Forum: Wissenschaft
Nahverkehr vs. Individualverkehr: Holen wir uns die Welt zurück!
DPA

Die Debatte über kostenlosen Nahverkehr diese Woche zeigt einmal mehr: Beim Thema Auto geht in Deutschland die Vernunft flöten. Und Visionen sind unerwünscht.

Seite 1 von 31
Susi64 18.02.2018, 11:55
1. Kostenlosen Nahverkehr gibt es

z.B. auf dem Campus einer US-Universität und verbindet die Teile Univesität, aber auch die Studentenunterkünfte und Einkaufszentren. Auch die Schulbusse sind in einigen Staaten (vorher in allen) kostenfrei.
Das Problem kostenfreien Nahverkehrs ist die Frage wer zahlt und wie wird der Nachverkehr gestaltet. Wie teuer oder billig darf und muss es insgesamt sein?
Meine Bedenken laufen in die Richtung, dass man sich nicht darauf einigen kann. Es wäre jetzt schon möglich eine verständliche einheitliche Tarifstruktur und Ticketstruktur zu haben, aber die isolierten Verkehrbetriebe kochen alle ihr eigenes Süppchen und in Randzonen stellt man lieber mehr Fahrkartenautomaten auf als es zu vereinheitlichen. Dieser Ticketdschungel hindert Menschen nämlich auch daran den ÖPNV zu nutzen, da man ja nie weiss ob man trotz Ticket nicht doch Schwarzfahrer ist.

Beitrag melden
einstweiliger 18.02.2018, 12:01
2. Totschlagargument

Egal wie man es verpackt und wie blumig man es ausschmückt, wobei ich die ernsthafte Begeisterung der Apologeten gerne anerkenne: Der kostenlose ÖPNV brächte alle typischen Probleme kommunistischer Konzepte mit sich, die aus einer Übernutzung von Gemeinschaftsgütern und Fehlallokation von Mitteln resultieren. Warum die Nebenwirkungen trotzdem nicht so auffallen würden? Weil der stark subventionierte deutsche ÖPNV eh schon eine quasi-kommunistische Veranstaltung ist. Selbst mit künstlichen, nichtfinanziellen Nutzungsbeschränkungen funktioniert das alles viel schlechter als eine konsequente, vollständige Privatisierung und Kommerzialisierung sowohl der Basis-Infrastruktur als auch des kleinteiligen Angebots funktionieren würden, natürliche Monopole kann man da nur mit erheblicher weltanschaulicher Schlagseite hineininterpretieren.

Beitrag melden
salomon17 18.02.2018, 12:03
3. Vielen Dank

für diesen Beitrag. Wenn ich mich in bestimmten Wohngegenden umsehe, finde ich 400-qm-Grundstücke auf denen die Hälfte der Fläche mit Parkplätzen und Zufahrten zubetoniert ist. Ich finde Doppelgaragen, die deutlich größer sind als der schmale Vorgarten. Das Auto ist der Fetisch, um den sich in D alles dreht. Und die Autowerbung erweckt den Eindruck, als erhalte man mit dem Kauf eines zwei Tonnen schweren Vehikels die Freiheit zurück, die wir längst hätten, wenn wir nicht so viel Energie in die Anschaffung dieser Monster stecken würden. Wir brauchen weniger Autos und kleinere, leichtere Autos. Die Folgen wären ein Gewinn an Lebensqualität.

Beitrag melden
dirk1962 18.02.2018, 12:17
4. Eine interessante Betrachtung

Vielen der Argumente kann ich folgen. Was mir fehlt ist ein Wenig Relativierung. Der öffentliche Nahverkehr funktioniert bekanntlich nur in Ballungsgebieten gut genug, um überhaupt eine Alternative zum Auto zu sein. Aber warum soll ein Bürger, der auf dem Land oder in einer Kleinstadt lebt, diese Menschen mit seinen Steuern subventionieren?

Beitrag melden
dasfred 18.02.2018, 12:19
5. Da traut sich Einer was

Im Autoland sind diese Forderungen ja fast Blasphemie. Ich gehe drei Minuten zur U-Bahn Station, muss maximal fünf Minuten warten und bin in elf Minuten in der Hamburger City. Dort kann ich aussteigen und mich sofort dem Treiben widmen. Mein Nachbar sitz in einer Minute im Auto, fährt die selbe Strecke am Nachmittag Minimum 15 Minuten und beginnt dann mit der Parkplatzsuche. In seinen Augen bin ich zu bedauern, weil ich nur eingeschränkt mobil bin. Außerdem muss ich sogar noch eine Fahrkarte lösen. Das diese kaum teurer ist, als sein Parkplatz wird völlig ignoriert. Das hier Straßen existieren aus der Zeit der Pferdefuhrwerke, für die nie Parkplätze geplant waren, ist für ihn unverständlich. Das Auto ist heilig und damit unangreifbar. Das es notwendig sein kann, um in angemessener Zeit aus abgelegenen Gebieten anzureisen bestreite auch ich nicht, aber in der Großstadt diesen enormen öffentlichen Raum nur zum Fahren und Parken zu missbrauchen ist asozial. Nur wenige wohnen so ungünstig, dass das eigene Auto deutlich schneller ist. Und von wegen Großeinkauf. Eure Mütter habt euch alle satt bekommen und dafür mussten sie noch mehr Wege hinter sich bringen.

Beitrag melden
kritiker75 18.02.2018, 12:23
6. Herr Stöcker,

Sie sprechen mir aus dem Herzen. Zumindest in den Städten sollten Lösungen gefunden werden können. Der Verkehr aus dem Umland kann mit ebenso kostenfreien Park & Ride Parkplätzen aus der Stadt heraus gehalten werden. Leider setzt unsere Stadtverwaltung noch immer auf neue Parkhausprojekte im Stadtgebiet. In meinen Augen irrwitzig. Natürlich ist es unbequemer mit Bus und Bahn, aber ganz ohne Kompromisse wird es nicht gehen.

Beitrag melden
Pascal Meister 18.02.2018, 12:24
7. Sammelsurium von Argumenten

Einige Argumente sind einleuchtend, aber weshalb junge Leute vermehrt in Bibliotheken und zum Einzelhändler fahren würden, erschliesst sich mir nicht. In den Städten haben doch die meisten ohnehin eine Monatskarte für den Nahverkehr, wenn sie schon (noch) kein Auto besitzen. Heutzutage wird halt der Autokauf bis zur Familiengründung aufgeschoben, weil man vorher lieber das Geld für Fernreisen nutzt. Und, lieber Autor, wie viel mehr kosten denn die Mehr-Busse, wenn die Nutzung tatsächlich zunehmen würde? Diese Zahl habe ich noch nirgends gelesen...

Beitrag melden
Hagar001 18.02.2018, 12:25
8. Echt jetzt?

So kann man nur schreiben, wenn man in der Großstadt leben will. Das Gesamtproblem ist doch viel komplexer als die Einbeziehung von Schwarzfahrern und Hartz4 Empfängern. Es ginge darum zu Gewährleisten das (nach Schätzungen und realen Erfahrungen) bis zu 10-12 mal Mehr Menschen mit der aktuellen Infrastruktur transportiert werden müßen. Wie soll das gehe? Die Investitionen wären riesig und hätte unglaubliche Folgekosten im Schlepptau.
Grundsätzlich sollte man über Alternativen nachdenken, aber anders nach meiner Auffassung. Fahradschnellwege mit einer ggf. Überdachung, große Sammelstellen für KFZ vor den Städten oder so simple Sachen wie HOV Spuren. Keiner diese Vorschläge würde das Problem komplett lösen, aber das wäre ja nur mal ein Anfang. Da gäbe es noch zig andere Varianten.
Menschen und Ihre stetig wachsende Menge sind das Problem. Artikuliert sich in vielfacher Weise.

Beitrag melden
b3k0 18.02.2018, 12:26
9. Stadt oder Land

Duetschland ist ein Flächenland, was in der Stadt funktioniert hat für die Kleinstädte und Dörfer keine Relevanz. Aus eigener Erfahrung, wenn ich in Berlin unterwegs war konnte ich wählen zwischen S-Bahn, U-Bahn oder Bus... da waren vielleicht 5 Minuten Unterschied oder Wegstrecke.
Jetzt lebe ich auf dem Land und der Bus und Bahn fährt im Stundentakt, zusätzlich von einem Regionalanbieter (Aldo) zum Nächsten (VVS) so das ich Monatskarten für beide Anbieter kaufen muss. Ohne Auto musst du auf dem Land sehr leidensfähig sein, wenn du auch noch einmal umsteigen musst und der Zug oder Bus hat Verspätung...ok dann wartest du halt 50 Minuten für den Anschluss. Ich kann natürlich die Betriebe der Personenförderung verstehen, wenn ich in einem Bus sitze der gerade mal 5 Personen kutschiert, da würde es ein Kleinbus wie in Asien genauso tun....der dann aber im 15 Minutentakt genauso rentabel ist.

Beitrag melden
Seite 1 von 31
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!