Forum: Wissenschaft
Klimakrise: Wälder könnten zwei Drittel aller CO2-Emissionen ausgleichen
ETH Zurich / Crowther Lab

300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff hat der Mensch seit Beginn der Industrialisierung in die Luft geblasen. Zu viel, um die globale Temperatur stabil zu halten. Doch die Natur bietet eine Möglichkeit, die Klimakrise aufzuhalten.

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nobody_incognito 06.07.2019, 13:31
210.

Zitat von karl-felix
Die Holzzuwächse sind beträchtlich trotz gewaltiger Windbrüche.
Solang das "gebrochene" Holz nicht wieder zu CO2 und/oder Methan wird, hat es eher einen Vorteil, wenn neues Holz nachwächst und Kohlenstoff speichert. Holz als Baumaterial ist ja auch eine CO2-Senke.

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nobody_incognito 06.07.2019, 14:16
211.

Zitat von wolfangang
Die Triebfeder der Markwirtschaft ist schliesslich nicht Vernunft, sondern Gier. Vernünftig wird das nur, wenn man die Befriedigung von Gier als alternativlos ansieht, aber nennt man nicht genau das Marktwirtschaft?
Gier ist ein "positives" Motiv. Die Existenzangst ist ein "negatives". Jemand der nur "positiv" motiviert ist, verlässt sich auf die Angst der anderen und sahnt die maximalen Vorteile ab, die das Leben ihm zu bieten hat.
Es ist also ein ständiger Krampf um Grenzüberschreitungen. Vernunft hat mit Grenzen und Mäßigung zu tun und einem anderen Verständnis von Freiheit, das andernorts eben mit Grenzenlosigkeit gleichgesetzt wird, bzw. dem freien Austesten von Grenzen (vgl. z.B. Tempolimit).

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bambata 06.07.2019, 15:59
212.

Zitat von mother_sky
Zum Beitrag Nr. 196 von "bambata": Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Wer aber kontrolliert die Wege des Geldes ("das laufende BMZ-Waldportfolio umfasst über zwei Milliarden Euro, vor allem in Afrika und Lateinamerika"), wer die Sicherung von "weltweit 100 Millionen Hektar Wald rund um den Planeten"? In diesem Zusammenhang - Stichwort: Korruption - sei erneut verwiesen auf den Beitrag Nr. 112 von "Beat Adler".
Dass bei Entwicklungshilfeprojekten so mancher Euro nicht da ankommt, wo er hinsollte, ist unbestritten. Und dass viele Entwicklungshilfeprojekte in der Vergangenheit korrupte Politiker geradezu eingeladen haben, den Focus eher auf den Pool-Bau für den eigenen Garten oder das persönliche Nummernkonto im Ausland zu richten, ist ebenfalls nichts Neues. Und dass das gerade gut gebildeten Afrikanern ein mächtiger Dorn im Auge ist, kann ich ebenfalls gut verstehen (wen ginge das nicht so?).

Aber gerade bei Projekten, die sich auf die Wiederaufforstung bzw. die Neuanforstung konzentrieren, hat man ein recht präzise kontrollierbares Einsatz-Wirkungs-Verhältnis für jeden eingesetzten Euro, sei es eingesetzte Geldmenge je Hektar, oder Anzahl Bäume / 100TEuro einschl. der lokal eingesetzten Arbeitskräfte.

Das Entwicklungshilfeministerium hat (inzwischen) einen sehr präzisen Blick darauf, was mit den eingesetzten Geldern passiert. Der Entwicklungshilfeminister Müller hat das Ministerium grundlegend reformiert und geniesst auch international einen hervorragenden Ruf. Das Gieskannen- bzw. Ablasshandelprinzip hat schon lange ausgedient. Und selbstverständlich sind solche Projekte an Auflagen gebunden, z.B. dass das der Wald nicht bei erstbester Gelegenheit eingeschlagen wird oder bestehende Wälder nach dem Prinzip abgeholzt werden, die Entwicklungshilfe sponsort ja neue Wälder, also können wir bereits bestehende nach China verhökern. Und wurde nicht in dieser Diskussion vielfach gefordert, dass gerade die wohlhabenden Länder bei Aufforstungsprojekten diejenigen Länder, die besonders geeignete Landflächen aufweisen aber nicht die Mittel haben, unterstützen sollten?

"1 Mrd. Bäume im Kongo" klingen erstmal gut. Wobei ich glaube, dass das eher eine Milliarde Bäume für Afrika sind. Aber ich lasse mich mit geeigneten Quellen für diese Zahlen gerne widerlegen. Und es ist auch richtig, dass das gemacht wird. Man muss aber konstatieren, dass das ein Projekt ist, dass die immense Abholzung im Kongo in den vergangenen Jahrzehnten erstmal wieder egalisieren soll, woran, ganz nebenbei bemerkt, ebenfalls eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zuvorderst verdient hat. Sie ahnen welche. Immerhin galt der zum Zeitpunkt des Beschlusses der Aufforstung Ende 2015 amtierende Präsident Kabila als leidenschaftlicher Ausverkäufer der Rohstoffe seines Landes, an dem seine Familie kräftig mitverdiente.

Fortsetzung folgt

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bambata 06.07.2019, 16:00
213.

Fortsetzung

An Aufforstungsprojekten in der D.R. Kongo ist u.a. auch Oxfam beteiligt. Oxfam schreibt auf seiner Website: "1.000.000 neue Bäume für den Kongo. In der kongolesischen Provinz Süd-Kivu leiden die Menschen wegen der Abholzung der Bäume unter Erosion, Erdrutschen und Schlammfluten. Fruchtbarer Boden und ganze Ernten werden fortgespült. Oxfam ist vor Ort und unterstützt die Menschen: Wir pflanzen Bäume, richten Baumschulen ein und verteilen Setzlinge." Oxfam erhält für seine Arbeit u.a. Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Auch so werden Budgets des BMZ verwendet, das BMZ sendet nicht für jedes Projekt eigene Mitarbeiter vor Ort, es handelt die Rahmenbedingungen aus. Den letzten Jahresbericht von Oxfam können Sie übrigens hier einsehen.

In die Wiederaufforstung in Afrika, die 2015 am Rande des Pariser Klimagipfels beschlossen wurde, sollen 1,5 Mrd. Dollar fliessen (Spiegel). Davon stemmt allein die Weltbank 1 Mrd. Dollar. Auch das nennt sich Entwicklungshilfe. Auch die UNFCCC (United Nations Frame Convention on Climate Change) engagiert sich im Rahmen des REDD-Entwicklungshilfe-Projektes für eine Wiederaufforstung in der D.R. Kongo. Man kann getrost feststellen, dass diese Projekte ohne internationale Unterstützung nicht stattfinden würden.

Einserseits die Aufforstungsprojekte zu bejubeln, um dann eine Seite später die Entwicklungshilfe als "schädlich" zu brandmarken, halte ich für zynisch. Und darauf bezog sich mein Hinweis in Beitrag #196.

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bambata 06.07.2019, 16:12
214.

Zitat von knuty
Es kommen aber jedes Jahr weitere 38 GT fossiles CO2 noch hinzu. In 60 Jahren sind das 2.280 GT CO2, wovon etwa die Hälfte schon vom natürlichen Kohlenstoffkreislauf (mit sinkender Tendenz) aufgenommen wird.
Korrekt. Deswegen schrieb ich in diesem Beitrag auch: "Da aber weiterhin fossile Brennstoffe gefördert werden, würde eine Anpflanzung von Wäldern im großen Maßstab den gegenwärtigen Temperaturtrend zunächst bestenfalls verlangsamen. "

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karl-felix 06.07.2019, 16:19
215. Richtig

Zitat von nobody_incognito
Solang das "gebrochene" Holz nicht wieder zu CO2 und/oder Methan wird, hat es eher einen Vorteil, wenn neues Holz nachwächst und Kohlenstoff speichert. Holz als Baumaterial ist ja auch eine CO2-Senke.
und zwar über erstaunlich lange Zeiten . Ich habe mir letzte Woche einen neuen Kugelschreiber gedrechselt( der alte- schönste Pflaume, falsches Rosenholz - hatte irgendwie den Besitzer gewechselt) aus einem Tischbein . Die Beine hatte ich 1968 aus einem alten Abrissbalken ( eingebranntes Datum 1734 ) geschnitten . Angenommen , der Baum war bei der Fällung 200 Jahre alt , so steckt in meinem neuen Kugelschreiber gespeichertes C02 aus den Bauernkriegen , als die aufs Klosterdach den roten Hahn setzten .
Was einem nicht so alles in den Sinn kommt, während man so vor sich hin werkelt.
Sie haben recht. Wie alt mögen Venedigs Eichen sein ?

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nobody_incognito 06.07.2019, 16:33
216.

Zitat von karl-felix
und zwar über erstaunlich lange Zeiten . Ich habe mir letzte Woche einen neuen Kugelschreiber gedrechselt( der alte- schönste Pflaume, falsches Rosenholz - hatte irgendwie den Besitzer gewechselt) aus einem Tischbein . Die Beine hatte ich 1968 aus einem alten Abrissbalken ( eingebranntes Datum 1734 ) geschnitten . Angenommen , der Baum war bei der Fällung 200 Jahre alt , so steckt in meinem neuen Kugelschreiber gespeichertes C02 aus den Bauernkriegen , als die aufs Klosterdach den roten Hahn setzten . Was einem nicht so alles in den Sinn kommt, während man so vor sich hin werkelt. Sie haben recht. Wie alt mögen Venedigs Eichen sein ?
Na gut, bei Vendigs Eichen wurde die Wiederaufforstung etwas vernachlässigt. Dafür sind in der Region Pinien nachgewachsen, also ein Gewinn an Exotik. ;-)
Wie gesagt, es geht schon auch darum nicht mehr abzuholzen als nachwachsen kann und ja da ist die Lebensdauer der Möbel etc. schon eine Richtschnur. Generell ist es vernünftiger mehr auf Qualität und zeitlose Ästhetik zu setzen als auf modisches Wegwerf.

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hexenbesen.65 06.07.2019, 22:35
217.

und die Grünen lassen Wälder abholzen--zum Teil Jahrhundert alte Bäume: https://www.neopresse.com/politik/gruene-in-hessen-erlauben-abholzung-des-urwaldes-reinhardswald/?fbclid=IwAR2s0xZW0QMgpGwvRwInW2G9h9DnLQxaT5IKVcBq 9JKeBL-japhuvv6HDnc

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mother_sky 07.07.2019, 07:42
218. Der Gier nach Papier fällt jeder zweite Baum zum Opfer

Zu Nr. 212 bzw. 213: Schön zu hören, dass im Bereich der Entwicklungshilfe ein Umdenken stattgefunden hat, insbesondere in Müllers Büro. Und in der Tat: Ökonomie und Ökologie - das muss in der Waldwirtschaft kein Widerspruch sein, wenn Holz verantwortungsvoller und effizienter genutzt wird als bisher und wenn nicht mehr Holz verbraucht wird als nachwachsen kann. - Wie Sie sicherlich wissen, begann Europas "Entkleidung" bereits vor dem Mittelalter: Nahezu alles wurde aus Holz gebaut, nicht zuletzt Handels- und Kriegsschiffe, und auch zum Kochen und Heizen wurde es verwendet. Infolge Jahrhunderte langer großflächiger Abholzung drohte Europa zu versteppen. Erst ab dem 18. Jahrhundert wurde mit schnell wachsenden Nadelbäumen wie Fichten und Kiefern wiederaufgeforstet - monokulturell. Im Gegensatz zu früher gibt es heute zum Rohstoff Holz Alternativen, doch kein (Kunst-)Stoff kann das Naturprodukt ersetzen. Hierzu die Umweltschutzorganisation Greenpeace: "Die FAO schätzt den jährlichen weltweiten Waldverlust auf 13 Millionen Hektar - nicht nur für die Holzernte, auch für neue Siedlungs- und Agrarflächen wie etwa Ölpalmenplantagen." Jeder zweite Baum fällt der Gier nach Papier zum Opfer. Greenpeace: "Im Jahr 2016 wurden weltweit rund 414 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe verbraucht, allein in Deutschland 20 Millionen Tonnen! Im Schnitt nutzte oder verschwendete jeder von uns während eines Jahres 248 Kilogramm Papier. 1950 lag unser Jahresverbrauch noch bei 32 Kilo pro Nase, 1994 bei 194 Kilo." - Konsum braucht Regeln, das heißt: sparsamer Umgang mit Holz und Papier und nur Ware aus ökologischer Waldnutzung - bzw. noch besser: Recycling-Ware! Greenpeace: "Auch die letzten Urwälder der Erde, von den Nadelwäldern im hohen Norden bis zu den tropischen Regenwäldern am Äquator, sind bedroht. Greenpeace kämpft für ihre Rettung, bisher sind weniger als 20 Prozent der noch intakten Wälder geschützt. Urwälder sind Schatzkammern der Artenvielfalt und als gigantische Kohlenstoffspeicher unverzichtbar für den Klimaschutz. Zudem sind sie die Heimat indigener Völker, etwa der Yanomami in Brasilien oder der Penan in Malaysia. Sie leben im Einklang mit 'ihren' Wäldern, die ihnen Schutz, Wasser, Früchte und Fleisch, Heilpflanzen und Baumaterial schenken." (www.greenpeace.de/themen/waelder/waldnutzung)

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mother_sky 07.07.2019, 08:35
219. Gier nach Papier immens

Zu Nr. 212 und Nr. 213 von "bambata": Schön zu hören, dass im Bereich der Entwicklungshilfe ein Umdenken stattgefunden hat, insbesondere in Müllers Büro. Und in der Tat: Ökonomie und Ökologie -- das muss in der Waldwirtschaft kein Widerspruch sein, wenn Holz verantwortungsvoller und effizienter genutzt wird als bisher und wenn nicht mehr Holz verbraucht wird als nachwachsen kann. -- Wie Sie sicherlich wissen, begann Europas Entkleidung bereits vor dem Mittelalter: Nahezu alles wurde aus Holz gebaut, nicht zuletzt Handels- und Kriegsschiffe, und auch zum Kochen und Heizen wurde es verwendet. Infolge Jahrhunderte langer großflächiger Abholzung drohte Europa zu versteppen. Erst ab dem 18. Jahrhundert wurde mit schnell wachsenden Bäumen wiederaufgeforstet -- mit Fichten und Kiefern und damit (leider!) monokulturell. Im Gegensatz zu früher gibt es heute zum Rohstoff Holz Alternativen, doch kein (Kunst-)Stoff kann das Naturprodukt ersetzen. Hierzu die Umweltschutzorganisation Greenpeace: "Die FAO schätzt den jährlichen weltweiten Waldverlust auf 13 Millionen Hektar -- nicht nur für die Holzernte, auch für neue Siedlungs- und Agrarflächen wie etwa Ölpalmenplantagen." Jeder zweite Baum fällt der Gier nach Papier zum Opfer. Greenpeace: "Im Jahr 2016 wurden weltweit rund 414 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe verbraucht, allein in Deutschland 20 Millionen Tonnen! Im Schnitt nutzte oder verschwendete jeder von uns während eines Jahres 248 Kilogramm Papier. 1950 lag unser Jahresverbrauch noch bei 32 Kilo pro Nase, 1994 bei 194 Kilo." -- Konsum braucht Regeln, das heißt: sparsamer Umgang mit Holz und Papier und nur Ware aus ökologischer Waldnutzung -- bzw. noch besser: Recycling-Ware! Greenpeace: "Auch die letzten Urwälder der Erde, von den Nadelwäldern im hohen Norden bis zu den tropischen Regenwäldern am Äquator, sind bedroht. Greenpeace kämpft für ihre Rettung, bisher sind weniger als 20 Prozent der noch intakten Wälder geschützt. Urwälder sind Schatzkammern der Artenvielfalt und als gigantische Kohlenstoffspeicher unverzichtbar für den Klimaschutz. Zudem sind sie die Heimat indigener Völker, etwa der Yanomami in Brasilien oder der Penan in Malaysia. Sie leben im Einklang mit 'ihren' Wäldern, die ihnen Schutz, Wasser, Früchte und Fleisch, Heilpflanzen und Baumaterial schenken." (www.greenpeace.de/themen/waelder/waldnutzung)

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