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IQWiG-Chef Sawicki: Oberster Arzneimittelprüfer muss gehen

Der Krimi um IQWiG-Chef Peter Sawicki ist zuende: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll der Chef des obersten Arzneimittelprüfinstituts seinen Posten räumen. Es ist ein Sieg der Interessenpolitik und der Pharmaindustrie über den Mann, der ihr lange Zeit ein Dorn im Auge war.

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htpo 22.01.2010, 22:48
220. Philipp Rösler?

Na der Herr Rösler ist doch aber nicht schuld daran oder?

Wenn wir dann bald alle Kritiker mundtot gemacht haben, kann die Regierung endlich in Ruhe weiterwurschteln und keiner muckt mehr auf!

Wie lange wollen wir Wähler uns das noch ansehen?

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dani_19 22.01.2010, 22:53
221. falsche interpretation Sawickis

[QUOTE=Samuel Hastrim Klepp V;4882540]Erklären Sie uns als Laien doch bitte, was an den Kriterien so fies war?
Einschlusskriterien
- Patienten mit manifestem Diabetes mellitus Typ 2 wie unter 4.1.1 definiert
- Intervention: Insulin Detemir oder Insulin Glargin wie unter 4.1.2 definiert
.....

Sawickis entscheidender Fehler bei der Bewertung der Insulinanaloga, speziell der Langzeitinsuline, war dass Patientengruppen miteinander verglichen wurden, die im selben Dosierungsbereich lagen. Das klingt im ersten Moment auch logisch. Allerdings wird jedem Arzt und jedem Patienten sofort auffallen, dass mit Analoginsulinen wie Determir oder Lantus viel niedrigere Dosierungen ausreichend sind um dieselbe Wirkung zu erhalten wie mit den alten Humaninsulinen (ca. 1/3 weniger durch die kontinuierlichere Wirkung ohne Peaks). Deshalb kann man natürlich auch besagte Patientengruppen nicht miteinander vergleichen da die Patientengruppen komplett unterschiedliche Risikofaktoren haben. Dies ist in den besagten Studien auch explizit erwähnt und berücksichtigt, leider wurde dies von Sawicki komplett unterschlagen. Sawicki kommt am Ende zu dem Schluss, dass Analoginsuline ein erhöhtes Krebsrisiko vorweisen. Und warum, er hat einfach Patienten mit komplett unterschiedlichen Risikofaktoren verglichen. Kein Diabetologe hat Sawickis Schlussfolgerungen bestätigt, die meisten haben sich davon distanziert. Reviews hierzu findet man in grosser Vielzahl im Netz. Nachlesen lohnt sich!! Aber natürlich wird das ganze unrecherchiert im SpOn abgedruckt...

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Neuer Debattierer 22.01.2010, 23:11
222. Nein, nein...

Zitat von serra
ob dies nicht eine richtige Entscheidung war. Manche Entscheidungen zur Kostenübernahme in der GKV sind wirklich nicht nachvollziehbar- z.B. bei der Hornhautdickenmessung bei Glaukom-Patienten- die genauere und moderne Pachymetrie -nein- die ungenauere und kompliziertere Ultraschallmessung- ja. Für vielen Wellness-Dreck stehen Prophylaxe-Mittel bereit, nicht aber für vorsorgende Augendruckmessungen. Wer verantwortet denn so etwas ?
...das sind die falschen Beispiele. Die Augeninnendruck-Messung ist nur als Vorsorge/Früherkennung keine GKV-Leistung, genauso wie etwa der PSA-Test. Das haben Ärzte und Kassen im Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen. Damit hat das IQWiG nichts zu tun.

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Neuer Debattierer 22.01.2010, 23:21
223. Da fehlt noch was

Zitat von saschaegg
Bei aller berechtigter Klage über die Interessenspolitik der neuen Regierung: Als Diabetiker muss ich mal darauf hinweisen, dass Herr Sawicki es verstanden hat, den Streit um preiswertere Insuline auf dem Rücken der betroffenen Patienten auszutragen....
Sie sollten die Sache schon vollständig schildern. Bei der Bewertung ging es um die Frage, ob der Nutzen die höheren Kosten rechtfertigt. Diese Frage hat das Institut mit Nein beantwortet. Daraufhin haben Ärzte, Kassen und Krankenhäuser im Gemeinsamen Bundesausschuss und nicht das IQWiG beschlossen, Insulinanaloga nicht mehr auf Kassenkosten zu erstatten.

Die Hersteller hätten durchaus die Möglichkeit gehabt, Kosten und Nutzen stärker einander anzunähern, indem sie den Preis senken. In anderen Fällen hat dies auch schon funktioniert.

Warum haben das nicht die Hersteller der Insulinanaloga gemacht? War ihnen vielleicht ein Exempel gegen Sawicki wichtiger?

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Neuer Debattierer 22.01.2010, 23:36
224. ...

Zitat von Neurovore
Die Auswertung ist in dieser Konstellation aber nur so gut, wie die schlechteste Studie. hat schon recht, das IQWiG ist tatsächlich nur ein Feigenblatt. Wenn man wirklich valide Aussagen über Medikamente haben will, muß man die Tests und Studien schon selber durchführen. Denn sonst kann es passieren, daß der Hersteller entweder seine Ergebnisse beschönigt oder negative Datensätze überhaupt erst gar nicht ans IQWiG weitergibt; wie es ja auch .
Aber genau das hat das IQWiG in Deutschland in die öffentliche Debatte gebracht. Nur dadurch hat es hier eine Diskussion darüber gegeben, dass manche Hersteller nur Studien veröffentlichen, die für sie positiv ausgefallen sind.

Zitat von Neurovore
Die Italiener haben ein ganz einfaches System entwickelt: jeder Medikamentenhersteller zahlt Zulassungsgebühren, sobald er ein neues Medikament auf den Markt bringen will; davon wir dann ein völlig unabhängiges Institut finanziert, daß nach festen Standards die entsprechende Studien selber durchführt. Nur so erhält man auch wirklich belastbare Aussagen. Natürlich will man so etwas in Deutschland nicht haben, schließlich ist es hier üblich, daß die Pharmaindustrie mehr oder weniger selber alles bestimmt.
Und Sie meinen wirklich, dass ein Institut völlig unabhängig über ein Produkt entscheidet, wenn es vom Produzenten bezahlt wird? Das ist jetzt nicht Ihr Ernst. In Deutschland hatte das Rot-Grün mal geplant. Doch die DAMA ist zum Glück gescheitert. In den USA gibt es Überlegungen, dass die FDA keine Gebühren mehr von den Pharmaherstellern erheben soll, um unabhängiger zu sein.

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Neuer Debattierer 22.01.2010, 23:51
225. Jetzt sollten Sie aber mal...

Zitat von dani_19
Herrn Sawicki ging es bei seiner Arbeit hauptsächlich um Kosteneinsparungen. Der Wahrheitsgehalt seiner Einschätzungen bezüglich der Qualität von Medikamenten hat darunter leider desöffteren gelitten.
...endlich mit konkreten Belegen aufwarten, und bitte nicht zum x-ten Mal die Insulinanaloga, bei denen das IQWiG lediglich festgestellt hat, dass der Mehrnutzen den höheren Preis nicht rechtfertigt.
Also: In welchen Fällen hat der Wahrheitsgehalt gelitten?

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Neuer Debattierer 22.01.2010, 23:55
226. ...

Zitat von Demokrator2007
Ganz nebenbei habe ich mehrfach versucht meine Diabeteserkrankung aufzuhalten und die AOK dabei um Mithilfe (Kur) gebeten-Anträge wurden alle abgeschmettert. Stattdessen wurde mir sofort eine Insulintherapie "auf´s Auge gedrückt", die ich in der Tat für Interessengesteuert hielt, denn ich habe mich sofort (wegen der starken Nebenwirkungen) um eine neue Ersatztherapie (Bayetta) bemüht, die von IQWiG jedoch ebenfalls als wenig nützlich beschimpft, von meiner Diabetologin jedoch durchgefochten wurde.
Vielleicht hätten Sie Ihre Kasse mal nach einem Behandlungsprogramm für Diabetiker fragen sollen (das hat die AOK) statt nach einer Kur. Wie eine Kur gegen die Diabeteserkrankung helfen soll, müssen Sie mal erklären.

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Neuer Debattierer 23.01.2010, 00:04
227. Nein,

Zitat von saschaegg
Es ging AUSSCHLIESSLICH um die Kosten. Analoginsuline wurden nämlich wieder verordnungsfähig, nachdem die Hersteller die Preise auf das Niveau der herkömmlichen Insuline gesenkt hatten. Das Niveau liegt aber immer noch bei rund dem doppelten dessen, was man in Italien oder Spanien für die gleichen Präparate zahlt.
...nicht um Kosten geht es, sondern um Wirtschaftlichkeit. Deshalb wurden die Insulinanaloga wieder verordnungsfähig, nachdem die Hersteller die Preis gesenkt haben. Die Kritik, dass die Präparate zu hohe Kosten im Verhältnis zu ihrem Mehrnutzen gegenüber herkömmlichen Präparaten hatten, war damit nicht mehr gegeben.

Genau das ist das Ziel. Dieses verfolgt die GKV schon seit 1989 einigermaßen erfolgreich mit den Festbeträgen für Arzneimittel, vom EuGH bestätigt.

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mr.zoui 23.01.2010, 02:21
228. .

Zitat von chassespleen
der Ruf nach der Todesstrafe ... wird immer lauter, auch in SPON. Ein Stammtisch mit Spießergeschwätz ist harmlos dagegen. Es schüttelt einen ...
Horizontal oder vertikal?

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ZumPostwinkel 23.01.2010, 03:21
229. Der Patient und Beitragszahler ist immer der Dumme

Zitat von hwolf@gmx.net
...will ich nicht unbedingt widersprechen, wobei ich die "mafiöse Struktur" eher bei der Pharmaindustrie sehe. Die GKV ist schließlich nicht per se profitorientiert. Sie verschleudert durch Ineffizienz sicher eine Menge Geld, aber das ist eine andere Baustelle. Immerhin bekämpf(t)en sich beide Seiten über das Institut, und das finde (fand) ich positiv. Wo gibt es sonst ein Regulativ? Bei unseren Herren Politikern mit Sicherheit nicht.
Ich darf Ihnen hier noch einmal meinen Beitrag #76 zum Lesen ans Herz legen.

Natürlich sind mafiöse Strukturen in der Pharma-Industrie eine existenzgefährdende Tatsache. Dem muß schließlich Einhalt geboten werden. Der Staat (wir alle) muß der GKV immer wieder finanziell unter die Arme greifen, weil die Kosten gestiegen sind. Aber es achtet keiner darauf.
Die Kassen verplempern weiter wahnsinnige Gelder für zu hohe Gehälter, Fürstenpaläste usw. Gleichzeitig werden die Leistungen immer weiter eingeschränkt. Um das beurteilen zu können, muß man halt "unabhängiger" Insider sein.

Die GKV hat bei der Auseinandersetzung mit der Pharma-Industrie unter Waffengleichheit eher "Waffengleichheit mit gleichen Methoden" verstanden. Die Selbstbedienungsmentalität, die Korruption und die vielen kleineren Delikte haben im Bereich der GKV dramatisch zugenommen. Es scheint, als ob sich die gegenläufigen Systeme gegenseitig zum Nachteil der Patienten und Versicherten befruchten.

Das IQWIG war und ist nur das pseudowissenschaftliche Feigenblatt der GKV, um unfähige und/oder Hartz-4-belastete Sozialgerichte zu beruhigen, und besonders dem GBA Argumente zur Leistungsverweigerung zu liefern.

Sawicki ist eigentlich nur ein Bauernopfer. Eigentlich hätte man das IQWQiG sofort schließen müssen.

Wir brauchen ein wirklich unabhängiges Institut, das sowohl die Pharma-Industrie als auch die Gesetzliche Krankenversicherung kontrolliert.

In unserer korruptionsverseuchten Gesellschaft ein Wunmschtraum. Aber fordern wird man es wohl noch dürfen!

Allein hier im Forum geht es hin und her zwischen "Hosianna!" und "Kreuziget ihn!", ohne daß die meisten die Hintergründe kennen. So ist nun einmal unsere Gesellschaft: Medienmanipuliert und ohne Bereitschaft, das BILD- oder SPIEGELgefertigte Vorurteil einmal mit Vernunft und Hintergrundwissen wenigstens zu hinterfragen. Deshalb hat die Wahrheit kaum Chancen.

Ich muß wohl hier Schluß machen, weil die Buchstaben bald zu Ende sind. Holt Euch erst Informationen und schreibt dann: Das Niveau des Forums erhöht auf einen Schlag um 50%.

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