Forum: Wissenschaft
Kalter Krieg: Was wurde aus der Neutronenbombe?
US Department of Energy

Die Neutronenbombe war eine gespenstische Waffe des Kalten Kriegs: Sie sollte sowjetische Soldaten qualvoll töten, Gebäude, Straßen und Fabriken aber intakt lassen. Stationiert wurde sie nie - zum Glück für Deutschland.

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ThomasGB 17.01.2016, 18:11
1. Ach Leute, ...

Die Entwicklung der Neutronenbombe wurde doch nicht aus humanitären Gründen eingestellt. Man kam einfach einmal zu der, natürlich überhaupt nicht naheliegenden, Erkenntnis, das diese genauso dreckig ist, wie eine normale Atombombe. Und warum soll man denn ein haufen Geld für etwas ausgeben, was man bereits hat?

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Leser161 17.01.2016, 18:24
2. Leude...

Wenn das schon so anfängt "sollte sowjetische Soldaten qualvoll töten".

Dem Waffendesigner ist es egal was die Waffe mit Leuten anstellt. Solange der militärischer Zweck erreicht wird. Und der war meines Wissens Töten ohne Infrarstrukturzerstörung. Qual war ggf. ein Nebeneffekt.

Wir können uns nur weiterentwickeln und Dinge wie Krieg vermeiden, wenn wir klar denken, statt irgendjemanden zu dämonisieren in dem wir ihm Qual als erste Absicht unterstellen.

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bauausdo 17.01.2016, 18:38
3. Schwupps

Berühmt war damals eine Karikatur, die die Wirkung der Neutronenbombe anhand eines Kruzifixes zeigte: "Schwupps, da war der Heiland weg" stand unter dem plötzlich leeren Kreuz.

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teacher20 17.01.2016, 18:39
4. Ideologische Auseinandersetzung

Das Erstaunliche war, dass die Stationierung der "Neutronenbombe" den Europäern während der Präsidentschaft des (etwas naiven) Friedenspräsidenten James Earl ("Jimmy") Carter schmackhaft gemacht werden sollte (Zum Realisten wurde Carter - zu spät, um seine Präsidentschaft zu retten - erst durch die "Iranische Revolution" und den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan). Carter glaubte nämlich an einen humanitären Fortschritt gegenüber den Folgen "herkömmlicher" Atomwaffen, womit er in der Logik des "Kalten Krieges" trotz aller furchtbaren Folgen, die der Einsatz der Waffe gehabt hätte, eigentlich nicht ganz Unrecht hatte.
Insofern war die Behauptung Egon Bahrs, die "Neutronenbombe" (die keine "Bombe" war, sondern ein Raketensprengkopf gewesen wäre) sei ein "Symbol der Perversion menschlichen Denkens" eher eine ethische und zudem ideologische Behauptung, mit der er sich durchaus im Einklang mit der sowjetischen Propaganda und der des Warschauer Paktes befand. Denn die Gegenseite erkannte sehr schnell, dass es sich bei den Einsatzszenaren für die Bombe in erster Linie um defensive gehandelt hätte, die die Blitzkriegs-Vorwärtsstrategie des WP über den Haufen geworfen hätten und dem der WP, der bereits damals unter enormen Wirtschaftsproblemen litt, kaum etwas entgegenzusetzen gehabt hätte. Es waren also nicht humanitär-ethische Motive, die den Protest der Sowjetunion und ihrer Vasallen leiteten. Sehr wohl ethisch motiviert ließen sich Bahr, die beginnende "Friedensbewegung" und nicht zu Vergessen DER SPIEGEL, der der "Neutronenbombe" eine Titelgeschichte widmete, hier (noch erfolgreich im Gegensatz zum späteren "Doppelbeschluss", denn Carter verzichtete recht schnell auf die Stationierung, auch ein Zeichen für die Unsicherheit und die mangelnde Durchsetzungsfähigkeit dieses schwachen Präsidenten, die der "Anti-Visionär" Helmut Schmidt im Zusammenhang mit der Genesis des "Doppelbeschlusses" Ende der 70er Jahre sehr wohl sah) nolens volens vor den Karren der sowjetischen Propaganda spannen.

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westerwäller 17.01.2016, 18:47
5. Der Autor führt seine eigene Argumentation ad absurdum

Zitat:

"explodierte einige Hundert Meter über dem Boden und entfaltete im Umkreis von nur etwa einem Kilometer ihre Wirkung."

Also eine kleine (!) Kernwaffe mit chirurgischer Präzision, die sich auf das Schlachtfeld auswirkt.
Wäre ihm eine größere lieber gewesen, die auch die Städte im Umkreis vernichtet?


"Eine langfristige radioaktive Verseuchung gab es nicht - angeblich konnte man schon 24 Stunden später das Gebiet gefahrlos betreten."

Das würde ich zwar nicht vorbehaltlos unterschreiben (einen gewissen Fallout gibt es wohl...), aber ist das nicht besser, als eine Waffe, die langfristige, radioaktive Verseuchung erzeugt?

Aber kein Krieg ist doch besser! Geschenkt ...

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Manitou-01@gmx.de 17.01.2016, 18:56
6.

Zitat von Leser161
Wenn das schon so anfängt "sollte sowjetische Soldaten qualvoll töten". Dem Waffendesigner ist es egal was die Waffe mit Leuten anstellt. Solange der militärischer Zweck erreicht wird. Und der war meines Wissens Töten ohne Infrarstrukturzerstörung. Qual war ggf. ein Nebeneffekt. Wir können uns nur weiterentwickeln und Dinge wie Krieg vermeiden, wenn wir klar denken, statt irgendjemanden zu dämonisieren in dem wir ihm Qual als erste Absicht unterstellen.
Das Kriegsvölkerrecht hat besonders grausame Waffen schon vor über 100 Jahren verboten, so z.B. Dum-Dum-Geschosse und Sägezahn-Bajonette.

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brille000 17.01.2016, 18:59
7. Ungeheuer in Menschengestalt

Nun, sterben müssen wir alle mal. Dass dieser Mann nun ausgerechnet an Magenkrebs gestorben ist, scheint mir ein angenehmer Wink des Schicksals zu sein. "Man kotzt sich die Eingeweide heraus, und der Kopf fühlt sich an, als würde er platzen." Und dieses Ungeheuer in Menschengestalt bezeichnet diese Waffe als "die vernünftigste und moralischste Waffe, die jemals entwickelt wurde". Kein weiterer Kommentar ... .

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Bueckstueck 17.01.2016, 19:26
8. Unverstrahlte Landschaften? Nein.

Denn hätte man ein paar Dutzend Neutronenbomben gegen eine heranrollende Panzerarmee eingesetzt, dann wäre, nachdem alle Soldaten krepiert wären, tausende Tonnen strahlender Schrott zurückgeblieben.

Denn Neutronenstrahlung hat die unpraktische Eigenschaft Metalle dazu anzuregen, selbst zu Gammastrahlern zu werden.

Es wäre also ein haufen Panzerschrott rumgestanden, den man für nichts mehr verwenden könnte. Nicht mal mehr um neue Waffen zu bauen, sollte danach nochmal bedarf bestehen.

Und das gleiche gilt freilich auch für den Einsatz in zivilen Ballungszentren.

Die Waffe hatte also auch unter zynischer Betrachtung einen entscheidenden Fehler.

Sie lieferte auch das zweite Kriterium nicht, was Cohen versprach: den sauberen Atomkrieg.

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merkur08 17.01.2016, 19:33
9. Gegenfrage

Was wurde eigentlich aus dem Ozonloch? Dem Horrorthema der 80iger und 90iger. Kann es sein, dass es wie beim Klimathema viele heisse Luft um nichts gibt?

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