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Krawalle in Chemnitz: Wie man Nazis erkennt
DPA

Offenbar haben manche Ostdeutsche, aber auch einige westdeutsche Journalisten, Schwierigkeiten, Nazis zu erkennen und einzuordnen. Hier ein paar einfache Tipps.

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*Querdenker* 02.09.2018, 14:56
220.

"Wie man Nazis erkennt"
Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die stramm CDU gewählt hat und nie die Hand zum Hitlergruß gehoben hätte. Trotzdem war/ist die Gesinnung stark rechts. Die wären auch nie zu Demos gegangen. Aber dann hört man sich zuhause Sprüche an wie: "Der stinkt wie ein Jud aus`m Buchsenlatz" oder "So einen kleinen Hitler könnten wir mal wieder gebrauchen" oder "Einen Juden erkennt man daran, dass er seinen Kopf schräg hält" Wenn das keine Nazis gewesen sein sollen? Man hat sie nur nicht erkannt. Es waren brave Mitglieder in der CDU. Man erkennt Nazis nicht unbedingt so schnell. Es geht doch nicht um äußere Zeichen, es geht um Gesinnung! Als ich mich dann später in ener sozialistischen studentischen Fachschaftsgruppierung engagiert habe, bin ich zuhause rausgeflogen. Ich habe die Kontakte zu meiner Familie komplett abgebrochen. Da soll es aber auch so einen SPD-Politiker geben, der sich ähnlich verhalten hat. Aber Nazis erkennt man an ihrer Gesinnung und diversen Äußerungen!

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Bananenschale 02.09.2018, 15:01
221. Der Nazismus ist die Antithese zu den bestehenden Verhältnissen!

Zitat von Geldfisch
Auf diesen Beitrag habe ich schon lange gewartet. Ich kann dieses "ernstnehmen besorgter Bürger" nicht mehr hören. Wer sich an solchen Aufmärschen, denn es sind keine Demonstrationen, beteiligt, befürwortet Nazis.
Damit ist aber unmöglich gegen die i.Ü. typisch westdeutsche Bigottrie aufzubegehren.

Ein Nazi ist nicht durch die Parole "Frei, sozial und national!" gekennzeichnet. Diese Parole nämlich beschreibt eine Utopie der Freiheit, der sozialen Sicherheit und eines Rahmens ( die Nation ) der Sicherheit z.B. gegen die Wendungen der Globalisierung bietet. Man kann das Ideal der Nation i.S. der französischen Revolution definieren. Und in diesem Sinne gehören alle zu Nation, die hier leben. Somit auch Migranten. Konkret: Auch Mesud Ozil und Ilkay Gündogan gehören zu unserer Nation. Nur das es klar ist.

Ihr wollt den Leuten den Mund verbieten, damit Ihr Euren Stiefel weitereiten könnt; das ist Euer Problem!

Wieso wurden die Ausgaben in Infrastruktur, Bildung und Sicherheit heruntergefahren, wiewohl das Gegenteil geboten war? Weil die Bundesländer qua GG dazu verpflichtet sind ab 2022 ( Das Datum habe ich jetzt nicht geprüft. ) ausgeglichene Haushalte vorzulegen. Wieso wird dieser Zusammenhang nicht hergestellt?! Es ist doch sonnenklar, daß die Einnahmen der öffentlichen Hand zu klein sind, um das Spektrum ihrer Aufgaben abzudecken. Doch warum sind sie zu klein? Weil Kapitaleinkünfte nur gering besteuert werden und Kapitaleinkünfte keinen Beitrag zum Sozialsystem im weitesten Sinne leisten; weil große Unternehmen sich steuerfrei rechnen. Wird dagegen vorgegangen? Nein! Warum? Lobbyismus! Das Ideal der Nation verspricht eine Begrenzung des Lobbyismus in der Politik. Historisch betrachtet ist das natürlich ein Trugbild. Denn im späten 19 und frühen 20 Jahrhundert war es die Internationalisierung, von der man sich eine Begrenzung solche Einflüsse erhoffte.

Nazis im engeren Sinne sind Personen ( z.B. Höcke ), deren Weltbild und Gestaltungsvorstellungen nur aus Haß und Mord bestehen. Das wird man aber nicht jedem, der z.B. mit oben genannte Parole liebäugelt, unterstellen können. Die Widerrede, das es ob der Folgen des Nationalsozialismus keinen Sinn macht, zwischen Nazis "im engeren" Sinne und sonstwelchen zu unterscheiden, ändert nichts. Man muß zwischen ethischen, politischen und gesellschaftlichen Sichtweisen unterscheiden. Hier wird gerne gemogelt. Politische und gesellschaftspolitische Vorgänge lassen sich mit ethischen Kategorien weder beschreiben noch sinnvoll bewerten!

Der Nazismus ist die Antithese zu den bestehenden Verhältnissen, dieser ewigen, nicht enden wollenden Bigotterie. Und solange man sich dieser Tatsache nicht stellt, gibt es keine Möglichkeit die Renaissance des Nazismus abzuwenden.

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mucschwabe 02.09.2018, 15:02
222. Sehr guter Artikel

Genau so ist es. Nazis muss man ausgrenzen und man darf für dieses Gedankengut kein Verständnis zeigen.
Das hat in Deutschland auch lange Zeit sehr gut funktioniert. Aber seitdem die AfD im Bundestag sitzt und andere Parteien (z.B. die CSU) versuchen, die Positionen teilweise anzunehmen bzw. den Fremdenhass der besorgten Bürger versuchen zu verstehen, werden fremdenfeindlichen Positionen gesellschaftsfähig. Konsequente Ausgrenzung und kein Verständnis für die sogenannten besorgten Bürger, ist besser.

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draco2007 02.09.2018, 15:05
223.

Zitat von linkernazi
Eine Frage an den Autor habe ich dann aber doch: sollten dann Linke Demonstranten, die an einer Demonstration teilnehmen, aus der Steine auf andere Menschen (oder) Polizisten geworfen werden, Fenster eingeworfen und Autos angezündet also quasi von RAF Terroristen (Sympatisanten), oder Linksradikalen, die da mit laufen, diese auch sofort melden, oder die Demonstration verlassen?! Sind das dann alle auch RAF Terroristen, oder Linksradikale? Habe ich Sie da richtig verstanden?!
Menschen, die sich NICHT von Krawallmachern distanzieren, ja die würde ich auch im Mindesten Linksradikale-Mitläufer nennen.

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shotaro_kaneda 02.09.2018, 15:05
224.

Einen dümmeren Kommentar zum Thema hab ich ehrlich gesagt noch nicht gelesen. Intelligenter differenzierter Journalismus geht anders. Zum Glück rückt inzwischen der Großteil der Presselandschaft vom Sachsenbashing ab. Von wegen alles Nazis. Mit ihrer Definition wird jeder Protest, an dem auch nur einer diese Dummköpfe mitmarschiert zum Naziaufmarsch. Ein Protest gegen die Asyl- und Migrationspolitik wird damit unmöglich, da sich immer ein Dummkopf finden wird, der da mitmarschiert und auf den werden dann die Kameras gerichtet. Mit ihrem unmöglichen Argumentationsstil begeben sie sich sogar auf das Argumentationsniveau derer, die sie bekämpfen möchten und treiben die Spaltung voran. Ich fand die Herz statt Hetze Demo gut und fand den "Trauermarsch" der AfD zumindest legitim. Ich selbst würde auf beiden Seiten allerdings nicht mitlaufen, da ich mich weder von der einen, noch der anderen Seite vereinnahmen lassen möchte, da ich gegen die aktuell geführte CDU-Regierung bin, allerdings aus weit mehr Gründen als der Asylpolitik. Und aus gleichen und anderen Gründen würde ich auch nie AfD wählen. Aber inzwischen gibts ja nur noch schwarz oder weiß.

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haarer.15 02.09.2018, 15:05
225. Sie sind schon mitten unter uns - leider

Herr Stöcker hat das sehr gut auf den Punkt gebracht. Einfache Tipps, die hoffentlich zum Nachdenken anregen. Vorallem bei jenen, die sich diesem rechtsextremen rassistischem Gedankengut nahe fühlen, mitlaufen und alle Gefahren unterschätzen. Es gibt hier nichts zu bagatellisieren oder gar schönzureden. Danke !

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practicus 02.09.2018, 15:07
226. Falsches Foto

Die gereckte Faust hat mit Nazis nichts zu tun - das könnte auch der "schwarze Block" ohne Vermummung sein oder sonst x-beliebige Randalebrüder.
Die Überlegung, MIT WEM man da demonstriert, sollte allerdings auch für andere "macht kaputt was euch kaputtmacht"-Demos (Hamburg, Frankfurt) gelten, auch da decken die friedlichen Demo-Teilnehmer Landfriedensbruch und Gewalt gegen Sachen und Personen - trotzdem unterstellt ihnen niemand, sie würden sich mit dem "schwarzen Block" und seinen Handlungen solidarisieren. Man kann nicht ernsthaft hingehen und Bürgern das Demonstrationsrecht absprechen, weil radikale Grüppchen das Thema für sich beanspruchen.
Wut ist ein Gefühl, das aus einer hilflosen Position der Schwäche und des Verlusts an Sicherheit (im allgemeinen Sinn) entsteht. Nicht zuletzt fordern ja die Demonstranten nicht ganz zu unrecht die gleichmäßige Durchsetzung des Rechts und beklagen, dass Mord und Mordversuch durch einen ausreisepflichtigen illegalen Immigranten bei Anwendung geltenden Rechts nicht hätten stattfinden können.

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H.Schirmer 02.09.2018, 15:10
227. Fehlende Differenziertheit - Sie machen den gleichen Fehler!

Zitat von Karlmarxstädter
Aber: was gar nicht geht ist das von einigen/vielen Kolumnisten und Foristen
Lieber Karlmarxstädter - Sie beklagen die fehlende Differenziertheit, genau wie ich (Beitag 41). Nun machen Sie aber den Fehler und nennen die Beiträge und Foristen nicht beim Namen, die Ihnen so sauer aufstoßen. So schwebt Ihre (vermutlich berechtigte!) Kritik allgemein im Raum, und es darf sich jeder oder keiner angesprochen fühlen. Nennen Sie doch Namen oder Beitragsnummern, wenn Sie Ihre Kritik ernst meinen!

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sandman316 02.09.2018, 15:12
228. Kolumne

Ich kann mit dem Autor leider nur begrenzt übereinstimmen.

1. Es gibt Menschen in Chemnitz, die fassungslos und einfach schockiert sind, dass in ihrer Stadt ein Mensch mit mehreren Messerstichen ermordet worden ist.
2. es gibt Menschen, die genauso fassungslos und schockiert sind, dass der mutmaßliche Täter bereits polizeilich bekannt war und nicht abgeschoben worden ist.
3. Diesen Menschen, und ich halte bei weiten nicht jeden Teilnehmer der vergangenen Demonstrationen für einen Nazi, Wird keine Plattform gegeben, dass sie sozusagen ihre Gefühle zum Ausdruck bringen können.

Jeder Teilnehmer wird in die rechte Ecke gedrängt. Das ist für mich reines Schubladendenken.

Um die Stimmung zu polarisieren bedarf es solche Kolumnen nicht wirklich. Es würde mich aber trotzdem erfreuen, wenn der Autor zeitnah eine Kolumne zum Thema linksgerichtete Demonstrationen und deren Teilnehmer verfassen würde und bin auf die Leserkommentare schon sehr gespannt.

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fflorian 02.09.2018, 15:14
229. Begriff der Offenen Gesellschaft missverstanden - erst informieren!

Zitat von ggneba
Mein persönliches Dilemma ist folgendes: Wenn zu einer Demo "Gegen Rassismus und Rechtsruck" aufgerufen wird, könnte ich mich leicht einreihen. Wenn zusätzlich "für offene und freie Gesellschaft" demonstriert wird,. ist es schon schwieriger. Die Organisatoren meinen (so mutmaße ich) eine Gesellschaft, die grenzenlos für Flüchtlinge und Migranten ist (das nehme ich aus der Diskussion der zurückliegenden Jahre deutlich an). Ich selbst bin für eine restriktive Flüchtlingspolitik, die stark differenziert, was politisches Asyl und gewünschte Migration betrifft. Daher schließt sich eine Teilnahme an so einer Demo aus. [...]
Sie haben da wohl etwas missverstanden - oder sind sie generell gegen die Demokratie? Die Offene Gesellschaft ist ein feststehender Begriff, der von dem österreichisch-britischen Philosophen Karl Popper aus der Tradition des Liberalismus entwickelt wurde und von einer starken Gewaltenteilung ausgeht, um Machtakkumulation und Machtmissbrauch möglichst auszuschließen und Liberalität und Toleranz besonders hervorhebt. Die liberale Demokratie und die Offene Gesellschaft sind insofern annähernd bedeutungsgleich. Das hat nichts mit einer bestimmten Einstellung in der Migrationspolitik zu tun. Sie mutmaßen also falsch. Karl Popper hat allerdings noch etwas anderes gesagt, und das ist ganz entscheidend und hat z.B. die Politik Helmut Schmitds im sog. "Deutschen Herbst" beeinflusst: Eine offene (= demokratische, liberale, freiheitliche) tolerante Gesellschaft muss intolerant sein gegenüber denen, die diese grundlegend als "System" ablehnen und bekämpfen und abschaffen wollen. Und das ist bei den Rechtsextremen/Nazis der Fall. Jedes Verständnis und jede Akzeptanz für sie ist daher unangebracht. Und jedes Mitlaufen ist ein Sich-Gemeinmachen mit denen, die unsere Offene Gesellschaft zerstören wollen. Wer sich nicht distanziert, ist nicht ignorant oder nur "Wutbürger", sondern stellt sich auf die Seite der Feinde der Offenen Gesellschaft. Übrigens heißt das entsprechende Hauptwerk Karl Poppers nicht umsonst: "Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde". Herr Stöcker sagt im Grunde nichts anderes: Er formuliert es nur weniger wissenschaftlich, journalistisch pointiert und "launig". Die Feststellung ist doch klar: Wer sich von Rechtsextremen nicht distanziert oder sogar mit ihnen mitläuft, ist ein Unterstützer.

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