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Kampf gegen Klimakrise: Die Bevölkerungsexplosion fällt aus
Vlad Eugen Nistor/ EyeEm/ Getty Images

Bei Diskussionen über den Klimawandel taucht regelmäßig dieses Argument auf: Wir können ohnehin nichts tun, solange wir nicht das ungebremste Wachstum der Weltbevölkerung stoppen. Dabei ist diese Phase längst vorbei.

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knuty 27.06.2019, 15:47
570.

Zitat von fritzberg1
OK. Sie bleiben bei Ihrer Schopenhauerschen Diskussionsmethodik. Auf dieses Niveau werde ich aber nicht begeben. Wenn es Sie befriedigt dann dürfen Sie sich als Sieger fühlen. Mich können Sie allerdings damit nicht von Ihrer 100-%-Recycling-These überzeugen.
Dass Sie sich noch nicht mal von ganz einfachen chemischen Fakten überzeugen lassen würden, habe ich fast geahnt.

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bambata 27.06.2019, 16:28
571. @ knuty #551

Zitat von knuty
Danke für die Glückwünsche zu meinem Optimismus. Selbstverständlich sollte vor allem in den ärmsten Ländern etwas für ein weiteres Absenken der Geburtenrate getan werden und wird es ja auch, so viel ich weiß. Ich halte es aber trotzdem für einen riesengroßen Erfolg, dass die weltweite Geburtenrate mit den bisherigen Maßnahmen von 5,0 auf 2,4 abgesenkt werden konnte. Wie wäre denn die Entwicklung verlaufen, wenn diese Zahl nicht hätte gesenkt werden können?
Ja, es ist ein Erfolg. Aber eben einer, auf dem wir uns nicht ausruhen dürfen.

Auf eine sinkende TFR (Total Fertility Rate) wird hier ja in vielen Beiträgen hingewiesen. Wir liegen im Augenblick im globalen Schnitt bei einer Rate von 2,4. Die Tabelle 1 zeigt deren weltweiten Verlauf innerhalb der vergangenen 70 Jahre. TFR von ca. 5 in den 1950ern bis 2,5 in 2015 und ca. 2,4 heute. Also mehr als halbiert. So weit, so gut! So weit, alles gut?

Ein weiterer Rückgang ist alles andere als garantiert. Inzwischen gibt es Erkenntnisse, dass die zuletzt stagnierende absolute Zunahme des Bevölkerungswachstums in zurückliegenden Jahren tatsächlich wieder gestiegen ist (Figure 2). Dass die TFR aktuell sogar wieder zunimmt, zeigt Figure 3 (die kleinen Kreise im Graph sind tatsächliche Werte, die hellgraue Linie ist eine Projektion).

Aufgrund der Tatsache, dass der Anteil der Bevölkerung derjenigen Länder, deren TFR zwar (degressiv, aber immerhin) fällt, aber noch deutlich über dem anstrebenswerten Wert von 2,1 liegt am Anteil aller Länder überproportional zunimmt, steigt die durchschnittliche weltweite TFR nun vom aktuellen Wert von 2,4 vorrübergehend an, bis das gemeinsame arithmetische Mittel aller Länder mittelfristig wieder sinken wird (vorausgesetzt, die Abnahme in den erstgenannten Ländern hält an).

Aus der Bewertung des jüngsten UN-Berichtes zum Bevölkerungswachstum: "Total fertility has fallen markedly over recent decades but omits making the more important observation that its fall has virtually stalled in the past decade. From more than one child per woman decline in the 1970s, global fertility fell only 0.1 in the most recent decade. Of course, we would expect it to slow down, as increasing numbers of countries reach below-replacement fertility. But FTR-decline has slowed more than anticipated, and this is what led to the extra billion added to the expected peak population since the 2010 projections.

It should be noted that fertility could fall in all high-fertility countries, but still rise at the global level. This is because the high-fertility countries are rapidly becoming a bigger share of global population. To stabilise global population, their fertility needs to fall quite fast. Just falling is not enough.
"

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bambata 27.06.2019, 16:33
572.

Zitat von knuty
Und 2017 liegt die Fertilitätsrate im Iran schon bei 1,8. Beim Irak dagegen ist die Feritlitätsrate in den letzten 15 Jahren kaum gesunken. Entscheidend ist die weltweite Fertilitätsrate und nicht die Geburtenrate einzelner Länder. Und weltweit liegt die Geburtenrate bei 2,4 Geburten pro Frau, Tendenz weiter sinkend. (Deutschland hatte 1968 auch noch eine Geburtenrate von 2,4.) Sicherlich wächst die Bevölkerungszahl noch weiterhin, aber längst nicht mehr mit der exponentiellen Geschwindigkeit wie noch vor 50 Jahren, denn sonst wären wir jetzt schon bei 10 Mrd. Menschen auf der Erde und nicht bei 7,8 Mrd. Die Bevölkerungszahl nimmt inzwischen hauptsächlich aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung zu. Da nützt eine 1-Kind-Politik überhaupt nichts oder haben Sie eine akzeptable Idee, wie man verhindern kann, dass die Menschen immer älter werden? Was ich sagen will ist, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es wurde nämlich vieles richtig gemacht, auch ohne das wir Deutschen oder Europäer uns da eingemischt haben.
Ihr Einwand, dass zwar im Iran die TFR massiv gesunken ist, im Irak jedoch nicht, ist korrekt und es hat mir keine Ruhe gelassen, warum in 3 benachbarten Ländern (Irak, Iran, Pakistan) solch unterschiedliche Entwicklungen vonstatten gingen. Meine Annahme, der Rückgang im Iran hänge ursächlich mit dem Irak-Iran-Krieg 1980-1988 zusammen, ist nicht (zumindest nicht ausschlaggebend) zutreffend. Tatsächlich gab es im Iran eine Reihe von unerwartet erfolgreichen Maßnahmen in mehreren Phasen, beginnend in den späten 60ern, und ausgeweitet in den späten 80ern, die die TFR extrem überdurchschnittlich haben sinken lassen.

Warum das so war, ist hier umfassend erklärt: The Iranian miracle: The most effective family planning program in history?. Die religiösen Machthaber steuern aber seit 10 Jahren entschieden gegen diesen Trend; dort gilt seit den 2010ern die Maxime "More children - a happier life". Ayatollah Ali Khamenei rief Frauen mehrfach auf, mehr Kinder zu bekommen. Die Budgets für die Programme zur Bevölkerungskontrolle wurden darüber hinaus vollständig gestrichen. Es sind aber mitunter jene Leuchtturm-Projekte, die "Planet Earth" fälschlicherweise als Annahme für eine weitere stetige Abnahme der TFR heranzieht.

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5412 27.06.2019, 16:46
573. @bambata (#561,562)

Der Artikel behauptet doch nicht, dass die Bevölkerung aktuell zurückgeht. Er widerlegt nur das Argument von der Explosion (Fettdruck) der Weltbevölkerung in Bezug auf das Wachstum und das macht er nachvollziehbar.
Auch die Intention ist korrekt nämlich Leuten den Wind aus den Segeln zu nehmen, die mit Blick auf das Wachstum der Weltbevölkerung eigene Bemühungen zur Reduktion des eigenen ökologischen Fußabdrucks möglichst einzustellen. Und das nur aus Bequemlichkeit. Dafür ist solchen Leuten jede Ausrede recht.
Und ich habe darauf hingewiesen das insbesondere Deutschland extrem dicht (7 mal höher als der aktuelle globale Schnitt) besiedelt ist, dass wir einen überproportional (auch im Vergleich zum globalen Schnitt) großen ökologischen Fußabdruck haben und das wir das im Vergleich zum weitaus überwältigendem Teil schon an die 150 Jahre so treiben.
Daraus habe ich meinen Schluss gezogen, dass wir in der Verantwortung sind auch weil wir in der Lage dazu sind und als gutes Beispiel andere mitziehen können und aufzeigen wie es besser gehen kann. Aber eine Gruppe will nichts verändern und alles blockieren und verzögern. Und wenn es dann kracht wollen dieselben sicher eine Mauer um die EU ziehen. Oder gleicht um Deutschland, oder noch besser das eigene Bundesland. Mit solchem Personal ist kein Staat zu machen.
Müll kann man wieder einsammeln gerade beim Plastik im Meer wird es keinen anderen Weg geben. Hier sind schon Ideen entwickelt worden. In der CO2 Reduktion sind wir mitten drin. Wir dürfen uns hier nicht von den Ewiggestrigen aufhalten lassen. Wir brauchen ein golbales Recht auf Trinkwasser, Nestlé muss notfalls zerschlagen werden wenn die das nicht einsehen. Der Welthunger wird schon erfolgreich bekämpft daher auch die niedrigere Kindersterblichkeit (geht einher mit der besseren med. Versorgung) und die höhere Lebenserwartung. Probleme sind da um gelöst zu werden. Ich bin trotz allem Optimist u.v.a. Pragmatiker.

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bambata 27.06.2019, 16:47
574.

Zitat von knuty
Ich habe mich vor allem darauf bezogen: Zitat ich: "Zudem ist die Fertilitätsrate in Pakistan innerhalb von nur 27 Jahren von 6,0 auf 3,4 (2017) gesunken. Der Rückgang hat später eingesetzt, geht jetzt aber dafür um so schneller zurück." Zitat Sie: "Nein, der Rückgang der Fertilitätsrate folgt einer degressiven Kurve. Die Abnahme verlangsamt sich. Beispiel Pakistan 1950 - 2035, Beispiel Indien 1990 - 2016." Sie nehmen einen völlig anderen Zeitraum, nämlich nicht 1990 bis 2017, sondern 1950 - 2035, und als zweites Beispiel ein völlig anderes Land. Weder stimmen Zeitraum noch Land bei Ihrem Gegenargument überein. Dass ein Rückgang langfristig immer degressiv verläuft liegt in der Natur der Sache und ist eine Binse.
Zitat: "Zudem ist die Fertilitätsrate in Pakistan innerhalb von nur 27 Jahren von 6,0 auf 3,4 (2017) gesunken."

Ja, aber der isoliert en bloc betrachtete Zeitraum 1990 - 2017 zeigt einen weniger aussagekräftigen Ausschnitt, als der nach Jahren aufgeschlüsselte Zeitraum bis 2035 (inkl. Prognose) für Pakistan. Erst ab 2000 ff. wird die Degression ja wirklich augenscheinlich. Indien habe ich ergänzt, um eine vergleichbare (degressive) Entwicklung zu zeigen, sonst wird ggfls. der Vorwurf laut (nicht zwingend von Ihnen), dass ein einzelnes Land keine ausreichende Aussagekraft besitzt. Ich hätte gerne noch weitere Beispiele aufgezeigt, aber finden Sie mal auf die Schnelle ausreichend viele Länder, die einen präzisen Verlauf der TFR abbilden.

Zitat: "Der Rückgang hat später eingesetzt, geht jetzt aber dafür um so schneller zurück."

Vor 1990 gab es ja faktisch keine Abnahme. Insofern sind die Jahre davor tatsächlich überflüssig, zeigen aber immerhin, ab wann ein Rückgang überhaupt eingesetzt hat. Um 1990 beginnt ein spürbarer Rückgang (von hohem Niveau), bis 2000 leicht zunehmend, um dann weitgehend degressiv abzunehmen. Auf die Degressivität hinzuweisen ist das, was mir wichtig war.

Generell ist die Aussage, "die Fertilitätsrate in Pakistan sei innerhalb von nur 27 Jahren von 6,0 auf 3,4 (2017) gesunken", irreführend (ich unterstelle keine bewusste Irreführung!), da eine hohe Abnahme um minus 2,6 Kinder pro Frau suggeriert, die Entwicklung setze sich genauso schnell fort, also um weitere 1,3 Kinder bis hin zu 2,1 innerhalb von ~13 Jahren, tatsächlich dauert es aber voraussichtlich weitere 30 Jahre, bis der Wert 2,1 erreicht sein wird.

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bambata 27.06.2019, 17:00
575.

Zitat von knuty
Wie Sie richtig schildern, sind das alles Probleme, die es auch ohne ein weiteres Bevölkerungswachstum schon gibt. Selbst wenn es gelänge das Bevölkerungswachstum noch stärker zu bekämpfen als es jetzt schon gemacht wird, würden die Auswirkungen sich erst in ein, eher zwei Generationen bemerkbar machen, was Sie ja auch mehrfach deutlich ausgeführt haben. Dann wären aber immer noch dieselben Probleme vorhanden, wenn eine Wende zu einer nachhaltigeren Gesellschaft nicht angegangen wird. Eine Reduzierung des Bevölkerungswachstums kann immer nur eine flankierende Maßnahme sein, die die Auswirkungen der Probleme zwar abmildert, aber niemals eine Lösung sein kann. Zudem würde eine Wende zur mehr Nachhaltigkeit auch mehr Wohlstand und Bildung in die armen Ländern bringen, was gerade eine sehr effektive Maßnahme gegen eine Bevölkerungszunahme ist.
Beides geht nur Hand in Hand.

Ehrgeizige Auseinandersetzung mit dem Klimawandel. Intensivierung von Familienplanungs-Programmen in denjenigen Regionen, die überdurchschnittlich stark wachsen.

Bildung und Förderung des Wohlstands (ohne bereits gemachte Fehler noch einmal zu wiederholen) sind Kernelemente.

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fritzberg1 27.06.2019, 17:37
576.

Zitat von knuty
Dass Sie sich noch nicht mal von ganz einfachen chemischen Fakten überzeugen lassen würden, habe ich fast geahnt.
Nun gut.
Sie haben es wieder mal geschafft von Ihrer 100-%-Recycling-These erfolgreich abzulenken.
Aber, wie man hier sieht und ich erkenne das neidlos an, das mit dem Ablenken auf Nebenschauplätze hat bei Ihnen ja schon des öfteren funktioniert.

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knuty 28.06.2019, 11:42
577.

Zitat von bambata
Generell ist die Aussage, "die Fertilitätsrate in Pakistan sei innerhalb von nur 27 Jahren von 6,0 auf 3,4 (2017) gesunken", irreführend (ich unterstelle keine bewusste Irreführung!), da eine hohe Abnahme um minus 2,6 Kinder pro Frau suggeriert, die Entwicklung setze sich genauso schnell fort, also um weitere 1,3 Kinder bis hin zu 2,1 innerhalb von ~13 Jahren, tatsächlich dauert es aber voraussichtlich weitere 30 Jahre, bis der Wert 2,1 erreicht sein wird.
So war das aber gar nicht von mir gemeint. Selbstverständlich kann sich eine Kurve nicht linear fortsetzen.

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