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Netzpropaganda: Wie ich einmal Putins Trolle traf
SHIPENKOV/ EPA/ REX/ Shutterstock

Bei Twitter begegnet man oft seltsamen Figuren. Eine Gruppe, die sich vergangenen Sommer brennend für den Brexit interessierte, war besonders merkwürdig. Jetzt ist klar, warum.

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hdwinkel 17.12.2017, 13:44
1. Frage der Relevanz

Daß die russische Regierung Netzpropaganda betreibt, darf wohl als gesichert gelten und wird von der internationalen Presse soweit bestätigt:
http://www.independent.co.uk/news/uk...-a7920181.html
Mal abgesehen von der Tatsache, daß Russland damit offensichtlich auch nicht allein steht, siehe z.B.
"GCHQ plant Rufmord im Netz"
http://www.faz.net/aktuell/feuilleto...-12819527.html, vielleicht in der Größenordnung, stellt sich mir die Frage nach der Relevanz, also welchen Einfluß diese Propaganda und Manipulation tatsächlich haben.
Die Themen selbst werden nicht von der Propaganda gesetzt, also nicht Putin hat z.B. einen Brexit herbeigeredet. Auch die Spaltungstendenzen gab und gibt es bereits ohne russische Einmischung. Die britische Boulevardpresse war selbst voll davon.
Der Einfluß durch gefakte Twitter-Accounts manifestiert sich also eher in der Festigung einer Themenblase, die aber als solche schon bestand. Ich bezweifle also, daß das tatsächliche Wahlverhalten durch Twitter geändert wurde.

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jowitt 17.12.2017, 13:48
2. @rainerwäscher Heute, 12:53

Zitat von rainerwäscher
Ich verstehe das Problem nicht. Niemand muss sich die Meinung von Trollen mit schlechter Grammatik zu eigen machen. Selbst nachdenken ist immer die bessere Lösung. In übrigen ist das Internet voll von Texten von Spinnern. Die Erfinder des Internets waren selber welche.
Sie verstehen das Problem nicht? Es wird bewußt falsch informiert, zum Teil gelogen, Geschichten verdreht oder erfunden.

All das verunsichert viele Menschen, weil sie nicht mehr wissen, was sie glauben sollen, und was nicht. Andere glauben den Lügen (siehe das angeblich entführte und vergewaltigte angeblich russische Mädchen in Berlin)

Insgesamt vergiftet so etwas das Klima in unseren Ländern und unterhöhlt die Demokratie, was ja wohl auch das Ziel ist.

Gut zu sehen, an den vielen, die immer von einer natürlichen Freundschaft mit Russland fabulieren. Da sind ja scheints dann schon viele auf Fake-News reingefallen.

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karlo_3 17.12.2017, 14:19
3. Das Problem ist eigentlich recht einfach zu verstehen.

Nachdenken ist immer gut - aber Intelligenz ist nun einmal normalverteilt, und nicht alle Menschen haben Lust auf‘s Nachdenken. Das ist die große Schwäche einer Demokratie. Normalerweise noch kein großes Problem; aber wenn un- oder scheindemokratische Regime derart massiv und manipulativ mit gefälschten Tatsachen und Konten in unsere demokratischen Prozesse eingreifen, dann ist das natürlich ein Problem. Bislang stehen wir dem Ganzen noch recht hilflos und naïv gegenüber. Aber irgendwann hilft es auch nicht mehr, zuzuschauen und zu hoffen, dass es vorübergeht. Der „Krieg“ (im Grunde ist es ein nicht erklärter Krieg, nur mit anderen Mitteln) hat gerade erst begonnen. Die größte Bedrohung für Putin, Erdogan und Co. sind nun mal funktionierende Demokratien, nach denen sich u.a. alle sehnen, die bereits wegen einer kritischen Meinungsäußerung, sexuellen Orientierung etc. im Gefängnis gelandet sind.

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budenspecht 17.12.2017, 14:45
4. Mein Eindruck ist,

dass diese bezahlten Trolle inzwischen aus allen Richtungen auftauchen, also auch Erdogans Trolle, Trumps Trolle, u.s.w. . Doch ist der Leser ja nicht ganz blöd, und es ist auffällig. Dann gibt es ja auch noch die, die sich durch die Trolle, meist ohne sich darüber bewusst zu sein, instrumentalisieren lassen und den ganzen Mist wie eine Virenepedemie über das Netz ausbreiten... follower... . Aber da müssen wir durch, denke ich. Der Troll, der ursprünglich aus dem Usenet kam - und dort hauste - wurde als Instrument der Politik erkannt und viele der Vorgehensweisen von Trollen kennt man aus alten Usenet-Tagen. Diese Strategien wurde von der Politik kopiert, die sich damals im Usenet herausbildeten. Im alten Usenet finden sich die Anfänge und die Methoden des heutigen politischen Trolls. Troll-Archäologie. :-)

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irene74 17.12.2017, 15:10
5.

Es ist ganz einfach. Wirtschaftlich können die Russen die EU nicht in die Knie zwingen und militärisch wäre ein Risiko. Also versucht man mit Desinformation den Westen zu destabilisieren. Einiges ist ihnen auch gelungen, aber noch nicht alles. Daher versucht man es immer weiter. Wenn wir nicht aufpassen, wachen wir eines Tages in so einem autokratischen Gebilde auf. Ob es dann immer noch welche gibt , die die Freundschaft mit Putin beschwören, wahrscheinlich ja. Die Menschen lernen nie aus.

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-su- 17.12.2017, 15:10
6.

Man kann es sich schon sehr einfach machen. Es passt einfach nicht ins Weltbild, dass es Leute gibt, die eine EU, wie sie jetzt ist, nicht wollen. Die jetztige EU ist eine EU für die Unternehmer und Eliten und nicht für die Menschen. Das sieht man u.a. das man nichts gegen die Steueroasen wie Luxemburg, Niederlande, Irland unternimmt und Affären wie Lux-Leaks, Panama- und Paradies-Papers folgenlos bleiben. Der normale Bürger zahlt seine Steuern und die Firmen und Reichen drücken sich um Steuerzahlungen via Steueroasen.

Auch der Umgang mit Menschen, die am unteren Rand leben und mit den ganzen Flüchtlingen weitere Konkurrenz bekommen, ist ja bezeichnend. Deren Ängste, dass sie künftig noch schlechter bezahlbare Wohnungen bekommen, wird pauschal als Ausländerfeindlichkeit abgetan. Wenn diese Aussagen dann im Internet erscheinen, dann werden diese als Russen-Trolle bezeichnet.

Nach ein Jahr Trump und Brexit, hätte ich erwartet, dass man sich endlich mal mit den Ursachen des Brexit befasst, aber wie man hier wieder sehr schön sieht, passiert das nicht. Man wählt den einfachen Weg und schiebt die Schuld auf angebliche Russen-Trolle und Fake-News.

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Emderfriese 17.12.2017, 15:24
7.

Zitat von jowitt
Sie verstehen das Problem nicht? Es wird bewußt falsch informiert, zum Teil gelogen, Geschichten verdreht oder erfunden. All das verunsichert viele Menschen, weil sie nicht mehr wissen, was sie glauben sollen, und was nicht. Andere glauben den Lügen (siehe das angeblich entführte und vergewaltigte angeblich russische Mädchen in Berlin) Insgesamt vergiftet so etwas das Klima in unseren Ländern und unterhöhlt die Demokratie, was ja wohl auch das Ziel ist. Gut zu sehen, an den vielen, die immer von einer natürlichen Freundschaft mit Russland fabulieren. Da sind ja scheints dann schon viele auf Fake-News reingefallen.
"...Gut zu sehen, an den vielen, die immer von einer natürlichen Freundschaft mit Russland fabulieren. Da sind ja scheints dann schon viele auf Fake-News reingefallen."

Oder Sie selbst. Kennen Sie den Spruch:"Alle Kreter lügen, sagte der Kreter..."

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familylawyer 17.12.2017, 15:46
8. Neue Meinungsvielfalt

Interessante Aufklärung, aber warum immer mit einer so einseitig negativen Haltung gegenüber den Sozial Media?

Deren Nutzung ist doch nur eine angemessene und logische Reaktion auf das in den großen Medien - aus welchen Gründen auch immer – vorzufindende relativ einheitliche Meinungsbild. Durch die Nutzung von Bots und Fakeprofilen in den Sozial Media geschieht nichts anderes, als es die vielen NGOs weltweit und unter wessen Führung auch immer ebenfalls versuchen, um ihre jeweilige Weltsicht zu verbreiten. Im Grunde sind die Fakeprofile und Sozial Bots daher nur eine moderne den neuen technischen Mitteln angepasste Spielart im immerwährenden Meinungskampf. Man sollte sie identifizieren nicht aber verbieten. Sie sind eine Quelle alternativer Weltsichten. Und der Streit um die bessere Meinung gehört zur Demokratie. Wer darin bloß das -unbestritten vorhandene - spaltende Element sieht, respektiert entweder das Prinzip der Demokratie nicht oder zieht aus anderen Gründen eine unkontroverse Meinungsbildung vor!

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lomax3030 17.12.2017, 15:48
9.

"angebliche Russen-Trolle und Fake-News" Angeblich? Wenn Sie den Beweisen nicht glauben, dann sollte Ihr normaler Menschenverstand Ihnen bei einigen Posts sagen welch Geistes Kinde der Verfasser ist. Natürlich ist die EU nicht perfekt und die Demokratie auch nicht, aber es gibt keinen Grund ein nicht perfektes System gegen ein totalitäres wie in Russland oder in der Türkei tauschen zu wollen. Außer man denkt nur in schwarz/weiß und glaubt denen, die einfache Lösungen versprechen. Aber es gibt keine einfachen Lösungen in einer komplexen Welt. Man muss weiter an den demokratischen System arbeiten und sie verbessern. Langsam, mit Fingerspitzengefühl und nicht mit dem Holzhammer.

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