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Klimaforschung - Ende der Endzeit-Szenarien?

In der Diskussion um die Klimaentwicklung auf unserem Planeten herrschten lange Zeit die Horror-Szenarien um Erderwärmung, anschwellende Ozeane und Verschiebung der Vegetationszonen vor. Jetzt interpretieren immer mehr Wissenschaftler aktuelle Wetterphänomen nicht mehr notwendig als Menetekel eines bevorstehenden Kollapses. Waren die Warnungen vor einem baldigen, weltweiten Klimawandel nur aufgebauschte Übertreibungen und Denkmodelle? Haben die Szenarien gar der Anliegen des Umweltschutzes geschadet? Oder ist eine drastische Darstellung die einzige Möglichkeit, um überhaupt Reaktionen und Nachdenken zu provozieren?

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christian_g. 12.04.2005, 10:16
1.

Ich denke, wenn man sich Seiten wie diese hier - http://www.lifeaftertheoilcrash.net/ - durchliest, sind Klimakatastrophen in den nächsten Jahren eines unserer geringsten Probleme. Ich bin eigentlich ein Optimist, aber so etwas macht einen dann doch schon etwas nachdenklich :)

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C_Kulmann 13.04.2005, 17:14
2. Noch ist Zeit zum Bremsen

Aktuelle Wetterereignisse als Vorboten des Klimawandels zu sehen ist ohnehin Blödsinn. Das Jahreswetter verläuft in Wellen, jeder Sommer und jeder Winter hat seine Höhen und Tiefen. Der Klimawandel wird sich dadurch bemerkbar machen, dass sich das ganze System langsam, in der Größenordnung von Jahrzehnten, verschiebt. Auf die leichte Schulter nehmen sollten wir das trotzdem nicht.

Im Februar 2005 gab es eine große Konferenz zu diesem Thema in England. Was diese Konferenz von ihren vielen Vorgängern unterschied war die Frage, was genau man denn als "gefährlichen Klimawandel" einschätzen muss. Ein Beitrag befasste sich mit der Eiskappe von Grönland. Das Grönlandeis ist im Augenblick noch stabil, aber wenn sich der Kohlendioxidgehalt der Luft ca. vervierfacht, fängt die Eiskappe an zu schmelzen. Das große Problem dabei ist, dass dieser Vorgang unumkehrbar ist, selbst wenn mittendrin das Klima wieder in seinen heutigen Zustand zurückkehrt. Weil die Oberfläche der Eiskappe beim Schmelzen in immer tiefere und wärmere Luftschichten absinkt, würde sie, wenn dieser Vorgang einmal begonnen hat, vollständig verschwinden. Der Meeresspiegel wäre dann um sieben Meter höher, und Hamburg und Bremen wären die neuen Traumziele von Unterwasser-Touristen.

Auf dieser Konferenz wurden noch mehrere andere Beispiele für solche "gefährlichen Klimaveränderungen" genannt. Was mich persönlich erschreckt hat war die Tatsache, dass bei der Hälfte dieser Phänomene derzeit niemand weiss, ob sie eventuell schon begonnen haben. Es sind auf jeden Fall ziemlich heftige klimatische Schneebretter, die wir möglichst nicht lostreten sollten. Das Thema zu verharmlosen halte ich daher für unangebracht, unbegründet und sehr leichtsinnig.

Bei der Klima-Diskussion ist mir auch noch ein weiterer Punkt immer wieder sauer aufgestoßen. Die meisten Berichte enthalten irgendwo den Satz "...es wird eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 2°C / 5°C / 11°C etc. erwartet." Schön, könnte man meinen, dann werden die Sommer eben 2°C wärmer und die Winter etwas milder. Alles kein Problem? Nur die wenigsten Leser bedenken dabei, dass der Unterschied zwischen der heutigen Welt und dem Höhepunkt der letzten Eiszeit als "globale Durchschnittstemperatur" betrachtet gerade mal 5°C betrug. Es waren "nur 5°C", die darüber entschieden, ob z.B. hier in Bremen ein mild-maritimes Klima wie heute oder ein voll entwickeltes arktisches Klima wie vor 20.000 Jahren herrschte. Die Veränderungen in den Ozeanen und der Atmosphäre sind leider erheblich komplizierter, als einfach nur die "Suppe" etwas wärmer zu machen.

Das sollten wir dabei bedenken. Ich möchte damit keine Katastrophen herbeireden und auch niemandem den Tag verderben - ganz im Gegenteil. Wenn man sich mal ein bisschen breiter über das Thema informiert wird deutlich, dass wir auch jetzt immer noch eine ganze Menge zu unserem eigenen Vorteil unternehmen können. Der Klimawandel ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass wir zwangsläufig in eine Katastrophe geraten. Immerhin hieß es bei der Hälfte der "gefährlichen Klimaveränderungen" auf der Konferenz, dass sie noch nicht begonnen haben.

Es ist also immer noch Zeit zum Bremsen.

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Abakan 14.04.2005, 20:37
3. ups and downs and our wallets

Und wer sagt das es sich dabei eben NICHT um ein natürliches Phänomen handelt? Eiszeiten und Hitzeperioden hat es schon vor dem Menschen gegeben.

Ich persönlich glaube das die ganze Klimageschichte nur aufgezogen wird um uns die Kohle aus den Taschen zu ziehen ( zumindest beim Staat ist das offensichtlich )

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C_Kulmann 15.04.2005, 10:48
4.

Moin Abakan,

Ob natürliches Phänomen hin oder her, bedrohlich ist es allemal und wir wären dämlich, nicht darauf zu reagieren. Aber für meinen Geschmack kämen dabei zuviele Zufälle auf einmal zusammen; zumal der Temperaturtrend der letzten 8.000 Jahre zumindest für die Nordhalbkugel eher auf eine Abkühlung hinlief.

Die meisten Prognosen sind bisher lediglich Computermodelle, aber immer mehr von diesen Vorhersagen scheinen sich zu bestätigen. Die Welt verändert sich, und wir müssen uns irgendwie darauf einstellen. Und was ich vor allem sagen wollte war, dass wir lieber nicht die Hände in den Schoß legen und einfach abwarten sollten, bis die schlimmsten Prognosen eingetreten sind. Denn manche dieser Vorgänge würden die Erde unwiderruflich und sehr zu unserem Nachteil verändern.

Christoph

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C_Kulmann 19.04.2005, 12:56
5. Menschengemacht?

Zur Frage, inwieweit die jüngste Erderwärmung von Menschen mitverursacht wird, gibt es bei SPIEGEL Online gerade einen interessanten Artikel:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/e...351110,00.html

Christoph

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M. Michaelis 19.04.2005, 14:58
6.

Zitat von C_Kulmann
Zur Frage, inwieweit die jüngste Erderwärmung von Menschen mitverursacht wird, gibt es bei SPIEGEL Online gerade einen interessanten Artikel: Christoph
Dass ist vom Prinzip her nichts neues, das Verfahren verschiedene Modelle abzugleichen um Prognosen zu verbessern wird bei jeder Wettervorhersage angewandt. Das ändert aber überhaupt nichts daran dass im theoretischen Unterbau der Modelle und in deren dynamiserter Form erhebliche prinzipielle Mängel stecken die den Aussagewert erheblich relativieren. Es ist daher schlicht irreführend wenn behaupet wird man hätte durch das fragliche Verfahren das Ausmass der menschlichen Einflusses erhärten können.

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C_Kulmann 20.04.2005, 11:00
7.

Zitat von M. Michaelis
Dass ist vom Prinzip her nichts neues, das Verfahren verschiedene Modelle abzugleichen um Prognosen zu verbessern wird bei jeder Wettervorhersage angewandt. Das ändert aber überhaupt nichts daran dass im theoretischen Unterbau der Modelle und in deren dynamiserter Form erhebliche prinzipielle Mängel stecken die den Aussagewert erheblich relativieren. Es ist daher schlicht irreführend wenn behaupet wird man hätte durch das fragliche Verfahren das Ausmass der menschlichen Einflusses erhärten können.
Mag sein.... Die Erstellung halbwegs realistischer Klimamodelle stelle ich mir allerdings ziemlich kompliziert und aufwendig vor, insofern müssen wir wohl vorerst mit denen vorlieb nehmen, die es gibt. Auch wenn sie nicht perfekt sind, so geben sie uns doch wertvolle Hinweise auf die tatsächlichen Zusammenhänge.

Aber was sollte vor diesem Hintergrund unsere beste Strategie sein? Erst einmal nur die Modelle weiter perfektionieren, was unter Umständen noch einige Jahrzehnte dauern könnte, und ansonsten abwarten? Oder doch schon Maßnahmen ergreifen, so wie sie nach dem derzeitigen Trend angebracht zu sein scheinen?
Ich erwähne das vor allem, weil bei einigen Klimavorgängen zwischen Ursache und Wirkung möglicherweise 50 Jahre und mehr vergehen können - jedenfalls, wenn man mal den Modellen vertraut...:-)

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Urs Kinzelbach 21.04.2005, 01:08
8.

ARD Nachtmagazin entdeckt beim Bericht über einen treibenden Eisberg in der Antarktis die Physik für das Fernsehen.

Große Sorge des Kommentators, daß der treibende Eisberg schmelzen könne und der Meeresspiegel dann noch weiter ansteige...

Dafür zahlen Million GEZ-Gebühren!

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M. Michaelis 21.04.2005, 07:58
9.

Zitat von C_Kulmann
Mag sein.... Die Erstellung halbwegs realistischer Klimamodelle stelle ich mir allerdings ziemlich kompliziert und aufwendig vor, insofern müssen wir wohl vorerst mit denen vorlieb nehmen, die es gibt. Auch wenn sie nicht perfekt sind, so geben sie uns doch wertvolle Hinweise auf die tatsächlichen Zusammenhänge.
Es ist nicht schwierig, es ist fast unmöglich denn es geht nicht nur um die Vereinfachungsproblematik , das Problem ist auch wissenschaftstheoretischer und wissenschaftsphilosophischer Natur. Zum sind Simulationen puristisch gesehen keine Beweise im Sinne der empirsichen Beweisen zugrundeliegenden Ordnungsprinzipien. Zum Anderen gibt es massive mathematische Probleme bei der dynamisierung der Modelle d.h. bei der überführung eines auf differenzialgleichungen beruhenden Modells in ein differenzmodell durch die Quantisierung und die Resriktionen von Turingmaschinen.

Man kann daher nicht einmal eine Aussage treffen wie gut die Näherung an die tatsächlichen Zusammenhänge ist. Das relativiert die Folgerungen die aus Klimasimulationen in Bezug auf die tatsächlichen Zusammenhänge abgeleitet werden ganz erheblich.

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