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Nation und Identität: Die Top-Erfolge der deutschen Geschichte
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Die kalkulierte "Vogelschiss"-Provokation war widerwärtig. Was dabei ein bisschen unterging: Auch der Rest, das mit den "1000 erfolgreichen Jahren deutscher Geschichte", ist gefährlicher Unsinn.

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cobaea 10.06.2018, 13:05
40.

Zitat von gula19
Dass auch deutsche Geschichte seine Schattenseiten hatte ist jedermann bekannt. Völlig daneben ist aber die Darstellungsweise des Autors der deutsche Geschichte nur als eine Ansammlung von negativen Ereignissen darstellt. Wie sieht es in anderen Ländern aus? Ist englische, spanische, chinesische oder französische Geschichte besser? Verbrechen gegen die Menschlichkeit finden sich dort überall. Andererseits hat Deutschland bzw. die Bevölkerung in den letzten Jahren außerordentliche kulturelle Leistungen hervorgebracht. Das war es wohl auch was Herr Gauland sagen wollte, dass man die Geschichte nicht auf diesen Zeitraum des dritten Reichs reduzieren darf.
Was Herr Gauland "sagen wollte" ist völlig unerheblich. Wichtig ist, was er gesagt hat. Selbstverständlich hat er das dann - wie jedes Mal, wenn er so einen "Klopfer" gelandet hat - ein paar Tage später "richtig gestellt". Wenn ein Politiker immer wieder unfähig ist, sich unmissverständlich auszudrücken, dann sollte er entweder a) lieber den Mund halten oder b) einen Kurs absolvieren "Wie drücke ich meine Anliegen klar, deutlich und unmissverständlich aus?"

Noch eine Anmerkung: Dass die Geschichte anderer Nationen - die tatsächlich schon "Nationen" waren - auch nicht besser ist, als diejenige der Unzahl von Grafschaften. Fürstentümern, Herzogtümern und Königreichen auf dem Gebiet des heutigen Deutschland, ist in diesem Zusammenhang unerheblich. Es geht ja um die angeblich so gloriose "deutsche" Geschichte und nicht um die der anderen. Eine "die auch Argumentation" erinnert immer an kleine Kinder, die eine Scheibe eingeschmissen haben und wenn sie dafür gescholten werden, weinerlich "aber der hat doch auch" sagen.

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dirk.resuehr 10.06.2018, 13:07
41. Muß das sein?

Über jede Sottise eines AfD-lers zu referieren? Die historischen Interpretationen Herrn Gaulands sind was? Genau! Hat er selbst formuliert. Unnötig ist auch, historische Ereignisse mit dem Wertekanon des 21. Jahrhunderts zu betrachten. Das scheint mir sehr deutsch, Hauptsache kritisch. Da gibt es internationale Unterschiede. Lincoln gilt als großer Präsident. Analysiert man seine Indianerpolitik, kommt man auf andere Gedanken. Ebenso was Annektionen angeht, die USA haben Hawaii mal kurz annektiert, interessiert heute wohl überwiegend die wenigen existenten Nachkommen der Ur.Bevölkerung. Das sei der Beispiele genug, kann man beliebig, für die meisten Kolonialmächte insbesondere, fortführen. Nicht alle gehen mit ihrer Vergangenheit so kritisch zu Werke wie unsere Mitbürger. Fazit: Zukeiner Zeit ging es in der Welt paradiesisch zu!

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ddorfer_ 10.06.2018, 13:07
42. Linkenkomplex

Ich glaube, die Linken haben es bis heute nicht verarbeitet, dass die sonst so revolutionsmüden Deutschen nur im Widerstand gegen die „rote Utopie“ erfolgreich waren. Woher dieser Selbsthass, den schon Bismarck den Deutschen attestierte.

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cobaea 10.06.2018, 13:14
43.

Zitat von benjamin.gro
...Deutsch sind all jene, die "deutscher Zunge" sind. Egal wo und wann sie gelebt haben oder aktuell leben. Einmalig in der Weltgeschichte!
Autsch! Sagen Sie das lieber nicht, wenn Sie mal die Schweiz besuchen. Die Deutschschweizer werden Ihnen einen husten, von wegen "deutsch sein" und so. Auch die Elsässer, die durchaus "deutscher Zunge" sind/sein können (so sie wollen), sind not amused über so eine Aussage. Sie haben sich immer als Franzosen bzw. als Elsässer verstanden. Und ich vermute mal, dass inzwischen auch die Österreicher sich nicht mehr als "deutsch" bezeichnet werden wollen. Ihre Aussage hat evtl. noch gestimmt, als Hoffmann von Fallersleben Mitte des 19. Jahrhunderts - vor Gründung des Nationalstaates - sein "Lied der Deutschen" schrieb und alle deutschsprachigen Gebiete des Deutschen Bundes und Zollvereins seiner Dichtung zugrunde legte. Spätestens seit 1871 ist das fragwürdig und seit 1945 ein unmögliches Ansinnen.

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Bananenschale 10.06.2018, 13:25
44. Schland!

Deutschland ist eine Erfindung. Nicht mehr und nicht weniger. Frankreich ist eine Nation. England weniger. Sogar die USA sind eine Nation - trotz Sklaverei und Rassendiskriminierung. Und natürlich auch China, Persien, Arabien, Türkei.

Das Faszinierende an Republiken ist, daß sich in (über-) menschlichen Ideal begründen und versuchen dieses pragmatisch auszufüllen. Mag es gelingen oder nicht. Merkel sei Dank. Glanz und Elend. Wir wissen es alle. Was also soll Deutschland sein? Doch das hier:

Artikel 1, Absatz 1, GG: "Die Würde des Menschen ist unanstastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Aufgabe aller staatlichen Gewalt."

Geschrieben in deutscher Sprache definiert das unsere Nation! Daß diese Granate überhaupt den allierten Kontrollrat passierte ist eine echtes Rätsel. Die allierten Besatzungsmächte haben den imperialen Impetus, der diesem Grundsatz innewohnt, nicht wahrgenommen.

Historiwsch betrachtet ist es für die Lebenden ein einzigartiger Zufall, überhaupt dabei zu sein. Allerdings ist jede Wirklichkeit für sich genommen immer absolut unwahrscheinlich und insofern einzigartig. Also kein Grund überzuschnappen. Was man aber histografisch feststellen kann, ist die bedingungslose und uneingeschränkte Bindung der Idee eines Staates an ein Ideal, daß niemanden diskrimiert oder gar ausschließt. Es ist für mich nicht ganz einfach, diese Dinge überhaupt einzuordnen. Ich bin mit diesem Zeugs nämlich aufgewachsen. Mir war es selbstverständlich. Mit zunehmenden Alter muß ich aber feststellen, daß das einzigartig, geradezu singulär ist. Die Ungewißheiten nehmen zu. Ich sehe existenzielle Gefahren. Der Hintergrund dieser Gefahren ist nur dialiktisch beschreibbar.

Den einzigen Vogelschiß, den ich erkenne, ist Gaulands vollkommen überflüssiges Dumpfgelabere. Dtl. ist definiert durch einen Willen, niedergelegt in einer Verfassung. Und nur dadurch. Ich lege eine Schippe drauf: Das ist der Triumph des Willens. Nähmlich des Willens derjenigen, die dem staatlich organisierten Faschismus und Völkermord zu widerstehen versuchten, darüber umkamen und trotzdem es schafften, ihn zu überwinden.

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gutmichl 10.06.2018, 13:29
45. "alles Mist" ?

Ein seltsames, aber nicht unerwartetes Verständnis zeigt der Artikel mal wieder.
Warum reisen ausländische Besuchergruppen durch unser Land, um Schlösser, Wirkungsstätten der Kulturschaffenden zu besichtigen ?
Warum haben wir Spätaussiedler als "Deutsche" einreisen lassen, wenn sie nach Sprechweise im Artikel vielleicht nur "deutschsprachige Russen" waren ?
Warum ist in der Physik und Technik so oft ein deutscher Name zu lesen ?
Sind Diesel, Einstein, Hahn, Hertz, Siemens alles nur Versager, für die man sich schämen sollte ?
Diesen Hass auf die eigene Kultur kenne ich so nur in diesem Land. Auf diesen Aspekt sollte man weniger Stolz sein.

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josifi 10.06.2018, 13:32
46.

Zitat von österreichischeschule
Schade, das sich der Autor wieder schienenhaft auf seinem linken Kurs bewegt. Ich teile zwar die Einschätzung das Früher alles schlechter war und das wir vermutlich in einer der besten Zeiträume überhaupt leben dürfen (nach uns wird es Dank Umweltverschmutzung und Überbevölkerung nicht mehr so lustig), aber hier nur auf die negativen Aspekte abzustellen ist mir zu einseitig und dient wieder nur dem reflexartigen AfD bashing. Hätte der Autor sich die Mühe gemacht auch einige der Errungenschaften zu nennen, die von Deutschland aus um die Welt gingen, wäre der Artikel gelungener gewesen und die Kritik glaubwürdiger.
Da bin ich aber gespannt, was Sie aus den letzten 1000 Jahren als "erfolgreich" aufzählen. Die Aufklärung zählt maximal nur halb, die war europaweit und war ganz stark französisch und englisch geprägt.

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Melum 10.06.2018, 13:35
47. Bravo an manche Kommentatoren!

Ich lese gerade bei so undifferenzierten und wirklich schlechten Artikeln wie diesem hier viel lieber das Forum durch, da es immer wieder einige gebildete und in der Sache argumentativ gut widerlegende Schreiber gibt, von denen ich mir wünschen würde, sie schrieben auch mal einen Artikel oder eine Kolumne auf SPON.

Dies ist durchaus als Vorschlag zu werten, liebe Redaktion!

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häuptling83 10.06.2018, 13:40
48. Applaus, Herr Stöcker

Sie werden es vielleicht bestreiten, aber mit derlei Artikeln stärken Sie nur die AfD.
Die und deren Anhängern haben nun tolles Material, um Sie als antideutschen Selbsthasser zu bezeichnen. Und mal allen Ernstes, die Pest als deutschen Misserfolg zu bezeichnen? Geht's noch?! Und nichts für Ungut, aber kam nach dem 30jährigen Krieg, während dessen sich Europas Armeen auf deutschem Territorium austobten, nicht der Westfälische Frieden - der Nukleus des heutigen Völkerrechts? Bei einer derart fahrlässigen und selektiven Argumentation (genau das, was Sie ja zurecht der Gegenseite vorwerfen) muss man sich nicht wundern, wenn der rechte Rand Auftrieb erhält. Derartige Artikel sind Teil des Problems.

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j2011 10.06.2018, 13:40
49. Das Bild des Themas

beschreibt keine "Hexenverbrennung im Mittelalter", sondern in der frühen Neuzeit. Im Mittelalter gab es nämlich keine institutionalisierte Hexenverbrennung, das war eine Geburtswehe der Neuzeit. Der Autor datiert diese Aktion ganz richtig zwischen 1400 und 1800, da war aber die Epoche, die landläufig "MIttelalter" genannt wird, bereits vorbei. Historiker sehen das "finstere Mittelalter" mit Sicherheit differenzierter.

In der Epoche, die der "Dreissigjährige Krieg" genannt wird, bekriegten sich die europäischen Großmächte auf deutschem Boden. Die Deutschen waren nicht "ganz vorne mit dabei", sondern sorgten sich darum, nicht zwischen die jeweiligen Fronten zu geraten. Für das Gaulandsche Gefasel gab natürlich auch diese Tatsache nichts her, was auf eine großartige 1000jährige Geschichte schließen ließe.

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