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Latrinen-Archäologie: Die stinken, die Römer
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Die alten Römer galten wegen ihrer Latrinen und Kloaken als besonders hygienisch. Doch die antike Sanitärtechnik wird offenbar überschätzt. Die Toiletten waren regelrechte Keim- und Parasitenschleudern, wie Forscher herausgefunden haben.

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Leser161 08.01.2016, 12:36
1. ?

Die für ihre Zeit fortgeschrittenen Kloaken der Römer halten modernen Hygienestandards nicht stand? Römer doch voll eklig?

Was erlaube Römer!

Sorry, aber für den Stand der Zeit war das nunmal gut. Und selbst wenn in den Wald erleichtern auch damals schon hygenischer war. Es gab leider nicht genug Wald für alle Einwohner Roms*, da musste man das wohl anders lösen.

*Prinzipiell schon, aber sie habens ja nicht geschafft Germanien zu erobern, ausserdem wäre die Reise dahin etwas beschwerlich gewesen. Nur fürs Geschäft.

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xformer 08.01.2016, 12:40
2. Falsch verstanden

Ein paar kleine Amerkungen zum Artikel:

In dem Originalartikel ist die Rede davon, dass in den öffentlichen Bädern (nicht den Latrinen) ideale Vermehrungs- und Verbreitungsbedingungen für die Parasiten vorhanden waren. Es bildete sich dort möglicherweise eine infektiöse Schaumschicht auf dem Wasser und nicht eine Schlammschicht in den Latrinen.

Die Latrinen selbst werden im Originalartikel nicht als Parasitenschleudern in dem Sinne bezeichnet, dass man sich dort infizierte, wenn man sie benutzte. Die Autoren sind der Meinung, dass die öffentlichen Latrinen zur Ausbreitung von Würmern beitrugen, weil die Fäkalien wahrscheinlich direkt zur Düngung von Feldern benutzt wurden und damit darin enthaltene Wurmeier an dem Gemüse hafteten und dann von den Konsumenten aufgenommen wurden. Das ist übrigens auch heute noch so. Wer heutzutage Gemüse roh und schlecht gewaschen oder geschält zu sich nimmt, wird aus dem gleichen Grund (Düngung mit zu frischen Fäkalien) mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Wurminfektion bekommen.

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widder58 08.01.2016, 13:46
3. Unglaubliche Erkenntnis

ohne diese wissenschaftlichen Sensationen hätte das sicher niemand gedacht. Wie hätte man auch darauf kommen können, dass öffentliche Haufenansammlungen
Keime und Bakterien beherbergen.

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kallebendt 08.01.2016, 13:48
4. Liebe Redaktion,

es ist schon bemerkenswert, dass in Wissenschaftsartikeln auf SPON meistens die Kommentarspalte informativer ist als der eigentliche Artikel. Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, einfach einen von denjenigen einzustellen, die sich die Mühe machen, die Originalpublikation zu lesen und hier zu erklären?

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Discordius 08.01.2016, 14:23
5. ganz am ende

Ein gelernter Parasitologe muss natürlich etwas finden, wenn die Arbeit im Journal "Parasitology" veröffentlicht wird. Ein paar Vergleichswerte zur Verbreitung von Parasiten in unserer Zeit durch öffentliche Toiletten wäre angebracht. Es bleibt auch unklar, ob die Parasitenfunde auf eine Zeit zurückgehen, als die Latrinen und Bäder nicht mehr richtig funktionierten, also nach dem "Untergang des Römischen Reiches" an den jeweilgen Örtchen.

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harald441 08.01.2016, 15:46
6. Ja wurden denn nicht die Fäkalien

durch fließendes Wasser abgeführt z. B. in die heute noch existierende cloaca maxima, die wie der Name sagt, ein Schmutzwasserentsorgungskanal war, der m. W. in den Tiber mündet oder mündete?

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unbekanntgeblieben 08.01.2016, 15:58
7. Das ist denke ich relativ zu sehen ...

Da bspw. bei der Herstellung von tyrrischem Pupur Urin Anwendung findet, wird das mit der Geruchsbelastung damals nicht ganz so eng gesehen wurden sein.
Dennoch würde ich behaupten, auf einer Straße einer mittelalterlichen Stadt hätten sich Römer und Neuzeit-Mensch gleichermaßen übergeben ...

Es sei auch mal ein Stadt- oder Disko-Klo zum Vergleich heranzuziehen, wenn nicht permanent 3 Putzkräfte bereit stehen ...
Gegen die Fähigkeit einiger Menschen Dinge zu besudeln und zu verschmutzen, ist schließlich selbst die Umwelt als ganzes nicht gewachsen ;)

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gatho1945 08.01.2016, 16:01
8. Grüsse aus der Jauchegrube

Wir brauchen weder die alten Römer zu bezichtigen, mit ihrer Fäkalienpraxis für einen "Kreislauf" aus Krankheitserregern und Schädlingsbefall beigetragen zu haben, noch brauchen wir darüber die Nase zu rümpfen. In dem Dorf, in dem ich meine Kindheit verbrachte, gab es bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts keine Kanalisation. Die Fäkalien wurden in der Jauchegrube gesammelt und - je nach Menge - ein- bis mehrmals im Jahr auf die Felder gebracht. Ich wette, eine Untersuchung hätte zu ähnlichen Ergebnissen geführt, wie die aus Ostia Antica oder andernorts. Kein Grund also zu Arroganz der "Wissenden"!

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fritzausDA 08.01.2016, 16:28
9. Leider immer noch!

Zitat von harald441
durch fließendes Wasser abgeführt z. B. in die heute noch existierende cloaca maxima, die wie der Name sagt, ein Schmutzwasserentsorgungskanal war, der m. W. in den Tiber mündet oder mündete?
Ich bin ein bisschen rum gekommen in der Welt. Der Tiber ist der mit Abstand dreckigste Fluss, den ich jemals gesehen habe - und Rom hat bis heute (!) keine funktionierende Kläranlage! Wie aktuell auch Neapel, Barcelona - und bis vor etlichen Jährchen auch Kiel!

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