Forum: Wissenschaft
Kinderopfer in Karthago: Opfer des römischen Rufmords

Die Karthager waren Roms ärgster Feind - und pflegten angeblich grausame Rituale: Um ihren Gott milde zu stimmen, sollen sie kleine Kinder geopfert haben. Alles nur römische Propaganda? Archäologen haben jetzt Spuren gefunden, die das negative Bild von Karthago erschüttern.

Seite 1 von 3
Rainer Helmbrecht 03.03.2010, 07:11
1. .

Zitat von sysop
Die Karthager waren Roms ärgster Feind - und pflegten angeblich grausame Rituale: Um ihren Gott milde zu stimmen, sollen sie kleine Kinder geopfert haben. Alles nur römische Propaganda? Archäologen haben jetzt Spuren gefunden, die das negative Bild von Karthago erschüttern. .....
Den Irakern wurde auch vorgeworfen, dass sie die Kinder aus den Betten gerissen hätten und sterben ließen. Ein PR Gag um die Öffentlichkeit auf einen Krieg einzustimmen.

Es gibt offensichtlich wirklich nichts Neues unter der Sonne.

MfG. Rainer

Beitrag melden
Marie Laveau 03.03.2010, 07:58
2. Zwei Drittel

Man kann generell davon ausgehen, das zwei Drittel solcher Greuelpropaganda frei erfunden ist, insbesondere, wenn die Gewinner eines Krieges über die Unterlegenen schreiben.

Beitrag melden
gerthans 03.03.2010, 08:15
3. Historischer Kern

Vielleicht war es nur römische Propaganda - doch hat jede Sage, auch eine, die zum Anschwärzen verbreitet wird, einen wahren Kern. Man denke an die biblische Überlieferung von Abraham, dem Gott befahl, seinen Sohn Isaak zu opfern. Im letzten Moment begnügt Gott sich mit einem Tier als Ersatz für den Sohn. Doch die Bereitschaft zum Menschenopfer fordert der biblische Gott der Christen und auch der Gott des Islam, in dem die Geschichte von Abraham und Isaak auch wichtig ist, dem Gläubigen ab. Ein Menschenopfer steht sogar im Mittelpunkt der christlichen Religion: Jesus Christus ist das letzte Menschenopfer, um den zürnenden Gott mit der Verdorbenheit des Menschengeschlechtes zu versöhnen und von ewiger Höllenstrafe loszukaufen.

Beitrag melden
mardas 03.03.2010, 08:18
4. Wer hätte es erwartet?

"Die größte Leistung der Römer war nicht das Recht oder der Wohlstand oder das eindrucksvolle Militär, ihre größte Leistung war ihre wirksame Propaganda."

Terry Jones hat in seinen Geschichtsserien durchaus recht, wenn er dies behauptet. Fast jeder neuere Fund stellt eine gegenteilige Ansicht des Gegenwärtigen dar, was bisher noch von römischen Geschichtsschreibern stammte. Ob es die Kelten waren, die Gold und Eisen in bemerkenswerter Weise abbauten und weite Handelsnetze aufgebaut hatten, sogar einen eigenständigen Mondkalender gemacht hatten, oder ob es die Parther waren, die das griechische Kulturerbe weiterführten und dafür ebenfalls mit übelsten Verleumdungen der Römer zu kämpfen hatten...

Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass jede Untersuchung, die römische Behauptungen auf den Kopf stellt, sich als völlig überzogen und propagandistisch herausstellt. Darin waren die Römer in der Tat sehr gut.

Beitrag melden
namachschon 03.03.2010, 08:55
5. Wenn man keine Ahnung hat...

Zitat von gerthans
Vielleicht war es nur römische Propaganda - doch hat jede Sage, auch eine, die zum Anschwärzen verbreitet wird, einen wahren Kern. Man denke an die biblische Überlieferung von Abraham, dem Gott befahl, seinen Sohn Isaak zu opfern. Im letzten Moment begnügt Gott sich mit einem Tier als Ersatz für den Sohn. Doch die Bereitschaft zum Menschenopfer fordert der biblische Gott der Christen und auch der Gott des Islam, in dem die Geschichte von Abraham und Isaak auch wichtig ist, dem Gläubigen ab. Ein Menschenopfer steht sogar im Mittelpunkt der christlichen Religion: Jesus Christus ist das letzte Menschenopfer, um den zürnenden Gott mit der Verdorbenheit des Menschengeschlechtes zu versöhnen und von ewiger Höllenstrafe loszukaufen.
Hallo,
aber wenn man keine Ahnung hat, dann schreibt man solchen Blödsinn.

Tatsache ist, und das geht auch aus vielen anderen zeitgenössischen Quellen hervor, daß die Anbetung des Götzen Baal mit Kinderopfern verbunden war.
Ich glaube, daß wir uns nicht mehr vorstellen können, zu welchen Grausamkeiten antike Gesellschaften fähig waren. Vor allem, wenn fanatische Geistliche die einfältigen Leute dazu anstacheln.

Aber das mit dem Loskaufsopfer Jesu Christi zu verknüpfen, ist gelinde gesagt, unzulässig.

Grüße...

Beitrag melden
tetaro 03.03.2010, 09:03
6. Geschichte

Zitat von sysop
Die Karthager waren Roms ärgster Feind - und pflegten angeblich grausame Rituale: Um ihren Gott milde zu stimmen, sollen sie kleine Kinder geopfert haben. Alles nur römische Propaganda? Archäologen haben jetzt Spuren gefunden, die das negative Bild von Karthago erschüttern.
Geschichte ist immer die Geschichte der Sieger. Leider lernt man das in der Schule nicht, sondern es wird fälschicherweise der Eindruck vrmittelt, es gäbe so etwas wie eine objektive Wahrheit in der Geschichte. Aber gerade dort, im Lande der "Geschichten" kann man diese am wenigsten erwarten.

Beitrag melden
tetaro 03.03.2010, 09:14
7. Stellvertretung

Zitat von namachschon
Hallo, Aber das mit dem Loskaufsopfer Jesu Christi zu verknüpfen, ist gelinde gesagt, unzulässig. Grüße...
Warum soll das unzulässig sein? Beiden Handlungen liegt die Idee einer Stellvertretung in der "Haftung" für Sünden bzw. für Ansprüche von Göttern zugrunde.

Beitrag melden
Koda 03.03.2010, 09:32
8. Ich möchte doch bitten, die Kirche im Dorf zu lassen

Zitat von gerthans
Man denke an die biblische Überlieferung von Abraham, dem Gott befahl, seinen Sohn Isaak zu opfern. Im letzten Moment begnügt Gott sich mit einem Tier als Ersatz für den Sohn. Doch die Bereitschaft zum Menschenopfer fordert der biblische Gott der Christen und auch der Gott des Islam, in dem die Geschichte von Abraham und Isaak auch wichtig ist, dem Gläubigen ab. Ein Menschenopfer steht sogar im Mittelpunkt der christlichen Religion: Jesus Christus ist das letzte Menschenopfer, um den zürnenden Gott mit der Verdorbenheit des Menschengeschlechtes zu versöhnen und von ewiger Höllenstrafe loszukaufen.
Die Religionen Christentum, Islam und Judentum fordern eben nicht das Menschenopfer für Gott.
Man soll die Deutung religiöser Schriften eben nicht Halbwissenden überlassen, die sich abend auf Pro7 die Sendung "Galileo" anschauen oder "Welt der Wunder" auf N-TV und sich nun für gebildet halten.
Ich habe in seriöseren Quellen gelesen, dass mit der zuerst geforderten Opferung von Isaak und der dann vollzogenen Opferung eines Widders der Übergang vom Menschen- zum Tieropfer angedeutet wurde.
Was religiöse Fanatiker im Christentum oder Islam aus den Schriften machen, ist was anderes: sie benutzen es für ihre Zwecke und nutzen Menschen aus die zu einfach gestrickt sind(wurden) den Sinn hinter dem Geschreibenen zu hinterfragen.
Zu Diesen zähle ich auch Evangelikale, selbst Pastöre bzw. Pastorinnen, die jedes Wort in der Bibel für bare Münze nehmen und vergessen, dass in der Geschichte der Entwicklung der Bibel manche "Bücher" als nichtkanonisch oder apokryph ausgelassen wurden und andere wurden in die offizielle Bibel übernommen - und das in unterschiedlicher Weise, je nach Ortodoxie, Katholizismus oder Protestantismus. Noch extremer wird es bei den Mormonen.

Wenn man aber nun jedes Wort, insbes. aus dem Alten Testament, für bare Münze nehmen würde, würde man heimtückischen Meuchelmord (einer der Richter ersticht einen feindlichen Herrscher, nachdem er sich bei ihm eingeschleimt hat) ebenso gutheißen müssen wie Euthanansie -König David nahm eine feindliche Stadt und tötete alle Blinden und Lahmen, nach seine Feinde ihn verspottet hatten, nicht mal an den Blinde und Lahmen käme er vorbei.

Beitrag melden
gerthans 03.03.2010, 09:57
9. Tieropfer ersetzt Menschenopfer

Die Geschichte von Abraham und Isaak, wo Gott sich mit einem Tier als Ersatz für einen Menschen begnügt, aber vom Gläubigen die Bereitschaft zum Menschenopfer erwartet, ist auch im Islam wichtig. Allen Menschen angeboren, also archetypisch, ist das Gefühl einer Versündigung und Schuld gegenüber der Gottheit, die nur mit Opfern wiedergutgemacht werden kann, wobei das Tier Ersatz für einen geopferten Menschen ist. Interessant ist, was Necla Kelek auf einem türkisch-islamischen Opferfest beobachtet hat und in ihrem Buch "Die verlorenen Söhne" (S. 167) beschreibt:

"Ich stand am Fenster im ersten Stock und sah zu. Als die Grube fertig war, brachten die Männer das Tier zu Fall, einer von ihnen sprang hinzu und durchtrennte die Halsschlagader. Das Tier zappelte und zuckte, bis zwei Männer auf seinen Körper stiegen und so lange mit den Knien wippten, bis das Blut aus dem Rind ... in die ausgehobene Kuhle floss und einen roten See entstehen ließ. Dann begannen die Männer, mit Messern und Beilen den riesigen Kopf vom Körper zu trennen, und legten das Haupt in den Rinnstein der Straße. Die Kinder hatten sich das Schauspiel nicht entgehen lassen, und niemand hatte sie gehindert, dem grausigen Schauspiel zuzuschauen. Jetzt wurden die Jungen mutiger und wagten, sich dem Kopf zu nähern, umkreisten ihn und imitierten die aufgerissenen Augen des Tieres, um ihre Schwestern zu erschrecken."

Besonders interessant für den Religionsforscher ist der letzte Satz: Die türkischen Knaben identifizieren sich mit dem Opfer, weil in ihrem Unterbewusstsein noch das archetypische Wissen lebendig ist, dass - wie bei Abraham und Isaak - das Tier die Menschensöhne ersetzt, dass eigentlich sie gemeint sind.

Beitrag melden
Seite 1 von 3
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!