Forum: Wissenschaft
Krawalle in Chemnitz: Wie man Nazis erkennt
DPA

Offenbar haben manche Ostdeutsche, aber auch einige westdeutsche Journalisten, Schwierigkeiten, Nazis zu erkennen und einzuordnen. Hier ein paar einfache Tipps.

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derHamlet 02.09.2018, 17:21
270.

Zitat von surmount
Im Umkehrschluss ist dann aber auch jede Demonstration die vom Schwarzen Block begleitet wird, eine linksextreme Demonstration. Und genau das ist das Dilemma. Der Bürger der Mitte macht sich heute fast zwangsläufig gemein mit linken und rechten Extremisten.
Guten Tag surmont,

nicht mehr an Demonstrationen teilnehmen.

Ich halte generell nichts von Demonstrationen, da der Demonstrierende die Autorität, den Machtbesitzer lediglich nur darum bittet sein Verhalten zu ändern und somit seine Machtlosigkeit veranschaulicht.
Sie bestätigen bloß durch diese Handlungsweise das politische Herrschaftssystem, ändern jedoch nichts an dessen Vorgehen.

Viel wäre gewonnen und vor allen Dingen friedlicher, wenn ein jeder nach seiner politischen und ideologischen Weltsicht lebt und andere unbehelligt lassen würde.

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Aberlour A ' Bunadh 02.09.2018, 17:27
271. Um die Stimmung zu polarisieren?

Zitat von sandman316
Ich kann mit dem Autor leider nur begrenzt übereinstimmen. 1. Es gibt Menschen in Chemnitz, die fassungslos und einfach schockiert sind, dass in ihrer Stadt ein Mensch mit mehreren Messerstichen ermordet worden ist. 2. es gibt Menschen, die genauso fassungslos und schockiert sind, dass der mutmaßliche Täter bereits polizeilich bekannt war und nicht abgeschoben worden ist. 3. Diesen Menschen, und ich halte bei weiten nicht jeden Teilnehmer der vergangenen Demonstrationen für einen Nazi, Wird keine Plattform gegeben, dass sie sozusagen ihre Gefühle zum Ausdruck bringen können. Jeder Teilnehmer wird in die rechte Ecke gedrängt. Das ist für mich reines Schubladendenken. Um die Stimmung zu polarisieren bedarf es solche Kolumnen nicht wirklich. Es würde mich aber trotzdem erfreuen, wenn der Autor zeitnah eine Kolumne zum Thema linksgerichtete Demonstrationen und deren Teilnehmer verfassen würde und bin auf die Leserkommentare schon sehr gespannt.
Sie können ja Ihre Gefühle zum Ausdruck bringen, Sie müssen nur aufpassen wo Sie mitlaufen oder applaudieren. Dazu hat Ihnen der
Autor der Kolumne einige wertvolle Tipps gegeben. Zu Ihren drei Punkten: 1. Es wird so getan, als wenn das Messer als Tatwaffe in Chemnitz erfunden wurde. Tragische Auseinandersetzungen, in denen Stichwaffen eine Rolle spielen, gab es allerdings schon immer in Deutschland - auf Straßen, Schulhöfen und im Haushalt auch unter Familienmitgliedern. Normalerweise liest man eine solche Meldung und geht dann zur Tagesordnung über - wenn man nicht Angehöriger ist. Hier ist es natürlich anders, weil das politische Ausschlachtpotential viel größer ist. 2. Seit Jahrzehnten wählt man in Deutschland auch und insbesondere in Sachsen politische Kräfte, auf deren Agenda die öffentliche Daseinsvorsorge, personell gut ausgestattete öffentliche Verwaltungen und Strafverfolgungsbehörden nicht gerade hoch im Kurs stehen. Auf den Gedanken, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte mit der Nichtabscheidung kommt man natürlich nicht.
3. Doch. Diesen Menschen wird permanent eine Plattform gegeben.
Es gibt kaum eine Gruppe in Deutschland, die nicht multimedial von mehr Kümmerern umsorgt wird. In jeder Talkshow ist mindesten einer dabei. Ob damit ostdeutscher Anspruchssozialismus letztendlich befriedigt werden kann, weiß ich nicht. Ein Staat jedenfalls, der es als persönliche Beleidigung empfindet, wenn einer seiner Staatsbürger ausreisen will, ist aber nicht mehr zur Hand. Das sei konstatiert.

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hormiga42 02.09.2018, 17:33
272. Interessante Problemlösung

Wow, Herr Stöcker. Amüsant geschrieben. Allerdings von Linken für Linke, und wird diese Filterblase auch nicht grossartig verlassen. Wenn es so einfach wäre die Herausforderungen vor denen Europa steht zu lösen in dem man besorgten Menschen in Europa sagt "geht nach Hause und denkt an den Holocaust". Und selbst wenn Sie zuhause blieben machen Sie dann doch irgendwann ihr Kreuzchen. Die Parteienlandschaft dafür ist mit - mehr oder weniger - demokratischem Anstrich in ganz Europa vorhanden.

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xulipan 02.09.2018, 17:40
273. mehr gibt es nicht zu sagen...

...schade nur dass diese Botschaft die Adressaten wohl nicht erreichen wir

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die-metapha 02.09.2018, 17:42
274.

Zitat von drod
Zumal, und das ist die bittere Ironie, das Opfer kubanische Wurzeln und dunkle Haut hatte. Und damit zu denen gehört hätte, die von den Nazis durch Chemnitz gejagt worden wären.
Und all die besorgten Bürger die da mitgelatscht sind um zu „trauern“ waren in der Lage, dies fein auseinanderzuhalten...
Es ist schon beschämend, sich diesem Treiben überhaupt anzuschließen. Sich dann aber selbst noch zu verleugnen und darauf herausreden zu wollen, man gehöre da gar nicht dazu hat schon etwas selbstverachtendes.

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draco2007 02.09.2018, 17:43
275.

Zitat von chalchiuhtlicue
Stöcker sagt ein paar wahre Dinge in seinem Artikel, aber mit der Aussage, dass alle Demonstrationen, bei denen auch nur wenige Nazis mitlaufen, "Nazi-Demonstrationen" seien, schafft er sich und anderen linken Autoren wie z.B. dem von mir verachteten Georg Diez ein Alibi, faktenfrei und ohne sich mit der Position der politischen Gegner auseinandersetzen zu müssen, über diese herziehen zu können. Sehr passend dazu sind dann Äußerungen von Kommentatoren hier, die gleich die politische Meinungsäußerung von Menschen, die andere Ansichten als sie selbst vertreten, abwerten und die Nazi-Keule schwingen, ohne selber irgendwelche faktischen Argumente vorzutragen.
Welche faktischen Argumente brauchen sie gegen den Hitlergruß?
"Ausländer raus" ist keine Meinungsäußerung mehr. Dagegen muss man nicht argumentieren.

Und ich erkläre es ihnen auch nochmal. Wenn jemand neben mir den Hitlergruß zeigt habe ich mich von diesem "Menschen" zu distanzieren. Ich würde dem Autor hier widersprechen wollen, sie müssen nicht nach Hause gehen, ABER sie sollten sich von diesen Nazis entfernen oder die ggf. sogar direkt ansprechen und bloßstellen.

Wenn dann 200 Nazis alleine stehen, dann wird die Nazi-Demo zu einer echten Demonstration. Aber solange Nazis in der Mitte einer Demonstration geduldet werden kann ich es nur als Nazi-Aufmarsch bezeichnen.

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wir99ccw 02.09.2018, 17:55
276. Zu einfach

Die Kolumne ist klar und eindeutig geschrieben und vor kurzem hätte ich das auch so unterschrieben. Nehmen wir mal an, Kritik an der ausländerfreundlichen Politik der Regierung Merkel ist in unserem Staat erlaubt - davon gehe ich auch tatsächlich aus. Wie organisiere ich die Kritik daran, ohne Neonazis anzuziehen oder gleich in diese Ecke gestellt zu werden? Und genau da liegt die (berechtigte) Kritik an Medien und sog. Gutmenschen - und ich gehöre selbst zu beiden. Berichtet wird immer und ausschließlich über Nazis und verfassungsrechtlicher Überschreitungen. Mit der Kritik der meisten Menschen, die an so einer Demonstration teilnehmen, befasst sich niemand - das ist ja auch nicht die Meldung, die für Klicks sorgt. Medien sind nicht zentral gesteuert und man muss keine Verschwörungstheorien dahinter vermuten. Jeder Redakteur macht einfach seine Arbeit. Aber die Meldung ist nun mal der Hitlergruß und drei Sprüche, die dort gerne intoniert werden. Ganz ehrlich, ich kann den Ärger über diese Ignoranz und das sich alleine gelassen Fühlen absolut verstehen. Es ist eine extrem verkürzte und pauschalisierte Berichterstattung der Presse (man ist fast gewillt zu sagen, Presse lügt), wenn alle Merkel-kritischen Demonstranten über den einen rechten Kamm geschert werden. Und damit befördere ich genau diese Entwicklung, denn die AfD sind die einzigen, die gefühlt den Demonstranten, die sich einfach abgehängt und nicht vertreten fühlen, zuhört und die Themen aufgreift. Ich bin kein Nazi und bin auch nicht ausländerfeindlich, aber (das musste ich einfach aufgreifen) vielleicht fängt man mal an, seine in dies Höhe gehaltenen Werte und die Emphatie endlich mal anzuwenden und sich damit zu beschäftigen und nicht alles mit der pauschalen Nazi-Keule abzutun. Alle fragen sich nur immer, wie der Aufstieg der AfD so weit kommen konnte. Wer hat eine Antwort darauf? Sind alles Nazis und zack ist die Schublade und damit jegliche weitere Erörterung mit dem Thema passé.
Leider ist es so einfach nicht...

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sandman316 02.09.2018, 18:01
277. Kolumne

Leider weiß ich nicht wie man die Zitate in den Kommentar einfügen kann , deswegen Bedanke ich mich jetzt allgemein für das feedback.

Ich bin weder Chemnitzer noch bin ich irgendwo mit gelaufen und ich möchte auch nicht darauf hingewiesen werden ob ich irgendwo eine Talkshow angucken muss die mir erklärt wie ich zu denken und zu handeln habe. Noch bin ich in der Lage mich soweit zu informieren und mir meine Meinung zu machen wie ich es für richtig halte.
In diesem Forum gab es einige Kommentare, die ich befürworte. Es ist leicht , sich auf das Geschehene zu berufen und sicherlich konstruktiv, Mitläufer zu verurteilen. Allerdings stimmt es mich traurig, dass es wenig Optionen seitens der Kritiker gibt, um eine Eskalation im Osten weiter zu verhindern. Ich schließe mich der Meinung einiger Kommentatoren hier an ,dass hier unsere Regierung versagt hat. Natürlich ist es ein Ergebnis der fast letzten 30 Jahre jedoch würde ich es begrüßen, wenn von den großen Parteien eine deutliche Präsenz zu erwarten wäre. Schade, dass das offensichtlich nicht die Meinung der Mehrheit ist. Sondern man sich lieber über Nazis und die afd aufregen möchte und über Bürger, die mitlaufen. Natürlich hinterlässt das kein gutes Bild, wenn sich die AFD nun die Chance nicht entgehen lässt, und jetzt werde ich polemisch, Flagge zu zeigen. Aber wäre es nicht begrüßenswert, wenn die großen vier Volksparteien ebenfalls in Chemnitz eine Aufwartung gemacht hätten? Wird also das ganze Thema doch nur von den Medien so sehr hoch gepusht, um von den eigentlichen Problemen, die in Deutschland waren, sind und immer weiter entstehen, abzulenken?

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die-metapha 02.09.2018, 18:09
278.

Zitat von wir99ccw
Und damit befördere ich genau diese Entwicklung, denn die AfD sind die einzigen, die gefühlt den Demonstranten, die sich einfach abgehängt und nicht vertreten fühlen, zuhört und die Themen aufgreift.
Bitte was - die einzigen, die zuhören...?
Die hören nicht mal zu sondern nutzen diese Menschen als Multiplikatoren für ihren herrischen Unsinn.
Seit der Wahl dieser Vertreter von besorgten Bürgern sind die nicht mit einer substanziellen und demokratisch, dem Grundgesetz verpflichteten und legitimen Lösungsvirachlag zu irgend einem dieser Themen dahergekommen sondern versuchen einen ideologischen Flächenbrand zu ihren Gunsten zu entfachen.

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Velociped 02.09.2018, 18:14
279. Dumpfbacken

Der Satz am Anfang bringt es auf den Punkt: "ob man nicht die Verbrechen der Nazizeit verniedliche, wenn man jede rechtsradikale Dumpfbacke als Nazi bezeichnet" Alles andere ist nur faschistoide "wer nicht für uns ist, ist gegen uns" Gerede.
Das ist gruppendynamisch gedacht. Lasst sie uns ausgrenzen, dann werden sie weniger werden. Doch dadurch, dass wir Chemnitzer die gegen den Messerangriff auf 3 Leute und den unzureichenden Schutz der Polizei demonstrieren als Nazis bezeichnen, werden diese Leute vielleicht tatsächlich zu Nazis. Wir haben das beim Anti-WAA-Protest gesehen. Das waren bodenständige Bauern, die traditionell CSU gewählt hatten und mit Linken oder schwarzem Block nie was zu tun haben wollten. Dadurch, dass diese bodenständigen Bauern mit dem schwarzen Block in einen Topf geschmissen wurden, wurde der Widerstand geeint und gestärkt. Die Bauern haben gemerkt, dass die Regierung gegen sie arbeitet und dass der schwarze Block so schlimm doch gar nicht ist.
Auch wenn sich die Ausgrenzung von Menschen, die nicht die gleichen Toleranzschwellen haben, angenehm anfühlt. Christian Stöckers Ansatz ist ein gutes Rezept, die Anzahl der echten Nazis zu erhöhen. Politische Bewegungen werden dadurch stark, dass sie mit Problemen identifiziert werden, die nicht ausreichend oder nicht richtig im Fokus der etablierten Kräfte stehen. Diese Identifikation ist für die meisten politischen Bewegungen viel Arbeit. Bei den Neonazis nehmen wir diesen diese Arbeit ab.
Hitler fand Autobahnen gut und viele Betonköpfe finden sie immer noch gut. Trotzdem würde niemand alle Autobahnbefürworter als Nazis bezeichnen. Es geht also durchaus nicht nur um Nudelsoßen. Wenn sich Nazis zum Umweltschutz bekennen, dann bedeutet dies nicht, dass Umweltschutz nun rechtsradikal ist.
Aber in Wirklichkeit drückt sich Christian Stöcker um die Frage, wer "Nazi" ist. Sicherlich gibt es Erkennungsmerkmale, die sich diese selbst gegeben haben. Aber jenseit davon, woran erkennt man eine Nazi-Einstellung? Ist Nazi nur wer Juden vergasen will und ist Nazi jede*r, die Juden vergasen will? Würden wir daher den IS als Nazi bezeichnen? Die Nazis haben eine deutliche Aufrüstung und eine militärische Expansionspolitik betrieben. Ist damit jede*r Imperialist*in Nazi? Die Nazis haben Kritiker*innen eingesperrt und ermordert. Sind daher alle Terrorregime Nazis? Die Nazis haben eine fürchterliche Rassenpolitik betrieben. Die Arier*innen als Herrenrasse und alle anderen als niedere Rassen. Waren daher Sklavenhalter*innen in den USA auch Nazis oder waren diese einfach "nur" Rassist*innen?
Es wird deutlich, dass man Nazi sein nicht einfach über die Verbrechen der Nazis definieren kann. Damit bleibt eigentlich nur, dass Nazis sind, die sich als solche zu erkennen geben. Diese Definition ist natürlich viel zu schwach. Daher wird sie ergänzt darum, dass nun alle Nazis sind, die sich nicht von denjenigen deutlich abgrenzen, die sich als Nazis zu erkennen geben. Damit wird Nazi sein von der Ebene der Naziverbrechen gelöst und in ein rein gruppendynamisches Konstrukt gepresst. Besser hätten die Nazis eine Loslösung von ihrem verbrecherischen Erbe selbst nicht anstellen können.

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