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Latrinen-Archäologie: Die stinken, die Römer
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Die alten Römer galten wegen ihrer Latrinen und Kloaken als besonders hygienisch. Doch die antike Sanitärtechnik wird offenbar überschätzt. Die Toiletten waren regelrechte Keim- und Parasitenschleudern, wie Forscher herausgefunden haben.

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sir wilfried 08.01.2016, 17:03
10. Hier wurden Geschäfte gemacht

Diese Anlage habe ich selbst gesehen. Offenbar waren die Römer seinerzeit wenig schamhaft. Die fehlenden Trennwände lassen sich dadurch erklären, daß hier im wahrsten Sinne Geschäfte gemacht wurden. Daher vermutlich bis heute die Redewendung.
Im übrigen sind weder die Ausgrabungen noch die hygienischen Erkenntnisse sonderlich neu oder spektakulär.

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postit2012 08.01.2016, 17:28
11. Das alte Rom ging sozusagen bis vor kurzem

Zitat von gatho1945
Wir brauchen weder die alten Römer zu bezichtigen, mit ihrer Fäkalienpraxis für einen "Kreislauf" aus Krankheitserregern und Schädlingsbefall beigetragen zu haben, noch brauchen wir darüber die Nase zu rümpfen. In dem Dorf, in dem ich meine Kindheit verbrachte, gab es bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts keine Kanalisation. Die Fäkalien wurden in der Jauchegrube gesammelt und - je nach Menge - ein- bis mehrmals im Jahr auf die Felder gebracht. Ich wette, eine Untersuchung hätte zu ähnlichen Ergebnissen geführt, wie die aus Ostia Antica oder andernorts. Kein Grund also zu Arroganz der "Wissenden"!
Wenn man sich die Entwicklung der Lebenserwartung über die Zeit anschaut, dann findet man zwischen dem antiken Rom ("archäologisch" ermittelt) und dem deutschen Kaiserreich um 1870/80 fast keinen Unterschied. Hier wie da gab es aber wohl eklatante Unterschiede zwischen den sozialen Schichten.

Eine Verbesserung der Lebenserwartung gibt es eigentlich erst ab etwa 1900. Denken Sie auch einfach mal an die Cholera-Epidemien (London 1854, Hamburg 1892). Die Bauern waren immerhin (meistens) so schlau, ihre Exkremente nicht ins eigene Trinkwasser zu leiten. Die alten Römer haben das übrigens auch eher nicht gemacht. Das Leben war schon so hart und kurz genug.

Bei ausreichendem Wohlstand war's im Römerreich aber wahrscheinlich am nettesten.

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Daddeldi 08.01.2016, 17:48
12. Vor

Zitat von fritzausDA
... und Rom hat bis heute (!) keine funktionierende Kläranlage! Wie aktuell auch Neapel, Barcelona - und bis vor etlichen Jährchen auch Kiel!
... ist eben relativ. Seit 1930 wurden die Abwässer über die Stoller Grund Rinne in der Ostsee verteilt, nachdem sie in privaten Klärgruben vorgeklärt waren. Die zentrale Kläranlage für Kiel ging vor immerhin 43 Jahren in Betrieb, die biologisch Klärung vor 40 Jahren.
http://www.process.vogel.de/wie-mehrphasenpumpen-die-flotation-im-klaerwerk-verbessern-a-407717/

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cindy2009 08.01.2016, 18:22
13. @fritzausda

Informationen zu Ihren Aussagen waren gut. Kiel hat ein anderes Problem, als Sie hier darstellen.

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aeckermann 08.01.2016, 18:28
14. Aschaffenburg

In Aschaffenburg gibt es eine nach einem Vorbild in Pompeji nachgebaute Römervilla. In dieser findet sich auch eine Toilettenanlage mit der Wandbeschriftung "Hic cacivit bene" ("hier sch*** es sich gut") Wenn meine Lateinwiedergabe nicht ganz korrekt ist, bitte ich dies zu entschuldigen. Zu Hause stellte ich fest, dass das Wort "kacken" keinesfalls ein deutscher deftiger Ausdruck ist, sondern aus dem Lateinischen abgeleitet ist. Es ist also im Grunde genommen ein Wort, das auch Bildungsbürger nutzen können, ohne als primitiv aufzufallen.

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frenchie3 08.01.2016, 21:53
15. @10 sir wilfried Wenn das mit den Geschäften

stimmt weiß ich nun auch woher der Ausdruck "ein besch***enes Geschäft" kommt. Oder "der hat mich besch...."

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alexander10 09.01.2016, 01:46
16. Wie zuverlässig sind die Proben?

Stellen diese Koprolithen den Kot so dar, wie er vom Menschen ausgeschieden wurde,
oder wie er sich durch die Lagerung in der Latrine verändert hat?

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Miere 09.01.2016, 05:48
17. Klopapier

Was hier fehlt ist der an einem Stock befestigte öffentliche Schwamm, mit dem sich die Römer auf den öffentlichen Klos den Hintern gewischt haben. Der blieb dann entweder dreckig für den nächsten Benutzer, oder man musste ihn mit der Hand auswaschen, was nun auch nicht dermaßen hygienisch ist. Klopapier gab es halt noch nicht.

Aber was wäre denn die Alternative gewesen? Ein Plumpsklo im Keller neben dem Hausbrunnen wie hier im Mittelalter ist ja nun auch keine besonders ansprechende Lösung, vor allem nicht für eine Großstadt.

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jboerner 09.01.2016, 09:48
18. Mittelalter

und mal wieder Klischeehafte Behauptungen über das Mittelalter. komischerweise graben archäologen auch ständig in mittelalterlichen latrinen. müssen sie sich wohl einbilden.

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graf.koks 09.01.2016, 12:34
19. Nun ja ...

... wenn ich so an einige öffentliche "Toiletten" in Autobahn-Raststätten oder Fußballstadien denke, hat sich wohl nicht sehr viel verändert - bis auf die Trennwände natürlich.

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