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Paläontologie-Fund: Der Räuber, der Elefanten fraß
Mauricio Anton/ Eurekalert/ dpa

Er war wohl größer als ein Eisbär und machte Jagd auf die Giganten des Tierreichs. In Kenia sind Forscher auf die Reste von Simbakubwa kutokaafrika gestoßen. Das Urzeitvieh war einer der größten Raubsäuger der Erdgeschichte.

permissiveactionlink 18.04.2019, 19:33
1. Einer der größten Carnivoren,

zweifellos, aber nicht der größte. Die Superlative sind auch immer mit einer gewissen Zurückhaltung zu betrachten, weil wir möglicherweise (bzw. ganz sicher) noch nicht alle Carnivoren, die mal auf dem Festland jagten, als Fossilien gefunden haben. Und es kommt auch immer auf die jeweilige geologische Epoche an, auf die man sich bezieht. Die so genannten Creodonten (Urraubtiere, nicht mehr gültiges Taxon) brachten furchterregende Arten mit Scherengebissen hervor, die man heute in Hyaenodontidae (Hunde- bzw. Hyänenähnlich) und Oxyaenidae (Katzenähnlich) einteilt. Die hatten aber keine nähere Verwandtschaft zu den heutigen Raubtieren (Carnivora), die man wieder in Canoidea (Hundeartige) und Feloidea (Katzenartige) unterteilt. Die beinhalten aber weit mehr als Hunde und Katzen, sondern alle rezenten Raubtiere, die plazentale Säugetiere sind. Das größte Landraubtier, dass zu den (plazentalen) Säugetieren gehörte, war vor 43 Millionen Jahren ein Huftier (Mesonychidae, verwandt mit Paarhufern und Walen !), der 4m lange und 2m hohe Andrewsarchus, dessen Schädellänge 80 cm (!) übertraf. Eine Besonderheit unter den größten Landraubtieren der letzten 65 Millionen Jahre bildet Australien : neben zahlreichen Raubbeutlern (Thylacinus und Thylacoleo) und fleischfressenden Kängurus war das gefährlichste ein Reptil, der über 6m lange Großwaran Megalania. Dem möchte man auch nicht im Outback begegnet sein ! Die Magazine sind voll mit den merkwürdigsten Raubtieren, die auch Säugetiere waren, von Nimraviden über Barbourofeilden bis zu Säbelzahnkatzen und Säbelzahnbeutlern (Thylacosmilus aus Südamerika, starb nach der Bildung des Istmus von Panama und dem nachfolgenden Faunenwechsel aus). Jetzt ist eine neue, angeblich größte Art entdeckt worden : Furchterregender als der nordamerikanische Kurzschnauzen-Eiszeitbär (Bulldoggenbär, Arctodus simus), den noch die ersten Menschen dort mit Schrecken kennenlernten, und seine Opfer zu Tode hetzte, dürfte der im Artikel beschriebene Creodont aber auch nicht gewesen sein. Wirklich beängstigend werden Raubtiere auch erst dann, wenn sie in Rudeln jagen, selbst wenn sie relativ klein sind !

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Profdoc1 18.04.2019, 20:13
2. Superlative....

halte ich, wissenschaftlich betrachtet, für fragwürdig. Ob Simbakubwa das 'größte', 'größer als' oder nur 'groß' war, ist als formale Aussage vollkommen nebensächlich. Welche Species wann, wo und wie entdeckt werden, darüber lässt sich keine Aussage treffen. Insoweit sollten sich auch Wissenschaftsjournalist*innen immer vor Superlativen hüten!

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Sissy.Voss 19.04.2019, 17:33
3. Das ist Quatsch...

Zitat von Profdoc1
halte ich, wissenschaftlich betrachtet, für fragwürdig. Ob Simbakubwa das 'größte', 'größer als' oder nur 'groß' war, ist als formale Aussage vollkommen nebensächlich. Welche Species wann, wo und wie entdeckt werden, darüber lässt sich keine Aussage treffen. Insoweit sollten sich auch Wissenschaftsjournalist*innen immer vor Superlativen hüten!
Das ist Quatsch, dann würde ja kein Leser, der im Prinzip an Naturgeschichte nicht interessiert ist, jemals einen solchen Artikel anklicken. Und das hat in der Paläontologie schließlich Tradition. Nur gruselt sich heute keiner mehr, wenn von "Schreckensechsen" (deinos sauros, Dinosaurier) die Rede ist. Da kommen einem heute die Wissenschaftler, die diesen Terminus prägten, altertümlicher vor als ihre Studienobjekte.

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zia-zaruba 19.04.2019, 18:29
4. egal wie groß

das Tier angeblich gewesen sein mag. Sich mit einer Elefantenherde oder gar einem Flußpferd anzulegen. Ich hab da meine zweifel. Oder gab es damals noch keine Zebras, Gazellen und andere Kleintiere ?

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jamguy 22.04.2019, 18:32
5.

Zitat von zia-zaruba
das Tier angeblich gewesen sein mag. Sich mit einer Elefantenherde oder gar einem Flußpferd anzulegen. Ich hab da meine zweifel. Oder gab es damals noch keine Zebras, Gazellen und andere Kleintiere ?
Die Lebensfülle vielleicht verkannt und größere Fleischfresser vermute ich eher als überwiegende Aasfresser aber mit Möglichkeit dem Muss gerecht werden zu können aus Energiespargründen?

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Ruhrsteiner 25.04.2019, 23:12
6. Es wäre nett gewesen, wenn oben darauf hingewiesen...

worden wäre, dass es sich um einen Hyaenodonten (Hyaenodonta), ein sogenanntes "Scheinraubtier", das systematisch/stammesgeschichtlich nicht näher mit modernen Raubtieren (Carnivora) wie zum Beispiel Großkatzen (Panthera) inklusive Löwen verwandt war. Und Gigantismus wie bei diesem riesigen Hyaenodonten genau wie bei Andrewsarchus mongoliensis - wieder aus einer anderen "Scheinraubtier -Familie, aber aus der weiteren Huftierverwandtschaft im asiatischen Alttertiär - lässt noch keine Schlussfolgerungen auf die Größe der Beutetiere zu, solange das nicht fossil nachgewiesen ist (vorzugsweise entsprechende Zahnabdrücke in Knochen fossiler Beutetiere).

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