Forum: Wissenschaft
Keine Pestizide auf verpachteten Flächen: Immer mehr Kommunen verbieten Glyphosat
Bernd Settnik/ DPA

Parks, Wege, Äcker: Städte und Gemeinden untersagen auf ihren Flächen zunehmend den Einsatz von Glyphosat. Sie erproben Alternativen zu dem Unkrautvernichter.

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Aleae iactae sunt 15.07.2019, 11:52
1. Warum bekommen Kommunen etwas hin,

was die Bundesumweltministerin und Vorgänger als nicht möglich darstellt.
Österreich kanns angeblich auch.

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isi-dor 15.07.2019, 11:52
2. Krebserregend hin oder her

Glyphosat ist sehr wahrscheinlich stark krebserregend, aber das ist ja nicht die ganze Geschichte vom Lied. Es gibt jede Menge wissenschaftliche Untersuchungen, wonach Glyphosat die Bodenflora komplett vernichtet und damit auch die Bodenfauna nachhaltig schädigt. Gyphosat-Böden sind quasi steril und verarmen daher schon nach einem einzigen Anbaujahr. Die Landwirte müssen darauf mit noch mehr künstlichem Mineraldünger reagieren, der natürlich auch von Bayer geliefert wird. Organischer Dünger, wie Dung und Gülle, wird ohne Edaphon auch nicht mehr mineralisiert und nützt also den Pflanzen so gut wie nichts. Der Acker verkommt dann zur nutzlosen Güllegrube und versaut das Grundwasser, vor allem mit Nitrat. Daran gibt es also nichts schönzureden: Glyphosat vernichtet die Bodengare und degradiert den Boden dann zum bloßen Stengelhaltersubstrat ohne Nährwert. Der Krebs ist also nur die eine Seite der Sauerei, die wirklich schlimme ist die Vernichtung unserer Böden.

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mhwse 15.07.2019, 11:59
3. wäre nicht allen besser gedient,

wenn man gezielt Flächen kontrolliert verwildern ließe - und dann z.B. alle paar Jahre Ziegen als natürliche Weide Tiere dort aktiv werden ließe.
das Problem mit Glyphosat ist nicht die Giftigkeit - sondern dass es eigentlich zu gut funktioniert.
Es ist wenig giftig - und tötet zuverlässig alle Pflanzen - damit verhungern davon abhängige Tiere - bzw. können keine Eier ablegen - etc. Insektenfresser finden dann keine Insekten.

Das Problem ist nicht das Pestizid - auch Hitze wirkt dann ähnlich - das Problem ist der zu "ordentliche" Einsatz..
Es hilft kein Bündnis für den Artenschutz in Bayern - wenn überspitzt gesagt - statt Giftstoffen dann Unkraut Jäte Roboter raus fahren und per Mustererkennung jedes falsche Kräutlein ausreißen ..
Es muss in der Natur - nicht nur im Naturschutzgebiet - überall Schutzzonen geben, die gar nicht betreten werden.
dann darf der Bauer auch mal Glyphosat verwenden ..

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hoeffertobias 15.07.2019, 12:12
4. Klar kann man auf Glyphosat verzichten ,...

...,. wird bei uns lange gemacht, insbesondere auf den Flächen der Stiftung Naturschutz. Seitdem vermehrt sich das Jakobs Kreuzkraut rasant und die benachbarten Landwirte spritzen umso mehr. Die im JKK enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide gehören zu den toxischsten Giften dieser Welt. Man findet sie mittlerweile in mehr als 6% des Honigs und zwar in einer Konzentration deutlich oberhalb der vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Grenzwert von 140 Mikrogramm pro kg Honig. Bedenkt man, dass Glyphosat in Sachen Mobilität, Toxizität gegenüber Säugetieren, Toxizität gegenüber Insekten und Langlebigkeit deutlich besser für die Umwelt ist, als jedes andere Herbizid, hat man hier schon jetzt aus einem theoretischen Problem ein reales Problem gemacht. Die Historie ist mal wieder typisch: Erst wird erklärt, wie gut alles ohne Glyphosat funktioniert und dann den Giftpflanzen freien Lauf lassen. Eine wirksame Bekämpfung des JKK ohne Glyphosat ist einzig und allein die mechanische Entfernung mittels Spaten oder Stecher. Das ist den Naturschutzfreunden dann aber doch zu anstrengend. Dafür blüht dann alles so schön gelb! Ach so: Die Idee mit dem Jakobskrautbär (Tyria Jacobaeae) ist ein PR-Gag. Die Raupe frisst am Tag ungefähr 1/100 von dem was am Tag neu wächst.

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Sendungsverfolger 15.07.2019, 12:16
5. Zivilrecht

Zitat von Aleae iactae sunt
was die Bundesumweltministerin und Vorgänger als nicht möglich darstellt. Österreich kanns angeblich auch.
Weil Pachtverträge Zivilrecht sind und man das dort regeln kann. Im öffentlichen Recht nicht, solange das Zeug (noch) legal ist.
Das Ministerium kann sich ja auch nicht einmischen, wenn Sie Ihrem Wiesenpächter vertraglich verbieten oder erlauben mit irgendwelchen anderen legalen Düngemittel zu arbeiten.

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LDaniel 15.07.2019, 12:18
6. Verrückt

Die ganze Diskussion um Glyphosat zeigt, dass wird auch in Deutschland das post-faktische Trumpzeitalter längst erreicht haben.
Kaum ein Produkt ist besser erforscht, getestet und für harmlos befunden als Glyphosat. Man hat es ja auch Jahrzehnte problemlos eingesetzt - bis Monsanto einen resistenten Gen-Mais rausgebracht hat (eigentlich genial). Aber da man ja von Wissenschaft keine Ahnung hat und sich nur von Gefühlen leiten lässt, war jetzt die Verknüpfung mit der bösen Gentechnik da und Zack, würde aus einem biologisch bestens abbaubaren Mittel das Schlimmste aller Mittel. Alle Alternativen sind um ein Vielfaches schädlicher. Aber das interessiert niemanden, Forschungsergebnisse interessieren niemanden. Traurig

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photobabe 15.07.2019, 12:19
7. Herbizid gegen Blattläuse???

Der Mainzer OB und seine Umweltdezernentin stehen ja voll im Thema, wie so viele, die im Augenblick sehr emotional die Glyphosat-Sau durchs Dorf oder die Großstädte treiben. Glyphosat ist ein Herbizid, also ein Unkrautvernichter. Die Blattläuse an den Rosen wären also maximal als Kollateralschaden gestorben, wenn sie – möglicherweise - Krebs bekommen hätten. Das sprießende Unkraut zwischen den Gehwegplatten lässt sich übrigens in Frankfurt, Hannover oder Dessau prima als "Städte wagen Wildnis" vermarkten. Eine doppelt sinnvolle Maßnahme: Wir tun was für die "Natur" und schonen das Stadtsäckel, indem wir Pflegemaßnahmen einsparen.

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Miami 15.07.2019, 12:21
8.

Glyphosat ist wohl wahrlich kein Möhrensaft.
Nur was ist denn die Alternative ??
Es gibt hunderte andere Mittel, welche bisher in den Medien kaum diskutiert wurden, aber weniger gesund sind als Glyphosat. Dieses Zeug wird jetzt um so mehr eingesetzt.

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BahnCard50 15.07.2019, 12:24
9. Aktionismus pur

Glyphosat ist eins der am besten untersuchten Herbizide. Seine Unschädlchkeit ist so gut sichergestellt wie bei keiner der möglichen Alternativen. Es gibt keine Hinweise für Karzinogenität, Erbgutschädigung usw. für den Menschen, Es hat keine antibakterielle Wirkung. Die für Tiere toxischen Dosen werden bei sachgemäßer Ausbringung in der Natur nicht erreicht. Solche Ansichten wie in Kommentar #2 entbehren der Grundlage. Böden werden NICHT steril. Im Gegenteil: die Bodenbakterien bauen das Glyphosat ab. Die von den Gegnern angeführten Alternativen sind sämtlich viel schädlicher - zumindest in einzelnen Belangen, so werden beim Abbrennen auch Mäuse, Maulwürfe und alle Boden-Insekten (z.B. Maikäfer) getötet. Und das soll besser sein?
Es wäre schön, wenn die Presse mal ergründen könnte, wo dieser Ganze Hype gegen Glyphosat eigentlich herkommt.

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