie mit Ihren Worten Bilder wie "Spartanisches Leben in einer Dorfgemeinschaft", "für das Klima streikende deutsche Oberschüler".

Genau diese Beharrungskräfte sind es, die ein angemessenes und zügiges politisches und gesellschaftliches Handeln be- und verhindern. Den Klimawandel kann niemand bei Verstand noch leugnen und es ist im Ergebnis dasselbe, ob und zu welchem Prozentsatz er menschengemacht ist. Diese blöde Natur lässt weder mit sich diskutieren noch durch Lobbyisten beeinflussen.

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hikage 28.03.2019, 13:34
6.

Zitat von botschinski
[individuelles CO2 Budget] Wäre unglaublich kompliziert, ja nahezu unmachbar, denn dazu müsste alles bemessen werden, vom Avocado bis zur Strumpfhose, ist mir klar, aber ich sehe keinen anderen Weg.
Es wäre mitnichten kompliziert. Sie Preisen die CO2 Kosten in jedes Produkt über eine Steuer mit ein. Das zugestandene durchschnittliche persönliche CO2 Budget rechnen sie aus und verteilen es an alle in Form einer CO2 Pauschale (CoP), ähnlich einem BGE.

Wer mehr als sein Kontingent verbraucht zahlt am Ende mehr dieser CO2 Steuer als er an CoP erhalten hat, wer sparsam lebt hat am Ende des Monats noch etwas von seiner CoP übrig, der Transfer findest also indirekt statt.

Verbrauchen ALLE zuviel CO2, so hat der Staat durch diese Steuer wenigstens Mittel, um ein wenig gegenzusteuern.

Richtig interessant würde es, wenn sie das Ganze dann noch global durchziehen.

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m.w.r. 28.03.2019, 13:34
7. Guter Ansatz

Zitat von botschinski
Ich habe es hier im Forum bereits einmal erwähnt (und verbale Prügel dafür eingesteckt), wir werden einen Grossteil unserer Freiheiten aufgeben müssen, wenn wir den Klimawandel eindämmen wollen. Sprich wir werden unser Leben radikal ändern müssen. Mir schwebt eine Art CO2 Zertifikat für jeden Menschen vor, man erhält eine bestimmt Menge an CO2, welche man verbrauchen kann wie man mag: Verkehr, Energieverbrauch, Nahrung, Konsumgüter. Wer spart (oder weniger zu konsumieren hat) kann die übrigen denen verkaufen die mehr benötigen. Das alles weltweit ungesetzt. Wäre unglaublich kompliziert, ja nahezu unmachbar, denn dazu müsste alles bemessen werden, vom Avocado bis zur Strumpfhose, ist mir klar, aber ich sehe keinen anderen Weg. Der Vorteil wäre, dass es gleichzeitig zu einer Welt führen würde in der Güter/Konsum/Geld gerechter verteilt wären.
Genau diese Idee hatte ich auch und für mich liegt eine der Schwierigkeiten darin das mir es undenkbar erscheint das eine demokratische Gesellschaft Politiker wählt die Verzicht von allen umsetzen wollen. . Z.B. 10 % von allem weniger. 10 % weniger Lohn, 10 % weniger Umsatz, 10 % weniger gefahrene Kilometer, 10 % weniger Wohnflächen ,10 %weniger Hallenbadschwimmbeckentemperatur u.s.w.

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botschinski 28.03.2019, 13:40
8. Nachtrag...

Wenn man, um oben erwähnte Idee umzusetzen, ohnehin jedes Produkt mit einem CO2 Index versehen müsste, könnte man diesen auch gleich als Wert an sich nehmen und den heutigen Waren-"Wert" (Preis) ersetzen. Dies zusammen mit einer gerechten Verteilung der Bezugscheine, führte in eine Art weltweitem Ökoausgleich (Ökokommunismus? ;) ) irgendwie so stelle ich mir die Zukunft des Planeten vor (auch wenn mir klar ist das ich so etwas wohl kaum je erleben werde).

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Bondurant 28.03.2019, 13:58
9. Missverständnis?

Zitat von mirage122
Vielleicht ist es ja genau das, was die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen gar nicht wollen, die sich für eine massive Verbesserung des Klimas einsetzen - als ob Smartphone, facebook und youtube das Leben ist. Nun höre ich wieder solche Statements wie: "Denen geht es einfach zu gut!"
ich habe nicht gesagt "denen geht es einfach zu gut". So etwas würde ich nie sagen weil ich erstens kein Moralprediger bin und zweitens überhaupt nicht finde, dass es irgend jemandem "zu gut" gehen könnte. Ich habe darauf hingewiesen, dass die heute demonstrierende junge Generation in Deutschland die materiell bestausgestattete ist, die es in der Geschichte der Menschheit je gegeben hat, und das gilt auf ganz vielen verschiedenen Feldern, von der medizinischen Versorgung angefangen über die Bildungsmöglichkeiten bis hin zur wirklich großartigen weltweiten Reisefreiheit. Es mag ja sein, dass Sie Recht haben und die Kids wollten das eigentlich gar nicht, wenn denn nur das Klima verbessert werden würde. Das kommt eben auf einen Versuch an. Ich persönlich bin da skeptisch. Wenn Sie sich als alte 68erin bezeichnen, dann versuchen Sie sich mal vorzustellen, wieder in den (materiellen) Verhältnissen zu leben, die Sie damals vorgefunden haben. Das werden wahrscheinlich nicht einmal Sie selbst wollen, geschweige denn die "Millenials". Und das, obwohl man bereits 1968 von der Konsumgesellschaft bis hin zum "Konsumterror" gesprochen hat. Im Vergleich zum heutigen Angebot wirken die Verhältnisse damals allerdings geradezu ärmlich.

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