Forum: Wissenschaft
Nahverkehr vs. Individualverkehr: Holen wir uns die Welt zurück!
DPA

Die Debatte über kostenlosen Nahverkehr diese Woche zeigt einmal mehr: Beim Thema Auto geht in Deutschland die Vernunft flöten. Und Visionen sind unerwünscht.

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dr.a1 18.02.2018, 16:14
90. Danke für den sachlichen Beitrag

Die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des sogenannten Individualverkehrs ist mehr als fraglich. Eine massive Reduktion wäre sehr sinnvoll für Kaufkraft die bei vielen Haushalten stark von PkW Erhalt gebunden ist. Kostenloser öffentlicher Verkehr sowieso überfällig.

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Reinhardt Gutsche 18.02.2018, 16:19
91. Volonté générale vrs. Partikularinteresse

Volle Zustimmung und volles Kontra denjenigen, die den subventionsprivilegierten Individualverkehr mit Klauen und Zähnen verteidigen, hinter dem Kostenargument das „ideologische“ Primat der persönlichen Freiheit gegen kollektive Zwänge verbergend (vgl. @Abgasaffe).
Aber gerade das Kostenargument ist nicht stichhaltig. Die ÖPNV-Kosten betrugen 2008 hierzulande insgesamt ça 26 Mrd. €. Die Nutzerfinanzierung trug damals dazu lediglich mit knapp 9 Mrd. € bei. Der Rest kommt also ohnehin aus unterschiedlichen öffentlichen Subventionstöpfen. Zum Ausgleich der Finanzierungslücke nach Wegfall des Nutzerbeitrages sollten sich leicht Quellen finden lassen, etwa durch Streichung der Steuerprivilegien für Dieselkraftstoff und Kerosin (15 Mrd.€), Maut- und höhere Parkgebühren in City-Bereichen, Deckelung der Absetzbarkeit der Arbeitswegekosten, Einsparung der Overhaed-Kosten bei der Nutzerfinanzierung usw. Einsparungen bei Bau und Unterhalt der autobezogenen Infrastruktur kämen dann noch hinzu, von den Umwelteffekten nicht zu reden. (Vgl. https://www.zukunft-...in-deutschland/)
Ganz oben auf der Hitliste Gebührenbefreiungsgegener für ÖPNV-Nutzer steht die Frage, wieso, zur Hölle, die Autofahrer mit ihrem Steuern den ÖPNV subventionieren sollten, wenn sie ihn eh nicht nutzten. Allerdings liegt es in der Natur von Ausgaben aus kollektiven Töpfen, das sie nicht adäquat zum individuellen Nutzenverhalten der Einzahler erfolgt, sondern bedarfsorientiert aus einem großen, gemeinschaftlich gefüllten Topf erfolgt. Das ist beim Staatshaushalt nicht anders als bei Sozialversicherung oder Haftpflicht. Die Feuerwehr muß also auch der bezahlen, der sie nie in Anspruch nehmen brauchte, die Bundeswehr auch der, der sie für einen überflüssigen Moloch hält, den ÖRR auch der, der keinen Fernseher hat, die Befreiung der Golfplatz-Betreiber von der EEG-Umlage auch der, der diesem bizarren Hobby nicht frönt, die Subventionierung des Flugverkehrs via Flughafenbau oder Kerosinsteuer-Befreiung auch der, die nie ein Flugzeug besteigt, die 300 Mio € Siemens-Subventionen und die 100%ige Steuerbefreiung der Reedereien auch der, der keine Anteile an Siemens oder Schiffsunternehmen besitzt usw. Die Soziale Marktwirtschaft ist durchsetzt mit Querfinanzierungsregeln zwischen Produzenten und Konsumenten, die in unterschiedlichem Grade losgelöst sind vom unmittelbaren Warenverhältnis. Ohne dies gäbe es weder eine wissenschaftliche Grundlagenforschung noch die Fähigkeit, Kriege zu führen (was nun wiederum allerdings nicht schade wäre...)
Es geht also nicht darum, das Auto abzuschaffen noch „das Volk umzuerziehen“. (@ phocs: „Wenn die Leute Autos wollen und lieben, dann hat eine bezahlte Serviceagentur namens Staat einfach die nötige Infrastruktur bereit zu stellen. Und nicht "die Leute aus den Autos zu holen.") Das gilt allerdings auch umgekehrt: Wenn die Leute den nutzerunabhängigen ÖPNV wollen und lieben, dann hat eine bezahlte Serviceagentur namens Staat einfach die nötige Infrastruktur bereitzustellen, und nicht das Auto mit seinen Kollateralschäden auf Kosten der Volonté Générale zu bevorzugen.

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MtSchiara 18.02.2018, 16:20
92. am sinnvollsten wäre eine Reduzierung der Anzahl der Fahrten

Besser, als Fahrten kostenlos zu machen, wäre es die Gründe, die Menschen für Fahrten (sei es mit Auto oder Öffis) haben, zu reduzieren.

Folgende Maßnahmen wären da sinnvoll:
1) gesetzlich Anreize für Firmen schaffen, um vermehrt Homeoffice anzubieten
2) gesetzliche Anreize für Firmen schaffen, um vermehrt Teilzeit anzubieten
3) den Bürgern den jährlichen Produktivitätszuwachs zu belassen, anstatt ihn in ideologischen Projekten wie einer Energiewende, einer Dieselkampagne, einer ungesteuerten Zuwanderung oder einer Eurorettung zu verpulvern, so daß sie sich mehr Teilzeit leisten können
4) Langlebigkeit von Produkten erhöhen durch gesetzlich vorgeschriebene längere Garantiezeiten auf Produkte und Reparaturen
5) Effizienzerhöhung von Verwaltung und Gesetzgebung
6) Verbesserung der Patentgesetzgebung zur Vermeidung von Milliardeninvestitionen zur Erzeugung von Scheininnovationen

Alle diese Maßnahmen würden dazu führen, daß die Menschen weniger Wochenzeit benötigen, um ihren Unterhalt zu erarbeiten, und weniger oft Produkte kaufen müssen. Dies würde die Notwendigkeit von Fahrten signifikant reduzieren. Die Menschen gewönnen zusätzlich mehr Zeit für Familie, Freunde, Hobbys, Sport und persönliches und die Lebensqualität würde spürbar steigen.

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sogehtsind 18.02.2018, 16:28
93. Ich will einfach mein Auto

So wie Millionen von Deutschen will ich einfach mein Auto. Egal was da an alternativen Zeitungsartikeln erscheint.
Ich will es zum Fahren, für Transporte und einfach zum Vergnügen. Und wer das kaputt machen will wird einfach nicht mehr gewählt.

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smsderfflinger 18.02.2018, 16:29
94. Jawoll ja!

Zitat von laxroth
Genial geschriebener Artikel, der Beste seit langem. Prima, ich teile alle Ansichten des Autors.
Ich glaube auch, dass das eine super Idee ist. Sollen die Pendler doch sich kostenlos in Transportmittel drängeln, gefüllt mit übelriechenden, Bakterien und Viren aushustenden Mitfahrern, die einem im Berufsverkehr dann auch richtig nahekommen. Das hat im Fall einer Grippewelle wenigstens eine schnellere Durchseuchung der ÖPNV - Kohorten zur Folge - wie in einem Wartezimmer zur Grippezeit, nur wesentlich enger...
Wird auch ein verändertes Einkaufsverhalten nach sich ziehen, Amazon und Co. wirds sicher recht sein.
Holt Euch, liebe Grossstädter, ruhig Eure Welt zurück, Ihr werdet sie dann bald exclusiv haben, mit viel leeren Räumlichkeiten für Kitas, Altenpflege etc. in den ehemaligen Räumen von Karstadt, Kaufhof etc.
Auch Eure Theater habt Ihr dann auch für Euch, denn wer bitte traut sich mit entsprechender Garderobe in einen -auch innen - liebevoll bemalten und durch kreative Mitfahrer umgestalteten Menschenmassenlastwagen...?
Tut mir nur leid für die Pendler, die aus finanziellen Gründen notgedrungen auf dem Land leben und zumindest für den Weg zur Arbeit Euch noch durch ihre Anwsenheit belästigen müssen. Dann habt Ihr sie für Euch die halbtote Stadt . Fahrradfahrer und Fussgänger können sich dann in den ehemaligen Einkaufsstrassen tummeln und schauen, welche Geschäfte als nächste das Handtuch werfen.
Viel Spass!
D

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5412 18.02.2018, 16:36
95.

Zitat von helmut_s
Wer sind denn bitte "die" Leute? :) Wenn 10 oder 20% der Mitbürger ihren SUV lieben, ist das noch _kein_ Grund, einen Staat aussenrum zu konstruieren, der ihnen das Land zuteert, damit sie auf Kosten aller anderen freie Fahrt haben ... und weil die Kisten ja doch nicht querfeldein weiterkommen (bzw. dann ein paar Schlammspritzer abkriegen könnten ...). Bitte nehmen Sie zur Kenntnis: das Land wird nicht _nur_ von Autofanatikern bevölkert. Im Gegenteil: diese Klientel wird langsam aber sicher aussterben. Besser also, man bereitet sich auf eine Zeit nach dem grossen Autofetisch vor. Denn sie wird kommen. Aus vielerlei Gründen.
Sie müssen jetzt sehr tapfer sein, aber das wird nicht passieren bzw. noch sehr lange dauern. Wetten das? Es geht nämlich nicht nur um SUV-Fahrer. Die Fahrer aller PKW sind betroffen sogar die, die ein BEV fahren. Und es ist kein Fetisch. Es ist eine Entscheidung die viele Gründe hat. U.a. auch Bequemlichkeit, aber das geht Sie gar nichts an. Ihnen steht es frei sich auch so, anders, oder meinethalben auch gar nicht fortzubewegen. Sehen Sie den Unterschied. Ich bin tolerant und lassen Ihnen ihren ÖPNV-"Fetisch".

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ruhepuls 18.02.2018, 16:37
96. Blech aus der Stadt raus...

Zitat von alterknacker54
Holen wir uns uneeren Lebensraum zurück! Aus einem Beitrag von mir vom 1.2.: "Der Verkehr muss raus aus den Innenstädten! Es ist doch fast egal, ob sich da ein stinkender Blechhaufen oder ein weniger stinkender Blechhaufen stapelt - gebt die Innenstädte endlich den Menschen zurück! Gebt den Menschen mehr Luft und Raum zum Laufen und Radfahren. Schaut mal, wie viel Fläche in den Städten dem Moloch Auto geopfert wird. Damit könnte man oftmals etwas viel Besseres anfangen..." Schaut auch, wieviel Raum nicht nur in den Stadten sondern auch sonstwo dem Moloch Auto, dem Individualverkehr, geopfert worden ist! Schaut auch mal genauer hin, wie das "normale" Straßenbild heutzutage von Autos dominiert wird - man sieht kaum noch Gebäude, Menschen, Pflanzen - alles voller Blechhaufen! Ich werde mich nie daran gewöhnen.
Grundsätzlich ist das ja ein guter Ansatz. Man könnte ja vor den Städten entsprechende Parkplätze einrichten und einen Shuttle-Betrieb. Allerdings muss man dann auch in Kauf nehmen, dass sich die Einkaufswelt in den Städten verändert. Weg vom Grundbedarf (Lebensmittel etc.) und hin zum Bummel-Shopping, während vor den Städten die Supermärkte wachsen und die Shopping-Center für alle, die keine Lust haben, schwere Taschen durch die Stadt zu schleppen. Und sich keine Zeit dafür nehmen wollen. Aber in Zeiten des Internet ist vielleicht all das eh schon überholt, weil immer mehr auch den Grundbedarf per Amazon & Co. liefern lassen.
Ein Problem sehe ich allerdings: Was machen die, die in den Städten wohnen mit ihren PKWs?

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ruhepuls 18.02.2018, 16:41
97. Lebensqualität?

Zitat von salomon17
für diesen Beitrag. Wenn ich mich in bestimmten Wohngegenden umsehe, finde ich 400-qm-Grundstücke auf denen die Hälfte der Fläche mit Parkplätzen und Zufahrten zubetoniert ist. Ich finde Doppelgaragen, die deutlich größer sind als der schmale Vorgarten. Das Auto ist der Fetisch, um den sich in D alles dreht. Und die Autowerbung erweckt den Eindruck, als erhalte man mit dem Kauf eines zwei Tonnen schweren Vehikels die Freiheit zurück, die wir längst hätten, wenn wir nicht so viel Energie in die Anschaffung dieser Monster stecken würden. Wir brauchen weniger Autos und kleinere, leichtere Autos. Die Folgen wären ein Gewinn an Lebensqualität.
Lebensqualität ist eine sehr subjektive Geschichte. Für viele Amerikaner gehört dazu beispielsweise das Recht Waffen zu besitzen. Für Deutsche hat das "heilige Blech" einen ähnlichen Status ("Freie Fahrt für freie Bürger"). Und der passionierte Raucher sieht sein Recht auf Selbstschädigung auch als Teil seiner Lebensqualität. Das gleiche gilt für den Biertrinker, den Viel-und-gern-Esser und jedes andere "Laster", das entweder die eigene Gesundheit oder die anderer potentiell schädigt oder gefährdet.

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trompetenmann 18.02.2018, 16:55
98. Bequemlichkeit auf Kosten der Gesundheit.

Zitat von 5412
Sie ziehen gerade über ihren Nachbarn so her wie er vermutlich über Sie. Mich haben Sie nicht überzeugt. Von unserem Haus in Hamburg kann ich fast jede Strecke schneller erreichen und als Fahrer eines BEV zahle ich in ganz HH keine Parkgebühren. Busse verspäten sich, Züge fallen aus und der eigene PKW ist immer bequemer als der ÖPNV. Viele Frauen stehen auch nicht so darauf, weil es im ÖPNV oft eng zugeht was eher Männern gefallen dürfte. Empfindlich was Gerüche angeht darf man auch nicht sein und wir haben noch nicht über das Thema Sicherheit von 21-6 Uhr gesprochen. Und meine Wasserkisten aus dem Getränkemarkt möchte ich nicht zum Bus usw. schleppen müssen. Und kommen Sie mir nicht mit dem Wasserhahn. Im Trinkwasser finden steigende Anteile an Medikamentenrückständen und Hormonen. Wer bei jährlich bis zu 1000Liter H2O drauf steht bitte gern. Ich nicht!
Sie stellen Ihre Geruchsbelästigung über die Gesundheit der Stadtbewohner? Und nur wegen ihrer Wasserkiste wollen Sie nicht ÖPNV fahren?
Jeder Stadtbewohner hat das Recht auf die Einhaltung der Grenzwerte bzgl. Luftverschmutzung zu bestehen. Ob Sie deswegen in stickigen Ubahnen fahren und ihre Wasserkästen tragen müssen oder andere Ihre Kinder nicht mehr mit dem PKW zum Kindergarten fahren können. Sie können ja mit einem Elektroroller, E-bike oder E-Auto fahren. Niemand hindert Sie. Nur mit dem Verbrenner geht es dann vielleicht nicht mehr.

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agt69 18.02.2018, 16:59
99. Preise sind nicht das Problem

Ich würde mal sagen, dass kaum ein Großstädter, der die Möglichkeit hat, sein anvisiertes Ziel auf bequeme und schnelle Art mit dem ÖPNV zu erreichen, für diese Strecke ins Auto steigt, weil ihn die Kosten einer Fahrkarte abschrecken.
Ins Auto steigt man dann, wenn man sich davon einen zeitlichen Vorteil verspricht. Das ist dann der Fall, wenn die bestehenden Verbindungen entweder unattraktiv oder nicht vorhanden sind.
Anstatt Milliarden dafür aufzuwenden, die bestehenden Strecken kostenlos zu machen, sollte das Geld lieber in einen massiven Ausbau gesteckt werden.
In den meisten Großstädten ist der ÖPNV zu den Stoßzeiten bereits jetzt am Anschlag. Ein weiteres Ansteigen der Fahrgastzahlen wäre ohne Ausbau gar nicht mehr zu bewältigen.

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