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Krawalle in Chemnitz: Wie man Nazis erkennt
DPA

Offenbar haben manche Ostdeutsche, aber auch einige westdeutsche Journalisten, Schwierigkeiten, Nazis zu erkennen und einzuordnen. Hier ein paar einfache Tipps.

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fördeanwohner 02.09.2018, 18:22
280.

Zitat von wir99ccw
Die Kolumne ist klar und eindeutig geschrieben und vor kurzem hätte ich das auch so unterschrieben. Nehmen wir mal an, Kritik an der ausländerfreundlichen Politik der Regierung Merkel ist in unserem Staat erlaubt - davon gehe ich auch tatsächlich aus. Wie organisiere ich die Kritik daran, ohne Neonazis anzuziehen oder gleich in diese Ecke gestellt zu werden? Und genau da liegt die (berechtigte) Kritik an Medien und sog. Gutmenschen - und ich gehöre selbst zu beiden. Berichtet wird immer und ausschließlich über Nazis und verfassungsrechtlicher Überschreitungen. Mit der Kritik der meisten Menschen, die an so einer Demonstration teilnehmen, befasst sich niemand - das ist ja auch nicht die Meldung, die für Klicks sorgt. Medien sind nicht zentral gesteuert und man muss keine Verschwörungstheorien dahinter vermuten. Jeder Redakteur macht einfach seine Arbeit. Aber die Meldung ist nun mal der Hitlergruß und drei Sprüche, die dort gerne intoniert werden. Ganz ehrlich, ich kann den Ärger über diese Ignoranz und das sich alleine gelassen Fühlen absolut verstehen. Es ist eine extrem verkürzte und pauschalisierte Berichterstattung der Presse (man ist fast gewillt zu sagen, Presse lügt), wenn alle Merkel-kritischen Demonstranten über den einen rechten Kamm geschert werden. Und damit befördere ich genau diese Entwicklung, denn die AfD sind die einzigen, die gefühlt den Demonstranten, die sich einfach abgehängt und nicht vertreten fühlen, zuhört und die Themen aufgreift. Ich bin kein Nazi und bin auch nicht ausländerfeindlich, aber (das musste ich einfach aufgreifen) vielleicht fängt man mal an, seine in dies Höhe gehaltenen Werte und die Emphatie endlich mal anzuwenden und sich damit zu beschäftigen und nicht alles mit der pauschalen Nazi-Keule abzutun. Alle fragen sich nur immer, wie der Aufstieg der AfD so weit kommen konnte. Wer hat eine Antwort darauf? Sind alles Nazis und zack ist die Schublade und damit jegliche weitere Erörterung mit dem Thema passé. Leider ist es so einfach nicht...
Doch, es ist ziemlich einfach. Organisieren Sie doch eine Demo, in der Sie dafür demonstrieren, dass die derzeitige Regierung mehr Mittel bereitstellt, um Leute auszubilden, die bei der Integration helfen können, die Asylanträge bearbeiten, die sinnvolle Abschiebungen durchführen können, die politische Bildung vermitteln, die den Sumpf in bestimmten Ämtern durchforsten ...
Man muss nicht bei Nazis mitmarschieren, wenn man doch eigentlich nicht Nazi und fremdenfeindlich ist. Solange man das aber tut, kann man nicht verlangen, nicht in die Nazi-Ecke gestellt zu werden. So einfach ist das.

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dgross 02.09.2018, 18:26
281. Klasse gemacht

Sehr pointierter Beitrag, Kompliment. Ich fürchte allerdings, dass das Zielpublikum derartige Artikel nicht liest?

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jutta_weise 02.09.2018, 19:31
282. ich bitte Sie......

vos amis francais devrait regarder les vidéos des débordements à Paris le 14 juillet contre des magasins des immigrés et autres.... en plus on ne voyait pas leur visages car ils étaient tous masqué!

Franzosen müssen sich nicht aufregen nur weil sowas hier passiert. Marie le Pen war Präsidentenanwärterin und viele Departements werden von der FN regiert. Also sagen Sie Ihren Freunden sie sollen den Bach flach halten. Ich bin übrigens Halbfranzösin kenne also die Situation auch dort. Es ist aber inzwischen ein europäisches Problem und die Umgarnung von islamischen Ländern spielt sicher auch eine Rolle, dass sich unsere Wahrnehmung verändert hat.
Bonjour à Paris ;o))
P.S. Schauen Sie sich nur die Hassmails gegen die Comikerin Constance und die attackierte Marie Laguerre. Das ist unter aller Würde! Unsere Gesellschaften sollten wirklich ihr Gewissen befragen bei alle dem Hass der sich breitmacht.
https://www.huffingtonpost.fr/2018/09/01/lhumoriste-constance-devoile-les-messages-honteux-recus-depuis-quelle-est-apparue-seins-nus-sur-france-inter_a_23514561/

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jutta_weise 02.09.2018, 19:55
283.

Zitat von Nubari
Sie haben ja so recht, egyptwoman. Wer sind diese Leute, die AfD wählen? Es gibt eine einfache Antwort: entweder sind sie Nazis oder auf dem Wege dazu, Nazi zu werden. Schrecklicher Gedanke, doch wenn man die Aussagen der AfD und die Facebook-Einträge ihrer Anhänger zu Ende denkt, ist das die Erkenntnis und die schlimme Ahnung, wo das hinführen wird. Wie Sie andeuten, die NSDAP wurde (trotz vehementer aber inhomogener Opposition) demokratisch in die Regierung gewählt. Im Januar 1933 erhielt die NSDAP 43,9 Prozent aller Wählerstimmen und krempelte dann die deutsche Demokratie zum tödlichen Unrechtsstaat um. Wer waren diese vielen Wähler der NSDAP? Es waren wie die Wähler der AfD Nazis und werdende Nazis, plus einige Dummköpfe. Alle fühlten sich mit den Aussagen und Versprechungen dieser Partei wohler als mit denen der übrigen Parteien, genauso geht es den Wählern der AfD. Es sind "normale" Mitbürger und Nachbarn; sie sind jung und alt, arm und begütert, mit oder ohne Arbeitsplatz, aber jeder ist entweder bereits Nazi oder dabei, ein Nazi zu werden.
die FN in Frankreich, ungefähr vergleichbar mit der AfD, unter Marie le Pen bekam bei den letzten Wahlen 21,53% der Stimmen. Sie war eine von 2 Personen die zur Wahl des französischen Präsidenten stand. Es gibt eine Reihe Departements die von der FN regiert werden. Würden Sie sagen, dass Frankreich unter Demokratieschwund leidet oder kein Rechtsstaat mehr ist? Verstehen Sie mich nicht falsch. Aber Marie le Pen hat den etablierten Parteien die Mißstände aufgezeigt unter der das Land leidet. D.h. diese müssen sich anstrengen um den Menschen mehr Perspektive und Alternativen zum Althergebrachten zu geben. Solche Parteien, auch die AfD, sind dazu da wachzurütteln, die regierenden Politiker aufzuscheuchen was im Land schief läuft. Denn viele der AfD Wähler, so wie die der FN, sind Protestwähler, die die Nase voll haben von Agenda 2010, Hartz4 sowie den Ungerechtigkeiten etc. Das heißt aber noch lange nicht, das die BRD in ihrer Demokratie, die ja seit 70J. fest in Europa verankert ist, oder die Staatsrechtlichkeit zerbrechen.

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Trollflüsterer 02.09.2018, 20:18
284. Verstößt gegen was?

Wunderbar gut geschrieben. Der Schreibstil erinnert mich positiv ein wenig an die "Sendung mit der Maus",... "kennt ihr nicht?... erklär ich euch."
Und der kleine Einwurf mit der Blausäure hat mir auch sehr gefallen.

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derHamlet 02.09.2018, 20:25
285.

Zitat von jutta_weise
die FN in Frankreich, ungefähr vergleichbar mit der AfD, unter Marie le Pen bekam bei den letzten Wahlen 21,53% der Stimmen. Sie war eine von 2 Personen die zur Wahl des französischen Präsidenten stand. Es gibt eine Reihe Departements die von der FN regiert werden. Würden Sie sagen, dass Frankreich unter Demokratieschwund leidet oder kein Rechtsstaat mehr ist? Verstehen Sie mich nicht falsch. Aber Marie le Pen hat den etablierten Parteien die Mißstände aufgezeigt unter der das Land leidet. D.h. diese müssen sich anstrengen um den Menschen mehr Perspektive und Alternativen zum Althergebrachten zu geben. Solche Parteien, auch die AfD, sind dazu da wachzurütteln, die regierenden Politiker aufzuscheuchen was im Land schief läuft. Denn viele der AfD Wähler, so wie die der FN, sind Protestwähler, die die Nase voll haben von Agenda 2010, Hartz4 sowie den Ungerechtigkeiten etc. Das heißt aber noch lange nicht, das die BRD in ihrer Demokratie, die ja seit 70J. fest in Europa verankert ist, oder die Staatsrechtlichkeit zerbrechen.
Guten Abend Jutta Weise,

also diese Menschen wählen etwas, was sie so gar nicht wollen und nennen die Protest?
Was für eine Verkommenheit.
Von klein auf bekommen viele beigebracht, steh zu deiner Meinung, ihr werdet in einer Demokratie aufwachsen.

Die anderen, ja ok haben nichts anderes gelernt: wenn ich nicht das bekomme, was ich will, wähle ich das Gegenteil.

Geradezu absurd und bar jeder Vernunft.

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PSBBM 02.09.2018, 20:39
286. Keine Macht den Populisten und Radikalen

Prominente Rechtspopulisten haben dieser Tag offen gezeigt wie wenig Distanz sie zum rechtsradikalen Lager haben. Man sympathisiert ungeniert miteinander, obwohl in Chemnitz auf offener Straße unschuldige, ausländisch aussehende Menschen angegriffen wurden. Heute im Jahr 2018 in der Bundesrepublik Deutschland. Das muss jedem aufrechten Demokraten ein Warnsignal sein. Ja auch mich macht es wütend wenn Menschen, die Gäste in unserem Land sind unsere Gastfreundschaft missbrauchen und schlimme Straftaten begehen. Ja dagegen muss etwas getan werden. Das ist aber die Aufgabe von Polizei und Staatsanwaltschaft und eben nicht die Aufgabe sogenannter „besorgter Bürger“. Den Radikalen geht es darum die Menschen aufzuhetzen, ein irrationales Gefühl der Angst zu schüren, Einzelfälle zu instrumentalisieren. So wollen Sie unsere Demokratie destabilisieren. So streben sie an die Macht. Aber eine Demokratie benötigt Demokraten, die diese schützen und bewahren. Darum kann man die Rechtspopulisten nicht gewähren lassen. Darum muss man den Radikalen offen widersprechen. Den wenn die Ausländer dann draußen sind, wer ist dann als nächster dran? Welche hart erkämpften Rechte werden die Radikalen uns dann nehmen? Denkt nach Leute. Habt ihr im Geschichtsunterricht geschlafen?

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k.Lauer 02.09.2018, 20:54
287.

Zitat von fflorian
Sie haben da wohl etwas missverstanden - oder sind sie generell gegen die Demokratie? Die Offene Gesellschaft ist ein feststehender Begriff, der von dem österreichisch-britischen Philosophen Karl Popper aus der Tradition des Liberalismus entwickelt wurde und von einer starken Gewaltenteilung ausgeht, um Machtakkumulation und Machtmissbrauch möglichst auszuschließen und Liberalität und Toleranz besonders hervorhebt. Die liberale Demokratie und die Offene Gesellschaft sind insofern annähernd bedeutungsgleich. Das hat nichts mit einer bestimmten Einstellung in der Migrationspolitik zu tun. Sie mutmaßen also falsch. Karl Popper hat allerdings noch etwas anderes gesagt, und das ist ganz entscheidend und hat z.B. die Politik Helmut Schmitds im sog. "Deutschen Herbst" beeinflusst: Eine offene (= demokratische, liberale, freiheitliche) tolerante Gesellschaft muss intolerant sein gegenüber denen, die diese grundlegend als "System" ablehnen und bekämpfen und abschaffen wollen. Und das ist bei den Rechtsextremen/Nazis der Fall. Jedes Verständnis und jede Akzeptanz für sie ist daher unangebracht. Und jedes Mitlaufen ist ein Sich-Gemeinmachen mit denen, die unsere Offene Gesellschaft zerstören wollen. Wer sich nicht distanziert, ist nicht ignorant oder nur "Wutbürger", sondern stellt sich auf die Seite der Feinde der Offenen Gesellschaft. Übrigens heißt das entsprechende Hauptwerk Karl Poppers nicht umsonst: "Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde". Herr Stöcker sagt im Grunde nichts anderes: Er formuliert es nur weniger wissenschaftlich, journalistisch pointiert und "launig". Die Feststellung ist doch klar: Wer sich von Rechtsextremen nicht distanziert oder sogar mit ihnen mitläuft, ist ein Unterstützer.
Wer sich nicht distanziert und sogar mit ihnen mitläuft, soll ein Feind der offenen Gesellschaft sein? Eine wohl zu sujektiv zurechtgezimmerte Interpretation! Die offene Gesellschaft im Sinne Popppers ist eine offene Gesellschaft der Ideen und nicht eine Multi-kultigesellschaft verschiedener Etnien. Der Trick, jemanden durch siene Nichtdistanzierung von den "Rechtradikalen" - wer ist denn das genau: jemand der die NPD wählt, Pegida-Anhönger ist mit der AfD sympathisiert, sich als "Wutbürgern" oder "besorgter Bürgern" sich versteht zu enem Feind der offenen Gesellschaft zu erklären, heißt doch, dass jeder, der nicht meiner Meinung ist, als Feind einer offenen Gesellschaft bezeichnet werden kann: eine höchst unpopperianische Haltung.

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macjackson 02.09.2018, 21:52
288. Eigentlich gar nicht so schlecht der Vergleich ...

Zitat von two-wheels
Genauso ist es, eigentlich ganz einfach. Ist wie beim Busfahren: wer drin sitzt fährt mit. Ob mit oder ohne Fahrschein
... nur leider nicht konsequent zu Ende gedacht. Juristisch gesehen teilt sich die Gruppe aus ihren Beispiel auf, in eine sehr geringe Anzahl an Schwarzfahrern und aus einer größeren Gruppe, die legal unterwegs ist. Genauso verhält es sich auch auf diesen Demonstrationen. Die Gruppen bestehen meist aus einer sehr kleinen Gruppe schwarzer Schafe, die Straftaten im Sinne des StGB verüben und aus einer weit größeren Gruppe an Leuten, die ihr legitimes Recht auf Demonstration wahrnehmen. Und das gilt für beide Seiten. Eigentlich ganz einfach ...

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