Forum: Wissenschaft
Pharmatests in der DDR: "Das waren Geschäfte mit einem diktatorischen Staat"
SPIEGEL ONLINE

Westliche Pharmakonzerne haben in der DDR massenhaft Pillen getestet. Ein Team um den Medizinhistoriker Rainer Erices stellt nun eine erste Bestandsaufnahme vor. Demnach wurde ein Teil der Versuche von Stasi-Spionen organisiert.

Seite 1 von 2
juergw. 03.11.2014, 16:27
1. Unglaublich..

Stasi Spione haben Westliche Pharmakonzerne genötigt,
in der DDR ihre Pillen an deren Bewohner zu testen.
Wieder etwas neues aus dem Unrechtsstaat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
StFreitag 03.11.2014, 16:28
2. Soweit ich

mich erinnere, waren diese Versuche weithin bekannt. Es war bekannt, daß es in einigen Krankenhäusern "Westmedikamente" gab, die "ausprobiert" wurden, was man wohl auch ablehnen konnte. Ich erinnere mich deutlich an Gespräche mit diesem Inhalt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bumminrum 03.11.2014, 17:03
3. hier fehlt doch die

zweite Seite völlig. Wenn neue Medikamente erprobt werden können doch auch die Patienten einen Nutzen haben. Das ist ja das Ziel der Untersuchungen. Nur auf Menschenversuche und Devisen abzuheben wird den Fakten überhaupt nicht gerecht. Das ist wie immer nur eine einseitige Sichtweise.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brille000 03.11.2014, 17:09
4. Wer hat davon provitiert?

Nun, von westlicher Seite aus natürlich die entsprechenden Pharmakonzerne. Auf DDR-Seite gab es aber solche nicht, es konnten keine Einzelpersonen daran unmittelbar verdienen, wie es hier möglich gewesen wäre. Der Erlös floss in's Staatssäckel und kam dadurch allen zu Gute. Man sollte sich aber schon mal ans eigene Näschen fassen, wenn es um Missbrauch von Patienten geht. In Oldenburg läuft gerade ein Prozess gegen einen mutmasslichen Massenmörder, auf dessen Konte über 200 Morde gehen könnten. Als Pfleger hatte dieser seine Opfer totgespritzt, was keinem aufgefallen war. Schaut doch mal hier vorbei ... .

Beitrag melden Antworten / Zitieren
never-stop 03.11.2014, 17:27
5. Reicht es dann mal -

- mit gruseligen DDR-Kamellen?
Rot-Rot-Grün kommt trotzdem!
Die aktuelle Aufregung und Betriebsamkeit bis hinauf zum BuPrä verstehe ich auch nicht ganz, denn es gab doch schon Linke in Landes-Regierungen. Der Ministerpräsident hat auch keine diktatorischen Vollmachten. Weil jetzt die Grünen mit von der Partie sind? Keine Angst, die sind schon so staatstragend wie die FDP.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
paulkramer 03.11.2014, 17:35
6. Westdeutsche Pharmaunternehmen mussten

ostdeutsche Patienten auf Druck der Stasi als Versuchskaninchen missbrauchen. Hätten die Pharmaunternehmen sich geweigert, drohte die Stasi, keine Devisen (D-Mark) zu nehmen. Diesem Druck waren die Pharmaunternehmen nicht gewachsen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Jasper Fetherstone 03.11.2014, 17:38
7. Gruselig

Zitat von never-stop
Reicht es dann mal mit gruseligen DDR-Kamellen? Rot-Rot-Grün kommt trotzdem!
Und das ist wohl gruselig genug. Nee, falsch, Grün allein ist bereits gruselig genug.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mr_stagger_lee 03.11.2014, 18:05
8. Nutzen?

Mich würde interessieren ob die getesteten Medikamente auch in dir DDR exportiert wurden oder ib die DDR bzw. allierte Staaten Nachamermedikamente dazu auf den eigenen Markt brachten (Patentschutz?). Wurde neben den Kosten ( Devisen) und Nebenwirkungen auch Nutzen für DDR Patienten berichtet, vielleicht weil "neuen Westmedikamente" besser waren als das was in den Ostblockstaaten produziert wurde? Vielleicht gibts ja auch einen zweiten Teil des Artikels. Ich denke ansonsten gab es schon ähnliche Erkenntnisse von entsprechenden voran gegangenen Untersuchungen. Man darf nicht vergessen dass auch in der BRD zu der Zeit ähnliche Tests durch geführt wurden, die was die Patientenaufklärung und Standarts allgemein angehen weit weit unter lege artis 2014 lagen. Die 12. Novelle des AMGs hat dies erst grundlegend geändert...nur mal so.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
minsch 03.11.2014, 18:11
9.

Zitat aus Artikel: "Trotz umfangreicher Suche in den Akten haben wir keine einheitlichen Formulare dafür gefunden, die auch heute noch beweisen, bei Test X wurde Patient Y umfassend aufgeklärt. Nur ist das aus wissenschaftlicher Sicht kein Beweis, dass die Dinge unethisch abliefen. "

Diese Aussage ist mit allem Respekt gesagt Bullshit. Wenn eine Versuchsperson nicht aufgeklärt wurde, dann ist sie zum Objekt von Medizinversuchen gemacht worden, denn sie kann sich nicht frei entscheiden, ob sie in diese Verletzung des Kerns ihrer Grund- und Menschenrechte einwilligt oder nicht, und Menschen zum Objekt zu machen, ist eine Verletzung von deren Menschenwürde, egal, ob man dies aus ethischer oder juristischer Sicht beurteilt: Wer Menschen zum Objekt fremden Handelns macht, handelt weder ethisch noch im Sinne der Menschenrechte rechtmäßig. Genau genommen passiert in solchen Fällen etwas ähnliches wie ein Betrug, denn der Patient wird von seinem Arzt über die Tatsache getäuscht, dass seine Behandlung nicht nur seiner Genesung dient, sondern er im Rahmen der konkret vorgenommene Behandlungsmethode den Status eines Kaninchens oder einer Laborratte hat: Die fragt man vorher nämlich auch nicht, ob sie am wissenschaftlichen Versuch teilnehmen wollen. So ähnlich wie Betrug deshalb, weil der Strafbestand nur die Verletzung des Vermögens des Opfers, aber nicht die Verletzung von Leib und Leben bestraft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2