Forum: Wissenschaft
Plan für neues Erdzeitalter: Epochaler Irrtum
NASA

Leben wir bereits im Anthropozän? Aktivisten, Künstler und Forscher fordern, ein neues Erdzeitalter auszurufen - der Mensch habe den Planeten entscheidend verändert. Sie irren.

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alex300 27.09.2016, 15:16
1. Aber natürlich leben wir längst im Antropozän

Die Atomexplosionen haben allerdings wenig damit zu tun.
Sondern eher die Agrarwirtschaft.
Fast alle freien Flächen dieses Planeten sind vom Mensch benutzt. Bald reichen sie nicht mehr aus, um die Abermilliarden unserer Spezies zu ernähren. Die Wälder werden ausgerottet. Der Dünger verseucht den Boden und die Ozeane. Der Müll bildet eine ganze Schicht - in Europa schon seit 2000 Jahren ("Kultrurschicht").
Ja, es ist Antropozän.

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Putin-Troll 27.09.2016, 15:19
2. Vorschlag

Lassen wir doch die Geologen in 10.000 Jahren darüber entscheiden, die können es besser beurteilen.

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zeichenkette 27.09.2016, 15:33
3. Missverstanden...

Es ist doch völlig egal, in welches Jahr man die Grenze legt, denn kein geologisches Zeitalter ist so genau datiert, tausend Jahre mehr oder weniger spielen da keine Rolle. Dass das einen Abschnitt mit dramatischen Änderungen markiert, ist aber offensichtlich. Der Name ist da nur ein Name, aber ein passender, weil dieser Zeitabschnitt nämlich bestimmt ist von weltweiten Veränderungen ausgelöst durch eine ganz bestimmte Tierart (Menschen). Man könnte es auch anhand von Technologie benennen anstatt nach dem Menschen, wenn das irgendwem hilft... Irgendwie komisch, dass der Mensch seine Fähigkeiten zu gewollten Änderungen der Welt so leicht überschätzt und seine Fähigkeit für versehentliche Änderungen so sehr unterschätzt.

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deka88 27.09.2016, 15:52
4. Atommüll

Spätestens, wenn nachfolgende Zivilisationen unseren Atommüll finden, werden sie das Zeitalter des dummen gierigen Menschen ausrufen. Letztens gabs auf 3sat einen Themaenabend genau zu dazu (also zum Anthropozän), war sehr informativ. Gefiel mir zumindest besser als dieser Artikel, der sein Hauptaugenmerk eher um den Begriff an sich bemüht und die paar Wissenschaftler, die sich darum streiten, als um die einschlagenden Veränderungen, die der Mensch den Planeten auferzwingt

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Celegorm 27.09.2016, 15:54
5.

Zitat von zeichenkette
Man könnte es auch anhand von Technologie benennen anstatt nach dem Menschen, wenn das irgendwem hilft...
Nein, das hilft nicht, weils am entscheidenden Problem vorbei geht: Für ein geologisches Zeitalter braucht es nun einmal handfeste geologische Kriterien, also die erwähnten nachweisbaren Schichten. Dafür gibt es aber letztlich keine wirkliche Basis. Die im Artikel und in den Kommentaren genannten Kriterien sind hingegen fast durchwegs "weich" und nicht-geologisch. Die Idee das "Anthropozäns" ist darum ein nettes Konzept, aber eben kein geologisches, sondern wie erwähnt primär ein politisches. Das ist auch ok so, aber es ist effektiv nicht plausibel, wieso man der Geologie solch ein politisch motiviertes Buzzword hochoffiziell aufzwingen will. Der Begriff kann stattdessen, wie dargelegt wurde, einfach als informelle Epoche verwendet werden in Zusammenhängen, in denen dies Sinn macht.

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erwachsener 27.09.2016, 15:58
6. Zeitalter und Schichtgrenzen

Geologisch gesehen ist die bislang verstrichene Dauer des "Anthropozän" mikroskopisch kurz - Es ist eher mit der Kreide-Tertiär-Grenze zu vergleichen als mit der Kreide oder dem Tertiär selber. Die sämtlichen Effekte, welche als Beleg aufgeführt werden, seien es radioaktive Ablagerungen oder Bergwerksschächte, sind unzureichende Argumente. Bergwerksschächte sind eine neue Form von Fossilien. Der radioaktive Niederschlag ist lediglich ein Zeitmarker, etwa so wie die Laacher-See-Vulkanasche, die in weiten Teilen Europas zu finden ist und zur Datierung benutzt wird, die aber keinesfalls ein "Laacherseerian" einleitet.

Das Anthopozän ist ein seltsamer Fall, wo Außenstehende versuchen den Geologen vorzuschreiben, wie sie ihre Arbeit zu machen haben.

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muellerthomas 27.09.2016, 15:58
7.

"Die meisten Umweltveränderungen, die als Beleg für das Anthropozän genannt werden, hatten zum Zeitpunkt der Atombombenexplosionen längst begonnen""

Also die gleichen Geologen, die sonst in Jahrmillionen denken, verwehren sich nun gegen den Begriff, weil 1950 als exaktes Jahr nicht richtig ist, sondern eher um 1800 korrekt wäre? Welches geologische Zeitalter kann denn exakt auf ein Jahr oder auch nur auf ein Jahrtausend benannt werden?

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s.werner 27.09.2016, 16:05
8. Was ist Wissenschaft?

"Die Sorge vor kritischen Medienberichten wegen einer möglichen Zurückweisung des Modeworts fühle sich an, als ob er in einem Leuchtturm sitze, auf den ein Tsunami zurolle" Genau an diesem letzten Zitat sieht man schon, wer sich letztlich durchsetzen wird: Die realistische und auf Beweisen basierende Naturwissenschaft zieht gegen die stets rabiat argumentierenden, gesinnungsorientierten Gesellschaftswissenschaftler in Verbund mit sensationsheischenden Medien und politischen Aktivisten den Kürzeren. Genauso dürften sich vor 25 Jahren auch die seriösen Klimawissenschaftler gefühlt haben, als sie die Theorie der anthropogen verursachten, CO2 basierten Erderwärmung als keinesfalls hinreichende Erklärung für die höheren Temperaturen deklarieren wollten. Umwelt- und Politaktivisten werden daraufhin entsprechend vorgegangen sein. Der Unsinn des Begriffs "Anthropozän" ist zwar im Artikel hinreichend belegt, aber was interessiert das schon, wenn man politische und finanzielle Vorteile damit erzielen kann. Mit Wissenschaft im herkömmlichen Sinn hat das alles nichts zu tun.

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großwolke 27.09.2016, 16:15
9. Nicht-Debatte

Die Debatte um ein Menschenzeitalter oder auch nicht ist völlig substanzlos, weil daraus keine realweltlichen Konsequenzen erwachsen. Geologische Phänomene der Gegenwart sich auch ohne die Benennung eines Zeitalters beobachtbar und in ihren Konsequenzen in der für die Menschheit relevanten Zeitskala (Jahrzehnte bis wenige Jahrhunderte) abschätzbar. Damit erfüllt die Wissenschaft ihren Zweck. Die Benennung von Zeitaltern können wir, wie ein Mitforist richtig bemerkt hat, den Wissenschaftlern der fernen Zukunft überlassen, die die Grenze klar erkennen können.

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