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Nach Flugzeugabstürzen: Boeing räumt weiteres Softwareproblem ein
Lindsey Wasson/ REUTERS

Deutlich wie nie hat Boeing Probleme mit dem Steuerungsprogramm MCAS eingestanden. Bei der Überarbeitung stellte der Konzern ein weiteres Softwareproblem fest - es ist laut einem Bericht entscheidend für die Flugsicherheit.

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willibaldus 05.04.2019, 17:04
120.

Zitat von adama.
Wann wurde jemals eine Firma wegen eines Softwarefehlers erfolgreich verklagt. Eine Softwarefehler ist grundsätzlich immer ein Unfall. Solange man niemanden eine Absicht nachweisen kann, wer sollte denn auch gesagt haben "Oh da ist ein Fehler, den lassen wir aber erstmal drin", wird auch niemand zur Verantwortung gezogen werden. Das ist ein Versicherungsfall. Die Münchner Rück wird das alles bezahlen, die Rückversicherungsprämien werden steigen und die Kosten bleiben so bei der Allgemeinheit.
Die VW Diesel Affäre war kriminell, ein bewusster Verstoss gegen Gesetze und Täuschung der zuständigen Kontrollinstanzen.

Boeing könnte mit Inkompetenz durchkommen.
Das wird die Untersuchung zeigen, ob nicht irgendein fachfremder Finanzler trotz Warnungen Dinge angeordnet hat, die technisch nicht in Ordnung waren. Schwer zu beweisen.
Der grösste Flugzeugbauer der Welt und die US Zulassungsbehörde und Inkompetenz. Das alleine wäre schon ein ungeheurer Imageschaden.

Da scheint so einiges faul zu sein bei Boeing und FAA.

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willibaldus 05.04.2019, 17:16
121.

Zitat von b-kroh
als Laie Frage ich mich ob das kein Pilot im Simulator vorher festgestellt hat. setzen sich Piloten in ein Flugzeug und haben so ein nicht redundantes System an Bord ohne zu wissen wie das falsche Manöver abgeschaltet werden kann? werden neue Flugzeugtypen nicht vorher im Simulator getestet in kritischen Situationen?
Gute Frage.
Vor dem ersten Absturz war den Piloten das System nicht bekannt.

Die 737max galt als Modifikation der schon existierenden 737 und brauchte deshalb nur punktuell zusätzliche Zulassungen. Offenbar wurde das MCAS als wichtig aber nicht kritisch eingestuft, weshalb auch keine Redundanz beim Sensor erforderlich war. Die gab es als kostenpflichtige Option.
Durch diese Einstufung brauchten die Piloten auch keine zusätzlichen teuren Simulatorstunden und mussten nicht über das System informiert werden.

Vor dem zweiten Absturz wurden alle 737max Piloten per einstündigem iPad Kurs auf die Problematik eingewiesen.

Jetzt kommt es. Die Piloten haben alles richtig gemacht, es fehlte ihnen aber an Zeit und Höhe, um das Flugzeug zu retten.
Wenn das Höhenruder am Anschlag steht und das MCAS abgestellt ist durch die Sicherungen am Trimm System, dann fehlt die elektrische Unterstützung für die Verstellung des Höhenruders. In der Stellung bei Fluggeschwindigkeit braucht es da enorme Kraft um die Kurbel zu drehen. Es gibt eine Prozedur, durch Geschwindigkeitsänderung etc die Last zu reduzieren, um einige Sekunden wie wild kurbeln zu können, aber auch dafür braucht es genug Zeit und Höhe.
Die Piloten in Äthiopien haben hart gekämpft und verloren.

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willibaldus 05.04.2019, 17:20
122.

Zitat von Ralf1234
Wenn hier schon von KI in Flugzeugen gesprochen wird, dann sollte man einer KI unbedingt die "Angst zu sterben" einprogrammieren, so dass die KI einen Selbsterhaltungstrieb entwickelt.
Da gab es mal diesen Film, wo eine demotivierte Crew mit einem abgerunzten Flieger durch die Galaxis reist und gefährliche Planeten sprengt, mit intelligenten Bomben.
Am Ende bekommt eine der Bomben eine philosophische Sinnkrise und trotz heftiger Diskussionen ist ihr letzter Satz: "Es werde Licht".

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willibaldus 05.04.2019, 17:26
123.

Zitat von thomas_linz
Dass diese Schuldzuweisungen haltlos sind, sollte man schon daran erkennen, dass nicht nur eine Crew die Situation nicht bewältigen konnte, sondern auch im Simulator ein beträchtlicher Prozentsatz gecrashed ist. Wenn eine Crew daneben langt, kann man unter Umstaenden diskutieren. Aber spaetestens nach der zweiten Crew ist diese Schuldzuweisung nicht mehr zulässig. Genauso wenig kann man aber auch vor dem Abschlussbericht schon jetzt Boeing Fahrlaessigkeit, oder gar Vorsatz unterstellen. Es ist nun mal so, dass ganz offenbar Wartungsanweisungen missachtet wurden und dieser zweite Logic-Fehler ist auch SMYD/MCAS related. Bevor also nicht wirklich alles aufgearbeitet wurde, sind Schuldzuweisungen nichts weiter als eine Hexenjagd. Uebrigens wird Airbus einen Teufel tun, mit dem Finger auf Boeing zu zeigen und das aus gutem Grund. Auch dort sind schon Menschen gestorben, weil Features nirgendwo im Handbuch auftauchten.
Es ist ein Logikfehler ein für die Flugsicherheit kritisches Teil nicht Redundant anzulegen. Das ist Inkompetenz. Vorsatz will ich Boeing und der FAA nicht unterstellen. Aber so was ist ein Imageschaden erster Klasse.

Da sind noch ein paar andere Informationen, die in Richtung Illegal gehen, wie zB, daß der Eingriff am Höhenruder pro Aktion von der FAA mit 0.6° zugelassen war, dann aber mit 2.5° pro Aktion verkauft wurde.

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estark 05.04.2019, 17:28
124. Geheime Infos, Laienwissen

Zitat von Flari
Ihre "Zitate" Ihres "Kollegen" entstammen wörtlich einem Bericht des AVHerald, der sich selbstverständlich verlinken lässt. http://avherald.com/h?article=4bf90724/0000&opt=0 Und selbstverständlich bezieht der sich auf den Absturz der Lion Air EJ610, auch wenn inzwischen Berichte zu beiden Unfällen durcheinander kommen. Viele Ihrer "geheimen Infos" stammen aus offenen Quellen, am meisten musste ich aber letztens grinsen, als Sie eine Idee eines hiesigen Foristen an einen der "Verantwortlichen" weiterleiten wollten. Man zeigt auch nicht auf, dass man selber ein "Fachmann" ist, indem man in einem Laienforum mit möglichst vielen Fachabkürzungen rumwedelt, die keinem normalen Menschen geläufig und teilweise auch schlecht zu googeln sind. Ihr Freund wird kaum ein Forstoberinspektor sein und "freedom of information" erscheint mir auch etwas deplaziert.
Der Bericht (Lionair) lässt sich nicht nur teilweise auf avherald, sondern auch Original auf
https://reports.aviation-safety.net/2018/20181029-0_B38M_PK-LQP_PRELIMINARY.pdf
Inkl. Verzeichnis der Abkürzungen (z.B. SMYD:Stall Management Yaw Damper). Hier kann sich der Laie (ggfs. mit fliegerischen/flugtechnischen Grundkenntnissen) relativ schlau machen. Was der Laie nicht kann, ist festzustellen, ob die im Bericht beschriebene Prozedur für das Reparatur des SMYD den Vorgaben des Herstellers entsprach. Dies kann nur von Experten beantwortet werden, beispielsweise im endgültigen Bericht. Unabhängig von der Kompetenz der Diskussion ist die große Resonanz wichtig. In den 1950iger Jahren durfte die Comet wieder starten, bevor die Absturzursachen geklärt waren. Ich glaube unter anderem durch die verbesserten Möglichkeit der Information ist die Schwelle hier heute höher.

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willibaldus 05.04.2019, 17:31
125.

Zitat von sikasuu
... an der 737 MAX der durch fehlerhafte Software kaschiert werde sollte. . Die Software dazu ist nicht mehr als ein "Pflaster", das ein konstruktives Problem der Maschine überdeckt. Selbst DAS war aber fehlerhaft! . Vielleicht kannst du bei MS$ die Haftung für Fehler ausschließen, was mMn auch schon einen Zumutung ist, Bei Komplettsystemen wie Flugzeugen dürfte das nicht möglich sein!
Ich glaube, die Maschine könnte auch ohne MCAS geflogen werden. Dann bräuchten aber alle Piloten zusätzliche Simulatorstunden und die sind teuer.
Ohne das MCAS hätte die FAA möglicherweise sehr viel teurere Massnahmen gefordert, um das Flugzeug zuzulassen.

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DianaSimon 05.04.2019, 17:34
126. Andere Baustelle

Ich denke an die Landung auf dem Hudson River durch Flugkapitän Sullenberger nach dem Ausfall beider Triebwerke. Wie würde dieses Flugzeug von Boeing in einem solchen Falle reagieren, mit den riesigen, vorne aufgehängten Triebwerken? Könnte dieses Flugzeug aus großer Höhe überhaupt gleiten oder würde es kopfüber in die Tiefe stürzen?

Zudem war zu lesen, das Fahrwerk sei zu niedrig für die Triebwerke. Wo wäre das Problem, passende Fahrwerke einzusetzen?

Ich fliege schon länger nicht mehr, aber meine Kinder und deshalb interessieren mich diese Themen.

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willibaldus 05.04.2019, 17:34
127.

Zitat von permissiveactionlink
HAL-9000 lässt grüßen ! Ich frage mich, wer eigentlich außerhalb von Boeing die Möglichkeit bekommt, die Steuerrungssoftware im Sourcecode zu sichten, und ob die FAA dafür überhaupt qualifizierte Fachleute eingestellt hat. Bleibt abzuwarten, ob die tatsächlichen Fehler in den Original-Programmzeilen jemals der interessierten Öffentlichkeit bekannt werden, oder ob nähere Informationen dazu (wie üblich) geheimgehalten werden. Man stellt sich auch sofort die Frage, wie solch höchst sicherheitsrelevanten Bugs in Steuerrungs- und Kontrollsoftware künftig noch vor der Serienfertigung rechtzeitig erkannt werden können, wenn solche Software zwangsläufig immer komplexer wird. Da dürfte es sich um Millionen Programmzeilen handeln, und da darf nicht mal ein einziger Fehler an der falschen Stelle auftauchen. Bei Homecomputer-Betriebssystemen ist dieses ungeplante "Betatesting" durch ahnungsloser Nutzer nur ärgerlich, in der Luftfahrt (und künftig auch auf der Straße und im Krieg !) ist es möglicherweise tödlich.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Software genau das gemacht hat, was sie sollte. Nur die Logik dahinter war nicht richtig. Plus ein paar andere Sachen in dem Konzept.

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r.macho 05.04.2019, 17:38
128. Vergleiche daneben!

Neben durchaus sinnvollen Vorschlägen für das Boeing Problem gibt es hier auch Vergleiche mit irdischen Softwareprojekten, wie z.B. Verkehrsregelung, Banken etc. Hierzu muß man sagen, daß hier die Folgen eines SW-Fehlers nicht so gravierend sind wie in der Luftfahrt. Bei Flugzeugen und Hubschraubern gilt Sicherheitsstufe 1,
während z.B. bei Telekommunikationsprojekten Sicherheitsstufe 3 ausreichend ist. Entsprechende Anforderungen sind an die Software und damit verbunden an die Hardware zu stellen.
Was die Qualität von Systemen natürlich stark beeinflusst hängt mit ökonomischen Entscheidungen zusammen.
Oft werden Entwicklungsprojekte, die mit 30% Sicherheitsreserven arbeiten, auf 0% "herunteroptimiert", was dazu führt, daß Spezifikationen ohne Reserven gerade so eingehalten werden. Das kann bei Sicherheitsstufen 1 - 2 gefährlich werden. Die Einsparung einer Warnlampe für das MCAS System ist geradzu makaber und absolut unverantwortlich. Ebenso die Einsparung redundanter Sensoren.

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thomas_linz 05.04.2019, 17:41
129. Lieber Flari

Zitat von Flari
Ihre "Zitate" Ihres "Kollegen" entstammen wörtlich einem Bericht des AVHerald, der sich selbstverständlich verlinken lässt. http://avherald.com/h?article=4bf90724/0000&opt=0 Und selbstverständlich bezieht der sich auf den Absturz der Lion Air EJ610, auch wenn inzwischen Berichte zu beiden Unfällen durcheinander kommen. Viele Ihrer "geheimen Infos" stammen aus offenen Quellen, am meisten musste ich aber letztens grinsen, als Sie eine Idee eines hiesigen Foristen an einen der "Verantwortlichen" weiterleiten wollten. Man zeigt auch nicht auf, dass man selber ein "Fachmann" ist, indem man in einem Laienforum mit möglichst vielen Fachabkürzungen rumwedelt, die keinem normalen Menschen geläufig und teilweise auch schlecht zu googeln sind. Ihr Freund wird kaum ein Forstoberinspektor sein und "freedom of information" erscheint mir auch etwas deplaziert.
Ich wurde gebeten die Quelle dafür zu nennen, dass die SMYD, ach sorry, die Ueberzieh Verwaltungs und Gierdaempfer Rechner Einheit nicht gewechselt wurde. Sie koennen mir gerne den Link dafür liefern, wo das zu finden ist. Wuerden Sie auch richtig lesen, wuerden Sie feststellen, dass die Quellen nicht geheim sind. Ich habe lediglich geschrieben, dass ich Sie nicht verlinken kann. Dazu kommt, dass betreffender User unter JT160 im Interimsreport von Ethiopien gesucht hat. Was den Rest Ihrer persönlichen Anfeindungen und Beleidigungsversuche anbelangt, koennen Sie das gerne anderen Usern gegenüber tun. Uebung haben Sie ja zur Genuege.

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