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Leben im 5. Jahrhundert: Integriert trotz Down-Syndrom
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Pless1 18.08.2014, 15:14
1.

Nur davon, dass das Kind offensichtlich in einem Sarg beerdigt wurde darauf zu schließen, dass es nicht stigmatisiert wurde ist schon arg weit hergeholt. Erst recht, wenn man verallgemeinert und schlussfolgern würde, Menschen mit Down-Syndrom wären damals voll integriert gewesen.

Das Kind starb jung, und in der damaligen Gesellschaft waren wohl viele nach unseren heutigen Maßstäben nicht optimal entwickelt, geschweige denn gebildet. Insofern darf man auch die Frage stellen, ab wann ein Mensch mit Down-Syndrom damals wirklich aufgefallen wäre. Wohl frühestens im Kleinkindalter, eventuell sogar erst in einem Alter, in dem dieses Kind starb - also nach einer langen Zeit der Fürsorge durch die Gemeinschaft.

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jmoellen 18.08.2014, 17:26
2.

Glückwunsch zum inhaltlich und fachlich hervorragenden Artikel! Als Mensch mit dem Behinderungsbild Hydrocaphalus störe ich mich jedoch ein wenig an der im Artikel verwendeten Bezeichnung "Wasserkopf". Ich persönlich halte diesen Begriff für fast genauso verfehlt wie "Mongolismus" für Trisomie 21. Vielen Dank!

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roklu 18.08.2014, 18:05
3. Warum keine DNA Analyse ?

Die Frage einer Integration dürfte in diesem Fall wohl eher marginal sein und mit dem derzeitgen Inklusionsgedanken kaum kompatibel. Die Bemühung vielfältiger diagnostischer Möglichkeiten entspringt neuzeitlichen kausalen Denkmustern. Bringt aber nicht weiter. Die Beweisdecke ist sozusagen weniger als dünn. Die Archäologie und Anthropologie bedient sich heute immer mehr moderner genetischer Untersuchungsverfahren. Darauf im vorliegenden Falle keinerlei Hinweise. Oder existiert "leider" kein Material mehr ? Primärausgrabung 1989.

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thelma&louise 18.08.2014, 19:56
4. Unwissenschaftliche Grundhaltung

Hier wird aus dem Wunsch heraus, den Menschen der Gegenwart etwas zu sagen, ein Fund in eine bestimmte Richtung interpretiert. Die Schlussfolgerung ist an den Haaren herbei gezogen. Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Wissenschaft muss Wissenschaft bleiben. Wer so deutet, ist unwissenschaftlich und hat an einer Universität nur als Handlanger eine Existenzberechtigung.
Ich würde mich natürlich freuen, wenn die Wissenschaft herausfinden würde, dass im Mittelalter niemand stigmatisiert wurde. Allerdings müsste man dann wohl einige Geschichtsbücher umschreiben. Gab es vielleicht gar keine Hexenverfolgung?

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Websingularität 18.08.2014, 20:44
5.

Zitat von sysop
Letztenendes sind das auch nur Mutmaßungen.
Es mag durchaus Familien gegeben haben, für die so ein Kind keine Belastung war und sogar ihre Freude daran hatten.
Das Kind als eine kuriose Attraktion, ein Zeichen Gottes mit seherischen Fähigkeiten oder so ähnlich.
Aber dieses Kind war damit eine Ausnahme.
Ich behaupte mal, bei der einfachen Bevölkerung wurden die missgebildeten Kinder auf den Kompost geworfen.

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münchen1975 19.08.2014, 10:19
6. "Finsteres" Mittelalter?

Zitat von thelma&louise
Ich würde mich natürlich freuen, wenn die Wissenschaft herausfinden würde, dass im Mittelalter niemand stigmatisiert wurde. Allerdings müsste man dann wohl einige Geschichtsbücher umschreiben. Gab es vielleicht gar keine Hexenverfolgung?
Nein, gab es nicht. Zumindest nicht in dem Zeitraum, in dem das Kind dem Bericht zufolge gelebt hat (in den Jahren 400 - 500). Die ersten sporadischen Hexenverfolgungen begannen erst etwa 800 Jahre später.

Die auf breiter Basis organisierte Hexenverfolgung und der in der Bevölkerung grassierende Hexenwahn hingegen sind Erscheinungen der frühen Neuzeit und der Renaissance und kamen etwa ab 1450 auf - als das ach so "finstere Mittelalter" praktisch schon zu Ende war.

Im Übrigen müssen die Anlässe für Diskriminierungen im Mittelalter nicht zwingend dieselben gewesen sein, wie heutzutage.

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damtschweli 19.08.2014, 14:47
7.

Zitat von jmoellen
Glückwunsch zum inhaltlich und fachlich hervorragenden Artikel! Als Mensch mit dem Behinderungsbild Hydrocaphalus störe ich mich jedoch ein wenig an der im Artikel verwendeten Bezeichnung "Wasserkopf". Ich persönlich halte diesen Begriff für fast genauso verfehlt wie "Mongolismus" für Trisomie 21. Vielen Dank!
Aha.
Und Hydrocephalus ist Griechisch und bedeutet... na? Genau - Wasserkopf!

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guerrilla.girl 19.08.2014, 15:39
8.

Ist es möglich, dass in diesem Artikel ein Fehler vorliegt? Nach ein paar Recherchen scheint es mir so zu sein, dass der Archäologe, der den erwähnten Fund in England machte, Brothwell hieß, nicht der Fundort. Gefunden wurde das Kind demnach in Breedon-on-the Hill.

Siehe http://docs.lib.purdue.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1019&context=jca. S. 22.

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shelley 22.08.2014, 20:54
9.

Nur weil das Kind offenbar normal beerdigt wurde, gleich daraus zu schließen, dass es zu Lebzeiten voll integriert war und nicht vielleicht doch diskriminiert wurde, ist schon recht gewagt.

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