Forum: Wissenschaft
Krebsmittel Avastin: Gutachten rüttelt an Image von Roche-Blockbuster

Probleme für den Pharmakonzern Roche: Erst musste die Firma einräumen, dass ihr Blockbuster Avastin nicht gegen Prostatakrebs hilft - jetzt zweifelt ein neues Gutachten an der Wirksamkeit des Medikaments auch bei anderen Krebsarten. Der Rauswurf aus dem Leistungskatalog der Kassen droht.

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Neurovore 03.05.2010, 12:11
1. ...

Zitat von sysop
...Der Rauswurf aus dem Leistungskatalog der Kassen droht...
Na und? Bis jetzt hat man doch schon 4,2 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Und solange sich nichts an den Prüfkriterien ändert (und das wird man schon zu verhindern wissen, sich z.B. wie unter Schröder davon freikaufen), wird sich das immer wiederholen. Daß dabei Menschen draufgehen oder von einer wirklich wirksamen Behandlung abgehalten werden, ist doch der eigentliche Skandal und sollte demenstprechend strafrechtlich verfolgt werden.

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bacana 03.05.2010, 12:18
2. Krebsmittel Avastin

Mir macht die Profitgier der Pharmakonzerne und die Bestechlichkeit von Ärzten ganz große Angst.Wenn ich lese, dass das Medikament pro Monat 5000€ einbringt, denke ich muss endlich mal eine unabhängige Kontrollinstanz hier geschaffen werden. Leider ist die Pharma Lobby in Deutschland zu stark und unsere Politiker zu schwach, um diesen Schritt zu wagen. Die Einen wollen mehr Umsatz, die Anderen mehr Wählerstimmen und brauchen Geld von großzügigen Spendern.

Der kranke Patient spielt hier nur noch als eine Art "Melkkuh" im Mittelpunkt...

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mitbürger 03.05.2010, 12:38
3. Rätselhaft

Es ist mir ein Rätsel, warum Medikamente, die eine jahrelange Erprobung hinter sich haben und viele Studien dazu wohl positiv ausgefallen sein müssen, sonst wären sie ja nicht zugelassen worden, plötzlich als marginal wirksam dargestellt werden. Dann sollten endlich einmal die Kriterien für eine Zulassung konkretisiert werden. Da ist wohl in der Vergangenheit immer viel geredet aber nie gehandelt worden mit ungeheuren Kosten für das Gesundheitssystem. Schuld ist nicht der Hersteller, der das ja nur anbietet, sondern die fehlenden Rahmenbedingungen seitens der Politik.

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pulegon 03.05.2010, 12:58
4. Bravo

Zitat von sysop
Der Rauswurf aus dem Leistungskatalog der Kassen droht.
Das wird natürlich viel bringen.
Nicht das verzweifelte Krebspatienten nicht trotzdem bereit wären sich bis über beide Ohren zu verschulden in der Hoffnung auf Heilung.

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Meckerliese 03.05.2010, 13:13
5. so siehts aus

Nachdem der Tumor in der Lunge meiner Mutter angeblich nicht operierbar wäre hat man ihr 2 Jahre Chemotherapie für ein Schweinegeld verpasst.

An Weihnachten ging es ihr sehr schlecht. Ich hab sie in eine andere Klinik gebracht. Dort fragte man mich allen Ernstes:
Warum haben sie die Frau nicht schon früher gebracht?
Sie wurde operiert mit anschliessender Reha. Bisher ist alles gut.

So viel zum Profitdenken der Kliniken.

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Kapnix 03.05.2010, 13:37
6. kT

Zitat von mitbürger
Es ist mir ein Rätsel, warum Medikamente, die eine jahrelange Erprobung hinter sich haben und viele Studien dazu wohl positiv ausgefallen sein müssen, sonst wären sie ja nicht zugelassen worden, plötzlich als marginal wirksam dargestellt werden. Dann sollten endlich einmal die Kriterien für eine Zulassung konkretisiert werden. Da ist wohl in der Vergangenheit immer viel geredet aber nie gehandelt worden mit ungeheuren Kosten für das Gesundheitssystem. Schuld ist nicht der Hersteller, der das ja nur anbietet, sondern die fehlenden Rahmenbedingungen seitens der Politik.
Schuld, wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von schuld reden möchte, ist der Hersteller sonst niemand.

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brainbox 03.05.2010, 14:56
7. Die Patienten wollen es so

[QUOTE=Neurovore;5447269]Und solange sich nichts an den Prüfkriterien ändert (und das wird man schon zu verhindern wissen, sich z.B. wie unter Schröder davon freikaufen), wird sich das immer wiederholen. /QUOTE] Wer die Prüfkriterien ändern kann, das sind wir als Patienten. Es mag sich merkwürdig anhören, aber der Arzt ist letztlich ein Dienstleister, ein Mitglied des Teams, das ich beschäftige, um meine Gesundheit zu überwachen. Der Teamleiter bin ich. Verantwortlich für meine Gesundheit bin ich. Wenn ein Arzt mir nach der Diagnose Krebs den Behandlungsvorschlag macht, eine Operation mit Chemotherapie zu kombinieren, dann setze ich mich an den Rechner und stehe nicht eher wieder auf als bis ich die Risiken und Nebenwirkungen kenne. Und wenn ich feststelle, dass die Chance sehr hoch ist, dass die vorgeschlagene "Therapie" mein Leben radikal verkürzt, dann schaue ich nach Alternativen. Und eine Alternative ist es nicht, an einem anderen Ort Onkologen nach deren Meinung zu befragen. Denn wenn ich Vertreter derselben Behandlungsform ein weiteres Mal befrage, werde ich nur die Standardantworten für diese "Behandlung"sform erhalten. Das ist die Grundlage des Goldstandard in der Medizin. Eine Gruppe von Ärzten verabredet, was zukünftig zur Vorgehensweise bei einer bestimmten Krankheit sein soll. Und man kann sicher sein, dass diese Gruppe von Ärzten, die oft führende Positionen in der Ärzteschaft bekleiden, nicht frei über die Elemente des "Goldstandard" entscheiden kann, sondern extremen Einflüssen aller Art ausgesetzt sind. Denn für Hersteller von Arzneimitteln und für Anbieter von Medizingeräten ist es extrem lukrativ, wenn ihr Angebot im Goldstandard für eine Krankheit Verwendung findet.


Das Zauberwort bei der Beurteilung einer Chemotherapie durch den Gemeinsamen Bundesausschuss ist "Wirksamkeit". Und diese Wort beinhaltet nicht etwa, wie wir Patienten vermuten würden: Heilung, sondern im Fall eines Tumors, die Wirkung auf den Tumor. Der verkleinert werden soll. Man kann sich das vorstellen wie 'einschmelzen'. Was die Chemotherapie im Körper des Behandelten anrichtet, ist zweitrangig. Es geht nur um den Erfolg bei der Tumor_bekämpfung_. Der Tumor wird - wie das in der Symptombehandlungsmedizin üblich ist - mit der Erkrankung gleichgesetzt. Das sorgt leider dafür, dass seit Jahrzehnten Milliarden von Forschungsgelder dafür ausgegeben werden die Vorgänge in Tumoren näher zu ergründen, während sich nur Therapueten ausserhalb der Forschungsindustrie dafür zu interessieren scheinen wie man denn nun den Krebs heilt.

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mitbürger 03.05.2010, 15:05
8. Sie machen es sich zu einfach

Zitat von Kapnix
Schuld, wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von schuld reden möchte, ist der Hersteller sonst niemand.
Es ist zu einfach, die Schuld auf den Hersteller zu schieben. Ein billiger Punkt. Die Politik muss vorgeben, was ihr eine Verlängerung der Überlebenszeit um ein paar Monate Wert ist. Man wird um die ethische Diskussion nicht vorbeikommen. Aber leider passiert hier, jedenfalls öffentlich wirksam, nichts. Ich verstehe auch die Politiker, die sich das nicht trauen, sie hätten sofort mit massiven Protesten von allen Seiten zu rechnen.

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burninghands 03.05.2010, 15:17
9. Wo bleiben die strafrechtliche Konsequenzen?

Es ist an der Zeit, daß die Firmen und Beamten, die durch ihr Verhalten menschliches Leben bzw Gesundheit negativ beeinflußen, strafrechtlich belangt werden können und mit ihrem persönlichen Vermögen haften.
In diesem Falle könnte das heißen, die mit dem Medikament seit der Zulassung in Deutschland erzielten Profite zurückzuverlangen und obendrauf noch Schadensersatz für das angereichtete Leid.
Das soetwas geschieht, ist allerdings höchst unwahrscheinlich - Krähen und Augen und so.

Wie es aussieht, muß tatsächlich das ganze auf Profitdenken basierende System unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen (mit all dem, was das für den kleinen Mann bedeutet), bevor sich etwas ändert.
Wenn wir Glück haben, hat dann jeder einzelne seine Mitverantwortung daran erkannt, daß es überhaupt soweit kommen konnte, und wird bereit sein, einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten.

Naja, man wird doch noch träumen dürfen, oder?

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