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Österreich: "Das Glyphosat-Verbot wird die Umwelt nicht retten"
Florian Gaertner/ Photothek/ Getty Imges

Das Parlament in Österreich hat entschieden, den Unkrautvernichter Glyphosat zu verbieten. Hier erklärt die Pflanzenschutzexpertin Siegrid Steinkellner, was das für Landwirtschaft und Umwelt bedeutet.

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alpstein 04.07.2019, 13:49
30.

Zitat von detlef_s
... ... so wie auch genmanipulierte Pflanzen resistent gegen Herbizide geworden sind können sich derartige Resistenzen auch (langsamer) evolutionär entwickeln. In der Folge sind in USA auf vielen Feldern Herbizid-resistente Unkräuter entstanden, die von Farmern reflexartig mit erhöhter Dosierung des Herbizids bekämpft wurden. Was wiederum zur Folge hatte, dass diese Felder nun biologisch völlig tot sind und unbrauchbar wurden. Dieses Problem kulminiert dann in dem Statement, dass dies Herbizid bei "sachgemäßer" (!) Anwendung als unschädlich anzusehen ist.
Das ist Falsch, ein mit Wildkräutern überwucherdes Feld ist biologisch höchst lebendig, und eine Bekämpfung durch Unterpflügen vor der Samenreife ist problemlos möglich

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kuac 04.07.2019, 13:50
31.

Zitat von invinoveritas!
Was sich mir gleichzeitig nicht erschließt: was genau ist an exakt diesem Mittel nun faktisch und nachgewiesen so schlimm, wenn wir 1.) Seit Jahrzehnten eine kontinuierliche Steigerung der allgemeinen Lebenserwartung beobachten (wie kann das sein, wenn doch alles was wir essen so vergiftet ist?) und 2.) mir noch niemand eine Statistik zeigen konnte, wonach die Zehntausenden intensiv Glyphosat nutzenden Bauern ja eigentlich häufiger an Krebs erkranken müssten, als normale Bürger und Nichtnutzer wie ich?..
Die Lebenserwartung hängt ja nicht nur von Glyphosat ab, sondern hauptsächlich von der besseren medizinischen Versorgung und Abnahme der Kindersterblichkeit. In den armen Ländern kann man alleine durch sauberes Trinkwasser und saubere Toiletten die Lebenserwartung massiv steigern. Außerdem hängt das auch vom Einkommen ab. Je ärmer, desto geringer die Lebenserwartung.
Ein US Gericht hat den Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebserkrankung anerkannt und Bayer zur Schadensersatzzahlung verdonnert.

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bauer51 04.07.2019, 13:52
32. Da weis man als Bauer gar nicht wo man anfangen soll

1.Pflügen war schon immer schädlich für die Bodenlebewesen, den co2 Ausstoss und erhöhte die Erosionsgefahr bei Starkregen. Früher hatte man halt nichts anderes um das Saatbeet vorzubereiten, musste aber auch teilweise katastrophale Erosionsereignisse hinnehmen.
2. In den USA kann man auch vor Gericht gezerrt werden wenn heisser Kaffee heiss ist oder man eine Katze in eine Mikrowelle steckt wenn kein Warnhinweis auf dem Gerät klebt!
3. Jede Bodenbearbeitung bzw Unkrautbekämpfung dient dazu die Beikräuter zu beseitigen, egal ob man spritzt, striegelt oder hackt. Der Effekt ist im Idealfall der gleiche, nähmlich Unkräuter weg! Der Nachteil bei der mechanischen Bekämpfung ist, dass der Boden teilweise gelockert wird und damit wieder Erosionsanfällig sein kann und Bodenbrüter restlos beseitigt werden, die Wirksamkeit aber nicht so hoch ist. Ist das besser, wenn gleichzeitig weniger geerntet wird(Bio)?
4. Brasilien als Teil der Merkosurstaaten rodet derzeit in grossem Umfang Urwald um unter anderem die bei uns durch Bio und Umweltmassnahmen entstehenden Versorgungslücken aufzufüllen.
5. Den in Amerika getätigten GVO Ackerbau lehne ich als deutscher Bauer ab. Ständig mit Roundup das Unkraut in verschiedenen Kulturen zu beseitigen führt vor allem zur Selektion von resistenten Unkrautsorten und wird daher im heimischen Ackerbau abgelehnt. Man verwendet nur die Pflanzenschutzmittel die anhand der Bestandsbeurteilung benötigt werden. Round up bleibt so als Mittel zur Minimalbodenbearbeitung wirksam und die Aufwandmenge gering.

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Beat Adler 04.07.2019, 13:54
33.

Zitat von Tom Ethcart
Respekt Österreich! Es gibt also doch noch Menschen, denen das Wohl der Menschen wichtiger ist als Profit und Betrug. Deutschland - das sich eher als Bremser i.S. Umweltschutz profiliert - sollte sich endlich ein Beispiel nehmen....
Oestreich verbietet Import von Bier aus Deutschland wegen zu hohen Glyphosatrueckstaenden! Das Weizenmehl aus Frankreich fuer die Semmeln wird aus dem gleichen Grund auch verboten. Endlich tut die Regierung etwas fuer das Wohl der Menschen. Anders macht ein Verbot von Glyphosat fuer die oestreichischen Bauern keinen Sinn.
mfG Beat

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wauz 04.07.2019, 13:56
34. Nein, das verstehen Sie falsch

Zitat von f-rust
"Die Umwelt retten wird das Glyphosat-Verbot also nicht." Na ja, es geht beim Glyphosat-Verbot nicht in erster Linie um "die Umwelt", sondern um den Schutz der menschen vor möglicherweise krebserregenden Stoffen im Glyphosat. "Die Umwelt retten wird eine CO2-Steuer auch nicht," könnte man genau so gut formulieren. Ich halte diese o.g. Aussage der Frau Professor für sehr bedenklich.
In den USA gibt es tatsächlich Krebsfälle, weil da mit Glyphosphaten und anderem Gift völlig sorgloxh hantiert wird.
Hierzuande sind die Probleme andere. Und sie werden auch als solche angesehen.
Das Krebsrisiko durch Glyphosphat für den Verbraucher ist in Europa ziemlich gering, vermutlich derzeit noch nicht einmalmessbar. Das Krebsrisiko für den Anwender hängt von der Art des Umgangs damit ab. Es dürfte sich aber auch im geringen bereich halten
Das Problem, das in der europäischen Diskussion vorrangig gesehen wird, ist in den Auswirkungen der Ausbringung auf Ackerboden und seine Flora und Fauna, sowie die umgebende Flora und Fauna.Es fängt damit an, dass unsachgemäße Ausbringung zum beispiel verwehungen verursacht. Es sind schon Biohöfe daran pleite gegangen, deren felder durch Nachbarn (versehentlich?) vergiftet wurden. Boden tot, Biolizenz weg, Ernteausfall auf Jahre...
Tatsächlich tötet Glyphosphat alle Pflanzen, mit denen es in berührung kommt. Das bedeutet toter Ackerboden und im gefolge auch eine gesamte Schwächung der Nahrungskette bis hin zu den Singvögeln. Mit der menge des ausgebrachten Glyphosphats sterben mehr und mehr Tierarten aus. Die Wirkung akkumuliert sich.
Ein klares beispiel: wenn man Glyphosphat auf einer bergwiese ausbringt, dauert es dreißig Jahre, bis sich die Natur von dem Eingriff erholt hat. Verausgesetzt, der Boden wird nicht fortgeschwemmt oder fortgeblasen.
Glyphosphat ist eine ökologische Atombombe. Auch wenn das Krebsrisiko das geringste Problem ist.

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LondoMollari 04.07.2019, 13:59
35. Ist doch einfach und steht im Artikel

Zitat von mirage122
Diese österreichische Expertin scheint die Meinung zu vertreten, dass Umpflügen gefährlich für den Boden ist. Eigentlich komisch; denn genau so hat mein Großvater seine Felder bestellt und jedes Jahr allerbeste Erträge erzielt. Muss es wirklich immer nur Chemie sein!
Wenn Sie am Hang pflügen, oder "leichten" Boden mit viel Sand- und wenig Lehm bzw. Tonanteil haben kann die Erde schnell von Regen / Wind abgetragen werden. Nennt sich Erosion. Gemacht wurde und wird es weil man so durch Bodenwenden (="verbuddeln") dem Unkraut herr wird

War ein Problem das auch ihr Großvater schon hatte. Deswegen hat der sich auch die damals noch harte Arbeit mit dem Pflügen gemacht. Allerdings war das bei dem mit der Erosion noch nicht so doll problematisch, da:

- Felder kleiner waren
- mehr Saumstrukturen hatten
(Hecken, Büsche, breite Randstreifen mit Un- / Wildkraut)
- die Flächen ohne moderne Technik längst nicht so schnell gepflügt waren / gepflügt blieben wie heute
- es insgesamt weniger Wetterextreme gab

Heute ist das aber anders, deswegen die Probleme. Denen begegnet man mit der sogenannten "Pfluglosen Bodenbearbeitung". Sprich Boden wird nicht aufgerissen und umgedreht, bleibt stabil und weht / fleißt nciht davon. Unkraut muss aber trotzdem weg, deswegen kommt statt verbuddeln halt Chemie.

Ob Erosion oder Glyphosat "schlimmer" sind hängt je von den Umständen ab. Fakt ist: Die Entwicklung einer ein Zentimeter mächtigen, humosen Bodenschicht kann zwischen 100 und 300 Jahren dauern – jedoch bei einem einzigen starken Gewitterregen durch Erosion verloren gehen.

Glyphosat hingegen ist nach ein paar Wochen im Ackerboden mikrobiell abgebaut. (Gepflasterte Plätze, Asphalt, Steine ist was anderes, da hälts ewig und geht dann mit dem nächsten Regen ab in die Kanalisation)

Fakt ist auch: wo die Bauern wegen Erosion weiter nicht pflügen wollen / können werden sie trotzdem zu Herbiziden greifen. Dann halt mehreren anderen Mittel kombiniert (die wirken fast alle nicht so breit wie Glyphosat so das), die vermutlich für die Umwelt un den Menschen schädlicher seien werden.

Blöd, ist aber so.

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Michael Collins 04.07.2019, 14:05
36. Gesundheitsgefahr durch Glyphosat - invinoveritas!

Verehrter Invinoveritas, zur Gesundheitsgefahr gibt es neben den Klagewellen in der USA zur Frage der Krebshäufigkeit bei Bauern anzumerken, dass es mit dem Krebsregister vor allem in Deutschland so eine Sache ist. Sie werden kaum wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen können über Zusammenhänge einzelner Krebserkrankungen mit spezifischen Gefahrenquellen, dazu geben die Krebsregister zu wenig Datenmaterial her.

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Stresspille 04.07.2019, 14:13
37. Da hätte ich mal ein paar Fragen ...

aus welchem Jahrundert stammt ein Experte, der die Segetalflora immer noch als Unkraut bezeichnet?

Schon allein in dieser Wortwahl zeigt sich das alte Denken und das fehlende Verständnis für die ökologischen Zusammenhänge.

Und wie kann man Bodenkunde betreiben, ohne ökologische Zusammenhänge - die ja auch für die Bodenbildung entscheiden sind - zu verstehen?

Und was ist mit der Giftigkeit für Menschen?

Und was für eine Logik ist es ein Gift nur deshalb weiterhin versprühen zu wollen, weil es auch noch andere Gifte gibt?

Und: "... Im Ackerbau in Österreich dient Glyphosat vor allem dazu, Böden vor Erosion zu schützen ... " ?

Jetzt dient das Glyphosat also vor allem dem Bodenschutz? Da haben sie doch wohl etwas weggelassen. Ich behaupte einfach mal, daß Bodenschutz und bodenschonende Landwirtschaft auch ohne Glyphosat geht.

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geri&freki 04.07.2019, 14:17
38. Nicht übertragbar?

Zitat von shotaro_kaneda
Weil die Studie in Texas zumindest für die Labdwirtschaft 1) nicht auf Europa übertragbar ist, da in Texas eine gentechnisch veränderte Sojabohne während der Blüte gespritzt wurde. Das geht bei uns nicht, da wäre die Sojabohne nämlich dahin. 2) War die Studie uneindeutig. Bei höheren Dosen gegenteilige Effekte beobachtet wurden und 3) Die Bienen teilweise direkt mit verhältnismäßig hohen Konzentration direkt mit Glyphosat gefüttert wurden. 4) Hat die Autorin gesagt, dass Glyphosat im Gegensatz zu anderen Herbiziden eine geringe Toxizität aufweist. Sie hat nicht behauptet, dass es keinen Effekt gibt. Was Kommunen und Kleingärtner mit glyphosathaltigen Produkten anstellen, steht wieder auf einem anderen Blatt.
Offenbar sprechen wir hier von zwei verschiedenen Studien. In der von mir zitierten Publikation von MOTTA, RAYMANN & MORAN (2018) ist von Sojabohnen jedenfalls nicht die Rede. Die Versuchsbienen wurden mit sterilen Zuckerlösungen gefüttert, die im einen Fall eine Konzentration von 5 mg/Ltr und im anderen Fall mit 10 mg/Ltr an Glyphosat enthielten. Warum dieser Versuchsansatz nicht auf Europa übertragbar sein soll, ist mir rätselhaft. Schließlich ging es um die Wirkung von Glyphosat auf die Darmflora der Honigbiene. Und da die in den USA gebräuchlichen Honigbienenrassen mehr oder minder allesamt von europäischen Honigbienen abstammen (Ausnahme: die sog. "Killerbiene"), dürfte sich der Darmstoffwechsel beider nicht groß unterscheiden.
Abgesehen davon stellt Frau Steinkellner im vorstehenden Interview ausdrücklich und ohne Wenn und Aber fest - Zitat: "Dabei gilt Glyphosat im Gegensatz zu vielen Alternativwirkstoffen als ungefährlich für Insekten."
Offensichtlich lesen Sie aber auch hier etwas Anderes als ich!

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wauz 04.07.2019, 14:21
39. Humus? Wo?

Zitat von LondoMollari
(...) Ob Erosion oder Glyphosat "schlimmer" sind hängt je von den Umständen ab. Fakt ist: Die Entwicklung einer ein Zentimeter mächtigen, humosen Bodenschicht kann zwischen 100 und 300 Jahren dauern – jedoch bei einem einzigen starken Gewitterregen durch Erosion verloren gehen. Glyphosat hingegen ist nach ein paar Wochen im Ackerboden mikrobiell abgebaut. (Gepflasterte Plätze, Asphalt, Steine ist was anderes, da hälts ewig und geht dann mit dem nächsten Regen ab in die Kanalisation) (...)
Es gibt keine Ackerböden mit Humusschicht mehr. Noch nicht einmal den einen Zentimeter. Außer auf den Flächen, die schon lange oder immer ohne Biozide bearbeitet werden.
Sie gehören mit zu den Menschen, denen es an Grundlagenwissen in Biologie fehlt. Das verrät ihre Wortwahl bezüglich der "Unkräuter", die man "bekämpfen" muss. Übrigens die gleiche Wortwahl wie bei dieser "Expertin" aus der Werbeabteilung für Agrarchemie. Unter "Pflanzenschutz" verstehen die, 99,99% der vorhandenen Pflanzen umzubringen.
Dass das die "Fruchtbarkeit" nicht erhöht, sieht man an den gewaltigen mengen Mineral- und Stickstoffdüngern, die mit der Glyphosphaterei einhergehen...

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